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DSC Forst „Wald“ · verborgenes Industrieerbe in der Natur
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Entdeckungen aus der Chronik Johann Christoph Schneiders

Flussgeschichte, Eisenverarbeitung, Weinbau, Kriege und der Alltag von Orten, die über Jahrhunderte eine gemeinsame Landschaft auf beiden Seiten der Lausitzer Neiße bildeten.

Titelblatt der Chronik der Stadt und Standesherrschaft Forst von Johann Christoph Schneider, Guben 1846
Titelblatt: Johann Christoph Schneider, Chronik der Stadt und Standesherrschaft Forst vor und nach der Vereinigung mit der Standesherrschaft Pförten, Guben 1846, bei Eduard Berger, Druck von F. Fechner. Der Stiftung übergebene Reproduktion; digitales Exemplar in der Bayerischen Staatsbibliothek / beim Münchener DigitalisierungsZentrum.

Über die Quelle

Diese Darstellung beruht auf Johann Christoph Schneiders Chronik der Stadt und Standesherrschaft Forst vor und nach der Vereinigung mit der Standesherrschaft Pförten, erschienen 1846 in Guben bei Eduard Berger, gedruckt von F. Fechner. Sie ist die deutsche Fassung einer polnischsprachigen Aufbereitung ausgewählter Berichte des Chronisten, keine vollständige oder wörtliche Übertragung des gesamten Buches. Historische Ortsnamen wurden beibehalten, wo sie die Identifizierung erleichtern.

Der Fluss, der die Besiedlung prägte

Die heutige Staatsgrenze durchschneidet eine Landschaft, die über Jahrhunderte als zusammenhängender Wirtschafts- und Sozialraum funktionierte. Forst, Berge, Scheuno und die benachbarten Siedlungen waren durch Straßen, Brücken, Mühlen, Felder, Kirchen und Besitzverhältnisse miteinander verbunden. Im Mittelpunkt dieser Geschichte stand die Lausitzer Neiße. Ihr Wasser trieb gewerbliche Anlagen an, gefährdete bei Hochwasser jedoch Gebäude und Felder.

Schneider führt eine ältere Überlieferung an, nach der um 1380 unweit von Scheuno, an der Stelle der späteren Neuen Mühle und des großen Eisenhammers, ein großes Wehr errichtet und ein neues Flussbett gegraben wurde. Das zu den Schlössern und zur Stadt geleitete Wasser sollte die Mühlen versorgen und zugleich die Verteidigungsfähigkeit von Forst stärken. Auch Dämme und Gräben wurden ausgebaut. Der Chronist beschreibt ihren Verlauf durch die Gegend von Altforst, die Koinschen Felder und die ehemaligen städtischen Weinberge.

Diese Bauten beseitigten die Gefahr jedoch nicht. Bei der großen Überschwemmung am 18. August 1595 durchbrach das Wasser den Damm am sogenannten tiefen Graben und breitete sich in Richtung Eulo aus. In den folgenden Jahrhunderten zerstörten Eisstau und Hochwasser Brücken, schnitten Siedlungen ab und unterbrachen den Mühlenbetrieb. 1655 riss das Eis unter anderem die Brücken auf dem Weg nach Scheuno sowie beim Hammer und bei der Ziegelei fort; auch Berge wurde überflutet. Eine ähnliche Katastrophe im Juli 1703 zerstörte erneut die Brücke nach Scheuno, die Brücke an der Ziegelei und weitere Übergänge. Das Wasser drang sogar auf den Friedhof vor und beschädigte Gräber.

Der große Eisenhammer an der Neiße

Zu den interessantesten Anlagen der früheren Industrielandschaft gehörte der Neißhammer, ein Hütten- und Schmiedewerk, das die Wasserkraft nutzte. Die Chronik verortet ihn bei der Neuen Mühle oberhalb von Forst, unweit von Scheuno. Es handelte sich nicht bloß um die kleine Werkstatt eines Dorfschmieds. Schneider zufolge verfügte das Werk über zwei Schmelzeinrichtungen und eine Schmiede. Zur genannten Belegschaft gehörten ein Hüttenschreiber oder Hüttenbeamter, ein Hammermeister, ein Schmied, zwei Schmelzer, drei mit der Beschickung beschäftigte Arbeiter, vier Arbeiter zur Rohstoffgewinnung und zwei Köhler.

Auch scheinbar nebensächliche Erwähnungen zeigen die wirtschaftliche Bedeutung der Anlage. Für 1617 ist die Bestrafung eines Diebes verzeichnet, der mehrere Eisenstangen aus dem Neißhammer entwendet hatte. Bei einer späteren Teilung der Güter unterlagen die Einkünfte des Werkes ebenso wie die der Mühlen weiterhin gemeinsamen Ansprüchen der Eigentümer der getrennten Herrschaftsteile. 1740 wurden der Hammer an der Neiße und der Weinberg in Scheuno unter den Bestandteilen genannt, die zu der von Heinrich von Brühl erworbenen Herrschaft Pförten übergingen.

Im 19. Jahrhundert erhielt der Standort des ehemaligen Neißhammers eine neue Nutzung. Der Chronist berichtet, dass Jeschkes seit 1821 bestehende Spinnerei aus dem Schloss und dem benachbarten Fabrikgebäude auf das Gelände des ehemaligen Hammers neben der Neuen Mühle verlegt wurde. Dies zeigt die Kontinuität eines Gewerbestandorts: von der durch Wasserkraft unterstützten Eisenherstellung bis zur sich mechanisierenden Textilindustrie.

Der Weinberg von Scheuno

Vor der modernen Industrialisierung war die Umgebung von Forst auch eine Weinbaulandschaft. Schneider erinnert daran, dass die örtlichen Weinberge den Dreißigjährigen Krieg noch überstanden, danach aber allmählich verschwanden. Eine bemerkenswerte Ausnahme war der herrschaftliche Weinberg bei Scheuno, der zu Lebzeiten des Chronisten noch bestand, wenn auch erheblich kleiner als früher.

Nach Überlieferungen aus der Biebersteinschen Zeit wurden bisweilen mehr als hundert Viertel Wein im Jahr gewonnen; ein beträchtlicher Teil wurde in Forst verkauft. Die Chronik bewahrt außerdem eine Anekdote über die Jahrgänge 1592 und 1602 vom Scheunoer Berg: Bei einem Festmahl 1613 tranken die Teilnehmer diesen Wein viele Stunden lang. Einer der Adligen stieß nach dem Verlassen des Hauses mit dem Kopf gegen eine Mauer und starb. Es handelt sich um eine vom Autor wiedergegebene Begebenheit aus dem Alltagsleben, nicht um einen Beleg für eine genaue Produktionsmenge.

Im Weinbau arbeiteten vier Winzer. Sie erhielten Geldlohn und umfangreiche Naturalien, darunter Butter, Getreide, Bier, Käse, Salz, ein Schlachttier sowie Gemüseparzellen. Die detaillierte Liste zeigt, dass der Weinberg ein organisierter, dauerhaft zu bewirtschaftender Betrieb war und nicht nur eine kleine Pflanzung am Haus. Die Bezeichnungen Weinberg und Scheuno’scher Weinberg sind deshalb wichtige Hinweise für Untersuchungen alter Karten, Gutsgrenzen und Geländespuren.

Kriege in Berge und Scheuno

Im Dreißigjährigen Krieg erlebte die Gegend wiederholt Truppendurchzüge und Einquartierungen. Im August 1626 erreichten große kaiserliche Truppenverbände Wallensteins Forst. Die Chronik verbindet ihren Durchzug mit schweren Belastungen der Nachbardörfer und beschreibt für die Zeit nach dem Abzug eine Epidemie und einen verheerenden Stadtbrand. Als Wallenstein am 20. August 1627 zurückkehrte, reichten die Quartiere in den Gebäuden nicht aus. Ein Teil der Soldaten lagerte zwischen Berge und Scheuno; die Stadtbewohner sollten sie mit Speisen und Getränken versorgen.

Ebenso dramatisch war das Jahr 1642. Der Chronist erwähnt Räuber, die aus Richtung Guben kamen und die Neiße zwischen Jahnsdorf und Berge überschritten. In den Kriegsjahren flohen die Menschen mit ihrer Habe und verloren Tiere, Lebensmittel und Urkunden. 1645 griff ein in Forst ausgebrochener Brand auch auf Berge über und zerstörte den größten Teil des Dorfes. Erhalten blieben unter anderem zwei herrschaftliche Vorwerke, das Pfarrhaus, einige weitere Häuser, die Mühle und die Dorfkirche. Schneider verzeichnet für diese Zeit außerdem ein tragisches Ereignis: Ein Mädchen aus Scheuno soll einem Wolf zum Opfer gefallen sein.

Sorbische Gemeinden und der Alltag der Bewohner

Berge und Scheuno waren nicht nur Punkte auf einer Besitzkarte. Die Chronik beschreibt sie wiederholt als Gemeinschaften, die am religiösen Leben, an der Unterhaltung der Kirchen und an der örtlichen Wirtschaft beteiligt waren. Auf dem früheren Friedhof vor dem Mühlentor stand die Kapelle St. Gotthard, die mit den Bewohnern von Berge, Scheuno und der Mühlvorstadt verbunden war. Schneider nennt eine Überlieferung, nach der sie um 1300 entstanden sei. Diese Angabe ist als chronikalische Nachricht und nicht als gesichertes Gründungsdatum zu behandeln.

1653 wurden die Bewohner der umliegenden Dörfer zu Beiträgen für neue Glocken verpflichtet. Die Höhe der Zahlung richtete sich nach ihrer wirtschaftlichen Stellung: Vollbauern, Gärtner und kleinere Besitzer zahlten unterschiedliche Beträge. Besonders aussagekräftig ist ein Vorgang vom Anfang des Jahres 1660. Sorbische Gläubige aus Koine, Scheuno, Berge, Altforst und den umliegenden Höfen baten darum, die Nachmittagsgottesdienste in ihrer Kirche wieder aufzunehmen. Ihr Gesuch wurde abgelehnt; die Gottesdienste kehrten erst viele Jahre später zurück. Der Bericht belegt eine eigenständige sprachlich-religiöse Gemeinschaft, die ihre religiöse Praxis zu bewahren versuchte.

Das Wirtschaftsleben der Dörfer unterlag den Regelungen der Gutsherren und städtischen Zünfte. Ein Brauvertrag von 1657 räumte den Forster Bürgern das Recht ein, unter anderem Berge und Scheuno mit ihren Vorwerken, Mühlen und Schäfereien mit Bier zu beliefern. Als 1729 versucht wurde, dort Bier aus Pförten zu verkaufen, stieß dies auf Widerstand. Solche Auseinandersetzungen verdeutlichen die Verflechtungen eines örtlichen Marktes, der weit über die heutigen Stadtgrenzen hinausreichte.

Brände, Stürme und verlorene Bausubstanz

Für das 19. Jahrhundert enthält die Chronik eine erschütternde Reihe von Katastrophen. Am 18. Mai 1810 erfasste ein Brand in Berge die Anwesen von sechs Bauern, fünf Gärtnern, acht kleineren Besitzern und fünf Einliegern oder Bewohnern kleiner Häuser. Eine Frau und zwei Kinder starben in den Flammen. Bei einem schweren Unwetter am 25. Mai 1830 warf der Wind im Dorf zwei Scheunen um und zerstörte auf dem örtlichen herrschaftlichen Vorwerk einen Stall. Acht Ochsen wurden getötet; ein neuntes Tier musste später getötet werden.

Ebenso schwer traf Scheuno der Brand vom 4. Juni 1833. Er zerstörte die Anwesen von sieben Bauern, einem Halbbauern, zwei Gärtnern und einem kleineren Besitzer. Zwei Menschen kamen ums Leben. Zusammen mit den früheren Überschwemmungen und Kriegen zeigen diese Berichte, wie häufig die Ortslandschaften neu aufgebaut werden mussten. Dass alte Gebäude heute fehlen, bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass es dort zuvor keine umfangreiche Siedlung gegeben hat.

Ortsnamen und die Erinnerung an den Ort

Am Ende seines Werkes befasst sich Schneider mit alten slawischen Namen. Er erläutert, dass die deutschen Namen Berge, Buchholz und Erlenholz Übersetzungen älterer sorbischer Namen seien, ohne dabei deren vollständige Entsprechungen anzugeben. Für Scheuno nennt er außerdem die als „Broscheinze” wiedergegebene Form und räumt ein, dass die damaligen Gewährsleute ihre Herkunft nicht erklären konnten. Diese Schreibweise ist als historisches Zeugnis des Namensklangs und nicht als endgültige etymologische Erklärung zu verstehen.

Schneiders Chronik zeigt das frühere östliche Neißeufer somit nicht als bloßen Rand von Forst, sondern als einen von Arbeit, Anbau, Gewerbe und Ereignissen erfüllten Raum. Eisenhammer, Weinberg, Brücken, Mühlen, Vorwerke und Kirchen verbanden Berge und Scheuno mit der Stadt. Die gesammelten Angaben bilden einen Ausgangspunkt für die weitere Identifizierung der Orte auf alten Karten, in Archivunterlagen und im Gelände. Die Darstellung betrifft vor allem die Zeit bis 1846; ihre Aussagen dürfen nicht unmittelbar auf die Geschichte der Fabriken und Lager des 20. Jahrhunderts übertragen werden.

Historische Quelle

Johann Christoph Schneider, Chronik der Stadt und Standesherrschaft Forst vor und nach der Vereinigung mit der Standesherrschaft Pförten, Guben 1846, bei Eduard Berger, Druck von F. Fechner. Digitales Exemplar: Bayerische Staatsbibliothek / Münchener DigitalisierungsZentrum. Digitalisat der Chronik öffnen.

Bearbeitung der Stiftung Rokita. Der Text beruht auf der Auswertung des digitalen Scans unter Berücksichtigung möglicher Fehler bei der automatischen Erkennung der historischen Druckschrift. Anekdotische Überlieferungen und Traditionen zu Ortsnamen werden als Berichte des Chronisten dargestellt.

Quellen und Hinweise

  1. Johann Christoph Schneider: Chronik der Stadt und Standesherrschaft Forst vor und nach der Vereinigung mit der Standesherrschaft Pförten

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