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DSC Forst „Wald“ · verborgenes Industrieerbe in der Natur
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Jürgen Scholz · Lesesaal

Der Lesesaal umfasst alle 151 Seiten der Hauptarbeit. Sie können eine Seite auswählen, nach Namen und Begriffen suchen, den gesamten Text anzeigen und die Sprache unter Beibehaltung derselben Quellenseite wechseln.

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1. Einleitung Die Vielfalt an regional- und unternehmenshistorischen Studien zur Zwangsarbeit ist mittlerweile fast unüberschaubar geworden.1 Warum noch eine Betrachtung mehr? Der Ausländereinsatz in den Kriegsjahren bleibt für die meisten Menschen so lange abstrakt, wie er nicht in ihrem Umfeld nachvollziehbar wird. Zu Beginn der Recherche, die mit einer Hausarbeit begann, die unter dem Vorbehalt der „Spurensuche“2 stand, wurde deutlich, dass sich mit dem Schicksal der ausländischen Arbeiter in der ehemaligen Textilindustriestadt Forst in den vergangenen sechs Jahrzehnten niemand wissenschaftlich beschäftigt hatte. Die Information um den Ausländereinsatz beschränkte sich meist auf persönliche Erfahrungen oder die Erzählung darüber. Der tatsächliche Umfang des Ausländereinsatzes blieb in der Stadt Forst dem Einzelnen verborgen. Diese Betrachtung beschränkt sich geographisch auf den Ausländereinsatz von 1939 bis 1945 in den heutigen Grenzen der Stadt Forst (Lausitz).3 Forst liegt im Südosten des Landes Brandenburg an der Lausitzer Neiße und ist heute Kreisstadt des Landkreises Spree-Neiße (SPN). Mit Beginn der Industrialisierung wurde Forst zum dominanten Textilzentrum in der Lausitz. 1897 wurde Forst Stadtkreis und war umgeben vom Kreis Sorau. Administrativ gehörten beide Gebietskörperschaften zum Regierungspräsidium Frankfurt/Oder und damit zur Provinz Brandenburg. Der Stadtkreis Forst hatte 1939 fast 38.000 Einwohner4, wuchs durch Eingemeindungen der Dörfer Eulo, Noßdorf, Keune, Domsdorf und Scheuno 1940 um rund 2700 auf 4200 Hektar Fläche, auf der 44.635 Einwohner lebten. Heute umfasst das Stadtgebiet fast die dreifache Fläche (etwa 110 Quadratkilometer) mit den „neuen“ Ortsteilen Bohrau, Briesnig, Sacro, Mulknitz und Naundorf im Norden, Groß Bademeusel und Klein Bademeusel im Süden und Groß Jamno sowie Klein Jamno im Westen. Die Einwohnergröße beträgt heute etwa 24.000 Einwohner. Durch die Grenzziehung an der Neiße nach dem Zweiten Weltkrieg liegen die ehemaligen Forster Ortsteile 1 Spoerer, Mark: Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz – Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939 - 1945, Stuttgart/München, 2001, S. 9 2 Die Hausarbeit im Rahmen des Weiterbildungsstudiums am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften der FU Berlin, Studienrichtung Journalistenkolleg, im Sommersemester 2001, trug den Titel „Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in der Stadt Forst (Lausitz) und Umgebung – eine Spurensuche“. 3 Nähere Angaben in der Anlage A 4 Hübner, Peter: „Durchhalten“ und „Durchkommen“ – Niederlausitzer Industriearbeiter im Jahre 1945; in: Stang, Werner (Hg.) und Arlt, Kurt: Brandenburg im Jahr 1945, Potsdam, 1995, S. 140. Hübner schreibt von 37.975 Einwohnern im Jahr 1939. Mit Verweis auf die Volkszählung vom 17. Mai 1943 verweist Hartmut Ritschel auf eine Einwohnerzahl von 37.868; in: Ritschel, Hartmut: Zeitreise durch die Geschichte der Stadt Forst (Lausitz) – Eine Chronik in Daten, Forst, 1999, S. 27

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Scheuno und Berge nun auf polnischem Territorium und heißen Brozek und Zasieki. Beide Orte sind Bestandteil dieser Arbeit, da bei Scheuno am Werk der Deutschen Sprengchemie das wahrscheinlich größte Ausländer-Lager im Stadtkreis Forst lag. In Berge lag ein Ostarbeiterlager für Familien, auf das noch eingegangen wird. In dieser Arbeit wird auch auf Daten des ehemaligen Kreises Sorau eingegangen. Die Gründe liegen vor allem im allgemein schlecht erhaltenen Quellenbestand und der enklaven Lage des Stadtkreises Forst im Kreis Sorau, aus dem im April 1940 einige Orte nach Forst eingemeindet wurden. Um den Umfang des Ausländereinsatzes in der Landwirtschaft zu berücksichtigen, hätte es nicht ausgereicht, sich allein auf die industriell geprägte Stadt zu beziehen. Ein weiterer Grund liegt im Zuständigkeitsbereich des Arbeitsamtes Forst, das für die Vermittlung der ausländischen Arbeitskräfte im Stadtkreis Forst und im Kreis Sorau zuständig war.5 Ausgehend von der dürftigen Quellenlage, auf die noch konkreter eingegangen wird, konnte an einigen Stellen nicht darauf verzichtet werden, Aussagen von Zeitzeugen zu berücksichtigen, um Lager- und Arbeitsorte von Ausländern zu lokalisieren oder Angaben zu konkretisieren.6 Ansonsten hätte die Gefahr bestanden, dass ausgehend von der Regel „Quod non est in actis, non est in mundo“, 7 eine lückenlose Nachzeichnung der Ereignisse nicht möglich gewesen wäre oder teilweise nicht hätte verdichtet werden können. Eine wesentliche Quelle für eine Hauptintention dieser Arbeit, die tatsächlichen Lebensumstände von Ausländern während des Krieges in Forst zu ermitteln, fehlt allerdings: Erinnerungen aus der Opferperspektive. Leider war es bisher nicht möglich, Aussagen von ehemaligen Zwangsarbeitern zu erhalten.8 5 StadtA Forst, 3145, Bl. 10f. Zum Arbeitsamtsbezirk Forst gehörten nach einer Auflistung vom 6.11.1928 die Amtsgerichtsbezirke Forst, Sorau, Pförten, Triebel und Sommerfeld. Über eine Gebietsneustrukturierung danach ist nichts bekannt. Siehe im Anhang: Karte der Arbeitsamtsbezirke aus dem BArch-MA Freiburg. 6 Nach einem Aufruf über einen Artikel in der Lokalausgabe Forst der Tageszeitung Lausitzer Rundschau meldeten sich fünf Zeitzeugen, ausnahmslos Frauen. Andere Zeitzeugen lehnten teilweise Interviews ab. In der Arbeit wird wegen der dürftigen Quellenlage an einigen Stellen auf Zeitzeugenaussagen verwiesen, die bereits an anderer Stelle publiziert wurden, sich aber größtenteils nur am Rande zu ausländischen Arbeitskollegen oder Ausländern, mit denen sie Kontakt hatten, äußerten. 7 Das Problem des Fehlens von einschlägigen und einsehbaren Quellen für eine lückenlose Nachzeichnung historischer Ereignisse beschreibt Wolfgang Wippermann in seinem Beitrag „Kirche im Krieg“ in: Schuppan, Erich (Hg.): Bekenntnis in Not, Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg im Konflikt mit dem totalen Staat (1933 – 1945), Berlin, 2000, S. 326 8 Eine Anfrage beim International Tracing Service ITS (Internationalen Suchdienst) in Bad Arolsen ergab bisher keine Antwort. Inwiefern bei Flüchtlings-, Kriegsgefangenen-, Zwangsarbeiter- oder jüdischen Institutionen noch Zeitzeugenaussagen vorliegen muss an dieser Stelle offen bleiben.

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In dieser Arbeit sollen insgesamt sieben Thesen behandelt werden: 1. Forst war wegen der industriellen Struktur und durch den Bau der Pulverfabrik der Deutschen Sprengchemie ein Zentrum des Ausländereinsatzes in der südöstlichen Mark Brandenburg. 2. Bedingt durch die politisch-moralischen Vorgaben in der DDR9 gab es in Forst keine Aufarbeitung des Ausländereinsatzes. Die damit verbundenen Einstellungen wirkten auch in der Zeit nach der Wiedervereinigung nach. 3. Das Fehlen detaillierter Primär-Quellen sowie die abnehmende Zahl von Zeitzeugen erschweren eine Aufarbeitung der Umstände des Ausländereinsatzes in Forst. 4. Ulrich Herbert stellte die These auf, dass die Lebensbedingungen der ausländischen Arbeitskräfte u.a. abhängig von Orts- und Betriebsgröße sowie dem Gestaltungsspielraum lokaler Machthaber und Institutionen waren. 10 Mark Spoerer bezog auch den Aspekt der Einstellungen der Bevölkerung ein, um Unterschiede bei der Behandlung ausländischer Arbeitskräfte zu begründen. 11 Von beiden Thesen ausgehend, müsste Forst als eher ländlich geprägter Industrieraum mit einer bürgerlich und sozialdemokratisch/kommunistisch geprägten Bevölkerungsstruktur günstigere Voraussetzungen und Überlebenschancen für Zwangsarbeiter geboten haben. 5. Es gab Widerstandbestrebungen von Ausländern in Forst, die über den Versuch, zu überleben, hinausgingen. 6. Ausgehend von polnischen Publikationen wird der These nachgegangen, dass allein im Bereich der Deutschen Sprengchemie Forst über 2000 Todesopfer unter den Ausländern zu beklagen waren. 7. Der westlich gelegene Teil der Stadt Forst war nach dem Ende der Kämpfe ein zentraler Sammelpunkt für „Displaced Persons“ in der sowjetischen Besatzungszone. 9 Demps, Laurenz: Das Thema Zwangs- und Fremdarbeit in der DDR-Historiographie – Eine Skizze, in: Scholze-Irrlitz, Leonore und Noack, Karoline (Hg.): Arbeit für den Feind – Zwangsarbeiter-Alltag in Berlin und Brandenburg (1939 – 1945), Berlin, 1998, S. 142 10 Herbert zählt dazu auf regionaler Ebene Gauleiter, Rüstungskommandos und Wirtschaftsverbände, auf lokaler Ebene die Ortsbauernführer, die Ausländerbeauftragten der Fabriken, die Chefs der Gestapo-Stellen, Bürgermeister, NSDAP-Kreisleiter und die Chefs örtlicher Wirtschaftsverwaltungen oder -verbände. Innerhalb von Unternehmen konnte diese individuelle Einflussmöglichkeit bis zum Vorarbeiter hinunterreichen. Herbert, Ulrich: Zwangsarbeit im Dritten Reich. Kenntnisstand, offene Fragen, Forschungsprobleme; in: Reininghaus, Wilfried / Reimann, Norbert (Hg.): Zwangsarbeit in Deutschland 1939 – 1945: Archiv- und Sammlungsgut, Topographie und Erschließungsstrategien, Bielefeld, 2001, S. 20f 11 Spoerer, Mark: Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz – Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939- 1945, Stuttgart/München, 2001

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2. Forschungsstand 2.1 Der Arbeitseinsatz von Ausländern im Deutschen Reich 1939 –1945 Relativ früh begannen sich vor allem DDR-Historiker mit der Forschung über den Zwangsarbeitereinsatz zu befassen. Als maßgebend gilt dabei die Übersicht über die „Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft“12, in der Dietrich Eichholtz beginnend in den 1960er-Jahren allerdings ideologisierend vom Krieg des deutschen Finanzkapitals ausgeht, dessen Interessen maßgeblich für den Einsatz ausländischer Zwangsarbeiter gewesen seien. Das „Monopolkapital“ sei bestrebt gewesen, „bei notdürftigtester Unterbringung, Entlohnung und Verpflegung das Letzte an Arbeitsleistung“ aus den ausländischen Arbeitern herauszuholen;13 der Faschismus habe dies ermöglicht.14 Die westdeutsche Geschichtswissenschaft widmete sich dem Thema intensiv erst ab den 1980er-Jahren, als Ulrich Herbert seine grundlegende Arbeit vorlegte.15 Anders als Eichholtz geht Herbert allerdings davon aus, dass die Weichen für den umfassenden Ausländereinsatz auf Referentenebene des nationalsozialistischen Machtapparates gestellt worden seien und „eine der wesentlichen Voraussetzungen des von Deutschland fast sechs Jahre lang geführten Krieges“ gewesen sind. Die deutsche Wirtschaft war „alternativlos auf die Beschäftigung der ausländischen Zwangsarbeiter angewiesen“, aber ohne Initiative der einzelnen Unternehmen sei es nicht zur Beschäftigung von Zwangsarbeitern gekommen, so Herbert zur generellen Mitverantwortung der deutschen Wirtschaft.16 Auch Spoerer sieht den deutschen Staat als Hauptverantwortlichen für den Zwangsarbeitereinsatz und seine Begleitumstände, weil er die Rahmenbedingungen weitgehend unbeeinflusst vorgab. Bei den Lebensumständen der Zwangsarbeiter sei aber durchaus eine Mitverantwortung der Unternehmen und anderer lokaler Einsatzträger zu sehen.17 Ideologisch geprägt, gab es auch sich widersprechende Erklärungsansätze zur Einschätzung der Lebensverhältnisse, der Verantwortung und der Formen des Widerstandes. Nach Ansicht von Eichholtz wurden Arbeitszurückhaltung oder 12 Eichholtz, Dietrich: Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft 1939 – 1945, Band II, Teil 1, München 1999, S. 237 13 ebenda, S. 268. 14 ebenda, S. 287 15 Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländer-Einsatzes in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, basierend auf einer Dissertation unter dem Titel „Der Feind als Kollege“ aus dem Jahr 1985, hier zitiert in der Neuauflage aus dem Jahr 1999 16 ebenda, S. 431 17 Spoerer, Mark: Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz – Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939 - 1945, Stuttgart/München, 2001, S. 234f.

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Arbeitsverweigerung höchstens von Kriegsgefangenen und Offizieren der Wachmannschaften aus den Kriegsgefangenenlagern gegen „die Rüstungskonzerne“ gedeckt.18 Auf der Basis von politisch-moralischen Vorgaben wurde die Rolle der Wirtschaft in der DDR-Geschichtswissenschaft überbetont, auch um eine gefährliche Nähe von Industrie und Politik herauszustellen, die von der NS-Zeit bis in die bundesrepublikanische Gegenwart reichen sollte.19 Selbst als vom Bild des gemeinsamen Kampfes deutscher und ausländischer Arbeitskräfte zunehmend Abstand genommen wurde, war dies nicht Gegenstand einer Diskussion in der breiten Öffentlichkeit.20 Eichholtz geht vor allem von den belastenden Quellen des Reichs- und Parteiapparates aus, die im Rahmen der Nürnberger Prozesse von der Anklage verwendet wurden.21 Dies ist nach Ansicht von Herbert unzureichend, da vor allem ab 1942 die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Ausländer maßgeblich von mehreren Faktoren beeinflusst wurden, die sich auf regionaler und betrieblicher Basis unterschiedlich bemerkbar machten und von „auskömmlichen Verhältnissen und geradezu freundschaftlichen Beziehungen“ auf dem Lande bis hin zu „katastrophalen, den Verhältnissen in den Konzentrationslagern gleichenden Bedingungen“ zum Beispiel in größeren Industriebetrieben reichten, sowie von regionalen und lokalen Amtsinhabern und Wirtschaftsvertretern beeinflusst wurden oder werden konnten.22 Spoerer akzeptiert zwar die Existenz eines Stadt-Land-Gefälles,23 beobachtet auf regionaler Ebene aber auch eine „Mischung von tradierter Ausländerfeindlichkeit und Streben nach materiellem Eigennutz“, die als Differenzierungsfaktoren im Umgang mit ausländischen Arbeitern zu berücksichtigen seien.24 Während Eichholtz die These eines geplanten Masseneinsatzes von Polen vor Kriegsausbruch durch eine Aussage Hermann Görings vor dem Reichsverteidigungsrat 18 Eichholtz, Dietrich: Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft 1939 – 1945, Band II, Teil 1, München 1999, S. 289 19 Demps, Laurenz: Das Thema Zwangs- und Fremdarbeit in der DDR-Historiographie – Eine Skizze, in: Scholze-Irrlitz, Leonore und Noack, Karoline (Hg.): Arbeit für den Feind – Zwangsarbeiter-Alltag in Berlin und Brandenburg (1939 – 1945), Berlin, 1998, S. 142 20 ebenda, S. 143 21 siehe dazu auch Radandt, Hans (Hg.): Fall 6 – Ausgewählte Dokumente und Urteil des IG-Farben-Prozesses, Berlin, 1970, der insbesondere unter Heranziehung der Anklagematerialien die Verantwortung der Industrie belegen wollte. 22 Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländer-Einsatzes in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn, 1999, S. 418f 23 Spoerer, Mark: Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz – Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939 - 1945, Stuttgart/München, 2001, S. 258 24 ebenda, S. 261

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am 23. Juni 1943 bekräftigt sieht25, verweisen westdeutsche Historiker wie Herbert auf fehlende Belege für eine großangelegte Vorbereitung.26 Herbert sieht erst in der Leichtigkeit, mit der nach dem Einmarsch in Polen neben Kriegsgefangenen auch zivile Arbeiter zu rekrutieren waren, den Auftakt für einen dynamischen, aber nicht langfristig geplanten Prozess des Ausländereinsatzes in Gang gesetzt.27 Relativ nahe liegen Versuche der Quantifizierung des Ausländereinsatzes. Eichholtz geht davon aus, dass im Laufe des Krieges etwa 14 Millionen ausländische Arbeiter und Kriegsgefangene nach Deutschland kamen.28 Herbert hält eine Zahl von etwa 9,5 bis zehn Millionen ausländischen Zivilarbeitern und Kriegsgefangenen für realistisch, während die Zahl der eingesetzten KZ-Häftlinge, von denen fast jeder kurz- oder langfristig zur Zwangsarbeit eingesetzt wurde, seriös kaum schätzbar sei. Das wären weitere 2,1 Millionen ausländische Zwangsarbeiter.29 Das läuft auf eine Gesamtzahl von 11,6 bis 12,1 Millionen Zwangsarbeitern hinaus. Spoerer schätzt vorsichtig,30 dass etwa 13,5 Millionen ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Großdeutschen Reich eingesetzt wurden, von denen „mit Sicherheit 80 %, eher noch 90 % als Zwangsarbeiter angesehen werden“ könnten.31 2.1.1 Begriffsdefinitionen Begriffsbestimmungen zur Zwangsarbeit sind kompliziert und umstritten. Spoerer setzte bei dem Versuch an, zwischen freiwilligen ausländischen Zivilarbeitern und drei Gruppen von Zwangsarbeitern zu unterscheiden. Die Möglichkeit, Einfluss auf die eigenen Existenzbedingungen und Überlebenschancen zu nehmen, sei entscheidendes Kriterium zur Unterscheidung von Zwangsarbeitern gegenüber freiwillig gekommenen 25 Eichholtz, Dietrich: Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft 1939 – 1945, Band I, München 1999, S. 92; Eichholtz verweist dabei auf Dok. PS-3787, IMT, Bd. 33, S. 152ff., Sitzungsbericht des OKW (WFA) über die 2. Sitzung des Reichsverteidigungsrates am 23.6.1939, v. 10.7.1939. Demnach habe Göring angekündigt, „dass im Kriege aus den Nichtwehrwirtschaftsbetrieben im Protektorat Hunderttausende in Deutschland, in Baracken zusammengefasst, unter Aufsicht, eingesetzt werden sollen, zumal in der Landwirtschaft“. 26 Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländer-Einsatzes in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn, 1999, S. 43 27 ebenda, S. 403 28 Eichholtz, Dietrich: Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft 1939 – 1945, Band II, Teil 1, München 1999, S. 247. Eichholtz bekräftigt dabei die Schätzungen von Jürgen Kuczynski, (Lage der Arbeiter, Band 6, S. 278) und ergänzt dessen Schätzung um die in den besetzten Gebieten für die Deutschen arbeitenden Ausländer, die hier aber unberücksichtigt bleiben. 29 Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländer-Einsatzes in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn, 1999, S. 430 30 Spoerer, Mark: Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz – Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939 - 1945, Stuttgart/München, 2001, S. 219. Spoerer wies nachdrücklich darauf hin, dass die genannten Zahlen „keinesfalls alle als gesichert gelten dürfen“. 31 ebenda, S. 223. Spoerer räumt ein, dass dies die bisher auch von ihm als übertrieben hoch angesetzte Schätzung des DDR-Wirtschaftshistorikers Jürgen Kuczynski bestätigt, auf die sich Eichholtz bezogen hatte.

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Ausländern oder dienstverpflichteten Deutschen. Letztlich spricht er sich deshalb für eine Beibehaltung der zeitgenössischen Kategorisierung der ausländischen Zivilarbeiter, Kriegsgefangenen und Häftlingen aus.32 Dieser Versuch einer Kategorisierung ist umstritten. Herbert sieht mit der Formel der „Zwangsarbeit“ keine eindeutige Kategorie oder klar definierbare Gruppe bezeichnet.33 Letztendlich gab es auch ein Hierarchiegefälle unter den ausländischen Zivilarbeitern.34 „Oben“, und damit rechtlich am besten gestellt, waren Arbeiter aus verbündeten oder neutralen Staaten sowie aus den besetzten nördlichen, westlichen und südöstlichen Regionen Europas, denen die gleichen Lebensmittelrationen wie Deutschen zustanden. Geringere Löhne und Verpflegung erhielten Balten, Ukrainer und Weißrussen, die vor allem aus dem Generalgouvernement und dem Bezirk Białystok kamen; Polen waren unterhalb dieser Gruppe angesiedelt. Noch weniger Lohn, ein „Taschengeld“,35 gab es für die fünfte Gruppe, die Ostarbeiter aus der Sowjetunion. Juden und „Zigeuner“ zählten zu der untersten Gruppe, die teilweise der Vernichtung ausgesetzt war. Generell bezieht sich diese Arbeit auf den Einsatz von Ausländern. Nur in einem Fall, der Sprengchemie, ist überhaupt der Arbeitseinsatz von polnischen Juden in Forst bekannt. 2.1.2 Phasen des „Fremdarbeitereinsatzes“ Nachdem die Nationalsozialisten zunächst aus arbeitsmarktpolitischen Gründen auf ausländische Arbeitskräfte verzichteten, änderte sich dies nach 1936, als die Umsetzung des kriegsvorbereitenden Vierjahresplanes zu Arbeitskräftemangel führte.36 Versuche, mit einer Dienstpflicht ab Sommer 1938 den Einsatz von Arbeitskräften zu steuern, brachten keine Abhilfe.37 Im September 1938 gab es kaum noch nennenswerte Reserven an Arbeitskräften, obwohl der Kräftebedarf für die Rüstungsindustrie, die Fertigstellung besonderer Bauvorhaben und verstärkte Förderung der Ausfuhr nach wie vor außergewöhnlich hoch war. Das 1935 32 ebenda, S. 15ff 33 Herbert, Ulrich: Zwangsarbeit im Dritten Reich. Kenntnisstand, offene Fragen, Forschungsprobleme; in: Reininghaus, Wilfried / Reimann, Norbert (Hg.): Zwangsarbeit in Deutschland 1939 – 1945: Archiv- und Sammlungsgut, Topographie und Erschließungsstrategien, Bielefeld, 2001, S. 17 34 Spoerer, Mark: Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz – Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939 - 1945, Stuttgart/München, 2001, S. 92f 35 Heinze, Bruno: Die Beschäftigung gewerblicher ausländischer Arbeiter, in: Deutsches Arbeitsrecht, 10, S. 114f, „.... so dass nur noch ein Taschengeld von 0,30 RM pro Tag verbleibt.“ zitiert nach Spoerer, 2001, S. 158 36 Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländer-Einsatzes in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn, 1999, S. 48 37 ebenda, S. 52

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eingeführte Pflichtjahr für Mädchen, das ab 1939 für alle Frauen unter 25 Jahren galt, blieb ein Spagat zwischen Ideologie und Arbeitskräftesteuerung38 und wurde nicht ausgeschöpft.39 Vor Kriegsbeginn arbeiteten wieder 435.000 Ausländer in Deutschland,40 dennoch fehlte eine Million Arbeitskräfte. Dieser Mangel wurde durch Einberufungen zur Wehrmacht und Dienstverpflichtungen verschärft.41 In der Tschechoslowakei stand erstmals eine größere Gruppe Ausländer im deutschen Machtbereich zur Verfügung, die im Juni 1939 tendenziell außerhalb der deutschen Rechtsordnung gestellt wurde.42 Zwangscharakter bekam der Ausländereinsatz im Juli 1939, als über eine allgemeine Arbeitspflicht 16- bis 25-jährige Tschechen bis zu zwei Jahre für staatswichtige Aufgaben herangezogen werden konnten.43 Mit dem Krieg begann die zweite Phase des Ausländereinsatzes. Bis Februar 1940 mussten 294.393 polnische Kriegsgefangene für die Deutschen arbeiten, jeder Zehnte wurde in der Landwirtschaft eingesetzt. Bis Jahresende 1939 wurden auch 40.000 polnische Zivilisten eingesetzt, bei denen für 1940 ein Anwerbungspotenzial von einer Million Land- und Industriearbeiter gesehen wurde, die überwiegend in der Landwirtschaft eingesetzt werden sollten.44 Erstmals war der Ausländer-Einsatz in größerem Umfang vorgesehen, für den die ab März 1940 geltenden „Polenerlasse“ den Auftakt eines „immer geschlossener werdenden, nach Nationalitäten differenzierendem Sonderrecht für ausländische Arbeiter und die Grundlage eines umfassenden Systems der Beaufsichtigung und Repression der polnischen Arbeiter“ 45 bildeten. Kennzeichnungspflicht, Lebens-Einschränkungen und Sanktionierungsmöglichkeiten bei „Arbeitsunlust“ bildeten Kernpunkte des Verordnungspakets, das bis hin zur Todesstrafe bei Geschlechtsverkehr eines Polen mit einer Deutschen reichte. Spätestens ab April 1940 konnte nicht mehr von Freiwilligkeit bei der Rekrutierung polnischer Arbeitskräfte die Rede sein, da im GG die Arbeitspflicht in Deutschland für polnische Jahrgänge zwischen 1915 und 1925 38 Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländer-Einsatzes in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn, 1999, S. 55 39 Friedrich Syrup, Staatssekretär im Reichsarbeitsministerium, auf der 2. Sitzung des Reichsverteidigungsrates am 23.6.1939, Dok. PS 3787, IMT, Bd. 33, S153, zitiert nach Herbert 1999, S. 56 40 Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländer-Einsatzes in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn, 1999, S. 64 41 ebenda, S. 67 42 ebenda, S. 73 43 Spoerer, Mark: Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz – Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939 - 1945, Stuttgart/München, 2001, S. 41f 44 Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländer-Einsatzes in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn, 1999, S. 79f 45 ebenda, S. 88

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angeordnet wurde.46 Im Mai 1940 waren etwa 1,2 Millionen Kriegsgefangene und ausländische Zivilarbeiter in Deutschland zur Arbeit eingesetzt.47 Die dritte Phase des Ausländereinsatzes begann am 10. Mai 1940 mit dem Krieg gegen Frankreich, bei dessen Vorbereitung der intensive Einsatz von Kriegsgefangenen auch in der Industrie einkalkuliert wurde; allein die Rüstungsinspektionen hatten im Mai 1940 einen Bedarf von etwa einer halben Million Arbeitskräften ausgemacht. Zwei Monate später waren 200.000 französische und britische Kriegsgefangene in Deutschland zur Arbeit eingesetzt, vier Monate später 1,2 Millionen,48 für die zunächst zehn Arbeitsfelder außerhalb der Landwirtschaft definiert wurden.49 Im Herbst 1940 waren mehr als zwei Millionen Ausländer im Deutschen Reich beschäftigt, was etwa zehn Prozent aller Arbeitskräfte entsprach.50 Im Sommer 1941 waren fast drei Millionen ausländische Arbeitskräfte in Deutschland,51 davon 743.257 zivile Arbeitskräfte (300.000 aus den besetzten Westgebieten, 270.000 Italiener, 80.000 Slowaken und 35.000 Ungarn52). Um den NS-Rassedoktrin überhaupt noch gerecht werden zu können, unterschied ein im Januar 1941 veröffentlichter Erlass zwischen fünf Kategorien von Ausländern mit eigenen Behandlungsvorschriften sowie drei Gruppen von Polen. Regionale Verordnungen, wie beispielsweise die Polizeiverordnung im Regierungsbezirk Frankfurt (Oder), und eine verschärfte Repression schränkten insbesondere die Lebensbedingungen der Polen ein.53 Urlaubsansprüche wurden oft ebenso verweigert wie der Besuch von Gottesdiensten in örtlichen Pfarrgemeinden. Die Repression wurde bereits ab 1940 auch durch die Errichtung von „Arbeitserziehungslagern“ (AEL) verschärft, die als Straflager für Arbeitsunwillige 46 Verordnung über die Meldepflicht der Jahrgänge 1915-25 am 15. Mai 1940, nach Herbert 1999, S. 99 47 Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländer-Einsatzes in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn, 1999, S. 101, mit Verweis auf Der Arbeitseinsatz im Deutschen Reich, Nr. 1 vom 4.4.1940 48 ebenda, S. 111 49 StadtA Forst, 314, Abschrift des Runderlasses zum „Einsatz von Kriegsgefangenen in Arbeitsstellen des Reicharbeitsministers“, 10.7.1940 /V a 5135/343) 50 Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländer-Einsatzes in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn, 1999, S. 112 51 ebenda, S. 150 52 ebenda, S. 114, mit Verweis auf Bericht des OKW WiRüAmt vom 9.10.1941/Homze 53 ebenda, S. 123ff

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proklamiert wurden.54 Der Strafmöglichkeit folgte eine Welle von Beschuldigungen,55 bei denen nicht die Gerichte, sondern die Gestapo die Entscheidungsgewalt hatte.56 Widersprüchlich blieb die nächste Phase: Zunächst war der Einsatz von Russen in Deutschland nicht geplant.57 Erst im Juli 1942 gab es erste Überlegungen zum geschlossenen Kolonneneinsatz von Kriegsgefangenen, weil 400.000 Arbeitskräfte fehlten.58 Zunächst wurde im August festgelegt, dass nicht mehr als rund 120.000 sowjetische Kriegsgefangene nach Deutschland gebracht werden sollten.59 Die Pragmatiker im NS-Machtapparat setzten sich aber durch, als mit einem raschen Sieg nicht mehr zu rechnen und der Bedarf der Kriegswirtschaft auf 800.000 Arbeitskräfte gestiegen war: Am 15. Oktober wurde der bedingte, zwei Wochen später der umfassende Russen-Einsatz in Deutschland befohlen,60 wodurch Westarbeiter auf qualifiziertere Stellen versetzt werden sollten. Die ideologischen Vorbehalte fanden sich in Bestimmungen für die sowjetischen Kriegsgefangenen wieder, die „maximale Ausbeutung, denkbar schlechte Behandlung und Ernährung, Todesstrafe auch bei geringen Vergehen“ vorsahen.61 Wegen der schlechten Ernährung der sowjetischen Kriegsgefangenen war deren Arbeitseinsatz im Winter 1941 kaum möglich.62 Fast jeder Dritte der im November 1941 gemeldeten 1,58 Millionen Kriegsgefangenen starb kurz darauf.63 Angesichts des Arbeitskräftemangels wurde mit den Ostarbeitererlassen im Februar 1942 die Voraussetzung für den Einsatz von Zivilarbeitern aus dem Gebiet der Sowjetunion geschaffen, die den geschätzten Bedarf von 620.000 Personen decken sollten.64 Durch ein „Kombinationssystem aus Versprechungen, sozialem Druck und brutalem Terror“ wurden allein 1942 etwa 1,5 Millionen Menschen nach Deutschland gebracht, deren Gesundheitszustand sich bis zum Sommer 1942 bedrohlich entwickelte.65 Zwar sollten im April 1942 neben der Auflösung des Kolonnenzwangs auch die Stacheldrahtumzäunungen wegfallen und die Verpflegung verbessert werden66, doch die ohnehin unzureichenden 54 Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländer-Einsatzes in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn, 1999, S. 138f 55 ebenda, S. 138 56 ebenda, S. 141 57 ebenda, S. 156 58 ebenda, S. 159 59 ebenda, S. 160, mit Verweis auf Befehl OKW/Kgf. Vom 2.8.1941, BArch-MA, RW 19. WI/IF 5/1189 u.a. 60 ebenda, S. 161 61 ebenda, S. 166 62 ebenda, S. 171 63 ebenda, S. 173 64 ebenda, S. 182f 65 ebenda, S.186ff 66 ebenda, S. 194

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Verpflegungssätze wurden nach der Kürzung der Lebensmittelrationen für Deutsche im April 1942 weiter reduziert.67 Lockerungen bei den Restriktionen und der Versorgung standen Verschärfungen bei den Strafen gegenüber.68 Zwangsmaßnahmen zur Rekrutierung von Arbeitskräften wurden im August 1942 auch für Frankreich, Belgien und die Niederlande angeordnet.69 In Polen kam es im Verlauf des Jahres 1942 zu regelrechten Verschleppungsaktionen, die teilweise den jahrgangsweisen Einzug auch von 13- bis 15-Jährigen umfassten.70 Obwohl im Februar 1943 insgesamt 5.743.000 ausländische Arbeitskräfte in Deutschland waren,71 reichte dies nicht aus: Der Ersatz für die zunehmenden Verluste an der Front riss Lücken, die auch die Einführung der allgemeinen Dienstpflicht für Deutsche Anfang 1943 nicht füllen konnte. Die deutsche Kriegswirtschaft war zunehmend auf arbeitswillige ausländische Arbeitskräfte angewiesen. In dieser Situation schlossen die verschiedenen politischen Lager innerhalb des NS-Apparates im April 1943 einen Kompromiss, mit dem eine allgemeine Gleichbehandlung der im Reich tätigen Ausländer erreicht werden sollte, um auch die „Ostvölker“ als Verbündete im „antibolschewistischen Kampf“72 zu gewinnen. Gefängnismäßige Absperrung und Stacheldraht wurden wie die Prügelstrafe verboten; unter anderem sollten gesundheitliche Betreuung und Verpflegung verbessert werden.73 Das von allen beteiligten Reichsbehörden getragene Merkblatt bildete zwar bis Ende 1944 die Grundlage der Ausländerpolitik,74 ab Mitte 1943 waren Polen und Ostarbeiter trotzdem ohne rechtsstaatlichen Schutz der Willkür der Gestapo ausgesetzt.75 Gleichzeitig wurden die Anwerbemethoden brutaler und flächendeckender und erfassten teilweise auch Zehn- bis 14-Jährige.76 Die Ausländerpolitik orientierte sich an der jeweiligen Kriegslage und schob „die Option auf radikale Lösungen im Sinne 67 ebenda, S. 189 68 ebenda, S. 220 69 Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländer-Einsatzes in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn, 1999, S. 213 70 ebenda, S. 216 71 ebenda, S. 209, mit Verweis auf Bericht des GBA über den Arbeitseinsatz im Jahre 1942, Dok. 1739 PS, IMT Bd. 27. S. 578 ff. Herbert unterstellt Sauckel, geschönte Zahlen über den Ausländereinsatz vorgelegt zu haben und benennt Probleme der Ausländerstatistik. 72 Tatsächlich versuchte die NS-Propaganda bereits 1941 Polen für den Arbeitseinsatz zu gewinnen, indem Plakate vor einer „bolschewistischen Gefahr“ für Europa warnten. Vgl. Hermes Handlexikon: Synchronopse des Zweiten Weltkrieges, Düsseldorf, 1983, S. 104 73 Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländer-Einsatzes in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn, 1999, S. 282f 74 ebenda, S. 282 75 ebenda, S. 284ff 76 ebenda, S. 298f

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der Rassedoktrin“ lediglich auf. 77 Im August 1944 wurden die Verpflegungssätze für Polen und Ostarbeiter angeglichen. Die letzten Einschränkungen und Sondervorschriften für Ostarbeiter fielen im Dezember 1944 weg. Ähnliche Verbesserungen waren für die Polen im Gespräch, wurden nach Beginn der sowjetischen Offensive im Januar 1945 aber nicht weiter verfolgt.78 Die Polen- und Ostarbeitererlasse bestanden aber in allen Kernbereichen weiter. „Die juristischen und politischen Bedingungen des Ausländereinsatzes im weiteren Sinne erfuhren hingegen nur unwesentliche Änderung“, so Herbert.79 2.2 Regionale und Lokale Forschungen zum Thema 2.2.1 Regionale und lokale Betrachtungen Auf dem Gebiet der damaligen DDR gilt die erste prägende Arbeit das 1964 erschienene Buch von Eva Seeber.80 Allerdings sind bis zum politischen Umbruch 1989 so gut wie keine rein lokalen Annäherungen an das Thema bekannt, bis auf die Arbeit einer Schülerarbeitsgemeinschaft in Lieberose, die sich mit dem ehemaligen KZ-Außenlager Jamlitz befasste.81 Lokalspezifische Betrachtungen beschränkten sich auf Fallbeispiele, die darauf ausgerichtet waren, die Verantwortung für Zwangsarbeit der Wirtschaft zu übertragen, oder befassten sich mit den KZ-Stamm- und Außenlagern. Ausnahmen sind für Thüringen sowie Wolfen bekannt.82 Bereits vor Veröffentlichung von Herberts Standardwerk behandelten lokale Initiativen in Westdeutschland die Geschichte der Zwangsarbeit. Unter der Thematik „Alltag im Nationalsozialismus – Die Kriegsjahre in Deutschland“ befasste sich jede zweite der 1168 beim Schülerwettbewerb des Bundespräsidenten eingereichten 77 Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländer-Einsatzes in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn, 1999, S. 287 78 ebenda, S. 311f 79 ebenda, S. 312 80 Seeber, Eva: Zwangsarbeiter in der faschistischen Kriegswirtschaft. Die Deportation und Ausbeutung polnischer Bürger unter besonderer Berücksichtigung der Lage der Arbeiter aus dem sogenannten Generalgouvernement, Berlin, 1964 81 Demps, Laurenz: Das Thema Zwangs- und Fremdarbeit in der DDR-Historiographie – Eine Skizze, in: Scholze-Irrlitz, Leonore und Noack, Karoline (Hg.): Arbeit für den Feind – Zwangsarbeiter-Alltag in Berlin und Brandenburg (1939 – 1945), Berlin, 1998, S. 144. Das „Arbeitslager Lieberose“ war ein Nebenlager des KZ Sachsenhausen, siehe: Weigelt, Andreas: Jüdischer Häftlingseinsatz für das SS-Führungshauptamt, Der SS- Truppenübungsplatz „Kurmark“ und das KZ-Nebenlager „Arbeitslager Lieberose“ in Jamlitz 1944-1945; in: Meyer, Winfried / Neitmann, Klaus (Hg.): Zwangsarbeit während der NS-Zeit in Berlin und Brandenburg, Formen, Funktion und Rezeption, Potsdam, 2001, S. 179 82 Demps, Laurenz: Das Thema Zwangs- und Fremdarbeit in der DDR-Historiographie – Eine Skizze, in: Scholze-Irrlitz, Leonore und Noack, Karoline (Hg.): Arbeit für den Feind – Zwangsarbeiter-Alltag in Berlin und Brandenburg (1939 – 1945), Berlin, 1998, S. 142

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Arbeiten mit dem Thema Zwangs- oder Fremdarbeit.83 Der Wettbewerb beschränkte sich 1982/1983 auf die Bundesrepublik. Im Zuge der Entschädigungsdebatte Ende der 1990er-Jahre wurde das Thema vielerorts wieder intensiver betrachtet. Kommunale Archive waren angesichts der Anfragenflut überfordert, teilweise wurden dafür Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gebildet. Dazu kamen Recherchen und Veröffentlichungen lokaler Initiativen, Studenten oder Heimatforschern. 2.2.2 Regionale und Lokale Forschungen in Brandenburg und der Lausitz Eine fundierte Einführung zum Ausländereinsatz in Brandenburg legte 1993 Dietrich Eichholtz vor, die in weiten Teilen seinem Standardwerk zur Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft entnommen war. Schwerpunkte lagen zumeist im Berliner Umland (z.B. BMW-Motorenherstellung in Genshagen) und griffen auf Dokumente der Rüstungskommandos und -inspektionen zurück. Abgesehen von einigen aus dem Berliner Raum verlagerten Rüstungsfabriken findet Forst keinen Niederschlag, auch nicht, wenn es um den Einsatz von Militär-Internierten in der Niederlausitz geht.84 In der unveröffentlichten Diplomarbeit „Der Ostarbeitereinsatz in der Provinz Brandenburg von 1939 bis 1945“ beleuchtete Susanne Beermann85 1994 insbesondere den Einsatz von polnischen Zivil- sowie Ostarbeitern. Da die fast ausschließlich dem BLHA entnommenen Archivalien teilweise auf regionale Schriftwechsel zurückgehen, ist eine Übertragung der Aussagen auf den Bereich Forst nicht ohne weiteres möglich. In ihrer Arbeit verweist Beermann auf das Bergbaugebiet in der Lausitz als „Sonderfall des Arbeitseinsatzes“. Die Besonderheit macht sie unter anderem daran fest, dass im Bergbau neben der Landwirtschaft bereits im September 1939 polnische 83 Kenkmann, Alfons: Ein Phänomen in der bundesdeutschen Geschichtslandschaft – Der Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten, S. 12 84 Eichholtz, Dietrich: Rüstungswirtschaft und Arbeiterleben am Vorabend der Katastrophe; in: Eichholtz, Dietrich (Hg.) und Püschel, Almuth: Verfolgung, Alltag, Widerstand - Brandenburg in der NS-Zeit, Berlin, 1993, auf S. 85 zitiert Eichholtz eine Liste von Unternehmen („Luftwaffenfirmen“), denen das Rüstungskommando Frankfurt/Oder Anfang Oktober Italienische Militärinternierte zugewiesen hatte. Der Schwerpunkt lag dabei in der Niederlausitz: „ Focke-Wulf, Sorau – 600; Focke-Wulf, Cottbus – 120; Lorenz, Guben – 200; Eltron, Sommerfeld – 100; Pelzer, Gassen, 100; Focke-Wulf, Gassen – 150; Rheinmetall-Borsig, Guben – 515; verschied. Spremberger Firmen – 200; verschied. Gubener Firmen – 250; Hirth AG, Neudamm – 35; I.G. Farben, Landsberg/Warthe – 750; Rekord-Gummifabrik, Schwiebus – 150; Nettelbeck, Räschen – 80; Schlegel, Golssen – 100; Fliegerhorst Königsberg/Neumark – 100“. In einem 30-Kilometer-Radius um Forst (Sorau, Cottbus, Guben, Sommerfeld, Gassen, Spremberg) waren also über 2200 Italienische Militärinternierte verteilt worden. 85 Beermann, Susanne: Der Ostarbeitereinsatz in der Provinz Brandenburg von 1939 bis 1945, Schriftliche Hausarbeit zur Diplomprüfung (unveröffentlicht), Berlin, 1994

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Kriegsgefangene86 und seit Ende Februar 1940 polnische Arbeiter87 eingesetzt wurden. Eine weitere Besonderheit habe in der wesentlich besseren Verpflegung gelegen, mit der ein Verschleiß qualifizierter Arbeiter verhindert werden sollte.88 Eine Trennung zwischen deutschen und ausländischen Arbeitskräften wurde vom Oberbergamt im Revier Cottbus erst drei Jahre nach Beginn des Ausländereinsatzes eingefordert.89 Allerdings verschlechterten sich die Einsatzbedingungen seit Herbst 1944 radikal.90 Zwar lagen auch im Bereich des Forst umgebenden Kreises Sorau mehrere Braunkohle-Abbaugebiete, die sich allerdings außerhalb des definierten Betrachtungsbereiches befinden und damit nicht hier berücksichtigt werden. Eine detaillierte Auflistung über Ausländerlager in der Provinz Brandenburg wurde für den ehemaligen Regierungsbezirk Potsdam 1996 vorgelegt. Die Potsdamer Bestände des BLHA sind allerdings wesentlich umfangreicher als die des ehemaligen Regierungsbezirks Frankfurt (Oder), zu dem der Stadtkreis Forst gehörte. Die Publikation verzichtet fast gänzlich auf eine Betrachtung des Regierungsbezirkes Frankfurt fast gänzlich außen vor.91 Ein Bild vom Alltagsleben der Fremd- und Zwangsarbeiter in Berlin und Brandenburg sollte eine Publikation aus dem Jahr 1996 geben.92 Ausgehend vom Durchgangslager Berlin-Wilhelmshagen93 wurden Akten und Zeitzeugenerinnerungen genutzt. Der Fokus liegt auf Berlin und dem brandenburgischen Umfeld der Stadt. Facetten von Zwangsarbeit in Berlin und Brandenburg sowie ideologische, politische und wirtschaftliche Aspekte wurden im Auftrag des BLHA und der Historischen Kommission zu Berlin 2001 beleuchtet.94 Dabei lag der Fokus neben Berlin auf dem Ausländereinsatz in der brandenburgischen Landwirtschaft, Sanktionsformen sowie dem Einsatz von Juden in der Industrie und der Zwangsarbeit 86 ebenda, S. 52 87 ebenda, S. 53 88 Beermann, Susanne: Der Ostarbeitereinsatz in der Provinz Brandenburg von 1939 bis 1945, Schriftliche Hausarbeit zur Diplomprüfung (unveröffentlicht), Berlin, 1994, S. 54 89 ebenda, S. 55 90 ebenda, S. 57 91 Bräutigam, Helmut: Fremdarbeiter in Brandenburg in der NS-Zeit – Dokumentation zum Ausländereinsatz im früheren Regierungsbezirk Potsdam 1939 – 1945, herausgegeben von: Regionale Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule (RAA) Brandenburg e.V., Potsdam, 1996 92 Scholze-Irrlitz, Leonore und Noack, Karoline (Hg.): Arbeit für den Feind – Zwangsarbeiter-Alltag in Berlin und Brandenburg (1939 – 1945), Berlin, 1998 93 Ob das Lager Wilhelmshagen auch für Ausländer genutzt wurde, die nach Forst kamen, ist nicht belegt. Aus den Angaben eines Niederländers geht hervor, dass er über das Durchgangslager Potsdam-Rehbrücke nach Forst kam, wo er die „Wahl“ zwischen den Rüstungsbetrieben der DAG in Christianstadt (Kreis Sorau) und der DSC in Forst hatte. 94 Meyer, Winfried/Neitmann, Klaus (Hg.): Zwangsarbeit während der NS-Zeit in Berlin und Brandenburg - Formen, Funktion und Rezeption, Potsdam, 2001

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von KZ-Häftlingen. Die südbrandenburgische Region wurde lediglich mit Fallbeispielen der KZ-Außenlager Schwarzheide sowie Lieberose behandelt. Lediglich in einem Beitrag findet sich eine der seltenen Erwähnungen der Deutschen Sprengchemie Forst in der historischen Fachliteratur.95 Eine detaillierte Übersicht zu Lagern in den heutigen Landkreisen Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz legte 2001 eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme unter Leitung von Detlef Ernst vor. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit wurde Material über Zwangsarbeiter-, Kriegsgefangenen- sowie KZ-Außenlager zusammengetragen, das auch auf die „wirtschaftlichen und menschlichen Zusammenhänge“ eingeht.96 Dabei wird allerdings der heutige südostbrandenburgische Bereich (der Landkreis Spree- Neiße mit der Kreisstadt Forst sowie die kreisfreie Stadt Cottbus) nicht betrachtet. Ein Beitrag zu Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern in Cottbus erschien 1997. Darin wurden die Lager und deren Standorte benannt und auf die Lebensbedingungen der Ausländer eingegangen.97 2.2.3 Quellen zum Ausländereinsatz in Forst (Lausitz) Wissenschaftliche Publikationen zum Ausländereinsatz in Forst gab es bisher nicht. In der Öffentlichkeit wurden der Ausländereinsatz und seine Umstände kaum diskutiert, wenn man von gelegentlichen Zeitzeugenberichten in der lokalen Presse98 sowie Randhinweisen in heimatkundlicher Literatur absieht,99 wo der Einsatz von Ausländern beim Ausbau der Verteidigungsanlagen in Forst und der Evakuierung des Siechenheimes sowie bei der Sprengchemie Forst erwähnt wurde.100 In einschlägigen Nachschlagewerken gibt es keine oder nur ungenaue Hinweise auf einen Ausländereinsatz in Forst.101 95 Schmidt, Frank: Der Ausländereinsatz in der brandenburgischen Landwirtschaft – Reglementierung der Arbeitsverhältnisse, in: Meyer, Winfried/Neitmann, Klaus (Hg.): Zwangsarbeit während der NS-Zeit in Berlin und Brandenburg – Formen, Funktion und Rezeption, Potsdam, 2001, Seite 69 – 80, S. 79 96 ABM-Arbeitsgruppe unter Anleitung Detlef Ernst: NS-Lager in Finsterwalde und Orte in der Region Südbrandenburg 1939 –1945, Massen, 2001 97 Rückert, Jutta und Otto: Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in Cottbus (1939 – 1945), in: Niederlausitzer Studien, Heft 28, Cottbus, 1997, S. 120 - 135 98 Einzelbeispiele im Forster Wochenblatt, in der Nachbarstadt Guben wurden Erkenntnisse aus der Zwangsarbeiterforschung vornehmlich in der Lokalausgabe der Lausitzer Rundschau veröffentlicht. 99 Schulz 1996/1999 und Schulz 1998 sowie Rochlitz und Natusch 100 Ihlo, Richard / Scholz Wilfried: Als die Uhren stehenblieben – Das Ende des Krieges in der Textilstadt Forst 1945, Forst 1996, S. 18 101 Herbert, Ulrich / Orth, Karin / Dieckmann, Christoph (Hg.): Die nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band I und II (Lizenzdruck des Fischer Taschenbuch-Verlags), Frankfurt, 2002 Weinmann, Martin: Das nationalsozialistische Lagersystem, 4. Auflage, Frankfurt, 2001 Internationaler Suchdienst Arolsen: Verzeichnis der Haftstätten unter dem Reichsführer-SS, Arolsen, 1979

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Polnische Publikationen betreffen vor allem das Werk der Deutschen Sprengchemie. Die genannten Zwangsarbeiter- und Opferzahlen wurden aber auch auf mehrfache Anfrage des Autoren nicht mit Quellenangaben belegt, so dass sie als nicht verifizierbar behandelt werden müssen.102 Hinweise auf Sommerfeld im Kreis Sorau, nur wenige Kilometer von Forst entfernt, lassen allein dort auf sieben Arbeitslager mit 1500 Häftlingen schließen, wo es auch „einen offenen Aufruhr“ gegeben haben soll.103 Sommerfeld gehörte neben Sagan, Kunzendorf, Sorau, Laubnitz, Gassen, Klein- Drehne, Oberklinge, Groß Särchen, Simmersdorf, Neuhausen, Madlow, Cottbus, Eichow, Friedrichshain, Niesky und einigen anderen sächsischen Orten zu Ausweichstandorten der aus Bremen verlagerten Focke-Wulf-Produktion.104 Auffällig ist, dass diese Orte sich in einem 30-Kilometer-Umkreis um Forst befinden, Forst selbst aber nicht in dieses Netz einbezogen war. Einer weitergehenden Beschäftigung mit polnischer Sekundärliteratur standen leider sprachliche Grenzen im Weg. Erschwert wurde die Recherche durch lückenhafte Archivbestände. Durch Auslagerungen und Aufteilungen sowie teilweise Wiederzusammenführungen von Beständen sind viele Primärquellen verschollen oder nicht auffindbar. Die relevanten Bestände des Stadtarchivs Forst, des Kreisarchivs Zary (ehemals Sorau), des Kreisarchivs Spree-Neiße sowie des BLHA sind nach derzeitigem Kenntnisstand in dieser Arbeit berücksichtigt. Für die Bundesarchive gilt dies nur eingeschränkt. Der vergleichsweise hohe Aktenverlust auf lokaler und regionaler Ebene ist offenbar auch durch die wochenlange Frontlage der Neißeregion zurückzuführen.105 Das scheint ein Vergleich der Bestände des ehemaligen Regierungsbezirkes Potsdam im BLHA mit denen des ehemaligen Regierungsbezirkes Frankfurt (Oder) zu bestätigen. Ein Lagerverzeichnis, wie es für den Potsdamer Regierungsbezirk vorhanden ist, existiert für den Frankfurter Regierungsbezirk nicht. Auf Statistiken und Vermittlungsakten des Arbeitsamtes Forst konnte nicht zurückgegriffen werden, was kaum überrascht.106 102 Majchrzak, Jerzy Piotr: Miasto ze Złotym lwem w herbie, Zary, 1998 103 Mochocki, Władisław: Lubsko we Wspomnieniach / Lubsko in Erinnerungen, Lubsko, 2003, S. 74 104 BArch Berlin-Lichterfelde, R4603, Pläne von Fertigungs- und Verlagerungsstätten, Stand 3.2.1945 105 Das Forster Wochenblatt verkaufte die im Mai 1945 in Schleswig-Holstein geschriebenen Erinnerungen des Forster Oberbürgermeisters Friedrich als Kopiensammlung. Demnach packte Friedrich am 16. April 1945, als die sowjetische Offensive bei Forst begann, „einen Karton mit den wichtigsten Akten und Büroutensilien, alle Geheimsachen werden sorgfältig entfernt und später von Golz in der Küche verbrannt.“ Auch die Geheimakten der NSDAP-Kreisleitung seien zerrissen worden. 106 Herbert, Ulrich: Zwangsarbeit im Dritten Reich. Kenntnisstand, offene Fragen, Forschungsprobleme; in: Reininghaus, Wilfried / Reimann, Norbert (Hg.): Zwangsarbeit in Deutschland 1939 – 1945: Archiv- und Sammlungsgut, Topographie und Erschließungsstrategien, Bielefeld, 2001, S. 21. Herbert stellt fest, dass trotz intensiver Bemühungen keine einzige Überlieferung eines deutschen Arbeitsamtes gefunden wurde.

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Auch Unterlagen der Allgemeinen Ortskrankenkasse, wie sie bei vergleichbaren Recherchen in Nordrhein-Westfalen genutzt wurden, gibt es in Forst nicht.107 Als hilfreich zur Lokalisierung von Ausländern, die nicht in größeren Lagern untergebracht waren, sowie zur Identifizierung von Firmen, die Ausländer einsetzten, hat sich die Forster „Zielenzig-Liste“ erwiesen. Auf ihr wurden vereinzelt auch Ausländer geführt, die im Rahmen der Notdienstbeordnung für den Bau von Verteidigungsanlagen im äußersten Osten der Provinz Brandenburg eingesetzt werden sollten. Grundsätzlich waren „alle Männer heranzuziehen einschließlich Ausländern und Kriegsgefangenen“; Ausnahmen galten für Mitarbeiter der Rüstungsindustrie und in Schlüsselaufgaben.108 Ähnlich aufschlussreich war ein Bestand mit Rechnungen der Stadtverwaltung Forst an Betriebe, deren Ostarbeiter in einem städtischen Lager untergebracht waren.109 Weitere Aufschlüsse zur Lokalisierung einiger Lager brachten Daten aus Bestattungsbüchern und des Sterberegisters. Inwiefern das Forschungsthema betreffende Akten in das Sonderarchiv Moskau oder in den Besitz polnischer Archive und Behörden gelangt sind, ließ sich nicht abschließend klären. Während einem polnischen Archivar im Beisein des Autoren beispielsweise von der Gemeinde Brody die Existenz von Material über das Sprengchemie-Werk Forst bestätigt wurde, wurden anschließende Anfragen des Autoren nicht oder negativ beantwortet. Zumindest drängt sich der Verdacht auf, dass auch in deutschen Archiven teilweise Akten, die das ehemalige Werk „Wald“ der Deutschen Sprengchemie bei Forst betreffen, systematisch dezimiert 110 oder von deutscher Seite gezielt vernichtet wurden. 107 Reininghaus, Wilfried: Archiv- und Sammlungsgut zur Geschichte der Zwangsarbeit in Deutschland 1939 -1945. Eine Anmerkung an den Gesamtbestand der Quellen; in: Reininghaus, Wilfried / Reimann, Norbert (Hg.): Zwangsarbeit in Deutschland 1939 – 1945: Archiv- und Sammlungsgut, Topographie und Erschließungsstrategien, Bielefeld, 2001, S. 38 – 49. Auf telefonische Nachfrage bei der AOK wurde erklärt, dass die Akten nicht mehr vorhanden seien. 108 StadtA Forst, 3037 (A1984), künftig nur 3037 genannt 109 StadtA Forst, 2707 110 BArch-Berlin-Lichterfelde R154, 10697, Die Archivalien aus der Landesanstalt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene betreffen den Antrag auf Wasserentnahme und Abwassereinleitung der Verwertgesellschaft am Werk „Wald“ (Forst) der DSC aus dem Jahr 1940. Im gleichen Karton finden sich Akten zu einem ähnlichen Verfahren für das Werk „Tanne“/Torgelow. Für „Tanne“ sind die als Anlage beigefügten Pläne vorhanden, für „Wald“ fehlen sie fast komplett. So ist beispielsweise ein Anhang, auf dem die Gebäude des Barackenlagers Scheuno-Ost gekennzeichnet waren, nicht mehr vorhanden. Die russische Übersetzung des Akteninhaltes legt nahe, dass die Akte zum Werk Forst von Vertretern der Besatzungsmacht durchgesehen wurde.

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3. Der Ausländereinsatz in Forst (Lausitz) 1939 –1345 3.1 Zahlenangaben Eine direkt verwendbare Statistik über den Ausländereinsatz in Forst gibt es nicht. Insofern muss auf vorhandenes Datenmaterial zurückgegriffen werden, das aus unterschiedlichen Motiven und teilweise mit nicht deskriptablen Methoden zusammengestellt wurde. Ein zentrales Problem ist dabei die Dynamik in der Kategorisierung der Ausländer in Gruppen.111 Zur Verfügung stehen folgende Daten: - Die Stadtverwaltung Forst stellte 1940 insgesamt 1525 Kennkarten aus, 1941 waren es etwa 2400 und bis zum November 1942 waren es 4036.112 Da aus der Statistik nicht hervorgeht, wie viele der Kennkarten „grün“ (für Polen), „blau“ (für Ungarn) oder „rot“ (für andere Ausländer) waren, bleiben die Zahlen ohne Aussagekraft. - Am 1.11.1941 wohnten nach Angaben des Ausländeramtes im Stadtbezirk Forst 263 Ausländer; am 31.10.1942, waren es 337, per 1.11.1942 nur noch 183. Zwar wurden in dieser differenzierten Auflistung auch Polen erwähnt (1941: 106; 1942: 120, 1942: 33), aber polnische Zivilarbeiter noch einmal gesondert ausgewiesen (1.11.1941: 604 polnische Zivilarbeiter, am 1.11.1942 noch 385). Tatsächlich kamen in diesem Zeitraum aber 793 polnische Zivilarbeiter nach Forst. Der Zugang von November 1941 bis November 1942 betrug 189 Personen; im gleichen Jahr verließen 408 polnische Zivilarbeiter die Stadt mit unbekanntem Ziel. Es ist also eine relativ starke Fluktuation bemerkbar. - Ab November 1941 kamen 1363 russische Zivilarbeiter in die Stadt Forst, von denen am 1.11.1942 nur noch 779 im „Bestand“ geführt wurden. Als „Gesamtbestand an Ausländern im Stadtbezirk“ wurden per 1.1.1942 insgesamt „1347 Ausländer“ geführt („183 Ausländer, 385 polnische Zivilarbeiter, 779 russische Zivilarbeiter“).113 111 Maßgeblich war zunächst das Volkstumsprinzip, erst danach griff das Territorialprinzip. Spoerer, Mark: Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz – Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939- 1945, Stuttgart/München, 2001, S. 94 112 StadtA Forst, 3231 (A2101), Bl. 49 113 StadtA Forst, 3231 (A2101), Bl. 50 und RS

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- Zwischen 1.11.1941 und 31.10.1942 erwarben 92 Personen die deutsche Staatsangehörigkeit. Für polnische Zivilarbeiter wurden im gleichen Zeitraum 253 Urlaubsscheine ausgestellt.114 - Nach einer Statistik des Wirtschaftsamtes Forst vom 3. Dezember 1942 wurden im Jahr 1942 insgesamt 621 Spinnstoffkarten für Polen ausgegeben (564 Männer, 33 Frauen, 8 Knaben, 10 Mädchen, 6 Kleinkinder). Außerdem wurden 420 Ostarbeiter eingekleidet, an die im Laufe des Jahres 543 Kleidungsstücke ausgegeben wurden (98 Anzüge, 26 Hosen, 167 Frauenkleider, 96 Frauenwäsche, 156 Männer-Unterhosen und -Unterhemden).115 - In der 43. Zuteilungsperiode des Jahres 1942 wurden 1000 Wochenkarten für ausländische Zivilarbeiter ausgegeben (abgerundet auf volle 100 beziehungsweise 1000).116 Daneben wurde auf sechs Arbeitskommandos für Gemeinschaftsverpflegte in Forst hingewiesen,117 aus der nicht hervorgeht, wie viele Ausländer dort versorgt wurden. Diesen Arbeitskommandos und dem Gemeinschaftslager der „Sprengchemie Scheuno“ wurde eine ungenannte Zahl von Seifenbezugsscheinen ausgestellt.118 - Mitte November 1944 wurden an 157 Ausländer Versorgungsscheine ausgegeben. Darunter waren 20 Kinder bis drei Jahre, 20 von drei bis sechs Jahre, 17 von sechs bis zehn Jahre und 26 von zehn bis 18 Jahre.119 Einen Monat später waren es 79 Ausländer, von denen jeweils 16 Kinder unter drei beziehungsweise drei bis sechs Jahre alt waren. Elf der Versorgten waren ausländische Kinder bis zehn Jahre, weitere 21 waren zehn bis 18 Jahre alt. Die Statistik mit der Alterseinteilung wurde erst am 31. Mai 1943 begonnen und endet im Dezember 1944. Bemerkenswert ist dabei der Anstieg der drei- bis sechsjährigen Kindern von zehn im August 1944 auf 55 im September 1944. Einen Monat später wurden in dieser Alterskategorie nur 15 Scheine für Drei- bis Sechsjährige ausgeteilt. - Eine Übersicht über Flüchtlinge in Forst (Stichtage; 1.12.1945 und 1.1.1945) war unterteilt in Personen aus den Ost- und aus den Westgebieten und wies neben Reichs- und Volksdeutschen auch Ausländer aus. 114 StadtA Forst, 3231 (A2101), Bl. 50 RS 115 StadtA Forst, 3231 (A2101), unnummeriertes Blatt zwischen Blatt 36 und 37 116 StadtA Forst, 3231 (A2101), Bl. 40 117 StadtA Forst, 3231 (A2101), Bl. 44 118 StadtA Forst, 3231 (A2101), Bl. 45 119 StadtA Forst A2116, alle weiteren Angaben stammen aus der „Statistik über die vergebenen Versorgungsscheine“, die am 10.12.1944 endet.

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1.12.1944 1.1.1945 Ostgebiete Ostgebiete 420 Reichsdeutsche 472 Reichsdeutsche 96 Volksdeutsche 105 Volksdeutsche Ausländer 21 Polen 84 Polen 31 Esten 31 Esten 2 Finnen 2 Finnen 19 Weißrussen 19 Weißrussen 54 Ukrainer 61 Ukrainer 39 Letten 54 Letten 5 Litauer 8 Litauer 2 Dänen 2 Dänen 0 Ungarn 2 Ungarn. Westgebiete Westgebiete 226 Reichsdeutsche 419 Reichsdeutsche 10 Volksdeutsche 25 Volksdeutsche 2 Holländer 2 Holländer 19 Italiener 19 Italiener ______________________________________________ 946 Flüchtlinge 1305 Flüchtlinge Mitte November 1944 waren es 538 Flüchtlinge (ohne Aufschlüsselung).120 In der Region wurden im Jahr 1944 insgesamt 4434 Flüchtlinge aufgenommen. Der Zustrom hielt im Januar 1945 weiter an, so dass selbst in den engen Arbeiterwohnungen Flüchtlinge aufgenommen werden mussten.121 In Cottbus, Guben und Forst wurden Aufnahmelager für die Flüchtlinge eingerichtet.122 120 StadtA Forst, 3032 (A1979), Gesundheitsamt, Bl. 3, 5 und 7 121 Hübner, Peter: „Durchhalten“ und „Durchkommen“ – Niederlausitzer Industriearbeiter im Jahre 1945; in: Stang, Werner (Hg.) und Arlt, Kurt: Brandenburg im Jahr 1945, Potsdam, 1995, S. 140 122 ebenda, S. 151

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- Für den Bereich des Arbeitsamtes Forst (Stadtkreis Forst und Kreis Sorau) weist der „Arbeitseinsatz im (Groß)Deutschen Reich“ folgende Ausländerangaben (insgesamt) aus: 30. September 1942: 5870 31. März 1943: 10274 davon Ostarbeiter: 3419123 30. Juni 1943: 12473 davon Ostarbeiter: 4175 31. Dezember 1943: 13271 davon Ostarbeiter: 3946 31. März 1944: 13028 davon Ostarbeiter: 4056 30. Juni 1944: 14556 davon Ostarbeiter: 4689 30. September 1944: 14538 davon Ostarbeiter: 4356 - Weil es im Juli 1944 „u.a. 20 g Trockenhefe“ für Italienische Militärinternierte, sowjetische Kriegsgefangene und Ostarbeiter in Lagern geben sollte, denen ansonsten aber keine „Schon-(Diät)kost und Zusatzverpflegung“ zustand,124 steht eine der wenigen Statistiken für den Stadtkreis Forst zur Verfügung, die genauere Zahlen über Lager für Italienische Militärinternierte, sowjetische Kriegsgefangene und Ostarbeiter nennt.125 Demnach gab es im Juli 1944 insgesamt 475 Menschen in Forst, die allein diesen drei Gruppen angehörten und in Lagern untergebracht waren;126 162 Italiener bei den Arbeitskommandos 105 (Hänselhalle: 140 Personen) und 135 (Hammer & Haebler: 22), 35 sowjetische Kriegsgefangene bei Hammer & Haebler (16) sowie auf dem Gut Noßdorf (19) sowie 258 Ostarbeiter in den Ostarbeiterlagern Keune (121 Personen), Rumsch & Hammer (37), Bahnmeisterei (38), Speer (54) und Windhoff (8). Handschriftlich ist die Zahl 20 hinzugefügt, ohne dass allerdings deutlich würde, wo diese Menschen untergebracht waren und welcher Gruppe sie angehörten. Auffallend ist, dass das wahrscheinlich größte Lager, das der Sprengchemie in Scheuno, in dieser 123 Diese Zahlen werden falsch interpretiert, wenn davon ausgegangen wird, dass 1943 im Arbeitsamtsbereich Forst 3419 Zwangs- und Fremdarbeiter bei insgesamt 10.274 Beschäftigten eingesetzt wurden. So geschehen in: Meier, Uwe, „Forst/Lausitz“, aus: Engel, Evamaria / Enders, Lieselott / Heinrich, Gerd / Schlich, Winfried (Hg.): Städtebuch Brandenburg und Berlin, Berlin, 2000, S. 161 124 StadtA Forst, 3261, Bl. 159 125 StadtA Forst, 3261. Bl. 160 126 Hervorhebung des Autors. Denn mit dieser Einschränkung wurden Italiener und Ostarbeiter nicht erfasst, die nicht in Lagern untergebracht waren. Bei sowjetischen Kriegsgefangenen kann davon ausgegangen werden, dass sie nur in Lagern verpflegt wurden. Nicht erfasst wurden mit dieser Liste auch alle anderen ausländischen Arbeiter und Kriegsgefangenen.

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Aufzählung fehlt. Dies kann an den Zuständigkeiten liegen oder dass im Juli 1944 dort weder Ostarbeiter noch russische Kriegsgefangene oder Italienische Militärinternierte lebten. Anhand dieser Aufzählung wird bereits deutlich, dass eine quantitative Einschätzung des Ausländereinsatzes allein für den Bereich Forst ohne weitere Daten nicht möglich ist. Selbst wenn andere Quellen, die in dieser Arbeit auch genannt sind, hinzugezogen werden, ist lediglich eine vorsichtige Nennung der Mindestzahlen möglich, die wahrscheinlich übertroffen wird. Wenn man als Faktoren berücksichtigt, dass bereits 1940 allein im Lager der Deutschen Sprengchemie etwa 540 Polen lebten – eine Zahl, die in den folgenden Kriegsjahren durch den Einsatz von anderen Ausländern wohl eher gestiegen als gefallen sein dürfte – ist von diesem Stamm als Minimum auszugehen. Nimmt man allein die aus dem Jahr 1944 in Lagern lebenden Italiener, Ostarbeiter und sowjetischen Kriegsgefangenen hinzu, kommt man in einen vierstelligen Bereich, ohne dass beispielsweise Franzosen und Belgier berücksichtigt würden. Allein in der Hänselhalle waren 1943 insgesamt etwa 110 Franzosen untergebracht, von denen die Mehrzahl ein Jahr später immer noch in Forst gewesen sein dürfte. Nicht berücksichtigt wurden außerdem Polen, die außerhalb des Lagers Scheuno lebten, was entsprechend der Auflistung der bekannten Unterkünfte und dem Einsatz in der Landwirtschaft der Fall gewesen sein dürfte. Da allein zu Jahresbeginn offiziell 1347 Ausländer in der Stadt Forst gemeldet waren, der Arbeitskräftebedarf nach der Niederlage von Stalingrad aber erheblich stieg, kann davon ausgegangen werden, dass in den letzten Kriegsjahren wohl mindestens um die 2000 Ausländer in Forst lebten und arbeiteten. Angesichts der Fluktuation, insbesondere bei Polen in den ersten beiden Kriegsjahren, aber auch bei der Registrierung russischer Zivilarbeiter (zwischen November 1941 und 1942 allein 1363) liegt die Zahl der in Forst eingesetzten Ausländer wahrscheinlich noch darüber. Das wäre immer noch eine vorsichtige Berechnung, ohne dass beispielsweise die in der polnischen Literatur angeführten Zahlen für Scheuno Berücksichtigung gefunden hätten.

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3.2 Unterbringung Die Unterbringung erfolgte in der Regel in Lagern. Dabei wird bei dieser Aufstellung von der zeitgenössischen Breite des Lagerbegriffs ausgegangen, also „verschiedenste Gebilde als Lebenskammern für die Betroffenen, die amtlich auch genehmigt wurden“. 127 Wo dieser Lagerbegriff nicht belegt werden konnte, werden Adressen genannt, da es sich offenbar um Unterkünfte in Wohnungen, Scheunen, Werkhallen, Tanzsälen und dergleichen mehr handeln konnte. Hinweise auf Außenstellen von Konzentrationslagern im Stadtkreis Forst und der unmittelbaren Umgebung gibt es nicht.128 Diese Aussage gilt allerdings nicht für den gesamten Kreis Sorau.129 Ob der Bau von 200 Behelfsheimen Anfang 1944 auch für die Unterbringung von Ausländern gedacht war, konnte bisher nicht geklärt werden.130 3.2.1 Die Anfänge des Ausländereinsatzes in der Region Forst/Sorau Erst drei Wochen nach Kriegsbeginn, am 21.9.1939, forderte der Regierungspräsident Frankfurt (Oder) von den Kommunen in einem Schnellbrief eine Übersicht über alle vorhandenen Baracken, die für die Belegung mit Arbeitergruppen geeignet seien (in öffentlichen Betrieben - Gemeinden, Eisenbahnen, Reichsautobahn u.a. - sowie von Privatunternehmen (Baufirmen, landwirtschaftliche Betriebe usw.). Ausgenommen waren RAD- Baracken. Die Ortspolizeibehörde Forst meldete einen Tag später, dass „auf städtischen Grundstücken [...] keine Baracken frei sind“.131 Demnach war bis kurz nach Kriegsbeginn der Einsatz von Kriegsgefangenen in Forst weder geplant und vorbereitet. Auch wurden erst zu diesem Zeitpunkt zwischen Kreisbauernführer und Arbeitsamt die Standorte für Kriegsgefangenenlager 127 Zum Begriff Lager siehe auch: Kubatzki, Rainer: Zwangsarbeiter- und Kriegsgefangenenlager, Standorte und Topographie in Berlin und im brandenburgischen Umland 1939 bis 1945, Berlin, 2001, S. 11 128 Herangezogen wurden vor allem Weinmann, Herbert/Orth/Dieckmann, ITS 1979, Schwarz 129 In Gassen und Christianstadt sind Außenkommandos des KZ Groß-Rosen belegt (Weinmann, S. 276). Allein für das DAG-Werk Christianstadt gab es elf Wohnlager, in denen bis zu 6364 Menschen untergebracht waren. Die größten waren das „Waldlager“ (Ostarbeiter), das Lager „Am See“, das Lager „Am Hang“ (Italiener), das Lager „Am Schwedenwall“ (Jüdinnen), sowie ein Lager für jüdische Männer; vgl. Löbner, Martina: „Geheime Reichssache“ Christianstadt – Das Ende einer Kleinstadt zwischen Oder und Neiße sowie der Sprengstoff-Fabrik „Ulme“, Dissertation, Hannover, 2002. Das „Frauenarbeitslager“ Christianstadt ist auch bei Schwarz, Band I, S. 321, erwähnt, 130 StadtA Forst, A 2104, Stadtbaurat Stamer berichtete in der Beigeordnetensitzung am 12. April 1944 über den Bau von Behelfsheimen: „Die Beigeordneten empfehlen, zunächst 200 Behelfsheime aufzustellen, in denen später Bombengeschädigte oder Umquartierte untergebracht werden sollen. Die Behelfsheime sollen dort aufgestellt werden, wo sie als Dauergärten für immer bleiben können.“ 131 StadtA Forst, A 2057, Briefe vom 21. und 22.9.1939

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festgelegt. Mit den ersten Kriegsgefangenen wurde Anfang Oktober gerechnet.132 Erst Mitte Dezember erhielten die „Herren Lagerunternehmer“ – so auch der Bürgermeister von Sacro – die Broschüre „Kriegsgefangene“ mit der eindringlichen Ermahnung, „den unbefugten Umgang von Volksgenossen mit Kriegsgefangenen sofort zu unterbinden, falls dieser versucht werden sollte“.133 In dieser Anfangsphase war für den Forst-Sorauer Bereich das Kriegsgefangenenstammlager Amtitz bei Guben zuständig. Dorthin oder in das Kriegsgefangenenlazarett Sorau sollten „ernstlich Kranke“ gebracht werden.134 Anfang Dezember wurde das Dulag D Amtitz in Stalag IIIB umbenannt und nach Fürstenberg (Oder) verlagert;135 Amtitz wurde Durchgangslager für ausländische Arbeiter. Dort sollten polnische Zivilarbeiter zentral erfasst werden, um die Ortspolizeibehörden von dieser Aufgabe zu entlasten. Unter diese Aufgabe fiel die Erstellung der mit den Polenerlassen geforderten Arbeits- und Karteikarten.136 Der Briefwechsel aus dem April 1940 lässt auf keine langfristig geplante Vorbereitung schließen.137 Eine Information an die Landräte und Oberbürgermeister über die Aufgaben im „sogen. Auffanglager in Amtitz bei Guben“ wurde vom Regierungspräsidium erst am 9. Mai 1940 verfasst.138 Insgesamt gab es im Kreis Sorau Anfang 1940 rund 1600 polnische Kriegsgefangene, die „truppweise zu mindestens 10 Mann“ hauptsächlich zu Hofarbeiten eingesetzt wurden und in der „kalten Periode“ im industriellen Einsatz waren. Wegen ihrer Kenntnisse der deutschen Sprache befürchtete das Landratsamt Sorau Fluchtversuche. „Um dieser Gefahr vorzubeugen, habe ich 132 StadtA Forst, 314, Schreiben des Landrates des Kreises Sorau vom 3. Oktober 1939 an die Bürgermeister und Amtsvorsteher zu den Vorbereitungen für Kriegsgefangenenlager 133 StadtA Forst, 314, Brief des Landrates des Kreises Sorau an den Sacroer Bürgermeister Woick 134 StadtA Forst, 314, Brief des Landrates des Kreises Sorau vom 11. Dezember 1939 135 Matiello, Gonfranco/Vogt, Wolfgang: Deutsche Kriegsgefangenen- und Internierteneinrichtungen 1939 –1945, Band 1, Koblenz, 1986, S. 12, sowie im gleichnamigen Band 2, Koblenz, 1987, S, 68. 136 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, Blatt 82 RS 137 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, Bl. 85; so schrieb der Landrat von Guben am 16.4.1940 an den Regierungspräsidenten in Frankfurt (Oder), dass „...die Photographen Simon und Engel in Guben bereit und in der Lage sind, innerhalb von 30 Stunden zusammen rund 500 Paßbilder herzustellen. Die Aufnahmen könnten in Amtitz erfolgen. (...)“ Gleichzeitig bat der Gubener Bürgermeister um 12000 Trioklammern, um die Bilder befestigen zu können sowie einen Dolmetscher und gegebenenfalls zwei weitere Photografen (Bl. 85RS). Gegen eine gut vorbereitete Aktion spricht auch, dass der Gubener Landrat bereits vier Tage später, am 20.4.1940, meinte, dass „jetzt mindestens sechs Dolmetscher nötig“ seien (Bl. 86 und RS). Die Kosten wurden auf die Polen umgeschlagen, die eine Reichsmark für die Photographien sowie 0,10 Reichsmark für fünf Abzeichen zahlen mussten (Brief der Gestapo vom 17.4.1940, Bl. 94 RS). Der Spremberger Landrat hatte noch am 16. Mai 1940 keine konkreten Informationen, sondern bat darum, weil er vom Arbeitsamt Cottbus von der Existenz der Verordnung (zur Kennzeichnung, d.A.) erfahren habe (Bl. 98). 138 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, Bl 82 und RS

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versucht, die Polen mit intellektuellem Einschlag, die ohnedies für die Landwirtschaft wenig tauglich waren, wieder abzuschieben“, schrieb der Sorauer Landrat an den Regierungspräsidenten in Frankfurt (Oder).139 Um den „politischen Instinkt“ der polnischen Freiarbeiter nicht in „unerwünschtem Sinn anzuregen“ schlug er im Februar 1940 vor, die Kriegsgefangenen in einen Freiarbeiterstatus zu übergeben. Außerdem wandte er sich gegen die staatspolizeiliche Einweisung von polnischen Arbeitskräften, „die hartnäckig die Arbeit verweigerten, sich krank stellten oder andere Schwierigkeiten machten“, in ein „besonderes Lager“ und schlug die örtliche Einsperrung „mit gewissen Einschränkungen der Verpflegung und mit hartem Lager“ vor.140 Die Forster Betriebe waren zunehmend auf den Einsatz von Ausländern angewiesen. Der Versuch der Firma Hammer & Haebler, weibliche Arbeitskräfte in zwei Schichten (Tag- und Nachtschicht) einzusetzen, scheiterte am Widerstand von DAF und Gewerbeaufsichtsamt.141 Durch die Stilllegungen in der Textilindustrie waren im April allein in Forst etwa 700 Frauen arbeitslos.142 Die „Freilassung“ der polnischen Kriegsgefangenen sollte in den Stalag Luckenwalde und Fürstenberg am 3. Juni 1940 beginnen,143 verzögerte sich aber um drei Wochen.144 Über 10.000 polnische Kriegsgefangene aus Fürstenberg sollten auf etwa 200 Arbeitskommandos verteilt und bevorzugt den bäuerlichen Betrieben zugeführt werden.145 Aufschluss über die Verteilung im Bereich des Kreises Sorau gibt eine Liste des Stalag IIIB zur ungefähren „Reihenfolge der Arb.-Kdos bei der Entlassung der polnischen Kriegsgefangenen“. Für den Kreis Sorau waren 26 Kommandos mit einer Gesamt-Gefangenenzahl von 1079 vorgesehen.146 Im Forster Umfeld waren 139 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, Bl. 14ff, Brief des Landrates Sorau an den Regierungspräsidenten Frankfurt (Oder), vom 13. Februar 1940 140 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, Bl.14ff, Brief des Landrates Sorau an den Regierungspräsidenten Frankfurt (Oder), vom 13. Februar 1940 141 BArch-MA, RW 21-20/2, Bl. 21, Eintragung vom 10.4.1940 142 BArch-MA, RW 21-20/2, Eintragung vom 14.4.1940 143 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, Bl. 89 – 104, Niederschrift über die Besprechung im Landesarbeitsamt Brandenburg am 30 Mai 1940 über die Freilassung der polnischen Kriegsgefangenen 144 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, Bl. 138 RS 145 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, Bl. 89 – 104, Niederschrift über die Besprechung im Landesarbeitsamt Brandenburg am 30 Mai 1940 über die Freilassung der polnischen Kriegsgefangenen 146 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, Bl. 109; (Kdo.Nr./Ort/Gefangenenzahl) 241 Sackrow [Sacro?], 61; 168, Simmersdorf, 70; 169, Kl. Kölzig, 88; 42, Kromlau, 61; 296, Kemnitz, 18; 230, Triebel, 26; 229, Haasel, 18; 228, Eckartswalde, 16; 105, Albrechtsdorf, 40; 353, Wilhelmshütte, 12; 166, Kunzendorf, 47; 104, Goldbach, 57; 373, Wellersdorf, 16; 62, Reinswalde, 44; 43, Benau, 52; 103, Laubnitz, 45; 102, Droskau, 35; 227,

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„Sackrow“ [Sacro?] mit 61 Gefangenen, Simmersdorf mit 70 Gefangenen oder Klein Kölzig mit 88 Gefangenen aufgeführt. Eine Liste für den Stadtkreis Forst ist nicht auffindbar. Die Karteikarten sollten den Ortspolizeibehörden übergeben werden, sind aber weder im Stadtarchiv Forst noch im Kreisarchiv Zary auffindbar. Im Dezember 1941 gab es „60 bis 70 Kriegsgefangenenarbeitslager für Industrie und Landwirtschaft sowie für Landeskultur“ im Kreis Sorau, für die nach der Umbesetzung („Anstelle von Franzosen und Serben sind Russen vorgesehen.“) nach Ansicht des Kreisbauamtes „die günstige Möglichkeit [bestand], neue Kriegsgefangenenarbeitslager (Russen) zu beantragen und einzurichten“.147 Man rechnete damit, „dass die russischen Kriegsgefangenen für eine lange Zeit, in der Hauptsache als einzige Arbeitskräfte, zur Verfügung stehen werden. Es ist nicht zu erwarten, dass nach dem Kriege volksdeutsche Arbeiter in genügender Zahl vorhanden sein werden“. Die Russen seien „in der ersten Zeit körperlich schwächlich und arbeitsunfähig“, allerdings sei nach den Erfahrungen in anderen Bezirken zu erwarten „dass der Arbeitswille und die Geschicklichkeit sich durch entsprechende strenge Behandlung und regelmäßige Verpflegung bessern“ werde. Der Kreisbaumeister machte klar: „Ich erwarte, dass die Gemeinden des Kreises bei der Verteilung der Gefangenen nicht zu spät kommen und vielleicht aus diesem Grund nicht mehr berücksichtigt werden können.“ Die „Herren Bürgermeister“ sollten sich „umgehend mit der Landwirtschaft, der Industrie und meinem Kreisbauamt aussprechen“. In der Stadt Forst gab es im Juni 1942 mindestens drei Kriegsgefangenen-Arbeitskommandos (930, 634 und 863).148 Bei der Bewachung der Kriegsgefangenen wurden Hilfswachmänner eingesetzt. Die Verwaltungspolizei in der Stadtverwaltung Forst hat bis zum November 1942 insgesamt 367 Personen auf ihre Zuverlässigkeit überprüft. Wie viele davon Gersdorf, 19; 63, Brestau, 55; 338, Eichenrode, 17; 44, Teuplitz, 61; 165, Nieverle (Drehne), 30; 61, Gassen, 59; 101, Muckrow, 41; 226, Culm, 17; 65, Waltersdorf, 64. gez. Trüstedt, Hauptmann u. Abwehroffizier. Eine Liste für den Stadtkreis Forst ist nicht vorhanden. 147 StadtA Forst, 314, Brief des Kreisbauamtes an die Bürgermeister und Ortsbauernführer vom 11. Dezember 1941 148 StadtA Forst, 3244 (A2113), Bl. 111e

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tatsächlich eingesetzt wurden, geht aus der Kriegsaufgabenstatistik nicht hervor.149 3.2.1.1 Kriegsgefangenenlager - Sacro Eine nicht näher bezifferte Zahl von polnischen Kriegsgefangenen des Kriegsgefangenenkommandos 438 war im Saal des Gasthofs Woitke in Sacro untergebracht, der ab 1.12.1939 von der Gemeinde Sacro angemietet wurde. Arbeitgeber war die Genossenschaft Naundorf-Sacro, die den externen Einsatz in der Landwirtschaft in Rechnung stellte.150 Die Belegungsquote schwankte zwischen 27 und 65 Gefangenen.151 Mit der Entlassung der polnischen Kriegsgefangenen wurde vom Kreisbauamt in Sorau und der Lagergemeinde Sacro bereits die neue Belegung mit 50 Westgefangenen beim Arbeitsamt Forst beantragt.152 - Simmersdorf Das Kommando (168) war, von Forst kommend, rechts der Bahnstrecke Forst – Döbern, an der Straße nach Jethe/Gahry untergebracht. Zunächst waren es polnische Kriegsgefangene, französische sollten folgen; in einem Brief an das Arbeitsamt Forst kündigte das Kreisbauamt Sorau an, die Meliorationsarbeiten Klein Jamno mit 50 Westgefangenen fortzuführen.153 Später gehörte Simmersdorf zu den Ausweichstandorten für die Bremer Focke-Wulf-Produktion, die wegen der Gefahr durch Luftangriffe nach Cottbus und den Kreis Sorau verlagert worden war.154 - Mix & Genest, Forst Im Januar/Februar 1942 gab es bei der Firma Mix & Genest ein Kriegsgefangenen-Arbeitskommando (Kgf.Arb.Kom. 930). Ob sich dort auch die Unterkunft befand, ist unklar. Allerdings wurde dorthin Verpflegung 149 StadtA Forst, 3231 (A2101), Bl. 47 150 Rechnung des Wasser und Bodenverbandes Naundorf-Sacro vom 23. Januar 1941, in Besitz Reinhard Natusch, Forst-Sacro 151 StadtA Forst, 314, Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen, unnummeriert, Brief des Bürgermeisters von Sacro an den Landrat in Sorau vom 20.9.1941 und Bestätigung der Kommandostärke vom 14.4.1940 152 StadtA Forst, 314, Brief des Kreisbauamtes Sorau an das Arbeitsamt Forst vom 15. Juni 1940 153 StadtA Forst, 314, Brief des Kreisbauamtes Sorau an das Arbeitsamt Forst vom 15. Juni 1940, mit Melioration war vor allem der Bau von Entwässerungsgräben gemeint. 154 BArch Berlin-Lichterfelde, R4603, Pläne von Fertigungs- und Verlagerungsstätten, Stand 3.2.1945

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geliefert.155 Für das Kriegsgefangenen-Arbeitskommando 930 gab es im Juni 1942 eine Großküche.156 - Hänselhalle, Forst Die Reithalle des Kavalleristenvereins An den Hainen war von 1934 bis 1936 SS-Reitschule.157 Ein weiterer Ausbau auf Kosten der Stadt, der mit etwa 130.000 Reichsmark veranschlagt war, wurde in der Forster Beigeordnetensitzung abgelehnt.158 Die SS zog sich daraufhin zurück. Die Reste des Reitbahngeländes wurden im April 1940 an die Firma Hänsel & Co verkauft.159 Kurz darauf wurde der Unterbringung von Kriegsgefangenen in den Nebenräumen der Hänselhalle zugestimmt. Die Kriegsgefangenen sollten bei der weiteren Neißeregulierung eingesetzt werden.160 Das Reithallengelände war offenbar schon vorher eingezäunt gewesen.161 Bis zum 30.6.1943 waren französische Kriegsgefangene in der Hänselhalle untergebracht, die ab diesem Tage als beurlaubte französische Kriegsgefangene galten. Das französische Kriegsgefangenen- Arbeitskommando wurde vom Stalag IIIB an die Zivilbehörden (Arbeitsamt für den Arbeitseinsatz, DAF für die Betreuung) übergeben. Träger des ehemaligen Kriegsgefangenen-Arbeitskommandos war das Tiefbauamt der Stadt Forst gewesen. Auch die Bewachungstätigkeit des Kommando-Führers (Obergefreiter Ossenbrink) endete, für die Betreuung der französischen Zivilarbeiter war fortan die DAF, namentlich Herr Röder, zuständig. Durch den Statuswechsel reduzierten sich die Unterbringungskapazitäten der Hänselhalle wegen der Richtlinien für französische Zivilarbeiter („1 Bett, 1 Schrank, ausreichender Luftraum“) von 110 Mann auf 75 bis 80 Mann.162 Damit galt das Lager Hänselhalle als „überbelegt“. Es sollten „30 bis 35 Mann umgelegt und in andere Gemeinschaftsunterkünfte untergebracht werden“, bestimmte das Tiefbauamt der Stadt Forst. Hintergrund war, dass die beurlaubten französischen Kriegsgefangenen grundsätzlich nur in 155 Rechnung der Firma Emil Andrack auf Bezugschein 13974 vom 12. Januar und 8. Februar 1942, in Besitz von Hagen Pusch, Forst 156 StadtA Forst, 3244 (A2113), Bl. 111e 157 StadtA Forst, 3043 (A1990), „SS-Reitschule“ 158 StadtA Forst, A2104, Protokolle der Dezernenten-Besprechung vom 17.3.1936 sowie 12.5.1936 159 StadtA Forst, A2104, Beigeordnetenbesprechung 22.4.1940: Mit dem Verkauf des restlichen Reitbahngeländes in Größe von 16.052 qm zum Preis von 0,60 RM/qm an die Firma Hänsel & Co erklärten sich die Anwesenden einverstanden. 160 StadtA Forst, A2104, Beigeordnetensitzung 26.7.1940 161 Zeitzeugenbericht Nummer 1, im Anhang 162 StadtA Forst, 3261, Bl. 89

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Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden sollten. Den „Handelsbetrieben (Bäckereien, Fleischereien usw.) soll eine Einzelunterbringung in sogenannten Gesellenstube nicht [sic!] gestattet werden“.163 Das könnte den Schluss zulassen, dass die Unterbringung in den Kleinbetrieben oder Privatunterkünften durchaus praktiziert oder erwünscht war. Diese Schlussfolgerung lässt auch die Abschrift eines telefonisch durchgesagten Rundschreibens an die Beschäftigungsbetriebe zu. Darin wurde betont, dass „der gesamte Wohnraum deutschen Vg. [Volksgenossen, d.A.] vorbehalten werden soll [...]“. Nur wenn es für den betrieblichen Einsatz unbedingt notwendig erschien, könne die Unterbringung in einer Unterkunft innerhalb des Betriebes genehmigt werden. Als Voraussetzung galt, dass „keine für Wohnzwecke bestimmten Räume in Anspruch genommen werden“.164 Zumindest ein Teil der Franzosen wurde später im Lager Noßdorf an der Spremberger Straße untergebracht.165 Im Mai 1944 war in der Hänselhalle das Italienische Militär-Interniertenkommando 105 mit 145 Personen untergebracht. Der Lagerführer hieß Göpel.166 Die Insassen des offenbar immer noch unter Trägerschaft des städtischen Tiefbauamtes bestehenden Lagers waren „im Einzeleinsatz bei verschiedenen Betrieben“.167 Am 18. Juli waren 140 IMI untergebracht.168 - Scheuno-Ost Inn Scheuno ist zumindest für Januar 1941 die Existenz des Kriegsgefangenen-Arbeitskommandos 619,169 Scheuno bei Forst, belegbar. Allerdings ist nichts über die Belegungsstärke bekannt. Da das Lager Scheuno-Ost anscheinend vorwiegend für die Unterbringung von zivilen Arbeitern genutzt wurde, erfolgt unter 3.2.1.3.8 die nähere Betrachtung. - Gut Noßdorf Für das bereits erwähnte Lager „Gut Noßdorf“ liegen keine weitere Erkenntnisse vor, außer der bekannten Unterbringung eines sowjetischen Kriegsgefangenen-Kommandos mit 19 Personen im Juli 1944.170 163 StadtA Forst, 3261, Bl. 88 164 StadtA Forst, 3261, Bl. 88a 165 Zeitzeugenbericht Nummer 3, im Anhang 166 StadtA Forst, 3261, 153 und Rückseite, handschriftlicher Vermerk 167 StadtA Forst, 3261, Bl 121 (alte Nummerierung) 168 StadtA Forst, 3261, Bl. 160 169 StadtA Forst, 4309, Bl. 30 170 StadtA Forst, 3261, Bl. 159

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- Forst-Domsdorf Hinweise auf ein Kriegsgefangenenarbeitskommando mit der Nummer 863 ergaben sich in den Personalakten des Stalag III B.171 - Rosengarten Für das Stalag IIIB sind sieben Kommandos bekannt, die unter der Bezeichnung „Rosengarten“ geführt wurden. Allerdings fehlen in den bekannten Unterlagen Hinweise auf eine Ortsangabe, so dass zurzeit nicht mit Sicherheit belegt werden kann, dass es sich dabei um das ehemalige RAD-Lager auf dem Sportplatz am Forster Rosengarten gehandelt hat. Unter dem Begriff Rosengarten sind im Januar 1942 die französischen Kriegsgefangenenarbeitskommandos 609, 728, 924, 94 und 748 mit einem Bestand von 162 Personen aufgeführt.172 Wahrscheinlich handelt es sich aber eher um den Ort Rosengarten bei Frankfurt (Oder). Die Besuchsberichte der IKRK-Delegation vom 15. und 16.1.1942 beziehen sich fast ausschließlich auf Kgf.Arb.Kdos., die im Bereich Fürstenwalde, Frankfurt (Oder), Lieberose/Jamlitz, Beeskow und Lübben lagen.173 3.2.1.2 Arbeiter- und Familienlager Ausländische Zivilarbeiter, die in der Landwirtschaft arbeiteten, wohnten beispielsweise in Sacro bei den Bauern.174 Dies dürfte auch für andere Orte zutreffen. Offenbar gab es erst mit zunehmendem Einsatz von Ausländern im Februar 1941 auf Anforderung der Gestapo-Leitstellen eine systematische Erfassung der Lager,175 die für Forst allerdings nicht vorliegt. Unklar ist, ob und in welchem Umfang auch in Forst wegen Unterbringungsproblemen die in Handwerk und Dienstleistungsgewerbe tätigen Ausländer privat untergebracht waren.176 Erschwert wird eine Übersicht auch durch die Aufsplitterung der 171 Ausstellung Stalag IIIB, Städtisches Museum Eisenhüttenstadt, Sammlung Personalkarten 172 Ausstellung Stalag IIIB, Städtisches Museum Eisenhüttenstadt, Sammlung Personalkarten, Information von Axel Drieschner/Barbara Schulz über ein Dokument aus dem politischen Archiv des Auswärtigen Amtes, R40991, unpag., Abschrift in der Anlage. Dem Stadtarchiv Frankfurt sind keine Unterlagen über Kriegsgefangenenunterbringung im Ortsteil Rosengarten von Frankfurt (Oder) bekannt, so die Antwort auf eine Anfrage. Der Standort Forst kann aber ebenfalls nicht belegt werden. 173 Siehe Anlage 174 Natusch, Reinhard: Sacro, Ortschronik, Schriftenreihe der Stadt Forst, Forst, S. 47 175 Beermann, Susanne: Der Ostarbeitereinsatz in der Provinz Brandenburg von 1939 bis 1945, Schriftliche Hausarbeit zur Diplomprüfung (unveröffentlicht), Berlin, 1994, S. 28 mit Verweis auf BLHA Pr. Br. Rep. 8 Stadt Oderberg Nr. 806/3, o. Bl., wonach die Gauleitungen seit Kriegsbeginn offenbar keine Übersicht über die geschaffenen Ausländer-Lager hatten. 176 ebenda, S. 37 mit Verweis auf eine Entscheidung des Potsdamer Regierungspräsidenten in BLHA Pr.Br.Rep. 2A Regierung Potsdam I Pol Nr. 2894 Band I, Bl. 212/218 (Veröffentlichung in Rathenow)

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Zuständigkeiten. Demnach war es nach einer Weisung der Oberpräsidenten im Februar 1943 Aufgabe der NSDAP, Privatquartiere ausländischer Arbeitskräfte zu erfassen und über jeden Zuzug zu informieren.177 Im Oktober 1943 sollte für die nach Forst verlagerten Firmen eine RLM-Baracke aufgestellt werden.178 Unklar ist, ob sie für deutsche oder ausländische Mitarbeiter gedacht war und wo sie aufgestellt werden sollte. Insgesamt waren Mitte Oktober 1943 für die Arbeitskräfte der nach Forst verlagerten Firmen sechs Baracken in einem nicht näher genannten Lager fast komplett aufgebaut worden.179 Ende Oktober 1943 wurden im Kriegstagebuch der Rüstungsinspektion III Schwierigkeiten bei der Hergabe der Kontingente erwähnt. Umänderungen seien wegen der Umstellung auf zweigeschossige Bauweise nötig.180 Dies könnte auf die Barackenbaustelle in der Muskauer Straße (heute Am Waldgürtel) schließen lassen. Zwei Baracken im „Barackenlager Forst“ gingen am 1.2.1944 ihrer Vollendung entgegen.181 - Keune (ehemaliges RAD-Lager) Das RAD-Lager Keune stand im März 1941 leer, war aber bereits für die Unterbringung von 200 Arbeitern vorgesehen.182 Im Juli 1944 war das Ostarbeiterlager Keune mit 121 Menschen belegt.183 Im Zusammenhang mit der „Zielenzig-Liste“ wird das „Lager Keune“ als Wohnort für einen Mitarbeiter der Firma Voige & Söhne angegeben184, das im gleichen Dokument mit der Adresse „Lager Triebeler Str.“ angegeben wird.185 Für den Oktober 1944 ist auch der Tod eines Kleinkindes belegbar, dessen letzte Anschrift mit „Lager Keune“ angegeben wurde. Im Juni 1943 starb dort ein 32- jähriger Ostarbeiter aus der Ukraine, im November des gleichen Jahres eine 32- jährige Ostarbeiterin aus der Ukraine, im Oktober 1944 eine 23-jährige Ostarbeiterin, deren Nationalität allerdings mit polnisch angegeben wurde.186 Die genaue Adresse wurde bei einem der erwähnten Sterbefälle mit „Triebeler 177 ebenda, S. 46 mit Verweis auf BLHA Pr. Br. Rep. 2A Regierung Potsdam I Pol Nr. 329, Bl. 377. Ob es eine entsprechende weitergeleitete Weisung auch im Regierungsbezirk Frankfurt/Oder gab, konnte nicht belegt werden. 178 BArch-MA, RW 21-20/7, Bl. 12, Eintragung vom 12.10.1943 179 BArch-MA, RW 21-20/7, Bl. 13, Eintragung vom 12.10.1943 180 BArch-MA, RW 21-20/7, Bl. 16, Eintragung vom 28.10.1943 181 BArch-MA, RW 21-20/8, Bl. 30 182 StadtA Forst, 3045 (A1992), Politische Angelegenheiten, Bl. 17 183 StadtA Forst, 3261, Bl. 160 184 StadtA Forst, 3037, Bl. 96 185 StadtA Forst, 3037, Bl. 84 186 Alle Angaben aus dem Beerdigungsregister des Hauptfriedhofes sowie nach ergänzenden Angaben des Standesamtes anhand der Todesbücher.

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Straße 200“ angegeben. Wegen der nahen Front wurde das Lager im Februar 1945 aufgelöst.187 - Turnhalle Noßdorf Im März 1943 ist eine Rechnung des Lebensmittelhändlers Emil Andreck an das „Sozialwerk für französische Zivilarbeiter“, Spremberger Straße 109 adressiert. Dieser Standort entspricht der damals noch stehenden Noßdorfer Turnhalle neben der Radrennbahn. Nach dem Krieg stürzte sie ein, heute befindet sich dort ein Sportplatz. Die Hausnummer ist aber am noch vorhandenen Tor zu sehen. Das Lager war eingezäunt, wie einige nachgenutzte Zaunpfeiler belegen (Anhang). Diese Angaben decken sich mit einem Zeitzeugenbericht,188 wonach ein in einer Fleischerei beschäftigter Franzose 1943 von der Hänselhalle nach Noßdorf umzog, wo auch Holländer und Belgier untergebracht gewesen seien. Zumindest zwischen August 1943 und September 1944 schienen dort auch italienische Zivilarbeiter zu leben, wie ein Vermerk auf der „Zielenzig-Liste“ nahe legt.189 - Lager des Ostministeriums, Pförtner Straße Das Lager wird im Sterberegister des Standesamtes Forst im Zusammenhang mit dem Tod eines 57-jährigen russischen Landarbeiters und einer 48-jährigen Lehrerin erwähnt.190 Es soll dort auch Mütter mit Kleinkindern gegeben haben, so dass es sich um das später erwähnte Lager handeln dürfte, in dem Klein- und Kleinstkinder wegen unzureichender Ostarbeiterverpflegung starben.191 Eine Zeitzeugin192 erinnerte sich daran, dass das eingezäunte Lager außerhalb des Ortsbereiches Berge etwa 50 bis 100 Meter von der Straße entfernt im Wald stand und dadurch nicht einsehbar war. In den Baracken hätten ukrainische Familien gewohnt. 187 Ihlo, Richard und Scholze, Wilfried: Der Einfluss der Hitler-Herrschaft in Keune, in: Forster Wochenblatt vom 21.November 2003, S. 9 188 Zeitzeugenbericht Nummer 3, im Anhang. Die Lagebeschreibung lautete „vor der Rennbahn (...), direkt an der Hauptstraße. (...) ein größerer Raum (...)“, was die Turnhalle an der Spremberger Straße 109 gewesen sein dürfte. 189 StadtA Forst, 3037 (A1984), Bl 50, Notdienstbeorderung „Zielenzig“. Der „Einsatz Zielenzig“ sah im August 1944 den Einsatz von über 40.000 Männern für Schanzarbeiten in der östlichen Mark Brandenburg vor. Organisiert wurde der Einsatz von dem NSDAP-Gauleiter und den Kreisleitern der Partei. Der Einsatzbefehl Nr. 3 sah vor, dass allein der NSDAP-Kreis Sorau-Forst 1994 Männer zu stellen hatte. Wörtlich hieß es: „Grundsätzlich sind alle Männer heranzuziehen einschließlich Ausländern und Kriegsgefangenen. Ausländische Jugendliche sind ebenfalls heranzuziehen und wie die Männer vom 18. bis 65. Lebensjahr zu behandeln.“ Die Forster Zielenzig-Liste führt Namen, Kriegstauglichkeit bzw. teilweise Nationalität oder Status sowie Betriebszugehörigkeit auf. 190 Sterberegister der Stadt Forst, 569 aus 1944, 570 aus 1944 191 StadtA Forst, 3261, Bl. 139 192 Zeitzeugenbericht Nummer 2, im Anhang

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- Lager Muskauer Straße (Waldgürtel) Die gemauerten Unterkünfte entstanden in den Jahren 1943/1944 und waren als kriegswichtig eingestuft. Im Oktober 1943 rangierten sie in der Dringlichkeit für Baumateriallieferungen offenbar noch vor dem Bau von Splitterschutzgräben und der Deutschen Sprengchemie. Für den Bau wurden auch „polnische Häftlinge“ eingesetzt.193 Im Lager sollen Italiener, Franzosen und Ukrainer „zum Teil mit ihren Familien“ gewesen sein.194 Gearbeitet haben sie offenbar in der Sprengchemie. Sie durften zwar das Lager verlassen, aber mit den Lebensmittelkarten, die sie für Arbeiten bei Deutschen erhielten, nicht selbst einkaufen. Das wurde teilweise über deutsche Schulkinder gemacht, die auch mit den ausländischen Kindern spielten. Das in dem Lager Familien untergebracht waren, bestätigen drei Todesfälle aus dem Zeitraum November/Dezember 1944, als ein Kleinkind von drei Wochen, ein zwei Monate alter Junge sowie ein siebenjähriger Pole, die in dem Lager wohnten, starben.195 Eine Adressangabe in den Sterbebüchern für ein Lager „Muskauer Straße 200“ konnte nicht überprüft werden: Diese Hausnummer existiert nicht. Eventuell handelte es sich um eine Verwechslung mit dem Lager Keune (Triebeler Straße 200) oder mit der Baracke an der Kreuzung Muskauer/Skurumer Straße („Walderholung“), bei der es aber keine Belege für eine Unterbringung von Ausländern während des Krieges gibt. - Eulo Im August 1944 ging der Schulhausbau in Eulo seiner Vollendung entgegen. Ausgebaut wurde er vom Reichsminister Speer, und von ihm „für dessen Zwecke beansprucht“.196 Allerdings wurde der Schulbau während des Krieges nicht mehr fertiggestellt. Inwiefern die Schule also für die Unterbringung von 193 StadtA Forst, A 2072, Briefe des Bauunternehmers Wilhelm Schulz an die Stadtverwaltung. Am 9.10.1943 beklagt sich Schulz, dass einem Cottbuser Konkurrenten 25 „polnische Sträflinge“ zugeteilt wurden. Ihm fehlten Hilfsarbeiter, so dass er bat, ihm „2 oder 3“ davon zuzuteilen. „Sollten diese nicht mehr vorhanden sein, so bitte ich Sie, mir Italiener zu geben.“ Im Brief vom 22.10.1943 beruft sich Schulz auf die Aussage der Kalksandsteinfabrik Frischbutter, Simmersdorf, dass diese vom Arbeitsamt die Anweisung habe, „erst die Baracken mit Steinen zu beliefern, dann die Splitterschutzgräben und danach die Deutsche Sprengchemie.“ 194 Forster Wochenblatt vom 1. Oktober 1993, S. 9 195 Beerdigungsbuch für den Hauptfriedhof, Kinder bis vier Jahre sowie Kinder von vier bis 14 Jahren sowie Sterberegister des Standesamtes, Nr. 928, 947 und 872 aus dem Jahr 1944 196 StadtA Forst, A2104, Dezernenten- und Bürgermeister-Sitzungen, 1936 – 1945, Protokoll der Beigeordnetensitzung vom 17.8.1944, Punkt 14: „Es wurde bekannt gegeben, dass der Schulhausbau in Eulo nunmehr seiner Vollendung entgegengeht [mit handschriftlichem Vermerk], da er vom Reichsminister Speer ausgebaut und für dessen Zwecke beansprucht wird.“

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ausländischen Arbeitskräften genutzt wurde, ist anhand der Quellenlage unklar. Ebenso wenig konnte eine entsprechende Nutzung des ehemaligen RAD- Lagers197 in Eulo dokumentarisch belegt werden. Nachgewiesen ist allerdings die Existenz eines Gemeinschaftslagers für sowjetische Zivilarbeiter im Juni 1942 in Eulo.198 3.2.1.2 Betriebslager - Hammer & Haebler Für den Betrieb Hammer & Haebler ist im Mai 1944 das Italienische Militärinternierten-Kommando 135 mit 24 Personen nachgewiesen. Der Lagerführer hieß Grünberg.199 Es handelte sich um ein „werkseigenes“ Kommando.200 Das italienische Kommando zählte am 18. Juli 1944 noch 22 Personen. Außerdem gab es zu diesem Zeitpunkt dort ein Lager mit 16 sowjetischen Kriegsgefangenen.201 - Rumsch & Hammer202 Der Lager-Standort war wahrscheinlich auf dem Betriebsgelände in der Weststraße. Im Juli 1944 wird das Ostarbeiterlager mit 37 Verpflegten in Akten des Ernährungsamtes Forst erwähnt.203 Es soll nach mündlichen Überlieferungen eine Baracke am Ende der Weststraße, neben der Gießerei, gestanden haben, wo zeitweise französische Kriegsgefangene untergebracht gewesen sein sollen.204 Hinweis auf ein Gemeinschaftslager für sowjetische Zivilarbeiter gibt es auch in einer Liste der zivilen Großabnehmer für Bezugsscheine.205 Die Firma stellte unter anderem Granaten her.206 Die 197 StadtA Forst, A2058, in einem Rundschreiben an das Hauptamt/Grundstücksamt vom 7.12.1940 wird bemängelt, dass noch einige Pacht- und Mietverträge fehlen, „insbesondere die, zur Errichtung des Reichsarbeitsdienstlagers und des Sportplatzes in Eulo mit dem Grafen Brühl, dem Reichsarbeitsdienst und dem Turnverein [TV 1861 Forst, Hammer-Groeschke-Platz] abgeschlossen worden sind.“ Für die Unterbringung von Ausländern im RAD-Lager auf dem TV-Gelände gibt es bislang keine Hinweise. 198 StadtA Forst, 3244 (A2113), Bl. 111e 199 StadtA Forst, 3261, Bl. 153 und Rückseite, handschriftlicher Vermerk „HH“ 200 StadtA Forst, 3261, Bl. 121 (alte Nummerierung) 201 StadtA Forst, 3261, Bl. 160 202 Nach zeitweiliger Rüstungsproduktion im Ersten Weltkrieg war der Betrieb auf den Waschmaschinenbau umgestellt worden. Meier, Uwe, „Forst/Lausitz“, aus: Engel, Evamaria / Enders, Lieselott / Heinrich, Gerd / Schlich, Winfried (Hg.): Städtebuch Brandenburg und Berlin, Berlin, 2000, S. 160 203 StadtA Forst, 3261, Bl. 160 204 mündliche Information von Jonas Ploettner 205 StadtA Forst, 3244 (A2113), Bl. 111e 206 BArch-MA, RW 21-20/2, Eintrag vom 20.3.1940

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Fertigung sollte durch „Einsatz der Handwerkerarbeitsgemeinschaft und Hinzunahme der Firma Hammer & Haebler gesteigert werden“.207 - Bahnmeisterei Im Juli 1944 wird das Ostarbeiterlager mit 38 Verpflegten in Akten des Ernährungsamtes erwähnt.208 Auf Rechnungen des Lebensmittehändlers Emil Andrack variiert die Adresse von „Bahnmeisterei, Abt. Ostarbeiter“ über Bahnmeisterei Forst / Wohnlager“ (Juni 1943) bis hin zu „Bahnmeisterei Forst, Abt. Gefangenenverpflegungskantine“ (Februar 1943). Eine Adresse wird nicht genannt.209 Im Sterbebuch des Standesamtes gibt es einen Hinweis auf einen im Mai 1943 verstorbenen Ostarbeiter, der in der „Euloer Str. (Bahnübergang) wohnte.210 Dort gibt es eine Bahnunterführung gibt, an der eine gemauerte Baracke steht.211 Die Reichsbahnbetriebsküche wird im Juni 1942 als ein ziviler Großverbraucher geführt.212 - Speer Der Standort ist nicht lokalisiert. Im Juli 1944 wird das Ostarbeiterlager mit 54 Verpflegten in Akten des Ernährungsamtes erwähnt.213 - Windhoff Im Juli 1944 wird das Ostarbeiterlager mit acht Verpflegten in Akten des Ernährungsamtes erwähnt. 214 Die Apparate- und Maschinenfabrik Hans Windhoff aus Berlin-Schöneberg wurde im September in die Räume der Forster Fabrik P.A. Körner verlagert.215 - Scheuno-Ost /Deutsche Sprengchemie Das Lager der Deutschen Sprengchemie wird unterschiedlich betitelt. Die „Barackenstadt“ war für 1000 Unterzubringende ausgelegt.216 Das entsprach einem Drittel des Belegschaftssolls.217 207 BArch-MA, RW 21-20/2, Eintrag vom 25.4.1940 208 StadtA Forst, 3261, Bl. 160 209 Rechnungen von Emil Andrack, in Besitz von Hagen Pusch, Forst 210 Beerdigungsregister für den Hauptfriedhof Forst sowie Sterberegister Nummer 394 aus 1943 211 Foto in der Anlage. Ob es sich dabei um die Unterkunft der Bahnmeisterei handelt, konnte noch nicht zweifelsfrei belegt werden, liegt angesichts der Lagebeschreibung aber nahe. 212 StadtA Forst, 3244 (A2113), Bl. 111e 213 StadtA Forst, 3261, Bl. 160 214 StadtA Forst, 3261, Bl. 160 215 BArch-MA, RW 21-20/6, Bl. 50, Eintragung vom 22.9.1943 216 BArch Berlin-Lichterfelde R154/10697, Prüfbericht der Landesanstalt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene Berlin Dahlem vom 18.12.1940. Darin wurde bemängelt, dass Versickerungsflächen teilweise relativ nahe an den Brunnen für die „Barackenstadt“ gelegen seien. Die Zahl wird auf Seite 16 des Antrages noch einmal genannt. Das dort erwähnte Messtischblatt, auf dem die Wohnbaracken westlich des Werksgeländes verzeichnet war, fehlt allerdings im Bestand (im Gegensatz zu den im selben Karton aufbewahrten Unterlagen für das

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Ein Jahr nach Kriegsbeginn waren im Lager der Deutschen Sprengchemie etwa 540 polnische Zivilarbeiter, zumeist „Volksdeutsche“ untergebracht.218 Auf den Unterlagen eines belgischen Hilfsarbeiters lautete die offizielle Bezeichnung 1945 „Bereitschaftslager Scheuno-Ost“.219 Allerdings existierten auch die Bezeichnungen „Heidelager“ und „Lager Scheuno“,220 wobei nicht klar ist, ob es sich dabei noch um weitere Lager, ortsübliche Bezeichnungen oder Namenswechsel handelte. Nach der Schilderung eines Belgiers221 befand sich außerhalb des Werkzaunes ein Barackenlager für französische Kriegsgefangene, ein Lager für zwangsverschleppte ukrainische Frauen, ein Lager für verschleppte Polen und ein Barackenlager für deutsche dienstverpflichtete Arbeitskräfte. Der Belgier gab an, selbst im „Bereitschaftslager“ gelebt zu haben. Rund um die Uhr sei das Barackenlager von Wachmannschaften mit Schäferhunden beaufsichtigt gewesen. Es wurde wegen der herannahenden Front in der ersten Februarhälfte 1945 geräumt. Die Belgier mussten mehrere Tage zu Fuß gehen, bis sie in Beeskow von sowjetischen Soldaten eingeholt wurden.222 Die Ortsbeschreibung deckt sich mit der einer Deutschen, die davon berichtete, dass es „außerhalb des Werkes 1 vor dem Haupteingang ein großes Gefangenenlager mit Franzosen“ gab.223 Nachgewiesen ist in Gerichtsakten die Existenz eines Zwangsarbeiterlagers für Juden im Jahr 1942, eventuell auch noch 1943, aber auch eines französischen Kriegsgefangenen- und polnischen Zivilarbeiterlagers.224 Ein jüdischer Zwangsarbeiter berichtete 1952:225 „Das Sprengchemie-Werk „See“, Torgelow). Gerechnet wurde mit einem Wasserverbrauch von 50 Litern je Kopf und Tag. 217 BA Berlin-Lichterfelde R154/10697, Unterlagen des Bauführers, Oktober 1940. Als Grundstückseigentümerin wird die Verwertungsgesellschaft für Montaninindustrie G.m.b.H. München benannt. Das „Barackenlager (mit Küchenbetrieb)“ lag „in der NW-Ecke“ des Werkes. Auch hier wird die Unterkunftszahl von „etwa 1000 beschäftigten Arbeitern“ genannt. 218 StadtA Forst, 2446 (4292), „Katholiken“, Bl. 16. Einschätzung des Krim.Ober.Ass. Gericke 219 Passierschein, Arbeitskarte u.a., im Besitz von Hans-Joachim Schulz, Forst 220 ITS 1979 und Sterberegister der Stadt Forst 759 aus 1942, 693 aus 1943 (beides Ostarbeiter) sowie 807 aus 1943. 1944 wird es als „Lager Scheuno“ bezeichnet, Sterberegister Nr. 94 aus 1944. 221 Schulz, Hans-Joachim: Das verbotene Werk im Bunkerwald – Der Rüstungsbetrieb Deutsche Sprengchemie GmbH in Forst-Scheuno, Teil II, Forst, 1998, S. 12f 222 Schulz, Hans-Joachim: Das verbotene Werk im Bunkerwald – Der Rüstungsbetrieb Deutsche Sprengchemie GmbH in Forst-Scheuno, Teil II, Forst, 1998, S. 14 223 ebenda, S. 19 224 ITS Arolsen: Verzeichnis der Haftstätten unter dem Reichsführer-SS, Arolsen, 1979, mit Verweis auf Häftlingsaussagen und Ungerer. Dabei dürfte es sich um das Verzeichnis von Ghettos, Zwangsarbeitslagern und Konzentrationslagern handeln. Vorgelegt nach Beschluss der Vertreter der obersten Wiedergutmachungsbehörden und der Entschädigungsgerichte der Länder Baden-Württemberg, Bayern und

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Lager Schönost [wahrscheinlich phonetisch verfälscht, es dürfte sich um Scheuno-Ost handeln, d.A.] war mit Stacheldraht umzäunt und es wurde von Volksdeutschen bewacht. Außerdem war in Schönost ein Lager mit franz. Kriegsgefangenen und polnische Zivilarbeiter. Wir Juden waren von diesen getrennt.“ Ein Zeitzeuge sprach von „zwei Waggons jüdische KZ-Häftlinge“,226 die für Transportarbeiten am Werksbahnhof abgeholt werden sollten. Der Lok- Führer beschrieb den Blick in die Reichsbahngüterwagen als ein Bild des Grauens: „abgemagerte, nur noch aus Haut und Knochen bestehende, ohne festes Schuhwerk, in Lumpen gehüllte Elendsgestalten standen dichtgedrängt in den beiden überfüllten Waggons. [...] Bereits erschöpfte und vor Hunger kraftlose, nicht mehr gehfähige Juden wurden von der Wachmannschaft herausgezerrt und wie ein Stück totes Vieh auf die Verladerampe gelegt und ins Barackenlager abtransportiert.“ Später berichtet er davon, dass die Geschwächten mit Gummiknüppeln von der Wachmannschaft geschlagen wurden. Einige Aufschlüsse über die Situation im Lager bringt ein Zeitzeugeninterview,227 das im Herbst 2002 mit zwei Schwestern geführt wurde, die beide als Deutsche im Lager gearbeitet und dort auch gewohnt haben. Als vorteilhaft erwies sich dabei, dass sich beide im Interview ergänzten. Das Lager scheint in sich noch einmal unterteilt gewesen zu sein. In dem vorderen Bereich lebten Italiener, Belgier und Holländer, in einem zusätzlich abgetrennten Teil weiter hinten Polen und Ostarbeiter. Dieses zweite Tor soll aber kaum verschlossen gewesen sein, dennoch konnten sich die Ostarbeiter und Polen nicht frei bewegen. Das Eingangstor zum Lager war Tag und Nacht vom werkseigenen Wachschutz besetzt. Im Lagerladen, der im Hessen vom 10.4.1953 von Oberregierungsrat Dr. [A.] Ungerer, Allgemeiner Vertreter des Landesinteresses in Bayern. München, 1.8.1953. Darin ist die Rede von einem ZAL für Juden zwischen Ende 1942 und 1943, das – wie in der IST-Veröffentlichung als „Schönost bei Forst (Lausitz)“ bezeichnet wird. Dabei dürfte es sich um eine Verfälschung des Namens „Scheuno-Ost“ handeln. Ungerer bezog sich auf ein Urteil der Entschädigungskammer des Landgerichtes München aus dem Jahr 1951 (LG Mü EK 1400/51). Der Kläger war zunächst im Arbeitslager in Grunow an der Oder, kam dann nach „Schönost bei Forst“ in eine Munitionsfabrik, wo die Gruppe „etwa fünf bis sechs Wochen“ blieb, bevor sie Anfang 1943 in das Lager einer Zellwolle- und Zellulose-Fabrik bei Küstrin/Neustadt kamen. 225 Protokoll der Entschädigungskammer des Landgerichtes München I (EK 1400/51, LEA 7541/II/558) vom 19. August 1952 226 Schulz, Hans-Joachim: Das verbotene Werk im Bunkerwald – Der Rüstungsbetrieb Deutsche Sprengchemie GmbH in Forst-Scheuno, Teil I, Forst, 1996, hier Nachdruck von 1999, S. 30 227 Zeitzeugenbericht Nummer 5, im Anhang

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vorderen Teil war, konnten offenbar auch westeuropäische Arbeiter einkaufen. Im Lagerbereich für die Polen und Ostarbeiter, in dem auch Familien lebten, soll sich auch eine Art Säuglingsstation und Kinderkrippe befunden haben. Für „kurze Zeit“ wurde auch bestätigt, dass sich Juden im Lager befunden haben, darunter auch Kinder. Die etwa zwölf bis 15 Quadratmeter großen Zimmer in den unterkellerten Baracken sollen mit bis zu zehn Ausländern belegt worden sein. Während der Oberlagerleiter als human dargestellt wird, wurde der Unterlagerleiter weniger positiv geschildert, weil er unter anderem den Ostarbeitern am Tor bei Privatleuten erarbeitete Nahrungsmittel abgenommen habe. Das „Lager Scheuno“ wurde von der Hauptverwaltung der Deutschen Sprengchemie allerdings auch als Wohnadresse für deutsche Mitarbeiter angegeben, wie aus der „Zielenzig-Liste“ hervorgeht.228 Auf dem Stadtfriedhof in Forst sind nachweislich vier Ostarbeiter bestattet, die ihren letzten Wohnsitz im „Lager Scheuno“ oder „Heidelager“ hatten: ein sechsmonatiges Mädchen, zwei 20-jährige und ein 44-jähriger Ostarbeiter.229 3.2.1.3 Lagerstandorte ohne Beleg für Ausländerunterbringung - RAD-Lager Scheuno, Schäferei Ein ehemaliges RAD-Lager gab es an der Schäferei an der Skurumer Brücke im Bereich Scheuno.230 Ob das Lager für die Unterbringung von Ausländern genutzt wurde, konnte bisher nicht geklärt werden. - Autobahnlager Erwähnung findet im November 1939 das „Autobahnlager“, wobei weder Standort noch dessen Belegschaft genauer definiert wird.231 Ob dort im Laufe des Krieges Ausländer untergebracht wurden, ist nicht geklärt. - RAD-Lager Hammer-Groeschke-Platz Belegt ist ein RAD-Lager auf dem Sportplatz des TV 1861 Forst (Hammer- Groeschke-Platz).232 Ob es Standort der bereits erwähnten 228 StadtA Forst, 3037, Bl. 70 229 Beerdigungsregister für den Hauptfriedhof sowie Sterberegister 807 aus 1943, Nr. 94 aus 1944, Nr. 759 aus 1942 und 693 aus 1943 230 Zeitzeugenbericht Nummer 2 im Anhang 231 StadtA Forst, 3235, Bl. 11, Besprechung des Oberbürgermeisters mit den Fachgruppenleitern des Einzelhandels am 16. November 1939 232 StadtA Forst, A2058, in einem Rundschreiben an das Hauptamt/Grundstücksamt vom 7.12.1940 wird bemängelt, dass noch einige Pacht- und Mietverträge fehlen, „insbesondere die, zur Errichtung des

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Kriegsgefangenenarbeits-Kommandos „Rosengarten“ war, kann nicht belegt werden. Derzeit scheint eine Lokalisierung bei Frankfurt, Ortsteil Rosengarten, wahrscheinlicher zu sein. 3.2.1.4 Sonstige Unterkünfte - Charlottenstraße 7 Die Adresse wird in der Liste der Notdienstbeorderung Zielenzig als Wohnanschrift für einen Holländer genannt.233 Dabei scheint es sich um ein Privathaus gehandelt zu haben.234 - Mittelstraße 4 – 6 Die Wohnadresse wird in der Zielenzig-Liste (1943/44) für einen polnischen Arbeiter der Firma Josef Haase benannt.235 Das Wohnhaus mit dieser Anschrift gehörte dem Spinnereibesitzer Josef Haase.236 - Frankfurterstraße 23 Auf der „Zielenzig-Liste“ findet sich die Wohnadresse „Frankfurterstr. 23“ für zwei polnische Arbeiter der Firma Reinhold Jakeschky.237 Dieselbe Adresse wird auch als letzter Wohnort eines polnischen Zivilarbeiters genannt, der Ende Juni 1943, vier Tage nach seinem 26. Geburtstags, starb. Die Häuser Frankfurter Straße 22 und 23 waren zuvor die „Herberge zur Heimat“ sowie das Mädchenwaisenhaus gewesen.238 Das Grundstück Frankfurter Straße 22 wurde 1935 als Sitz des Vereins zur Unterhaltung der Waisenhäuser239 geführt. Im Juli 1941 gab es Gespräche zwischen dem Forster Oberbürgermeister und Superintendent Kriebel zur Übernahme kirchlicher Einrichtungen an den NSV, zu den auch das Mädchenwaisenhaus Frankfurterstr. 22 gehörte.240 Später befand sich dort das Internat der Kinderpflegerinnenschule, weshalb im April 1943 eine Entwesungsanlage des Landesschützen-Batl. 314 auf Kosten der Stadt auf ein anderes städtisches Grundstück verlagert werden sollte.241 Reichsarbeitsdienstlagers und des Sportplatzes in Eulo mit dem Grafen Brühl, dem Reichsarbeitsdienst und dem Turnverein [TV 1861 Forst, Hammer-Groeschke-Platz] abgeschlossen worden sind.“ 233 StadtA Forst, 3037 (A1984), Bl 44, Notdienstbeordnung „Zielenzig“ 234 Forster Stadtbuch, Adressbuch der Industrie- und Handelsstadt Forst-Lausitz, 1935, S. 63 235 StadtA Forst, 3037, Bl. 67 236 Forster Stadtbuch, Adressbuch der Industrie- und Handelsstadt Forst-Lausitz, 1935, S. 120 237 StadtA Forst, 3037, Bl. 69 238 KreisA SPN, Unterlagen der Baupolizeibehörden zu Frankfurter Straße 22 und 23 (Unterlagen sind nach Adresse geführt) 239 Forster Stadtbuch, Adressbuch der Industrie- und Handelsstadt Forst-Lausitz, 1935 240 StadtA Forst, A 2957, o. Bl., mit Datum vom 25. und 26.7.1941 241 StadtA Forst, 2104, Dezernenten- und Bürgermeister-Sitzungen 1936 – 1945, Protokoll vom 15.4.1943

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- Berliner Straße Eine Ausländerunterkunft, vermutlich für Belgier, gab es im Februar 1945 in der Berliner Straße. Zumindest wurde einem Wallonen aus dem Bereitschaftslager Scheuno-Ost der Besuch von „Kameraden in der Berlinerstrasse“ gestattet. Ob es sich dabei um eine private oder eine Sammelunterkunft handelte, ist unklar. Eine Hausnummer wurde nicht genannt.242 - Schützenstraße 13 Auf der „Zielenzig-Liste“ wird die „Schützenstr. 13“ als Wohnadresse eines polnischen Arbeiters der Firma Richard Naumann KG erwähnt.243 Eigentümer des Grundstücks waren die Els.-Bad. Wollfabriken.244 - Karlstraße 10 Auf der Zielenzig-Liste wird das Wohn- und Geschäftshaus245 „Karlstr. 10“ als Wohnanschrift für einen Polen angegeben, der bei der Firma Heinrich Schwiegk beschäftigt war, aber von der Zielenzig-Liste gestrichen wurde.246 Knapp vor dem dritten Geburtstag war dort im August 1942 ein Junge mit dem gleichen Familiennamen gestorben,247 was auf die Unterbringung zumindest einer Familie schließen lässt. - Gubener Straße 40 Auf der Zielenzig-Liste wird der Wohnort eines polnischen Hilfsarbeiters der Firma Hänsel & Co mit Gubener Straße 40 angegeben.248 Die Firma hatte im Juni 1942 den Abriss des dortigen Wohnhauses und Stalls wegen Baufälligkeit beantragt und dies unter anderem mit Gefahren für den allgemeinen Verkehr begründet. Entsprechend einer handschriftlichen Notiz der Baupolizei sollte die „Zustimmung des Arbeitsamtes“ eingeholt werden. Außerdem sei zu klären, 242 Besuchsausweis (Kopie), in Besitz von Hans-Joachim Schulz, Forst 243 StadtA Forst, 3037, Bl. 72 244 Forster Stadtbuch, Adressbuch der Industrie- und Handelsstadt Forst-Lausitz, 1935, S. 152, es handelte sich um die Forster Filiale der Elsaß-Badischen Wollfabriken AG (Kehl a. Rhein), die ihren Sitz in der Amtstraße 13 und ein größeres Fabrikgelände an der Richard-Wagner-Straße 17/21 (heute Brachfläche) hatten. Nach den Angaben eines zeitgenössischen Stadtplanes musste sich die Wohnanschrift auf dem Gelände in der unmittelbaren Umgebung der Fabrik befinden, wo heute ein Garagenkomplex steht (Foto in der Anlage) 245 Forster Stadtbuch, Adressbuch der Industrie- und Handelsstadt Forst-Lausitz, 1935 246 StadtA Forst, 3037, Bl. 91 247 Beerdigungsverzeichnis des Hauptfriedhofes für Kinder bis vier Jahren sowie Nr. 566 aus 1942 aus dem Sterberegister der Stadt. Dort ist die Nationalität des Kindes allerdings nicht aufgeführt. 248 StadtA Forst 1984 Bl 66

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„ob die Räume als Notunterkunft für ausländische Arbeitskräfte Verwendung finden könnten“.249 - Bahnhofstraße 55 Ein in Russland geborener Zweijähriger, der im Dezember 1943 starb, wurde zuletzt unter dieser Adresse geführt. 250 Es handelte sich um ein Mehrfamilienhaus in Privatbesitz.251 - Muskauer Straße 7 – 11 Für einen polnischen Arbeiter, der kurz vor seinem 26. Geburtstag im Juni 1944 starb, ist als Adresse die Muskauer Straße 7 – 11 angegeben.252 Dort befand sich 1935 das Kontor und der Lagerplatz von Max Kiesling.253 - Frankfurter Straße 54 Auf der „Zielenzig-Liste“ wird ein Mitarbeiter der Firma Louis Schulze namens Anton Kozlowski aufgeführt, der in der „Frankfurter Str. 54“ wohnt. Ob der Genannte Ausländer war, ist allerdings offen gelassen.254 Das Grundstück gehörte der Stadtgemeinde Forst. Dort war der städtische Fuhrpark untergebracht, dazu noch mehrere Wohnungen, wo der Genannte zumindest 1935 noch nicht wohnte.255 Etwa 50 bis 100 Meter entfernt (auf der anderen Straßenseite in Richtung Krankenhaus) deuten Zaunpfähle, wie sie am Lager Turnhalle Noßdorf und am RAD Hammer-Groeschke-Platz bestanden haben, auf eine eventuelle Lager-Umfriedung hin. 3.3 Arbeitseinsatz Bereits im November 1939 klagten fast alle Innungsvertreter in der Stadt Forst über einen zunehmenden Personalmangel.256 Beim nächsten Treffen mit Fachgruppenleitern des Einzelhandels im Mai 1940 nahm Oberbürgermeister Friedrich vorweg, „dass Hauptgegenstand aller Klagen der 249 KreisA Forst, Baupolizeiunterlagen, 107, für das Grundstück Gubener Straße 40, nach dem Abrissantrag wurde nichts weiteres vermerkt. Erst für 1949/51 sind wieder Unterlagen zu einem Antrag zum Ausbau des „Schuppens“ als Wohnhaus vorhanden. 250 Angaben aus dem Beerdigungsregister des Hauptfriedhofes für Kinder bis vier Jahre sowie Angaben aus dem Sterberegister, Nr. 872 aus 1943 251 Forster Stadtbuch, Adressbuch der Industrie- und Handelsstadt Forst-Lausitz, 1935, S. 51 252 Beerdigungsregister des Hauptfriedhofes Forst sowie Sterberegister des Standesamtes, Nr. 516 aus 1944 253 Forster Stadtbuch, Adressbuch der Industrie- und Handelsstadt Forst-Lausitz, 1935 254 StadtA Forst, 3037, Bl. 96, im Forster Stadtbuch, Adressbuch der Industrie- und Handelsstadt Forst-Lausitz, 1935, wird der Familienname nicht erwähnt 255 Forster Stadtbuch, Adressbuch der Industrie- und Handelsstadt Forst-Lausitz, 1935, S.78 256 StadtA Forst, 3235, Bl. 21, Besprechung des Oberbürgermeisters mit den Fachgruppenleitern des Einzelhandels am 16.11.1939

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fühlbare Personalmangel sein werde. Von Seiten der Ortspolizeibehörde sei er aus diesem Grunde schon weitgehend allen berechtigten Wünschen bei Reklamationen entgegengekommen.“257 Von einem Ausländereinsatz im Handel war keine Rede. Ab dem Jahresende 1940 nahm die Zahl der geflüchteten polnischen Zivilarbeiter im Regierungsbezirk Frankfurt (Oder) zu, während der Anteil der Ergriffenen proportional sank. Von 257 im November 1940 Geflüchteten konnten noch 145 gefasst werden. Im Dezember verschwanden 378 Polen, von denen nur weniger als ein Drittel (110) wieder aufgegriffen wurden, im Januar 1941 galten 575 Polen als arbeitsflüchtig, von denen nur noch 89 gefasst wurden, was die Gestapo Frankfurt erklärte mit „verschiedenartige[r] Handhabung der polizeilichen Kontrollen an der hiesigen Polizeigrenze ab 15. Dezember 1940“.258 Der Oberpräsident schätzte im März 1941 die Zahl der flüchtigen Polen im Bezirk auf etwa 3000 und sah als Motiv: „Offenbar hat in der Zeit vor Weihnachten die Verweigerung des ursprünglich zugesagten Urlaubs wesentlich dazu beigetragen, die Polen zur Flucht zu bewegen.“259 Das Arbeitsamt Forst bezifferte die Zahl der flüchtigen polnischen Arbeitskräfte zwischen dem 1.12.1940 und dem 24. April 1941 auf insgesamt 69.260 Dabei handelte es sich um Polen, die aus dem Heimurlaub nicht zurückgekehrt waren. Wesentlich gravierender war die „Abwanderung von polnischen Zivilarbeitern aus dem Gewerbe“. „Hier geht die Zahl in die 100te“, schätzte das Arbeitsamt Forst ein.261 Bereits am 5. April 1941 hatte der Sorauer Landrat die Staatspolizeileitstelle in Frankfurt (Oder) darüber informiert, dass sich in den Bereichen der Gruppenposten Teuplitz und des Gend.Einzelpostens Kemnitz „unter den polnischen Arbeitskräften eine gewisse Arbeitsunlust bemerkbar macht, die vermutlich auf die Urlaubssperre zurückzuführen ist“.262 Der Landrat schlug vor, die Gottesdienste für Polen – vor allem in Teuplitz - in größeren Zeitabständen stattfinden zu lassen, da die Polen dort die Gelegenheit 257 StadtA Forst, 3235, Bl. 25, Besprechung des Oberbürgermeisters mit den Fachgruppenleitern des Einzelhandels am 24.5.1940. Der Oberbürgermeister wies lediglich darauf hin, dass es sich kaum vermeiden ließe, dass jüngere Jahrgänge eingezogen würden, „die hier nur schwer entbehrt werden könnten. Auf der anderen Seite kämen ja auch dafür ältere Jahrgänge zur Entlassung“, heißt es im Protokoll. 258 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, 1362, Bl. 345 259 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, 1362, Bl. 347 260 KreisA Zary, 1282, Bl. 159, Brief des Arbeitsamtes Forst vom 24. April 1941 an den Landrat in Sorau. Probleme gab es bei der Rückführung u.a. wegen der Frage der Kostenübernahme. Man rechnete damit, etwa 50 Polen wieder zurückführen zu können. 261 KreisA Zary, 1282, Bl. 160 262 KreisA Zary, 1282, Bl. 149

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nutzten „ihre Meinungen untereinander auszutauschen und sich gegenseitig aufzuhetzen“. 3.3.1 Deutsche Sprengchemie Forst Bereits Anfang 1936 hatte die IG Farben eine Teilbetriebsverlagerung nach Forst abgelehnt.263 Im Jahr 1939 berichtete Oberbürgermeister Friedrich über Verhandlungen mit dem Grafen von Brühl „über den Erwerb des Geländes, das für die Wehrmachtsbauten bestimmt ist sowie von der Absicht, einen Geländestreifen südlich der Chaussee Forst – Pförten bis zur Eisenbahnlinie anzukaufen“.264 Der Kaufvertrag zumindest für die Bereiche „beiderseits der Kunststraße“ scheint im September 1939 abgeschlossen worden zu sein.265 Im gleichen Jahr begannen die Bauarbeiten. Ende Mai 1941 war der Bau soweit fertiggestellt, dass die Fertigung von Nitroglyzerinpulver in einer Abteilung anlaufen konnte und ein Antrag auf Erklärung zum Wehrwirtschaftsbetrieb gestellt wurde.266 Beim Bau wurden auch Tschechen und Polen bei privaten Baufirmen eingesetzt.267 Auch nach Beginn der Produktion im Bereich des Werkes I liefen die Bauarbeiten im Bereich des Werkes II bis 1945 weiter.268 Im April 1940 fehlten der Sprengchemie Forst 885 Arbeiter.269 Im März 1941 wurde der sofortige Arbeitskräftebedarf für das Heeresbauvorhaben Scheuno mit 560 Personen angegeben.270 Die Deutsche Sprengchemie GmbH (DSC) gehörte zur Westfälisch- Anhaltinischen Sprengstoffactiengesellschaft (WASAG) und damit zur IG Farben.271 Die WASAG-Tochtergesellschaft DSC errichtete, pachtete und 263 StadtA Forst, A2104, Mitschrift der Dezernenten-Besprechung vom 17.3.1936 264 StadtA Forst, A2104, Beigeordnetensitzung 27.4.1939 265 StadtA Forst, A2104, Beigeordnetensitzung 14.9.1939: „Mit dem Abschluss des Kaufvertrages mit dem Grafen von Brühl über das Gelände beiderseits der Kunststraße nach Pförten erklärten [sich] die Anwesenden grundsätzlich einverstanden.“ 266 BArch-MA, RW 21-20/2, Bl 79, Eintrag von 26.5.1941 267 StadtA Forst, A2072, Brief des Forster Bauunternehmers Wilhelm Schulz an die Stadt Forst, worin er sich dazu äußert, dass nach August 1939 126 Arbeitskräfte eingezogen wurden. „Es wurden dann die Arbeitskräfte dringend für kriegswichtige Arbeiten in Scheuno benötigt. Es wurden sogar 36 tschechische Maurer mir vom Arbeitsamt zugeteilt und später noch 95 polnische Arbeiter.“ 268 Schulz, Hans-Joachim: Das verbotene Werk im Bunkerwald – Der Rüstungsbetrieb Deutsche Sprengchemie GmbH in Forst-Scheuno, Teil II, Forst, 1996, hier verwendet der Nachdruck von 1999, S. 32f 269 BArch-MA, RW 21-20/2, Bl. 21 270 BArch-MA, RW 21-20/2, Bl. 71 RS, Eintrag vom 31.3.1941 271 Fischer, Wolfram: WASAG – Die Geschichte eines Unternehmens 1891 – 1966, Essen, 1966, S. 106. Die Deutsche Sprengchemie GmbH wurde 1934 gemeinsam von der Dynamit AG und der WASAG gegründet, 1936 ganz von der WASAG übernommen. Hauptaktionär der WASAG wiederum war die IG Farben über die Ammoniakwerke Merseburg GmbH (52,1 Prozent), die Deutsche Länderbank AG (7,2 Prozent) und die Dynamit AG (5 Prozent), ebenda, S. 94

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betrieb Rüstungsfabriken im Auftrag der reichseigenen Verwertungsgesellschaft für Montan-Industrie mbH.272 Zu den acht DSC- Werken273, die auf diese Weise gebaut wurden, gehörte auch das Werk in Forst, das aber zu den kleinsten zählte.274 Drei Monate nach Produktionsbeginn wurden etwa 400 Tonnen Pulver monatlich bei einer Höchstleistung von 550 Moto275 bei vollbesetzter zweiter Schicht produziert. Von dieser Mengenangabe ausgenommen waren Flak- und Blättchenpulver.276 Der Anteil der ausländischen Arbeiter dürfte in den letzten Kriegsmonaten überwogen haben.277 Genaue Angaben dazu gibt es nicht.278 Berichte, wonach zwischen 1940 und 1945 „etwa 600 Bürger der Staaten Westeuropas, vorwiegend Franzosen, über 1000 Polen, etwa 3000 Russen, Ukrainer und Juden“ in der DSC Forst gearbeitet haben, konnten ebenso wenig überprüft werden wie die Zahl von „über 2000“ Zwangsarbeitern die „aufgrund von Erschöpfung, Hunger und der Infektionskrankheiten“ gestorben seien.279 Offenbar wurden nicht nur Bewohner des eigenen Lagers, sondern auch aus Unterkünften in der Stadt, wie zum Beispiel aus dem Lager Muskauer Straße, in der Sprengchemie eingesetzt.280 Seit November 1941 stand für den Transport auch eine provisorische Werksbahnanlage für die Mitarbeiterbeförderung zur Verfügung.281 272 ebenda, S. 106f. Die Verwertgesellschaft – also der Staat – stellte die Investitionsmittel zur Verfügung und war Eigentümerin der Produktionsgelände. Die Industrie betrieb die rein militärisch geforderten Werke, in denen militärisches Pulver, seit 1942 auch Granatfüllungen und Sprengladungen, produziert wurden. Die DSC zahlte einen Pachtzins, der zwischen einem Drittel und der Hälfte des Betriebsgewinns lag. 273 ebenda, S. 107, seit 1937: Klietz über Schönhausen und Moschwig bei Bad Schmiedeberg; seit 1939: Oderberg/Mark; seit 1940 Kraiburg/Inn und Torgelow/Pommern; seit 1942: Forst (Lausitz), Geretsried bei Wolfrathshausen/Oberbayern und Dreetz bei Neustadt/Dosse. 274 ebenda, S. 151; Die Werke Forst und Dreetz produzierten 1942 (Stand: 1. April) 700 Moto Pulver, Moschwig 775 Moto. Oderberg (1300 Moto), Kraiburg (1450 Moto), Klietz (1350 Moto) und Torgelow/Pommern (1500 Moto) hatten jeweils eine doppelt so hohe Produktion wie Forst. 275 Moto = Monatstonnen 276 BArch-MA, RW 21-20/2, Eintrag vom 5.11.1941 277 Fischer, Wolfram: WASAG – Die Geschichte eines Unternehmens 1891 – 1966, Essen, 1966, S. 165; So waren von 4500 Betriebsarbeitern im Werk Elsnig im Frühjahr 1945 insgesamt 55 Prozent Ausländer, von den 2500 Bauarbeitern waren 80 Prozent Ausländer. 278 Bereits während des Krieges wurde die WASAG mit der Aufteilung in einen militärischen und einen zivilen Teil auf die Nachkriegszeit vorbereitet, wie Fischer ausführlich beschreibt. In seinem im Auftrag der WASAG- Chemie AG herausgegebenen Buch wird auf Forst nicht weiter eingegangen. Auch der Ausländereinsatz an sich wird nur am Rande erwähnt. Anfragen wurden bereits 2001 von der WASAG-Chemie AG ignoriert. Mittlerweile ist durch wirtschaftliche Fusionsprozesse die H&R WASAG AG entstanden, die ebenfalls Anfragen ignorierte. 279 Majchrzak, Jerzy Piotr: Miasto ze Złotym lwem w herbie, Zary, 1998, S. 196; auch auf mehrmalige Anfrage nach den Quellen für diese Zahlen und andere Angaben zum DSC-Werk Forst reagierte der Autor nicht. Die Angaben sind demzufolge weder verifizier- noch widerlegbar. 280 Zeitzeugenbericht Nummer 3, im Anhang, und Forster Wochenblatt vom 1. Oktober 1993, S. 9 281 BArch-MA, RW 21-20/2, Bl. 93, Eintrag vom 8.11.1941

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Neben der Explosionsgefahr drohten Mitarbeitern Vergiftungen. So geht aus den Unterlagen der Ernährungs- und Wirtschaftsämter hervor, dass „Vollmilchzulage für giftgefährdete Arbeiter mit Genehmigung des Gew.A. in Form von Milchkarten ausgegeben, und für etwa 300 Arbeiter der DSC in Form von Bezugscheinen (...)“ ausgereicht wurde.282 Ob dies auch für Ausländer galt, blieb offen. Im April 1941 wurden für Bauarbeiten (Kabelverlegung) in der Sprengchemie Forst bei der Berliner Firma Maximilian Bernard 20 Kriegsgefangene beschäftigt.283 Weitere, bisher bekannte Arbeitsbereiche waren der Materialtransport innerhalb des Werkes durch Kriegsgefangene,284 der Schnitt der Pulverstangen durch deutsche Frauen und Ostarbeiterinnen,285 französische Kriegsgefangene als Heizer auf werkseigenen Lokomotiven286 sowie Belgier an den Pulverdeckenwalzen.287 Polnische Zivilarbeiter wurden bereits beim Bau der Wasser- und Abwasserleitungen durch die „Gawa-Bau“ Berlin-Charlottenburg eingesetzt.288 Im Mai 1942 wurden der Deutschen Sprengchemie für Forst 100 männliche und 60 weibliche Arbeitskräfte aus Italien angeboten. Die DSC Forst teilte aber mit, dass sie keinen Bedarf an den Italienerinnen habe, weil aus der stillgelegten Textilindustrie jede gewünschte Zahl an Frauen zur Verfügung stünde. Allerdings könnten die 100 männlichen Arbeitskräfte aus Italien eingesetzt werden.289 Anfang März 1942 kamen 150 männliche russische Zivilarbeiter zur DSC Forst.290 Die deutschen Vormänner bei Russenkolonnen waren als Fachkräfte beziehungsweise Schlüsselkräfte vor Einberufungen geschützt.291 Selbst eine Überprüfung zur Freimachung von Schlüsselkräften zur Einberufung hatte im November 1942 keinen Erfolg, da die Zahl der Schlüsselkräfte äußerst gering war.292 282 StadtA Forst, A2065, (Wirtschaftsamt), Bl. 9 283 StadtA Forst, 3261, Bl. 9 284 Schulz, Hans-Joachim: Das verbotene Werk im Bunkerwald – Der Rüstungsbetrieb Deutsche Sprengchemie GmbH in Forst-Scheuno, Teil I, Forst, 1996, hier verwendet der Nachdruck von 1999, S. 23 285 ebenda, S. 23f. 286 ebenda, S. 31 287 Schulz, Hans-Joachim: Das verbotene Werk im Bunkerwald – Der Rüstungsbetrieb Deutsche Sprengchemie GmbH in Forst-Scheuno, Teil II, Forst, 1998, S. 13 288 Schulz, Hans-Joachim: Das verbotene Werk im Bunkerwald – Der Rüstungsbetrieb Deutsche Sprengchemie GmbH in Forst-Scheuno, Teil I, Forst, 1996, hier verwendet der Nachdruck von 1999, S. 34f 289 BArch-MA, RW 21-20/2, Einträge vom 8.5.1942 und 9.5.1942 290 BArch-MA, RW 21-20/2, Bl. 115, Eintrag vom 3.6.1942 291 BArch-MA, RW 21-20/2, Bl. 119, Eintrag vom 22.7.1942 292 BArch-MA, RW 21-20/2, Bl. 147, Eintragung vom 20.11.1942

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Das Gelände war offenbar geologisch nicht für eine Produktion in diesen Ausmaßen geeignet. Kritik und Zweifel am Ausmaß des anzuzapfenden Grundwassers gab es 1940 selbst im Regierungspräsidium, aber auch bei der Forster Brauerei Achilles.293 Bereits im Juli 1944, also etwa zwei Jahre nach der Inbetriebnahme, wandte sich die Deutsche Sprengchemie an die Landesanstalt für Wasser-, Boden und Lufthygiene, weil der „Grundwasserstand seit Inbetriebnahme um 1,80 bis 1,90 Meter gefallen“ war. 3.3.2 Stadtverwaltung Forst Mitte des Jahres 1941 wurden von der Stadtverwaltung Forst 25 Kriegsgefangene beschäftigt, aber keine weiteren Ausländer und keine Juden.294 Über die Aufgaben der Kriegsgefangenen ist nichts bekannt. Offenbar griff die Stadtverwaltung auch auf ausländische Arbeiter von Unternehmen zurück. So wurden im Januar/Februar 1941 nachweisbar 14 polnische Arbeiter des Tiefbauunternehmens Arthur Becker im Gas- beziehungsweise im „Eltwerk“ (Elektrizitätswerk) der Stadt beschäftigt. Der gezahlte Stundenlohn hat --,60 RM betragen.295 Daneben wurden Ausländer in mehreren städtischen Einrichtungen beschäftigt. - Gaswerk Im Februar 1944 wurden im Forster Gaswerk sechs Ostarbeiter beschäftigt, die für eine Prämie für gute Leistungen und Treue vorgeschlagen wurden. Die entsprechende Verordnung wurde allerdings bereits am 25. März 1944 wieder aufgehoben. Ob die Prämie ausgezahlt wurde, ist offen.296 - Forster Verkehrsbetriebe297 / Forster Stadteisenbahn Insgesamt wurden im Februar 1944 bei den Verkehrsbetrieben 15 Ostarbeiter beschäftigt, von denen mindestens zehn seit dem 21.6.1942 dort tätig waren 293 BLHA Pr. Br. Rep. 31 B 684, wg. Wasser/Abwasser DSC Scheuno. Nach einer Bekanntmachung im Forster Tageblatt, dass entsprechende Wasserentnahme- und Einleitungsrechte beantragt wurden, gab es Einsprüche eines Ehepaares aus Scheuno, des Ortsbauernführers sowie von Amtsvorsteher, Bürgermeister und 1. Beigeordneten aus Groß Bademeusel. Um die Ergiebigkeit ihrer eigenen Brunnen fürchteten die Reichsbahndirektion Halle und die Forster Brauerei Achilles. Aber auch im Regierungspräsidium schien man Zweifel über die Auswirkungen zu haben und verglich, dass die erwünschte Grundwassermenge dem Verbrauch einer Stadt von 120.000 bis 150.000 Einwohnern entspräche. 294 StadtA Forst, A2057 295 StadtA Forst, 3081 (A2020), Bl. 66 296 StadtA Forst, 3033, Bl. 9 297 StadtA Forst, 3075, Bl. 181, Die Forster Verkehrsbetriebe wurden im April 1940 gegründet und bestanden aus der Stadteisenbahn, dem Forster Speditions- und Lagerhaus sowie dem städtischen Autoverkehr.

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und für die Zahlung einer Prämie vorgeschlagen wurden. Fünf der Ostarbeiter unterstanden personell dem Tiefbauamt der Stadt.298 - Fahrbereitschaft Im September 1942 wurden der Stadtgemeinde 40 russische Kriegsgefangene überwiesen, von denen bis zu 35 vom Fahrbereitschaftsleiter auf Anforderung als Be- und Entladekolonne eingesetzt wurden.299 - Müllabfuhr Bei der Müllabfuhr der Stadt wurden im Februar 1944 mindestens zwei Ostarbeiter beschäftigt.300 3.3.3 Textilindustrie In der Fachgruppe Tuch- und Kleiderstoffindustrie waren Firmen zusammengeschlossen, deren russische Zivilarbeiter offenbar in einem städtischen Lager gemeinsam untergebracht waren, wie aus Rechnungen der Stadtverwaltung für Verpflegung und Unterkunft hervorgeht. 301 Der Arbeitseinsatz von Ausländern zeigt Unterschiede, was Dauer und Umfang der Beschäftigung von Ostarbeitern in einzelnen Unternehmen angeht. Waren im Juli 1942 noch 22 männliche Ostarbeiter in 21 Unternehmen beschäftigt, stiegen insbesondere ab Jahresmitte 1943 die Zahlen. Im September umfasst die Liste mittlerweile 36 Unternehmen, die 32 weibliche und 17 männliche Ostarbeiter beschäftigten. Am 15. Oktober 1943 entschieden Rüstungs- und Wirtschaftsdienststellen, Wirtschaftsgruppen, DAF sowie weitere Beteiligte unter anderem: „Textilbetriebe weben ab, dann Stillegung.“ Trotzdem wurde in einzelnen Fabriken in bescheidenerem Umfang weiter produziert.302 In wie weit dass auch in Forst zutrifft, müsste noch gesondert betrachtet werden. Als Standorte für aus Berlin verlagerte Rüstungsbetriebe wurden im August 1943 die Tuchfabriken Hugo Pürschel (Werk II), Högelheimer und Paul Altner genannt.303 Teilweise sollen einzelne Fabriken aber bis zu 40 Prozent ihrer 298 StadtA Forst, 3033. Bl. 9 RS 299 StadtA Forst A2702, Bl. 10 300 StadtA Forst, 3033, Bl. 9 Rückseite 301 StadtA Forst, 5307 (A2702), Bl. 31 302 Eichholtz, Dietrich: Rüstungswirtschaft und Arbeiterleben am Vorabend der Katastrophe; in: Eichholtz, Dietrich (Hg.) und Püschel, Almuth: Verfolgung, Alltag, Widerstand - Brandenburg in der NS-Zeit, Berlin, 1993, S. 67 303 ebenda, S. 66/67

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Flächen für die Einlagerung ihrer Maschinen behalten und teilweise auch für Produktionen genutzt haben.304 Bei Pürschel (Werk II) und Högelheimer wurden im August 1943 die Berliner Apparatebau Ges. Neumann & Borm, in der Tuchfabrik Altner (Am Keuneschen Graben 4) die Firma Franz Rasemann (Elektro-Akustische Ger.) untergebracht. Launsch & Reiher (Rich.-Wagnerstr.) war Verlagerungsstätte für die Berliner Klangfilm GmbH.305 Nach Angaben der Rüstungsinspektion wurde etwa ein Drittel der Fläche in den Tuchfabriken zum Unterstellen der Maschinen benötigt; die Unterbringung der Mitarbeiter machte zusätzliche Probleme.306 Im September wurden die Berliner Telefonbau, Normalzeit GmbH in die Räume der Tuchfabrik Philipp Sauer (Heinrich-Werner-Str. 10) und die Maschinen- und App.- Fabrik Armin Tenner in die Räume der Firma Richard Roick verlagert.307 Gleich in drei Fabrikstandorte wurde Mix & Genest aus Berlin im September 1943 verlagert. Die Tuchfabrik Theodor Gieschke (Kaiser-Wilhelm-Straße 4) wurde im September 1943 Verlagerungsstandort für die Norddeutschen Kabelwerke aus Berlin-Neukölln.308 Im Februar 1944 sollte die gesamte Produktion von Hochfrequenzkabeln nach Forst verlegt werden, wo zusätzlicher Raumbedarf gesehen wurde.309 Die Berliner Molkereieinrichtungsfirma Werner Reyher wurde im Oktober 1943 in die Färberei Forst AG verlagert.310 Aus den Rechnungsunterlagen der Stadt an die Fachgruppe311 lässt sich entnehmen, dass in folgenden 48 Unternehmen der Fachgruppe Ostarbeiter eingesetzt wurden: Adolf Noack, Adolf Wenzel, Adolph Grass Nachflg., Alwin & Otto Hampe, Artur Eichelmann, C. Ungers Ww., C.O. Ditschke, Carl Gustav Eltze, Els.-Bad. Wollfabriken, Ernst Fechner, Färberei Forst AG, Franz Mrose, Friedrich Schmidt KG, Fritz Fabian, Fritz Preusse & Sohn, Gebr. Eberle, Gottlieb Noack, Hans Apitz, Hänsel & Co, Heinrich Brehmer, Hermann Bergami, Hermann Renner, Hugo Pürschel, Julius Voige & Söhne, Kern & Brehmer, Krüger & Mielke, Louis Schulze, Matzdorff & Schöneich, Max 304 ebenda, S. 68, mit Verweis auf Berichte der Rüstungsinspektion III aus dem III. Quartal 1944, damals BA Potsdam, heute BArch-MA Freiburg 305 BArch-MA, RW 21-20/6, Bl. 32, Eintragung vom 1.8.1943 306 BArch-MA, RW 21-20/6, Bl. 33, Eintragung vom 1.8.1943 307 BArch-MA, RW 21-20/6, Bl. 49, Eintragung vom 22.9.1943 308 BArch-MA, RW 21-20/6, Bl. 51, Eintragung vom 22.9.1943 309 BArch-MA, RW 21-20/8, Bl. 30 310 BArch-MA, RW 21-20/7, Bl. 17, Eintragung vom 30.10.1943 311 StadtA Forst, 5307 (A2702)

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Ditschke, Max Lerke, Max Schneider, Otto Strauch Nachflg., Paul Ditschke, Paul Högelheimer, Paul Müller, Paul Schmidt, Reinhold Jackeschky, Reinhold Nater, Reissereibes. R. C. Oesterreich, Richard Kochan, Richard Neumann, Richard Schmolke, Robert Cattien, Schneider & Duch, Theodor Gieschke, W. Liefke, Werner & Klemm, Wuschack & Wilke. Für einige der Firmen finden sich auch an anderen Stellen Hinweise für die Beschäftigung von Ausländern: - Firma Fritz Preuße & Sohn Auf der Zielenzig-Liste wird 1944 ein polnischer Mitarbeiter erwähnt, hinter dessen Namen handschriftlich ein Fragezeichen versehen ist.312 - Gebrüder Eberle Auf der Zielenzig-Liste wird ein Holländer genannt, der bei der Firma Gebrüder Eberle arbeitete.313 - Hänsel & Co Auf der Zielenzig-Liste werden zwei polnische und ein italienischer Mitarbeiter benannt, wurden aber handschriftlich gestrichen.314 In einigen Räumen der Firma sollte 1943 die Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt aus Friedenau unterkommen,315 musste aber in die Tuchfabrik Neubarth umziehen, weil die Deutsche Vergasergesellschaft Berlin die Hänsel- Fabrik für Fertigungszwecke benötigte.316 - Firma Carl Gustav Eltze, Schlossplatz 7 Auf der Zielenzig-Liste wird ein italienischer Zivilarbeiter geführt, der als Spinnereiarbeiter tätig war.317 - Firma Reinhold Jakeschky Auf der Zielenzig-Liste werden zwei polnische Mitarbeiter benannt, die handschriftlich von der Liste gestrichen wurden.318 - Richard Naumann KG Auf der Zielenzig-Liste wird ein polnischer Arbeiter geführt.319 312 StadtA Forst, 3037 (A1984), Bl. 62, Notdienstbeordnung „Zielenzig“ 313 StadtA Forst, 3037 (A1984), Bl 44, Notdienstbeordnung „Zielenzig“ 314 StadtA Forst, 3037, Bl. 66 315 BArch-MA, RW 21-20/5, Bl. 15, Eintragung vom 8.4.1943 316 BArch-MA, RW 21-20/5, Bl. 46, Eintragung vom 22.6.1943 317 StadtA Forst, 3037, Bl. 50 318 StadtA Forst, 3037, Bl. 69 319 StadtA Forst, 3037, Bl. 72

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- Julius Voige & Söhne Auf der Zielenzig-Liste wird ein Ostarbeiter geführt, der als Anleger bei der Firma beschäftigt war.320 - Firma Heinrich Schwiegk Auf der Zielenzig-Liste wird ein polnischer Mitarbeiter der Firma erwähnt.321 - Firma Robert Cattien Auf der Zielenzig-Liste wird ein Mitarbeiter namens Wojciech Kubik geführt, über dessen Nationalität aber nichts ausgesagt wird.322 - Firma Louis Schulze Auf der Zielenzig-Liste wird ein Anton Kozlowski aufgeführt, über dessen Nationalität aber nichts ausgeführt ist.323 3.3.4 Handwerk und Handel Mit der zunehmenden Zahl der Einberufungen zur Wehrmacht wurde der Personalbestand auch in kleineren Handwerks- und Handelseinrichtungen problematischer. Viele mussten schließen, andere Kleinunternehmer bekamen Fremdarbeiter zugeteilt. Konkrete Zahlen gibt es nicht. Als Beispiel ist eine kleine Fleischerei bekannt, wo ein Franzose und später auch ein Pole arbeiteten.324 3.3.5 Landwirtschaft In der Anfangsphase des Krieges wurden Kriegsgefangene vor allem in der Landwirtschaft sowie bei der Melioration eingesetzt. Eine Übersicht über den Einsatz lässt ein Schreiben des Sorauer Landrates zum Arbeitsentgelt für Kriegsgefangene erahnen, das an die Bürgermeister und Amtsvorsteher des Kreises Sorau sowie an verschiedene Einzelbetriebe gerichtet war, unter anderem an die „Genossenschaft Naundorf-Sacro, Herrn Bürgermeister Rattei in Naundorf“. Eine Ausnahme in dieser Landwirtschaftsliste bildet die „Grube Viktor in Kemnitz“.325 Die Lagerunternehmer hatten nach den Bedingungen für 320 StadtA Forst, 3037, Bl. 84 321 StadtA Forst, 3037, Bl. 91 322 StadtA Forst, 3037, Bl. 96 323 StadtA Forst, 3037, Bl. 96 324 Zeitzeugenbericht Nummer 3, im Anhang 325 StadtA Forst, 314, Brief des Kreisbauamtes des Kreises Sorau vom 11. Dezember 1939, betrifft: Arbeitsentgelt für Kriegsgefangene. Zu den Adressaten gehörten neben den Bürgermeistern und Amtsvorstehern des Kreises Sorau, die Ortsbauernführer des Kreises Sorau sowie der Graf von und zu Egloffstein in Kromlau,

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Land- und Forstwirtschaft den Kriegsgefangenenarbeitskommandos freie Unterkunft und Verpflegung zu gewähren sowie sechs Pfennig je geleistete Arbeitsstunde zu zahlen. Dabei wurde von einem maximal neunstündigen Arbeitstag ausgegangen. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde vom Kreisbauamt davon ausgegangen, dass Gefangene „wegen einer meist schlechten Ausrüstung bei ungünstiger Witterung, zumal bei durchnässtem Zeug, oft mehrere Tage ausfallen“ werden. Die Kriegsgefangenen sollten nach einer Zusage des Oberkommandos des Heers mindestens ein Jahr in den Arbeitslagern des Kreises Sorau verbleiben und somit im Frühjahr, Sommer und Herbst 1940 der Land- und Forstwirtschaft zur Verfügung stehen.326 Neben der Landwirtschaft und Meliorationsarbeiten wurden sie aber auch im Straßenbau eingesetzt.327 Im Juni deutete sich die Entlassung der Kriegsgefangenen an, die aber als zivile Arbeiter „am Arbeitsort und beim jetzigen Unternehmer vorläufig weiter“ arbeiten, aber dann dem Arbeitsamt und der örtlichen Polizeibehörde unterstehen sollten.328 Das Kreisbauamt ging am 15. Juni 1940 davon aus, dass man den Vorteil habe, „dass die große Zahl polnischer Kriegsgefangener, 1409 Mann, als Freiarbeiter polnischen Volkstums der Landwirtschaft vermittelt werden können“. Allgemein könne davon ausgegangen werden, dass „bis auf wenige Zwischenfälle die Durchführung [des bisherigen Einsatzes, d.A.] reibungslos funktionierte“.329 Welche Zwischenfälle dies konkret waren, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall ging man im Kreisbauamt davon aus, das der größte Teil der von den Gemeinden und verschiedenen Landwirten eingerichteten Arbeitslager aufgelöst werde. „Nur einige wenige Lager bleiben für die Aufnahme von Kriegsgefangenen aus dem Westen für die Industrie und sonstige Unternehmungen bestehen.“330 die Gräfl. von Brühl’sche Hauptverwaltung in Pförten, Herr von Mosch in Kulm, die Landwirte Oldermann – Gut Gersdorf, Steinhardt in Eckartswalde und Schaller in Haasel sowie die Grube Viktor, Herrn Seidler im Kemnitz und die Genossenschaft Naundorf-Sacro, Bürgermeister Rattei in Naundorf. 326 StadtA Forst, 314, Brief des Kreisbauamtes des Kreises Sorau vom 11. Dezember 1939, betrifft: Arbeitsentgelt für Kriegsgefangene. 327 Natusch, Reinhard: Sacro, Ortschronik, Schriftenreihe der Stadt Forst, Forst, S. 47, zum Arbeitseinsatz der Kriegsgefangenen in Sacro. 328 StadtA Forst, 314, Brief des Kommandanten des Stalag IIIB an Bürgermeister W. Woick, Sacro-Forst-Land 329 StadtA Forst, 314, Brief des Kreisbauamtes Sorau vom 15. Juni 1940 an sämtliche Lagerträger 330 StadtA Forst, 314, Brief des Kreisbauamtes Sorau vom 15. Juni 1940 an sämtliche Lagerträger

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Noch am gleichen Tag kündigte man in einem Brief an das Arbeitsamt in Forst die Absicht an, „folgende Arbeiten mit Gefangenen aus dem Westen weiter fortzuführen 1.) Ländl. Wegebau Guschau 30 Westgefangene 2.) Genossenschaft Naundorf-Sacro 50 ’’ ’’ 3.) Melioration Kl. Jamno 50 ’’ ’’ 4.) Wegebau Gebersdorf – Kemnitz 25 ’’ ’’ “ Zwei der vier verbleibenden Maßnahmen sollten also im direkten Umfeld der Stadt Forst bleiben (Naundorf-Sacro, in Sacro, und Klein Jamno, in Simmersdorf). Die Beibehaltung der bisherigen Lager der Stadt Gassen, der Lagergemeinde Sacro, der Lagergemeinde Simmersdorf und des Lagers Grube Viktor in Kemnitz waren bereits geklärt.331 Im Februar 1941 wurden die Aufgaben der Kriegsgefangenenkommandos Sacro und Simmersdorf konkretisiert. Die Insassen des Lagers Sacro wurden im Gebiet des Wasser- und Bodenverbandes Naundorf-Sacro „zur Herstellung von Vorflutgräben und Entwässerungseinrichtungen“ eingesetzt, die Insassen des Lagers Simmersdorf im Gebiet des Klein Jamnoer Teiches „zur Moorkultivierung und Herstellung von Entwässerungseinrichtungen, Gräben usw.“.332 Die Genossenschaft Sacro war auf billige Arbeitskräfte angewiesen.333 Im August 1943 wurde das Vorhaben konkreter, dass die Julius Pintsch KG die stillgelegte Fabrik in der Nähe des Simmersdorfer Bahnhofes für Reichsbahnfertigungen nutzen sollte. Bis dahin war es für die Lagerung von Einrichtungsgegenständen für Baracken des OKH genutzt worden.334 Später wird die Verlagerung der Julius Pintsch KG in die Forster Tuchfabrik Gustav Avellis erwähnt.335 Konkrete Daten für die Zahl der in der Landwirtschaft eingesetzten Ausländer in der Stadt Forst konnten bisher nicht gefunden werden. In Privatbesitz befindet sich eine Übersicht über die bei Bohrauer Bauern 331 StadtA Forst, 314, Brief des Kreisbauamtes Sorau an das Arbeitsamt in Forst vom 15. Juni 1940 332 StadtA Forst, 314, Brief des Kreisbauamtes Sorau an die Kriegsgefangenenlohnabrechnung der Kommandantur des Stalag IIIB in Fürstenberg vom 15. Februar 1941. Durch den Hinweis, dass „die Meliorationsarbeiten eng mit der Landwirtschaft verbunden sind und die Arbeiten in der Hauptsache für Kleinlandwirte ausgeführt werden“, erhoffte man sich die günstigere Abrechnung nach den Bestimmungen für die Land- und Forstwirtschaft. 333 BLHA Pr.Br. Rep. 31 B, Bl. 699 334 BArch-MA, RW 21-20/6, Bl. 29, Eintragung vom 27.8.1943 335 BArch-MA, RW 21-20/7, Bl. 17,Eintragung vom 30.10.1943

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eingesetzten Ausländer.336 Allerdings ergeben sich aus vorliegenden Aktenfragmenten Rückschlüsse auf den Arbeitseinsatz in der Landwirtschaft. Demnach standen einem Bauernhof mit 35 Morgen „höchsten 2 ausländische Arbeiter als Gesinde“ zu. „Im Normalfall können auf 50 – 75 Morgen 1 –2 ausländische Arbeiter als Gesinde angerechnet werden. Es müssen dann die Eigentümer des Hofes voll arbeitsfähig sein“, erklärte der Oberpräsident der Provinz Mark Brandenburg im September 1943. In einem konkreten Forster Fall stimmte er aber einer Ausnahme zu, da der 78-jährige Landwirt maximal noch in der Lage sei, Aufsicht zu führen. „Unter diesen Voraussetzungen lässt es sich verantworten, die 3 beschäftigten Arbeitskräfte als Gesinde anzusehen.“ Es liege ein Sonderfall vor, auf den Berufungen nicht zu befürchten seien.337 Der Landrat von Sorau nannte für den Kreis genaue Zahlen, der vermittelten polnischen Zivilarbeiter zwischen dem 1. September 1939 bis zum 31. März 1941: Poln. Zivilarbeiter poln. Zivilarbeiterinnen Landarbeiter 1454 360 Industriearbeiter 1204 45 Sonstige Berufe 171 keine338 __________________________________________________________ gesamt 2829 405 Insgesamt arbeiteten (abzüglich der Geflüchteten) also bereits 3234 Polen im Bereich des Kreises Sorau. Zahlen für den landwirtschaftlichen Einsatz im Bereich des Stadtkreises Forst sind nicht bekannt. 3.3.6 Sonstige - Russische Hilfswillige Für den März 1943 ist der Einsatz von 40 russischen Hilfswilligen bei der Krankentransportabteilung (mot) 532 in Forst nachgewiesen. Die ehemaligen russischen Kriegsgefangenen trugen eine deutsche Uniform ohne Abzeichen und eine weiße Armbinde mit der Aufschrift „Im Dienste der Deutschen Wehrmacht“. Der Kommandeur riet dem Forster Oberbürgermeister, der 336 Telefonische Aussage von Dr. Richard Ihlo, der eine entsprechende Liste hat. 337 StadtA Forst, 3261, Bl. 98a 338 KreisA Zary, 1282, Bl. 149

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Bevölkerung davon Kenntnis zu geben, dass für die Hilfswilligen „das Verbot jeden intimen Verkehrs mit der deutschen, insbesondere weiblichen Bevölkerung“ gelte.339 Über Unterbringung, Dauer des Einsatzes und Lebensumstände ist nichts bekannt. - Wehrkreissanitätspark Im „Wehrkreissanitätspark“ waren 1943/1944 mindestens neun Ausländer beschäftigt, dem Namen nach wahrscheinlich Franzosen.340 - Brandenburgische Provinzial-Flußbauverwaltung, Spremberger Str. 37 Im Juni/Juli 1943 wurden von der Flussbauverwaltung Unterkunft- und Verpflegungskosten für drei bis vier Ostarbeiter sowie ein Ostarbeiterkind von der Stadt verlangt.341 - Gemeinschaftseinrichtungen der Forster Betriebe e.V. Der Verein forderte vom Gartenamt der Stadt Forst für den Zeitraum vom 26. Juli bis 31. August 1943 für Verpflegung und Unterbringung, sanitäre Lagerbetreuung, Zeitungsbeitrag und Umlage 52 RM. Vorsitzender des Vereins war Unger. Um welches Lager es sich handelte, und wo die Ostarbeiter sonst eingesetzt wurden, geht aus dem Schreiben nicht hervor.342 Die vier Arbeiter scheinen zum Teil in der Gartenverwaltung sowie bei der Stadteisenbahn beschäftigt gewesen zu sein.343 - Hammer & Haebler Die Firma sollte 3,7-Zentimeter-Sprenggarnaten herstellen und hatte dafür Gewindefräsmaschinen und kleine Drehbänke in Eigenfertigung hergestellt.344 Bereits vier Monate später musste die Fertigung wegen der Umsteuerung der Rüstung eingestellt werden.345 Da die Kapazitäten nicht ausreichten, wurde auch die ursprünglich zugesagte Bombenfertigung nicht an das Unternehmen vergeben.346 Im Oktober 1940 wurden die Vorbereitungen zur Fertigung eines Sondergeräts (2500 Stück, DOV T) abgesprochen.347 Im Januar 1941 erhielt die Firma den Auftrag, 10500 Turbinen (DOV) für Daimler-Benz herzustellen, 339 StadtA Forst, 3026 (A1974), Bl. 13 340 StadtA Forst, 3037 (A1984), Bl. 37, Ausländerliste der Notdienstbeordnung „Zielenzig“ 341 Stadt A Forst, 2702, Bl. 84, 88, 91RS 342 StadtA Forst, 3033, Bl. 10 343 StadtA Forst, 3033, Bl. 10 RS 344 BArch-MA, RW 21-20/2, Eintrag vom 25.4.1940 345 BArch-MA, RW 21-20/2, Bl. 34, Eintragung vom 3.8.1940 346 BArch-MA, RW 21-20/2, Eintragung vom 9.8.1940 347 BArch-MA, RW 21-20/2, Eintragung vom 14.10.1940

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der kurz darauf aber widerrufen wurde.348 Im Juni 1941 trafen sich der Kommandeur der Rüstungsinspektion, der Abwehroffizier und Gestapo wegen einer Anzeige gegen den Inhaber, „betr. Verfehlung in der Betriebsleitung“.349 Im Februar 1942 erhielt das Unternehmen von der Germaniawerft Aufträge über Fluteinrichtungen für U-Boote.350 Außerdem war die Firma Ende 1942 Zulieferer für das „Maultier-Programm“.351 Im November 1943 wurden monatlich 20 Revolver-Drehbänke, 50 Bohreinheiten für die Straßenfertigung und zehn Waschmaschinen hergestellt. Die Firma konnte „ungelernte Kräfte aufnehmen, Unterkünfte [waren] vorhanden“.352 - Rumsch & Hammer Das Unternehmen stellte 15-Zentimeter-Grananten (Gr.19) her. Unter anderem wegen Krankheit blieb es im Dezember 1940 um 500 Stück hinter dem monatlichen Soll (2500 Stück) zurück.353 Das Unternehmen stellte Ende 1943 auch Scheinwerferuntersätze für die Fimag (Finsterwalde) her.354 - „Deutsche Vergaser“ Die Deutsche Vergasergesellschaft Berlin erhielt im Juni 1943 die Räume der Fabrik Hänsel & Co (Heinrich-Werner-Straße 20) für Fertigungszwecke.355 Nach Zeitzeugenberichten wurden dort italienische Militärinternierte aus dem Lager Hänselhalle eingesetzt.356 Außerdem arbeitete ein Mitarbeiter der italienischen Botschaft in Berlin nach dem Kriegs-Ausscheiden Italiens ab 1943 im Lohnbüro des Betriebes, war aber zusammen mit anderen Italienern im Lager Hänselhalle untergebracht.357 - Emil Schmidt Bei der Maschinenfabrik Emil Schmidt war 1943/1944 ein Ausländer für den Notdienst in Zielenzig aufgeführt.358 Belegt ist außerdem durch Unterkunfts- und Verpflegungsrechnungen der Stadt Forst, dass die Firma mit Sitz in der Gubener Straße 9 im Zeitraum von Juli 1942 bis Januar 1943 zwischen neun 348 BArch-MA, RW 21-20/2, Eintragung vom 10.1.1941 und Bl. 61 vom 13.1.1941 349 BArch-MA, RW 21-20/2, Bl. 81, Eintragung vom 16.6.1941 350 BArch-MA, RW 21-20/2, Eintragung vom 9.2.1942 351 BArch-MA, RW 21-20/2, Bl. 148, Eintragung vom 28.11.1942 352 BArch-MA, RW 21-20/7, Bl. 41, Eintragung vom 19.11.1943 353 BArch-MA, RW 21-20/2, Eintragung vom 30.12.1940 354 BArch-MA, RW 21-20/7, Bl. 41, Eintragung vom 19.11.1943 355 BArch-MA, RW 21-20/5, Bl. 46, Eintragung vom 22.6.1940 356 Zeitzeugenbericht Nummer 1, im Anhang 357 Ergänzung zum Zeitzeugenbericht Nummer 1 vom 6.10.2002 358 StadtA Forst, 3037 (A1984), Bl. 37, Ausländerliste der Notdienstbeordnung „Zielenzig“

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und 18 Ostarbeiter beschäftigte.359 Die Firma belieferte unter anderem Flugzeugwerke mit Revolverbänken. Ende August 1940 ruhte ein Teil des Betriebes wegen Arbeitskräftemangels. Die zivile Fertigung nahm zu diesem Zeitpunkt einen relativ geringen Anteil ein.360 Durch falsche Angaben über den Arbeitseinsatz in der Wäschereimaschinenabteilung ermittelte die Rüstungsinspektion im November 1940 gegen das Unternehmen.361 - Mix & Genest Bei der Maschinenfabrik Mix & Genest, Alberstraße 29, waren 1943/1944 zwei Ausländer für den Notdienst in Zielenzig aufgelistet; Louwrenz de Nooyer und Fedor Bekadorow.362 Im Januar/Februar 1942 war dort das Kriegsgefangenen-Arbeitskommando 930 tätig, wie Rechnungen belegen.363 Außerdem wurden mindestens im Zeitraum Juli 1943 dort drei Ostarbeiter beschäftigt, wie Unterkunfts- und Verpflegungsrechnungen der Stadt belegen.364 Im ersten Halbjahr 1943 wurde mit der Verlagerung der Gleichrichterfertigung von Mix & Genest Berlin nach Forst begonnen.365 Im September hatte die Mix & Genest AG in Forst drei Verlagerungsstandorte: die alte Fabrik von Gottlieb Noack (Heinrichstraße 1a)366, die Fabrikräume von Werner & Klemm (Blücherstraße 1) sowie die erste und die dritte Etage der Tuchfabrik Schmidt (eventuell am Schlossplatz 2/3). Im November 1943 hatte die Firma weitere Kräfteanforderungen zur Steigerung der Fertigung.367 - Armin Tenner Die Berliner Maschinen- und Apparate-Fabrik wurde im September 1943 in die Räume der Firma Richard Roick (Triebeler Straße) verlagert.368 Bei der Firma Armin Tenner wurden 1944 für die Notdienstbeorderung nach Zielenzig zwei – wahrscheinlich niederländische – Arbeiter benannt.369 359 StadtA Forst A2702, Bl. 7, 66, 82, 86 360 BArch-MA, RW 21-20/2, Bl 39, Eintrag vom 31.8.1940 361 BArch-MA, RW 21-20/2, Bl. 51 362 StadtA Forst, 3037 (A1984), Bl. 37, Ausländerliste der Notdienstbeordnung „Zielenzig“ 363 Rechnung der Firma Emil Andrack auf Bezugschein 13974 vom 12. Januar und 8. Februar 1942, in Besitz von Hagen Pusch, Forst 364 StadtA Forst, A2702, Bl. 83, 87 und 91 365 BArch-MA, RW 21-20/5, Bl. 54 366 Firmenadressen nach Einträgen aus dem Forster Stadtbuch, Adressbuch der Industrie- und Handelsstadt Forst-Lausitz, 1935 367 BArch-MA, RW 21-20/7, Bl. 41, Eintragung vom 19.11.1943 368 BArch-MA, RW 21-20/6, Bl. 49 369 StadtA Forst, 3037 (A1984), Bl. 37, Ausländerliste der Notdienstbeordnung „Zielenzig“

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- Firma Josef Haase Auf der Zielenzig-Liste (1943/44) wird von dem Unternehmen in der Mittelstraße ein polnischer Arbeiter benannt.370 - Firma Gustav Matzko Auf der Zielenzig-Liste wird ein Josef Gruschinsky aufgeführt, über dessen Nationalität aber nichts ausgeführt ist.371 - Firma Wilh. Biegler Auf der Zielenzig-Liste wird ein Stanislaus Trozinsky aufgeführt, über dessen Nationalität aber nichts ausgeführt ist.372 - Firma Werner Hückstedt (Lohnwalke) Auf der Zielenzig-Liste wird ein Kasimir Gorski aufgeführt, über dessen Nationalität aber nichts ausgeführt ist.373 - Maschinenfabrik Julius Scobel, Rüdigerstraße 8 Abrechnungsunterlagen für Verpflegung und Unterkunft im Juli 1942 führen zwei russische Zivilarbeiter auf.374 Ab Mitte Juli bis April 1942 wird allerdings nur noch für einen Ostarbeiter Unterkunft und Verpflegung von der Stadt verlangt.375 - Firma Robert Voge jr., Roonstraße 2-6, Schrotthandel Abrechnungsunterlagen der Stadt für Verpflegung und Unterkunft im Juni/Juli 1942 führen sechs russische Zivilarbeiter auf.376 - Dachdeckermeister Wilh. Körner, Cottbuser Straße Abrechnungsunterlagen für Verpflegung und Unterkunft im Juli 1942 führen lediglich für zwei Tage zwei russische Zivilarbeiter auf.377 - Schützenhaus Auf der „Zielenzig-Liste“ wird ein belgischer „Hausdiener“ aufgeführt, dessen Wohnadresse auch das Schützenhaus war.378 - Firma E. A. Demmrich, „Vulkan“, Spremberger Str. 56 Für den Zeitraum von Dezember 1942 und Juli 1943 konnte der Einsatz von zwei Ostarbeitern nachgewiesen werden.379 370 StadtA Forst, 3037, Bl. 67 371 StadtA Forst, 3037, Bl. 96 372 StadtA Forst, 3037, Bl. 97, im Adressbuch der Stadt Forst, 1935, wird dieser Familienname nicht geführt 373 StadtA Forst, 3037, Bl. 97, im Adressbuch der Stadt Forst, 1935, wird dieser Familienname nicht geführt 374 StadtA Forst, 5307 (A2702), Bl. 7 375 StadtA Forst A2702, Bl. 7, 66, 82, 86, 90 376 StadtA Forst, 5307 (A2702), Bl. 7 377 StadtA Forst, 5307 (A2702), Bl. 7 378 StadtA Forst, 3037, Bl. 98

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- Fritz Zwitke, Moltkestr. 7, Fahrradhandlung Von Dezember 1942 bis Juli 1943 konnte der Einsatz von einem Ostarbeiter nachgewiesen werden.380 - Elektrowarengeschäft Georg Schwarz, Mühlenstr. 22 Für Juni/Juli 1943 konnte der Einsatz eines Ostarbeiters nachgewiesen werden.381 - Sägewerk H. C. Drebenstedt, Muskauer Str. 81 In dem Sägewerk kann für Juni/Juli 1943 der Einsatz eines Ostarbeiters belegt werden.382 - Opel-Generalvertretung Herbert Pingel, Kaiser-Wilhelm-Str. 3 Für den Zeitraum von November 1942 bis Juli 1943 kann der Einsatz eines Ostarbeiters belegt werden.383 - Dampfmolkerei H. Krautwald, Pförtener Str. 16 Lediglich für drei Tage konnte der Einsatz eines Ostarbeiters belegt werden.384 - Glühbirnenfabrik Julius Pintsch, Fabrik Avellis Zwischen Oktober 1942 und Juli 1943 kann der Einsatz von Ostarbeitern belegt werden. Dabei schwankten die Zahlen zwischen einem und 19 russischen Zivilarbeitern, für die Unterkunft und Verpflegung an die Stadt gezahlt werden musste.385 Das Unternehmen wurde 1942 nach Forst verlagert, belegt ein Eintrag ins Kriegstagebuch der Wehrwirtschaftsinspektion vom Juni, wonach „der Anlauf programmgemäß fortschreitet. Normaler Weise ist mit der Aufnahme der Röhrenfertigung ab 1.7.1942 zu rechnen“.386 Anfang September 1942 war die Glühbirnenfertigung als Vorbereitung für die Röhrenfabrikation angelaufen. Die für später vorgesehene Fertigung der Spannungsregler für die Luftwaffe sollte wesentlich gesteigert werden, wofür weitere Räume der Tuchfabrik Avellis notwendig wären.387 Diese weitere Verlagerung von Berlin in die Avellis-Fabrik erfolgte im Oktober 1943.388 379 Stadt A Forst, 2702, Bl. 66, 82 RS, 86 RS, 90 RS 380 StadtA Forst, A2702, Bl. 66, 82 RS, 86 RS, 90 RS 381 StadtA Forst, A2702, Bl. 82 RS, 86 RS, 91 382 StadtA Forst, A2702, Bl. 83, 87, 91 383 StadtA Forst, A2702, Bl. 66, 82 RS, 86 RS, 90 RS 384 StadtA Forst, A2702, Bl. 91 RS 385 StadtA Forst, A2702, Bl. 66, 82, 86, 90 RS 386 BArch-MA, RW 21-20/2, Eintragung vom 11.6.1942 387 BArch-MA, RW 21-20/2, Bl. 124, Eintragung vom 2.9.1942 388 BArch-MA, RW 21-20/7, Bl. 14, Eintragung vom 30.10.1943

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Eine Verbindung zur gleichnamigen Firma aus Fürstenwalde liegt nahe, ist aber nicht belegbar. Im Juli 1944 erhielt die Julius Pintsch KG, Fürstenwalde/Spree, 31 russische Familien (30 Männer, 57 Frauen und 30 Kinder).389 Die Firma beschwerte sich im Sommer 1944 über die Verpflegung der Ostarbeiter: „Obwohl sie unter den Ausländern die besten Arbeitskräfte darstellen, werden sie am schlechtesten verpflegt“.390 Die Firma gehörte, wie Hammer & Haebler, zu Unternehmen, die an der U-Boot-Fertigung beteiligt waren.391 - Schuh- und Pantoffelfabrik Karl Bandel, Metzer Str. 3 Für den Zeitraum von Oktober 1942 bis April 1943, sowie im Juni/Juli 1943 kann der Einsatz von zwei Ostarbeitern belegt werden.392 - Bäckerei und Kolonialwarenhandlung Kurt Schneider, Triebeler Str. 211 Für den Zeitraum von November 1942 bis April 1943 sowie Juni/Juli 1943 kann der Einsatz eines Ostarbeiters belegt werden.393 - Baugeschäft Otto Fickler, Akazienstr. 5 Für Juni/Juli 1943 kann der Einsatz eines Ostarbeiters belegt werden.394 - Otto Richter, Selterwasser, Moltkestr. 45 Für den Zeitraum Juni/Juli 1943 kann der Einsatz eines Ostarbeiters belegt werden.395 - Baugeschäft Aug. Kutzner & Sohn, Spremberger Str. 56 Im Juni/Juli 1943 wird ein Ostarbeiter beschäftigt, für den die Stadt Unterkunft und Verpflegungsbeitrag kassierte.396 3.3 Lebensbedingungen der Ausländer 3.4.1 Kinderarbeit Noch im April 1940 wurde betont, dass das Gesetz über die Kinderarbeit und über die Arbeitszeit von Jugendlichen für alle Jugendlichen gelte. Allerdings wurde bereits angekündigt, dass die Geltung des Jugendschutzes für polnische 389 Eichholtz, Dietrich: Rüstungswirtschaft und Arbeiterleben am Vorabend der Katastrophe; in: Eichholtz, Dietrich (Hg.) und Püschel, Almuth: Verfolgung, Alltag, Widerstand - Brandenburg in der NS-Zeit, Berlin, 1993, S. 72, mit Verweis auf Dokumente aus dem RüKo III Frankfurt/Oder, Juli 1944 390 ebenda, S. 88 391 BArch-MA, RW 21-20/2, Bl. 118 392 StadtA Forst, A2702, Bl. 66, 82, 86, 90 393 StadtA Forst, A2702, Bl. 47 RS, 66, 82 RS, 86 RS, 90 RS 394 StadtA Forst, A2702, Bl. 83, 86RS, 91 395 StadtA Forst, A2702, Bl. 83, 87, 91 RS 396 StadtA Forst, A2702, Bl. 83, 86 RS, 91

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Arbeitskräfte [...] in einer besonderen Anordnung geregelt werde.397 Im Juni 1942 wurde der Arbeitseinsatz auch auf die Kinder von Ostarbeiter- und Polenfamilien in Landwirtschaft und Industrie ausgedehnt.398 Der GBA Fritz Sauckel sah keine Bedenken, wenn polnische Kinder über die vorgesehenen Grenzen hinaus beschäftigt würden399 und erteilte 1943 die Erlaubnis, auch Kinder ab 10 Jahren in der Industrie zu beschäftigen.400 Inwiefern dies in Forst praktiziert wurde, ist unklar. 3.4.2 Verpflegung Bei der Firma Maximilian Bernard im April 1941 eingesetzte Kriegsgefangene im Bereich der Sprengchemie Forst erhielten neben den Normalsätzen 2/3 der den deutschen Lagerarbeitern zustehenden (bei Fett und Brot herabgesetzten) Sätze als Schwerarbeiter, sollten aber den vollen Brotsatz erhalten.401 Sie nahmen an der Sammelverpflegung im Lager teil. Sowjetische Kriegsgefangene, die in der Industrie, dem Gewerbe oder der Landwirtschaft eingesetzt waren, blieben von solchen Zulagen ausgeschlossen.402 Den Forstämtern, wo sowjetische Kriegsgefangene eingesetzt werden sollten, wurde im Dezember 1941 die Empfehlung gegeben: „Die Vorbereitung für die Ausgabe warmen Essens und warmer Getränke vor den Augen der Kr.gef. ist ein Mittel, um Fluchten zu verhindern“, weshalb vorgeschlagen wurde, Feldküchen oder Kochkessel in unmittelbarer Nähe der Arbeitsstellen aufzustellen.403 Im Februar 1942 wurde vom Ernährungsamt B des Kreises Sorau mit Verweis auf den Viehwirtschaftsverband Kurmark angeordnet, dass den sowjetischen „Kriegsgefangenen von sofort an nur Freibankfleisch zu verabfolgen“ sei. Erst wenn dies nicht mehr ausreichte, durfte wieder Pferdefleisch herausgegeben werden.404 397 StadtA Forst, 2462 (A4312a), Bl. 32, Ausschnitt aus: Nachrichtendienst des Deutschen Gemeindetages, 5.7.1941 398 Beermann, Susanne: Der Ostarbeitereinsatz in der Provinz Brandenburg von 1939 bis 1945, Schriftliche Hausarbeit zur Diplomprüfung (unveröffentlicht), Berlin, 1994, S. 41, wonach dies auf einen Erlass des GBA zurückzuführen sei, mit Verweis auf Seeber 1964; BLHA Pr. Br. Rep. 2A Regierung Potsdam I Pol Band 1 Nr. 2804, Bl. 256. 399 Reiche, Brigitte: Zur medizinischen Betreuung und sozialen Lage der im Raum Leipzig während des Zweiten Weltkriegs eingesetzten ausländischen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge, Dissertation, Karl- Marx-Universität Leipzig, 1990, S. 119a, mit Verweis auf Przygad lekarski, Krakow, Jahrgang 1/1975, S. 235 400 ebenda, S. 119a 401 StadtA Forst, 3261, Bl. 9 402 StadtA Forst, 3261, Bl. 14, Eiliger Sonderrunderlaß des Oberpräsidenten der Mark Brandenburg 403 BLHA Pr. Br. Rep. 3 B FF/O III F, 353, Bl. 4 404 StadtA Forst, 314, Brief des Ernährungsamtes B des Kreises Sorau vom 14. Februar 1942 an die Kriegsgefangenen-Arbeitskommandos im Kreise

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Im Juli 1942 wurde für ausländische Zivilarbeiter, die nicht in landwirtschaftlichen Betrieben tätig waren oder Gemeinschaftsverpflegung erhielten, die Einführung einer „Wochenkarte für ausländische Zivilarbeiter“ angekündigt. Die Betriebe mussten deshalb eine Woche vorher vollständige namentliche Listen der bei ihnen beschäftigten ausländischen Zivilarbeiter an die zuständigen Ernährungsämter einreichen. Davon ausgenommen waren die Zivilarbeiter aus den besetzten Gebieten der Sowjetunion.405 Die Stadt Forst meldete für die 41. Zuteilungsperiode (Anfang September 1942) einen Bedarf von „voraussichtlich 500 Stück“ dieser Lebensmittelkarten. Daneben wurden noch zehn Exemplare des REM-Erlasses angefordert, was auf die Zahl der nicht landwirtschaftlichen Betriebe Rückschlüsse zulassen könnte, die keine Sammelverpflegung anboten.406 Die Namenslisten sind nicht auffindbar. Die unzureichende Versorgung führte offenbar zu Diebstählen von den Feldern. Unter diesen Umständen sah man sich in Noßdorf Ende Juli 1942 zur Aufstellung einer Landwacht gezwungen und bat die NSDAP „um Hilfe zur Bewachung der Felder“.407 Als Grund wurden offenbar fünf entlaufene Kriegsgefangene angesehen.408 Ähnliche Probleme gab es in Scheuno, wo Ende 1942 die Diebstähle nach Angaben des Stadtrates Giermann überhand nahmen und nachts durch bewaffnete Scheunoer Einwohner Streifen eingesetzt wurden. Die Teilnehmer an diesen Streifen wurden zu Hilfspolizeibeamten ernannt.409 Es gab auch Beispiele, wo Zwangsarbeiter nach ihrer eigentlichen Schicht für Nahrungsmittel oder Kleidung bei Privatpersonen, aber auch in Gärtnereien arbeiteten.410 Allerdings wurde jegliche nicht genehmigte Arbeit ausländischer Arbeitskräfte gegen Geld oder Naturalien vom Präsidenten des Landesarbeitsamtes 405 StadtA Forst 3261, Bl. 53, Lebensmittelkarten-Regelung für ausländische Zivilarbeiter des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft. Die erwähnten Namenslisten konnten bisher weder im Stadtarchiv Forst, noch im Kreisarchiv Zary ausfindig gemacht werden. 406 StadtA Forst, 3261, Bl. 53b Rückseite 407 StadtA Forst, 3047 (A1994), Brief d. komm. Ortsgruppenleiters Nossdorf vom 31. Juli 1942 an „Oberbürgermeister Parteigenossen Friedrich ... (betrifft: Landwacht) ... In meinem Ortsgruppenbereich bin ich von verschiedener Seite darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Ernte in diesem Jahre aus verschiedenen Gründen besonders gefährdet ist, und die Partei wurde um Hilfe zur Bewachung der Felder gebeten. ...“ 408 StadtA Forst, 3047 (A 1994), Brief d. komm. Ortsgruppenleiters Nossdorf vom 31. Juli 1942, handschriftlicher Vermerk der Verwaltung 409 StadtA Forst, A2104, Beigeordnetensitzung 3.12.1943, Punkt 5: „Stadtrat Giermann berichtet über die im Stadtteil Scheuno überhand nehmenden Diebstähle und gibt bekannt, dass nunmehr des nachts durch bewaffnete Scheunoer Einwohner Streifen eingesetzt werden. Die Teilnehmer an diesen Streifen sind zu Hilfspolizeibeamten ernannt.“ 410 Zeitzeugenberichte Nummer 4 und Nummer 5, im Anhang

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verboten und die Behörden zu einer strikten Ahndung gemeldeter Vorfälle aufgefordert.411 Im August 1943 wurden auch für Polen im Gruppeneinsatz Berechtigungsscheine ausgegeben.412 Das Ernährungsamt B der Stadtverwaltung bestellte für Anfang August 1943 (53. Zuteilungsperiode) 100 Stück dieser Formulare.413 Im Mai 1944 gab es einen Richtungswechsel in der Ausländerpolitik. Um die Versorgung der ausländischen Arbeiter mit „Gemüse und dergl.“ zu verbessern, wurden Industriebetriebe als beispielhaft hervorgehoben, die „jeden Quadratmeter anbaufähigen Bodens auf ihrem Betriebsgelände und in den Barackenlageranlagen mit Gemüse, Kartoffeln, Gewürzpflanzen, Sonnenblumen usw. bestellt haben“. Gerade 1944 sollten sich die Betriebe „in denkbar größtem Ausmaß sich dieser Aushilfe bedienen“, hob das Arbeitsamt Forst in einem Schreiben an die Betriebsführer und Lagerleiter hervor. Insbesondere in den Ostarbeiterlagern sollte „der Anbau von Sonnenblumen entlang den Baracken und den Lagerumfriedungen, zu dem Zweck, im Herbst die Kerne zu sammeln und sie als im Osten bekanntes und beliebtes Kaumittel ihnen [den Ostarbeitern, d.A.] zur Verfügung zu stellen. Durch den Anbau von Gewürzpflanzen kann manche sonst äußerst einfache Mahlzeit etwas schmackhafter gemacht werden.“ Der Anbau sollte in der Freizeit der Arbeiter erfolgen. Die Betriebs- und Lagerleiter im Kreise Sorau-Forst sollten sich wegen der Beschaffung der „Samen, Sonnenblumenkerne usw.“ an die Kreisbauernschaft in Sorau wenden.414 Die Frage, ob und in welchem Umfang dieser Vorschlag umgesetzt wurde, konnte mit den vorhandenen Quellen nicht beantwortet werden. Nur zwei Wochen später wurde der Umgang mit Italienischen Militärinternierten (IMI) verschärft. Die Ernährungsämter bei den Kreisen und 411 Beermann, Susanne: Der Ostarbeitereinsatz in der Provinz Brandenburg von 1939 bis 1945, Schriftliche Hausarbeit zur Diplomprüfung (unveröffentlicht), Berlin, 1994, S. 49 mit Verweis auf BLHA Pr. Br. Rep. 8, Stadt Friesack Nr. 2236, Bl. 14 412 StadtA Forst, 3261, Bl. 93 413 StadtA Forst, 3261, Bl. 93 RS 414 StadtA Forst, 3261, Bl. 151 und RS, Schreiben des Arbeitsamtes Forst vom 4.5.1944 an die „Herrn Betriebsführer/Lagerführer“ in den Kreisen Sorau/Forst und Crossen. Offen ist, ob sich die Zuständigkeit des Arbeitsamtes Forst erweitert hatte, da die „Betriebe im Kreise Sorau/Forst sich an die Kreisbauernschaft in Sorau und im Kreise Crossen an die Kreisverwaltung der DAF in Crossen“ wegen des Anbaumaterials wenden sollten. Dazu kam der Hinweis, dass „die Kreisverwaltungen Sorau-Forst, Crossen und Guben der DAF für weitere Auskünfte zur Verfügung“ stünden. Noch zum Stichtag 30.9.1944 wurde der Ausländereinsatz für den Arbeitsamtsbezirk Guben in „Der Arbeitseinsatz im Großdeutschen Reich, Nr. 11/12 vom 30. Dezember 1944“ gesondert aufgeführt.

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Stadtkreisen der Provinz Mark Brandenburg wurden vom Oberpräsidenten „in vertraulicher Form“ darüber informiert, dass die Verpflegung grundsätzlich nach Leistung abzustufen sei – und zwar „für die gesamte Arbeitseinheit ohne Rücksicht auf einzelne Willige“. Die Entscheidung wurde dem Unternehmer überlassen, der Einsparungen „als Leistungszulage für fleißige Kr.Gef. bezw. Ital. Mil. Int. anderer Arbeitseinheiten zur Verfügung“ hatte. Die Information über den Erlass des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft, konnte als ein Freibrief für vielerlei Handlungen interpretiert werden.415 Offen blieb, wann eine „unbefriedigende Leistung“ vorlag. Der Lagerführer des werkseigenen Italienischen Militär-Internierten-Arbeitskommandos 135 der Firma Hammer & Haebler hatte „mit seinem Betriebsführer und den Wachmannschaften mündliche Vereinbarungen getroffen“. Das städtische Tiefbauamt als Träger des Arbeitskommandos 105 hatte sämtliche Betriebe per Rundschreiben informiert. Die Betriebe sollten „die Arbeitsleistungen der einzelnen Ital. Milit.-Internierten in Prozentzahlen angeben“. Auf dieser Grundlage sollte „im Einvernehmen mit den Unternehmern und den Bewachungsmannschaften“ nun „streng durchgegriffen werden“, wurde in einem Aktenvermerk der Stadtverwaltung am 26. Mai 1944 festgehalten.416 In Forst haben die IMI daraufhin offenbar versucht, mit nächtlichen Versorgungsaktionen im Umfeld der Hänselhalle ihre Verpflegung mit Kartoffeln und anderen Feldfrüchten zu verbessern.417 Den Italienern stand ab Mitte August 1944 der Verpflegungssatz für ausländische Arbeiter zu, wenn sie sich schriftlich verpflichteten, bis zum Kriegsende in Deutschland zu bleiben und zu arbeiten.418 Ab Ende November galt dies für alle IMI mit Ausnahme der Berufsoffiziere. Die Bereitwilligkeitserklärung für die Überführung in das zivile Arbeitsverhältnis war nicht mehr erforderlich.419 Nach dem Aufbau des Barackenlagers in der Muskauer Straße soll ein dortiger Kolonialwarenhändler an Zwangsarbeiter Nahrungsmittel (unter anderem „grün eingelegte Tomaten in Essig“) verkauft haben. Als dies bekannt wurde, soll 415 StadtA Forst, 3261, Bl. 153 und RS. Wörtlich hieß es: „Chef OKW wird jeden Vorgesetzten zur Rechenschaft ziehen, der bei Klagen über geringe Arbeitsleistungen und Zucht der ital. Mil. Int. nicht scharf durchgreift. Wer sich nicht durchsetzt, treibt Sabotage an der deutschen Kriegsführung. Chef OKW deckt jeden, der seiner Autorität Geltung verschafft.“ 416 StadtA Forst, 3261, Bl. 121 (alte Nummerierung) 417 Zeitzeugenbericht Nummer 1, im Anhang 418 StadtA Forst, 3261, Bl. 167, Schnellbrief des Oberpräsidenten der Provinz Mark Brandenburg an die Landräte und Oberbürgermeister vom 17. August 1944. 419 StadtA Forst, 3261, Bl. 179, Information des Oberpräsidenten der Provinz Mark Brandenburg an die Landräte und Oberbürgermeister vom 27.11.1944

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der Kaufmann bestraft und sein Laden zur Abschreckung für andere Händler geschlossen worden sein.420 Gerade bei kleineren Unternehmen aus dem Lebensmittelbereich scheint die Versorgung besser gewesen zu sein, wie zumindest das Beispiel einer Fleischerei vermuten lässt, wo die Mahlzeiten nicht nur gemeinsam eingenommen, sondern dem französischen Mitarbeiter zum Feierabend auch ein Päckchen mit Lebensmitteln geschnürt wurde.421 Auch bei Kindern fiel die Verpflegung nach Volkszugehörigkeit aus. Für polnische Kinder wurde im Mai 1943 auf Verfügung des Forster Oberbürgermeisters die Versorgung eingeschränkt. Polen über 10 Jahre erhielten keine Weizenerzeugnisse mehr, Kindern vom 10. bis 14. Jahre wurden anstelle von Kuchenkarten nun Reisebrotmarken ausgegeben, Ältere – „sofern sie in einem Arbeitsverhältnis stehen“ – erhielten die „A.Z.Wochenkarten für Polen“. Für Kinder bis zum 10. Jahre wurde der Bezug von Weizenerzeugnissen nicht eingeschränkt. Eierkarten durften grundsätzlich nicht an Polen ausgegeben werden, während Milch polnischen Kindern bis zum 14. Jahre in der gleichen Menge wie deutschen Kindern zustehe.422 Am 28. August 1943 wurde vom Oberpräsidenten der Mark Brandenburg klargestellt, dass für die Kinder sowjetischer Zivilarbeiter der Erlass des RmfEuL vom 21.6.1942 (-II/1-7734) gelte. Kinder von ausländischen Arbeitern „einschließlich der Polen, sowie der aus dem Distrikt Lemberg und den baltischen Gebieten stammenden Arbeitskräfte sind hinsichtlich der Beköstigung wie die Kinder der Normalverbraucher zu behandeln“.423 Dass die Verpflegung von Kindern auf der Basis der Ostarbeiter-Rationen nicht ausreichte, war offensichtlich. So beklagte der Sonderbeauftragte für die Arbeitskräfte aus den besetzten Ostgebieten am Jahresende 1943, dass sich die Verpflegung der Arbeiterfamilien des „bei dem von mir geführten Lager“ dank der städtischen Unterstützung nun „erträglich“ gestalte, die Zuweisung aber immer noch auf der Basis Ostarbeiter erfolge, obwohl die dort „befindlichen Ostland- Angehörigen nicht unter die Bestimmungen der Ostarbeiter fallen, sondern als unter deutschen Schutz genommene Flüchtlinge gelten, und zwar auf Grund ihrer Bewährung während der Besatzungszeit“. Seine Forderung: „Für sie muß die 420 Zeitzeugenbericht Nummer 1, im Anhang 421 Zeitzeugenbericht Nummer 3, im Anhang 422 StadtA Forst, 3261, Bl. 81, Der Forster Oberbürgermeister bezog sich bei seiner Verfügung auf eine Anordnung des Oberpräsidenten vom 3.5.1943. 423 StadtA Forst, 3261, Bl. 57

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deutsche Lagerverpflegung gelten, wie sie bei den übrigen fremdvölkischen Arbeitskräften üblich ist.“ Für die „Klein- und Kleinstkinder langt die allgemeine Verpflegung in keiner Weise hin, und es haben sich wohl nicht zuletzt dadurch bereits einige Todesfälle ergeben. Dieses ist aus politischen Gründen untragbar“. Zwar liege die Verpflegungslage in Zuständigkeit der bauausführenden Firma [die nicht genannt wurde], man habe aber für eine Übergangszeit einige zur Verfügung stehende Nährmittel nach Forst geschafft. Den Forster Oberbürgermeister bat der Sonderbeauftragte um Unterstützung bei der „Kinderverpflegung auf Grund der von mir geltend gemachten Gesichtspunkte“.424 Bei dem Lager dürfte es sich um das Lager des Ostministeriums in der Pförtener Straße gehandelt haben. Handschriftlich vermerkt wurde von der Stadtverwaltung die Zahl von 88 Kindern, von denen sieben Kinder bis drei Jahre und weitere 28 zwischen drei und 14 Jahre alt waren. Die Stadtverwaltung forderte daraufhin beim Sonderbeauftragten den von ihm zitierten Erlass für die erwähnte Regelung ein, da dieser „hier nicht bekannt“ war.425 Eine Einzel-Regelung für Ostkinder gab es Anfang des Jahres 1944. 426 Eine vorübergehende Erleichterung machte sich im Jahre 1944 durch eine etwas abwechslungsreichere Kost und kleine Sonderzuteilungen an Zuckerwaren und Äpfeln für Kinder bemerkbar.427 Eine einheitliche Regelung für schwangere Frauen und stillende Mütter scheint es zuvor nicht gegeben zu haben.428 Dass es Probleme mit der Versorgung der Kleinkinder gab, bestätigt auch ein Zeitzeugenbericht.429 Eine Forsterin, deren Sohn im März 1944 geboren wurde, traf auf der Pförtener Straße mit ihrer Schulfreundin eine junge Mutter aus dem dortigen Ostarbeiterlager, die den beiden deutschen Frauen zu verstehen gab, dass sie nichts für ihr Kind hätte. Zweimal soll es dann zu einer heimlichen Übergabe von Zwieback, etwas Trockenmilch und einer Babyflasche gekommen sein. Danach brach der Kontakt ab. 424 StadtA Forst, 3261, Bl. 139 425 StadtA Forst, 3261, Bl. 139 RS 426 Reiche, Brigitte: Zur medizinischen Betreuung und sozialen Lage der im Raum Leipzig während des Zweiten Weltkriegs eingesetzten ausländischen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge, Dissertation, Karl- Marx-Universität Leipzig, 1990, S. 19, mit Verweis auf einen Erlass des RmfEL vom 6. Januar 1944, Verpflegung Ostarbeiterkinder. Demnach standen pro Kopf und Woche Kindern bis zu einem Jahr 800 Gramm Weizenmehl/Brot, 100 Gramm Butter, 250 Gramm Nährmittel, 300 Gramm Zucker, 7 Gramm Tee-Ersatz, 3,5 Liter Vollmilch und 2500 Gramm Kartoffeln zu. Für Kinder von einem bis zehn Jahren galten folgende Verpflegungssätze: 1250 Gramm Roggenbrot, 250 Gramm Weizenbrot, 100 Gramm Fleisch, 100 Gramm Butter, 150 Gramm Nährmittel, 225 Gramm Zucker, 14 Gramm Tee-Ersatz, 3,5 Liter Vollmilch und 3500 Gramm Kartoffeln. 427 ebenda, S. 20 428 ebenda, S. 19 429 Zeitzeugenbericht Nummer 2, im Anhang,

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3.4.3 Medizinische Versorgung Die medizinische Betreuung von Polen und Ostarbeitern beschränkte sich auf Maßnahmen der ersten Hilfe und auf den Erhalt ihrer Arbeitskraft bei geringstem medizinischen Aufwand, stellte die Medizinerin Brigitte Reiche 1990 fest.430 Das Leitprinzip der medizinischen Betreuung reduzierte sich dabei auf zwei Grundgedanken: Schutz der deutschen Bevölkerung vor Infektionen und Epidemien sowie Erhalt der Arbeitsfähigkeit mit finanziellem und personellem Mindestaufwand.431 Dazu kam für polnische und russische Zivilarbeiter, dass sie auf minimale Formen der Unterstützung keinen Rechtsanspruch hatten und die russischen Kriegsgefangenen außerhalb jeglicher Unfallversicherung eingesetzt wurden.432 Für den Raum Leipzig wies Reiche mit Verweis auf Berichte des dortigen Gesundheitsamtes meist die gleichen Unzulänglichkeiten bei der Lager- Hygiene nach: Fehlen ausreichender sanitärer Anlagen, von Waschgelegenheiten mit warmem Wasser, die völlige Überfüllung der Lager sowie deren mangelnde Sauberkeit. Die einzigen verwirklichten Maßnahmen waren „umfangreich durchgeführte Entlausungsaktionen, die das Kernstück der hygienischen und medizinischen Versorgung darstellten und mit Nachdruck betrieben und kontrolliert wurden“.433 Gehäuft traten außer Tbc auch Epidemien von Ruhr, Typhus, schwere Grippeerkrankungen, Durchfallserkrankungen, aber auch Neurosen auf.434 Ein besonderes Problem war auch die Versorgung mit Kleidung und vor allem Schutzkleidung.435 Durch den steigenden Leistungsdruck in der Rüstungsindustrie „nahm die Anzahl der Arbeitsunfälle unter den ausländischen Arbeitskräften gegen Kriegsende immer weiter zu“, beobachtete Reiche für den Raum Leipzig, und ging davon aus, dass ein Großteil der tödlichen Arbeitsunfälle 430 Reiche, Brigitte: Zur medizinischen Betreuung und sozialen Lage der im Raum Leipzig während des Zweiten Weltkriegs eingesetzten ausländischen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge, Dissertation, Karl- Marx-Universität Leipzig, 1990, S. 120 431 ebenda, S. 24f 432 ebenda, S. 81 433 Reiche, Brigitte: Zur medizinischen Betreuung und sozialen Lage der im Raum Leipzig während des Zweiten Weltkriegs eingesetzten ausländischen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge, Dissertation, Karl- Marx-Universität Leipzig, 1990, S. 13 434 ebenda, S. 90 435 ebenda, S. 21

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von Kriegsgefangenen vertuscht oder mangels Meldepflicht nicht bekannt wurden.436 Da „ein Teil der polnischen Arbeiter mit vorgeschrittener Tuberkulose und mit Geschlechtskrankheiten vorwiegend chronischer, aber auch frischer Art behaftet war“, ordnete der Regierungspräsident Ende Juni 1940 an, 437 dass „ die nationalpolnischen Arbeitskräfte im Wege der Tuberkulosefürsorge und Geschlechtskrankenfürsorge regelmäßig und zwar in einem Zeitabstand von etwa 4 – 5 Wochen oder gegebenenfalls in geringeren Zwischenräumen untersucht und überwacht werden“. Dabei „können auch Feststellungen über einen für den Arbeitseinsatz ausreichenden Kräfte- und Gesundheitszustand, sowie ferner über das Vorkommen von Krätze und Läusen und anderer Krankheiten getroffen werden und entsprechende Maßnahmen“ ergriffen werden. Dafür sollten besondere Untersuchungstermine genutzt werden. Eine Behandlung war allerdings nicht vorgesehen: Akute Tbc-Fälle, Träger ansteckender Krankheiten sowie Arbeitskräfte, die sich „in unzureichendem Kräfte- und Gesundheitszustand befinden und damit durch häufiges Kranksein den Arbeitsgang nur unnötig belasten“, sollten nach Polen abgeschoben werden. Stationäre Behandlungen von Tbc waren eine Seltenheit und meist den Patienten vorbehalten, die aufgrund ihrer krankheitsbedingten Hinfälligkeit nicht mehr abgeschoben werden konnten.438 Seit dem 12. April 1943 gab es in den Ausländerbaracken des Krankenhauses Forst eine Ärztin, die dem Krankenhaus durch das Arbeitsamt Forst „für die Behandlung der ostischen Patienten“ zugewiesen worden war.439 Die damals 24-jährige Elena Jantschewskaja kam aus Simferopol (Krim), wo sie beim russischen Stadtarzt mehrere Monate „in zufriedenstellender Weise die Untersuchung der zum Arbeitseinsatz nach Deutschland bestimmten Personen durchgeführt hat“440 und war danach Lagerärztin in Christianstadt.441 Im Forster Krankenhaus war sie für die ärztliche Betreuung „der Ausländer (Ostarbeiter, 436 ebenda, S. 83 u. S. 86 437 BLHA Rep. 3B pol I, 1362, Bl 199 und RS, Brief des Regierungspräsidenten Frankfurt/Oder vom 29. Juni 1940 an die Gesundheitsämter des Bezirks. Die Existenz von Statistiken aus dem Stadtkreis Forst oder dem Kreis Sorau sind nicht bekannt. 438 Reiche, Brigitte: Zur medizinischen Betreuung und sozialen Lage der im Raum Leipzig während des Zweiten Weltkriegs eingesetzten ausländischen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge, Dissertation, Karl- Marx-Universität Leipzig, 1990, S. 62, bezieht sich auf den Raum Leipzig, dürfte aber auch Relevanz für andere Regionen haben 439 StadtA Forst, 5727, Bl. 2 440 StadtA Forst, 5727, nicht nummeriert, Abschrift von Personalunterlagen 441 StadtA Forst, 5727, Bl. 3

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Franzosen, Belgier usw.)“ eingesetzt worden.442 Bereits Ende Januar hatte der Reichsinnenminister eine getrennte Unterbringung von kranken Ausländern gefordert. Nötigenfalls könne eine „behelfsmäßige Unterbringung“ erfolgen. In Forst wurden für diesen Zweck Baracken aufgestellt.443 Davon ausgenommen waren lediglich Arbeitskräfte nordischer, niederländischer und flämischer Volkszugehörigkeit.444 Die medizinische Betreuung der Kriegsgefangenen oblag der Wehrmacht, die dafür Krankenreviere, Kriegsgefangenenlazarette und Reservelazarette schuf.445 Ein Kriegsgefangenenlazarett gab es beispielsweise in Sorau.446 Wo die Behandlung für in Forst schwer erkrankte oder verunglückte Kriegsgefangene zu erfolgen hatte beziehungsweise erfolgte, ist noch nicht geklärt. Ende Oktober 1943 bat die Deutsche Sprengchemie Forst den Chefarzt des Krankenhauses, dass die „russische Ärztin die ärztliche Versorgung der Ostarbeiter übernähme und zu diesem Zweck zweimal wöchentlich hier eine Sprechstunde abhielte“. Aus nicht näher genannten Gründen hatte der Forster Mediziner Dr. med. Rössner seine zwei Mal wöchentlich stattfindenden Sprechstunden im Ausländerlager der Sprengchemie eingestellt, „so dass z.Zt. eine ärztliche Betreuung der Ostarbeiter nicht erfolgt“.447 Dies wurde von der Stadt „bis auf Widerruf“ und gegen Entschädigung genehmigt. „Der Revierdienst darf die russische Ärztin jedoch nur so lange an diesen Tagen in Anspruch nehmen, dass ihr noch Zeit zur Betreuung der im Krankenhaus untergebrachten Ostarbeiter bleibt.“448 Der Zeitaufwand wurde von der Betriebsleitung der Deutschen Sprengchemie Forst für die Tätigkeit „in unserem Ostarbeiterlager einschließl. der notwendigen Fahrzeiten nicht mehr als 2 halbe Tage in der Woche“ eingeschätzt. Die Kassenärztliche Vereinigung Deutschlands (KVD) trage auch die Kosten der 442 StadtA Forst, 5727, Bl. 5 443 StadtA Forst, A2072, Abschrift des Briefes von der Baufirma Wilhelm Schulz an das Stadtbauamt vom 4. November 1943. Über die Anzahl der Baracken ist nichts bekannt. Allerdings bezieht sich Schulz darauf, dass er die „Baracken für Krankenhaus ohne Holzscheine“ billig geliefert habe, die „ich für die Großbaustelle Fürstenberg/Od. für meine eigenen Leute dringend gebraucht hätte“. Es soll sich um zwei bis drei Holzbaracken gehandelt haben, die hinter dem Krankenhaus standen. 444 Reiche, S. 50 mit Verweis auf einen Brief des Reichsministers des Innern an den Regierungspräsidenten Leipzig vom 27.1.1941 445 Reiche, Brigitte: Zur medizinischen Betreuung und sozialen Lage der im Raum Leipzig während des Zweiten Weltkriegs eingesetzten ausländischen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge, Dissertation, Karl- Marx-Universität Leipzig, 1990, S. 86ff 446 StadtA Forst, 314, Brief des Landrates des Kreises Sorau vom 11. Dezember 1939 447 StadtA Forst, 5727, Bl. 1.15 448 StadtA Forst, 5727, Schreiben des Krankenhauses an den Oberbürgermeister vom 29. Oktober 1943

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revierärztlichen Betreuung der Ostarbeiter.449 Mitte Juni hielt Dr. Jantschewskaja ihre letzte Sprechstunde in der Sprengchemie ab, war bis zum 26. Juni 1944 beurlaubt, wurde am 26. Juni von der Kriminalpolizei in Untersuchungshaft genommen und von der Stadt per 7. Juli fristlos entlassen.450 Ihr wurden „Hehlerei, Abtreibung und andere Vergehen“ vorgeworfen.451 Inwieweit diese Vorwürfe nur vorgeschoben waren, lässt sich nicht klären. Denn per 11. März 1943 war der Schwangerschaftsabbruch bei Ostarbeiterinnen, per 22. Juni 1943 auch bei Polinnen vom Reichsgesundheitsführer legalisiert, unter anderem, um die Arbeitsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Die Schwangerschaft musste zum frühestmöglichen Zeitpunkt mitgeteilt werden, ebenso der Name des Vaters, damit die „Eindeutschungsfähigkeit“ des Kindes beurteilt werden konnte. Reiche zweifelte die Freiwilligkeit zu Schwangerschaftsabbrüchen, deren „Wunsch“ fast immer von einer Gutachterkommission befürwortet wurde, an.452 Möglicherweise wurde dieser Weg nicht eingehalten. Aufschluss könnten voraussichtlich nur Akten der Gestapo geben, da ausländische Ärzte unter deren besonderer Beobachtung standen.453 Ein Grund für diese Aufmerksamkeit war, dass ausländische Ärzte in einigen anderen Lagern es offenbar geschickt verstanden hatten, die Eigenschaften von Krankheitssymptomen ihren Landsleuten so zu vermitteln oder ihnen bei der Vortäuschung zu helfen, dass es selbst bei Überprüfungen nicht auffiel.454 Nach einem Zeitzeugenbericht455 soll die Ärztin Polinnen und Ostarbeiterinnen des öfteren von wiederholten Schwangerschaftsabtreibungen abgeraten haben, was diese aber mit Verweis auf deutsche Väter ablehnten. Ob die Ärztin in Scheuno selbst Abtreibungen – in diesen Fällen also von „eindeutschungsfähigen“ Kindern – vornahm, bleibt unklar. Zumindest bestand 1943 eine Weisung des Reichsgesundheitsführers Leonardo Conti an Krankenhäuser und Entbindungsheime, keine 449 StadtA Forst, 5727, Bl. 2 (Nummerierung doppelt), Brief der Deutschen Sprengchemie an die Stadthauptkasse Forst vom 12. November 1943 450 StadtA Forst, 5727, Bl. 26 451 StadtA Forst, 5727, Bl. 36 452 Reiche, Brigitte: Zur medizinischen Betreuung und sozialen Lage der im Raum Leipzig während des Zweiten Weltkriegs eingesetzten ausländischen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge, Dissertation, Karl- Marx-Universität Leipzig, 1990, S. 113f 453 ebenda, S. 70ff 454 ebenda, S. 103f. So wurde mit einer Mischung aus Speichel, Urin und Blut eine Nierenbeckenentzündung vorgetäuscht, die eine Arbeitsbefreiung von drei Wochen verschaffen konnte. 455 Zeitzeugenbericht Nummer 5, im Anhang

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Fremdarbeiterinnen mehr aufzunehmen.456 Wenn es doch geschah, dann zuweilen unter zweifelhaften Bedingungen. In Forst soll es nach Aussage einer Zeitzeugin den Fall gegeben haben, dass eine Zwangsarbeiterin unter äußerst primitiven Umständen in einer gusseisernen Badewanne entbinden musste, die in einem Raum mit Steckbecken, Urinflaschen, Abfalleimern und schmutziger Bettwäsche stand. Teile des Krankenhauspersonals müssen darüber so empört gewesen sein, dass die Information in der Stadt kursierte, aber aus Angst vor der Gestapo wohl nicht laut geäußert wurde.457 Vor allem Anfang 1945 ist in Forst eine Häufung von Totgeburten zu beobachten. Generell galt: Ostarbeiterinnen hatten keinerlei Schutz während oder nach der Schwangerschaft, durften ihren Arbeitsplatz bis zum Tag der Niederkunft nicht verlassen und mussten kurz nach der Entbindung wieder einsatzfähig sein. Auch für Polinnen wurde der vorgeschriebene Mindestschutz weiter gekürzt.458 In der zweiten Hälfte des Jahres 1943 entstanden zahlreiche „Ausländer- Kinderpflegestätten“.459 Für den Raum Leipzig gibt es Hinweise auf eine hohe Säuglingssterblichkeit, die, bedingt durch hygienische Verhältnisse, Ernährungsstörungen und Epidemien, zwischen 30 und 100 Prozent lag.460 Im Lagerbereich der Polen und Ostarbeiter in Scheuno soll es eine solche Säuglingsstation und Kinderkrippe gegeben haben, „weil ja auch viele Frauen schwanger waren“. Die beiden deutschen Zeitzeuginnen461 gehen aber davon aus, dass sich um die Kinder „wirklich richtig gekümmert“ wurde. Dabei verweisen sie auf den Oberlagerleiter, der beispielsweise dafür gesorgt habe, dass eine 13-jährige Ukrainerin nicht im Werksbereich der DSC, sondern zum Saubermachen im ungefährlichen Magazinbereich eingesetzt wurde. Er hatte eine gleichaltrige Tochter. Wie viele Kinder im Lager Scheuno lebten, konnten die beiden Zeitzeuginnen nicht abschätzen. Gegen diese positive Einschätzung der Kinderversorgung spricht eine andere Zeitzeugenaussage. Demnach bekamen 456 Reiche, Brigitte: Zur medizinischen Betreuung und sozialen Lage der im Raum Leipzig während des Zweiten Weltkriegs eingesetzten ausländischen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge, Dissertation, Karl- Marx-Universität Leipzig, 1990, S. 46f 457 Zeitzeugenbericht Nummer 1, sowie Ergänzung vom 24.9.2002, im Anhang 458 Reiche, Brigitte: Zur medizinischen Betreuung und sozialen Lage der im Raum Leipzig während des Zweiten Weltkriegs eingesetzten ausländischen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge, Dissertation, Karl- Marx-Universität Leipzig, 1990, S. 117 459 ebenda, S. 118 460 ebenda, S. 119 461 Zeitzeugenbericht Nummer 5, im Anhang

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Frauen, die ein Kleinkind hatten beziehungsweise im Lager zur Welt brachten, nur Wassersuppe, aber keine Milch oder Babynahrung.462 3.4.4 Freizeit Offenbar sehr unterschiedlich wurde mit Beurlaubungen umgegangenen. Den polnischen Zivilarbeitern wurde im Kreis Sorau zum Jahresende 1940 noch die Möglichkeit eines Urlaubs eingeräumt. Eine Beurlaubung wurde aber weitestgehend von der Zuverlässigkeit der Arbeiter und einem Einvernehmen mit dem Arbeitsamt abhängig gemacht, bei Landwirtschaftsarbeitern auch, dass in der Regel die Ernte- und anschließenden Außenarbeiten abgeschlossen waren. Bei der Aushändigung des Passierscheins hatte jeder Pole darauf hingewiesen zu werden, was ihm drohte, wenn er nicht rechtzeitig an seinen Arbeitsplatz zurückkehrte: „...polizeiliche Rückführung auf seine Kosten, strenge Bestrafung sowie Einweisung in ein K.Z. Lager ...“463 In der Praxis sah es aber anders aus. So gab es Unzufriedenheit bei in der Landwirtschaft eingesetzten polnischen Arbeitern, dass gewerblich eingesetzte Landsleute Weihnachtsurlaub erhalten hatten, sie aber nicht. Als Beispiel nannte das Regierungspräsidium Frankfurt (Oder) Forst: „So schickte die ,Deutsche Sprengchemie’ in Forst-Scheuno sämtliche auf ihren Baustellen beschäftigten polnischen Arbeiter in einem von ihr besorgten Sonderzuge über Weihnachten nach Hause, während die in der Nähe beschäftigten polnischen Landarbeiter keinen Urlaub erhielten.“464 Im März 1941 verordnete der Reichsarbeitsminister eine Urlaubssperre – auch für polnische Arbeitskräfte in der gewerblichen Wirtschaft, denen ein tariflicher Mindesturlaub zustände. Durch die unterschiedliche Urlaubsbehandlung hätten sich „zwangsläufige Schwierigkeiten ergeben“, stellte Friedrich Syrup fest.465 Im Stadtbezirk Forst wurden zwischen dem 1.11.1941 und dem 31.10.1942 insgesamt 253 „Erlaubnisscheine für polnische Zivilarbeiter zum Verlassen des Arbeitsortes“ ausgestellt.466 Ansonsten war die Bewegungsfreiheit der Polen ab Februar 1940 fast absolut eingeschränkt: In einer Polizeiverordnung des Regierungsbezirkes Frankfurt (Oder) vom 21. Februar 1940 wurde ihnen das 462 Schulz, Hans-Joachim: Das verbotene Werk im Bunkerwald – Der Rüstungsbetrieb Deutsche Sprengchemie GmbH in Forst-Scheuno, Teil I, Forst, 1996, hier Nachdruck 1999, S. 26 463 StadtA Forst, 314, Der Landrat des Kreises Sorau an die Ortspolizeibehörden und die Bürgermeister, Brief vom 14. November 1940 464 BLHA Rep. 3B pol I, 1362, Bl. 357 RS 465 BLHA Rep. 3B pol I, 1362, Bl. 360, Syrup war Staatssekretär im Reichsarbeitsministerium 466 StadtA Forst, 3231 (A2101), Bl. 50 RS

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Verlassen der Unterkunft zwischen 20 Uhr und 6 Uhr gänzlich untersagt („außer zum Zwecke der Verrichtung aufgetragener Arbeiten“), in der restlichen Zeit durfte „die Unterkunft außer zum Zwecke der Arbeitsverrichtung nur mit besonderer schriftlicher Genehmigung der örtlichen Verwaltungsstelle verlassen werden“; die Genehmigung sei aber nur in „dringenden Fällen“ zu erteilen.467 Ziel war „ein das deutsche Gefühl nicht verletzendes und die öffentliche Ordnung und Sicherheit nicht störendes Verhalten der polnischen Arbeiter“ durchzusetzen.468 In der Frankfurter Verordnung wurde bereits die Kennzeichnungspflicht vorweggenommen, die im Rahmen der Polenerlasse am 8. März 1940 reichsweit verbindlich wurde. Im Mai 1941 wurden die Regierungspräsidien Potsdam und Frankfurt (Oder) vom Oberpräsidenten aufgefordert, Polen Erwerb und Nutzung von Fahrrädern und Radios grundsätzlich zu verbieten. Außerdem sollte ein Verlassen des Ortes nur noch mit schriftlicher Genehmigung der Ortspolizeibehörde möglich sein und der Kauf von „Mangelwaren (Zigaretten, Bier usw.) für Polen grundsätzlich verboten werden“.469 Während im Regierungsbezirk Frankfurt Besitz und Benutzung von Fahrrädern bereits seit Dezember 1940 untersagt war, gab es skeptische Einschätzungen, was die Untersagung des Kaufs von „Zigaretten, Bier usw.“ anging. Im Regierungspräsidium Frankfurt ging man davon aus, dass zur Erhaltung der Arbeitsfreudigkeit und angesichts des in Kürze anstehenden stufenweisen Abzugs von französischen Kriegsgefangenen aus der Landwirtschaft die Arbeitgeber sich „vielfach nicht helfen können, ohne in bescheidenem Umfang Zigaretten oder Bier den polnischen Zivilarbeitern zukommen zu lassen“.470 Im Jahr 1943 galt für Ostarbeiter „weiterhin“ eine Urlaubssperre. Für polnische Arbeitskräfte wurde vom Arbeitsamt Forst noch einmal auf die bestehende Urlaubssperre bis zum 1.12.1943 hingewiesen. Für ausländische Arbeitskräfte war vor Heimfahrten bei Todesfällen und lebensgefährlichen Erkrankungen von Ehegatten, Eltern oder Kindern die Bescheinigung einer zuständigen deutschen Dienststelle beizubringen. Allerdings war die Anordnung 467 BLHA Rep. 3B pol I, 1362, Bl. 27ff 468 BLHA Rep. 3B pol I, 1362, Bl. 28 469 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, 1362, Bl. 327 470 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, 1362, Bl. 328

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kompliziert und widersprüchlich.471 Trotz der relativen Besserstellung belgischer Arbeiter gab es in der Praxis für sie auch keinen Urlaub. Ein Belgier, der in der Sprengchemie Forst arbeitete, berichtete davon, dass er zwar Bescheinigungen für Stadturlaub erhielt, aber in 27 Monaten keinen einzigen Heimaturlaub bekam.472 Im Winter 1942 wies die Verwaltung des Stalag IIIB darauf hin, dass seitens der Unternehmer keine Weihnachtsfeiern für die Kriegsgefangenen- Arbeitskommandos abgehalten werden dürften. Allerdings wurden interne Feiern gestattet.473 3.4.5 Soziale Kontakte Relativ viel Freiraum hatten Franzosen. Ältere Forster erinnern sich, dass ein Treffpunkt für deutsch-französische Pärchen unterhalb der Brücke am Rathenauplatz/Adolf-Hitler-Platz gewesen sei. Dabei hätten Deutsche Schmiere gestanden. In einigen Fällen sollen Forsterinnen auch nach dem Krieg nach Frankreich gezogen sein und dort geheiratet haben.474 Daneben hat es offenbar auch einen gewissen Tauschhandel an den Arbeitsplätzen gegeben. In einem Forster Betrieb, wo Watte und Verbandstoffe produziert wurden, nutzten zwangsverpflichtete Frauen die Gelegenheit zum Tausch von Lebensmitteln gegen Parfum oder Seife aus Frankreich oder kauften den französischen Kriegsgefangenen die per Paket zugesandten Waren ab.475 Wurden engere Kontakte mit deutschen Frauen bekannt, hatte dies aber erhebliche Folgen. Vor der Festnahme von Deutschen war „mit dem zuständigen Hoheitsträger der NSDAP Fühlung zu nehmen, um festzustellen, ob die Bevölkerung beabsichtigt, die ehrvergessenen Volksgenossen öffentlich anzuprangern.“ Nach ihrer Festnahme, so die Stapoleitstelle Frankfurt im April 1940, „hat eine Herausgabe zum Zwecke der Anprangerung zu unterbleiben“.476 471 StadtA Forst, 3033, Bl. 11, Die Anordnung für Familien- und Urlaubsheimfahrten galt für Holländer, Dänen, Norweger, Franzosen, Belgier, Italiener, Serben und Griechen sowie für Protektoratsangehörige. Ausdrücklich ausgenommen von der Anordnung waren Bulgaren, Kroaten, Rumänen, Slowaken, Spanier und Ungarn. 472 Schulz, Hans-Joachim: Das verbotene Werk im Bunkerwald – Der Rüstungsbetrieb Deutsche Sprengchemie GmbH in Forst-Scheuno, Teil II, Forst, 1998, S. 13 473 StadtA Forst, 314, Brief des Stalag IIIB vom 15. Dezember 1942 an alle Unternehmer von Kriegsgefangenenkommandos 474 Diese Aussagen fanden sich übereinstimmend in den Zeitzeugenberichten Nummer 1 und Nummer 2, wobei es sich im Fall 2 um eine Beziehung zwischen einer Deutschen und einem Franzosen handelte, die bei der Arbeit in der DSC Scheuno entstanden war. 475 Zeitzeugenbericht Nummer 1, im Anhang; die Mutter der Zeitzeugin war in dem Betrieb in der Frankfurter Straße beschäftigt. 476 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, 1362, Bl. 77

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Auch sei die Veröffentlichung einer Pressenotiz „allein Sache der Geheimen Staatspolizei“. Zumindest eine solche Anprangerung, bei der es sich im wörtlichen Sinne des Wortes um Teeren und Federn handelte, soll sich auch in Forst zugetragen haben, wie eine Zeitzeugin sich erinnert.477 Am 13. Dezember 1941 wies die Gestapo-Leitstelle Frankfurt (Oder) die Landräte und Oberbürgermeister an, dass solche öffentlichen Anprangerungen – die sie selbst zuvor angeregt hatte – künftig zu unterbleiben hätten und die Hoheitsträger der NSDAP entsprechend zu unterrichten seien.478 Deutschen Frauen drohte in der Regel die Einweisung in ein Konzentrationslager.479 Wesentlich gravierender waren die Folgen intimer Kontakte zwischen Polen und Deutschen. Polen waren sofort festzunehmen,480 polnischen Männern und Frauen drohte bei Geschlechtsverkehr mit Deutschen die Todesstrafe,481 für was aber selbst der Oberpräsident der Provinz Mark Brandenburg im Mai 1940 die Rechtsgrundlage vermisste.482 Um Kontakte zwischen Polen und deutschen Frauen zu vermeiden, wurde vom Reichsführer SS bereits im März 1940 angeregt, im ländlichen Raum möglichst polnische Arbeiter und Arbeiterinnen in gleicher Zahl einzusetzen oder „durch Einrichtung von Bordellen mit polnischen Mädchen den 477 Zeitzeugenbericht Nummer 1, im Anhang: „Wenn Frauen Kontakte zu irgendwelchen Ausländern aufgenommen haben und es kam raus – und es ist auch hier mal rausgekommen – da wurden den Frauen die Haare abgeschnitten, der Kopf kahl geschoren, Teer draufgestrichen und Hühnerfedern. Das war eine Frau aus einem Dorf hier in der näheren Umgebung. Sie wurde dann durch die Stadt geführt von der NSDAP. Keiner hat sich dagegen aufgelehnt, man hat versucht, sich das Ganze erst mal nicht anzusehen, um nicht irgendwie in Verdacht zu kommen, dass man nicht eventuell noch Mitleid mit den Frauen hatte. Das wäre wieder verdächtig geworden.“ 478 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, 1362, Bl. 368 479 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, Bl. 174 RS: Antwort des Reichsführers SS auf ein Schreiben des Oberpräsidenten. 480 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, 1362, Bl. 77 481 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, Bl. 64, Merkblatt über „Pflichten der Zivilarbeiter und -arbeiterinnen polnischen Volkstums während ihres Aufenthaltes im Reich“: Unter Punkt 7 heißt es wörtlich: „Wer mit einer deutschen Frau oder einem deutschen Mann geschlechtlich verkehrt, oder sich ihnen sonst unsittlich nähert, wird mit dem Tode bestraft.“ Das Merkblatt durfte weder den Polen noch den deutschen Arbeitgebern ausgehändigt werden, sondern war vorzulesen oder vorzulegen; Dolmetscher mussten nicht dabei sein: „Sprach- und schriftkundige Polen können hierzu mit herangezogen werden.“ Bl. 56 482 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, Bl 169 und RS. Allerdings gab der Oberpräsident der Mark Brandenburg gegenüber dem Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Inneren zu bedenken, dass auch ihm „eine einwandfreie Rechtsgrundlage für eine Bestrafung nicht bekannt“ sei. Das Merkblatt über die Pflichten der Zivilarbeiter und Zivilarbeiterinnen polnischen Volkstums bedrohe zwar unter Ziffer 7 mit dem Tode, wer mit einem oder einer Deutschen geschlechtlich verkehre oder sich ihnen sonst unsittlich nähere. „Doch bildet diese Androhung m.E. keine ausreichende Rechtsgrundlage [sic!] für ein Strafverfahren.“ Trotzdem veranlasste er die Festnahme von einem vermeintlich freigelassenen Pärchen durch die Gestapo. Der Reichsführer SS sah keine Veranlassung für eine Rechtsgrundlage. Eine Aburteilung der wegen intimen Verkehrs mit Reichsdeutschen festgenommenen Polen im Wege des ordentlichen Strafverfahrens, die die Schaffung einer besonderen Rechtsgrundlage erfordern würde, ist nicht beabsichtigt.“ (Antwort auf das Schreiben des Oberpräsidenten, Bl. 174 RS)

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Gefahren“ vorzubeugen.483 Wesentlich sei aber die Unterbringung der Polen in geschlossenen Unterkünften. Im April wurden von der Stapoleitstelle Frankfurt „zusätzliche staatspolizeiliche Maßnahmen“ über die Polenerlasse hinaus als unerlässlich angesehen. Detailliert wurde in einer Sonderanweisung festgelegt, wie im Falle eines Vergehens gegen Polen und Deutsche vorzugehen sei.484 Dabei hatten Polen, denen Arbeitsvertragsbrüche vorgeworfen wurden, keine Aussicht auf ein Strafverfahren; die Ahndung erfolgte „ausschließlich durch staatspolizeiliche Maßnahmen – Einweisung in ein Arbeitserziehungs- beziehungsweise Konzentrationslager“. Strafanzeigen waren an die Gestapo, nicht an Gerichte oder andere Dienststellen zu leiten, forderte die Stapoleitstelle Frankfurt.485 Bei „strafbaren Handlungen – insbesondere krimineller Art“ [sic!] sollten die Polen so lange im Polizeigefängnis festgehalten werden, bis die Gestapo eine Entscheidung zum weiteren Verfahren getroffen hatte. Keinesfalls seien die Ermittlungsvorgänge sofort an die Gerichte abzugeben.486 Mit der Beurlaubung aus der Kriegsgefangenschaft hatten Franzosen auch die Möglichkeit Gaststätten und „Rummel“ zu besuchen. Weil sie mit einem französischen Kriegsgefangenen spazieren gegangen war, mehrfach mit ihm Briefe und gelegentlich Zärtlichkeiten ausgetauscht hatte, wurde eine Forsterin im Mai 1943 zu acht Monaten Gefängnis verurteilt.487 Während der Haft im Frauengefängnis Berlin wurde ihr zweites Kind geboren. Durch Denunziation einer Nachbarin wurde die Reisserin Ende Oktober 1944 verhaftet, weil sie sich wieder mit einem Franzosen getroffen hatte. Die Denunziantin ging soweit, dass sie danach für die Polizei sogar den Mann ausfindig machte. Der Arbeiter in der 483 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, 1362, Bl 43, Schnellbrief des Reichsführers SS vom 8. März 1940 an den Reichsarbeitsminister 484 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, 1362, Bl. 76 – 79; Unterschieden wurden bei Widersetzlichkeit und Arbeitsunlust in minder schweren Fällen (Verwarnung und Meldung an die Stapoleitstelle), falls das nicht ausreiche, Schutzhaft bis zu 10 Tagen, in schweren Fällen Schutzhaft „bis auf weiteres“, und in besonders schwere Fälle („Sabotageverdacht, Sabotageversuche und Sabotage“). Unter „Unerwünschtes Verhalten der Polen“ wurden sofortige Festnahmen von Polen und Deutschen verlangt, die miteinander Geschlechtsverkehr ausüben oder „Liebesverhältnisse unterhalten“. Auch für „reichsfeindliches Verhalten“ war in minder schweren Fällen Schutzhaft angeordnet. Bei Verdacht auf „hoch- und landesverräterische Bestrebungen“ musste die Gestapo sofort benachrichtigt werden. Auch Maßnahmen gegen die deutsche Bevölkerung wurden festgelegt. Als Beispiele wurden angeführt: „Besuch der den Polen zugewiesenen Gaststätten und Unterkünfte, das Vermitteln von Briefen, das Sammeln von Geld oder Bekleidungsstücken, der Kauf von Fahrkarten, der Besuch polnischer Gottesdienste und die Teilnahme an deren kulturellen und geselligen Veranstaltungen u.ä.m.“ Die Maßnahmen reichten von einer Verwarnung bis hin zur Schutzhaft und „in besonders schweren Fällen“ bis hin zur Überführung in ein Konzentrationslager. Ausdrücklich wurde darauf hingewiesen, dass polnische Zivilarbeiter in Rüstungsbetrieben der gleichen Behandlung unterlägen, wie die anderen polnischen Zivilarbeiter. 485 BLHA Rep. 3B pol I, 1362, 378, Brief der Staatspolizeileitstelle vom 10. Februar 1942 486 BLHA Rep. 3B pol I, 1362, Bl. 436 487 BLHA, Rep. 12C Sondergericht Frankfurt/Oder, 1376; alle weiteren Angaben zu diesem Fall stammen aus dieser Prozessakte.

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Sprengchemie Forst hatte den Status eines beurlaubten französischen Kriegsgefangenen, trug mit behördlicher Erlaubnis Zivilkleidung und hatte die Deutsche im Lokal „Zur Traube“ kennen gelernt und sie später offenbar auch mehrmals über Nacht besucht. Der ermittelnde Kriminalsekretär bezeichnete sie in seinem Bericht als „liederliche Frauenperson“, für die er es wegen der Wiederholung ihres Vergehens für angebracht hielt, „sie für einige Monate dem Arbeitserziehungslager Schwetig zu überstellen, falls nicht die Staatspolizeistelle schon jetzt die Unterbringung in ein KZ für erforderlich hält“. Da der Ermittler sich in seiner Rolle des Richters offenbar gefiel, sah er für den Franzosen „21 Tage Schutzhaft im hiesigen Polizeigefängnis für ausreichend“ an. Schließlich liege die Hauptschuld bei der Deutschen, der beide Kinder weggenommen wurden. Erst nachdem sie Wochen später ein Gnadengesuch einreichte, erkundigte sich die Staatsanwaltschaft nach ihrem Verbleib. Bei der Verhandlung vor dem Sondergericht Frankfurt (Oder) wurde sie freigesprochen, weil sie entgegen dem Protokoll des Gestapo-Verhörs glaubhaft machen konnte, dass sie den Status eines beurlaubten französischen Kriegsgefangenen nicht kannte. Wie lange und wo der Franzose in Haft blieb, war in der Prozessakte der Deutschen nicht verzeichnet. „Stadturlaub“ wurde auch belgischen Mitarbeitern aus dem Bereitschaftslager Scheuno-Ost gewährt. Der Wallone mit der Lagerausweis- Nummer 321 durfte beispielsweise am 1.2.1945 „Kameraden in der Berlinerstrasse“ besuchen. Er selbst lebte in der Baracke 450. In einem Fall wurde ein französischer Mitarbeiter einer Fleischerei zwar nicht zu Familienfeiern eingeladen, war aber bei der gemeinsamen Weihnachtsfeier und Bescherung der Fleischerfamilie dabei.488 3.4.6 Gottesdienste Auf „Wunsch und Veranlassung der Sprengchemie Scheuno“ beabsichtigte der katholische Pfarrer Dr. Max Rauer im Lager der Sprengchemie „in Abständen von zwei bis vier Wochen für die dort beschäftigten polnischen Zivilarbeiter im dortigen Lager oder gegebenenfalls auch in der kath. Kirche Forst/L (getrennt von den örtlichen Pfarrangehörigen) Gottesdienste abzuhalten. Da ein großer Teil der Arbeiter der deutschen 488 Zeitzeugenbericht Nummer 3, im Anhang

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Sprache mächtig ist, wird diese Predigt in deutscher Sprache abgehalten“.489 „Gegen die Abhaltung eines gesonderten Gottesdienstes für die Polen“ hatte die Gestapo keine Bedenken, schränkte aber ein: „Es darf jedoch keine Predigt und die polnische Sprache überhaupt nicht angewendet werden.“ Gleichzeitig erhielt der Forster Oberbürgermeister Angaben zur Überwachung von Gottesdiensten.490 Nach dem Beginn des Russlandfeldzuges wurden im Regierungsbezirk Frankfurt (Oder) sämtliche Sondergottesdienste für Polen wegen der „unruhigen und unsicheren Haltung“ verboten.491 Deshalb erkündigte sich Pfarrer Rauer bei der Stadt, ob davon auch die bisherigen Gottesdienste im „Arbeiterlager Forst-Scheuno“ betroffen seien. „Es handelt sich um ein geschlossenes Lager von mehreren hundert Zivilarbeitern“, erklärte der Pfarrer. „Der Gottesdienst wird also weder in der Oeffentlichkeit sichtbar noch ist damit eine besondere Zusammenrottung der Leute verbunden, da sie ohnedies Tag und Nacht Beisammen sind.“ Die Geistlichen von Forst seien außerdem der polnischen Sprache nicht mächtig, versuchte Rauer Bedenken zu zerstreuen.492 Die Antwort fiel negativ aus. Das generelle Verbot wurde später aufgehoben, die Gottesdienste von der Gestapo im Juli 1942 aber als „unerwünscht“ betrachtet, da die Polen den Besuch der Kirche „in erster Linie zum Austausch von Nachrichten und zur Absprache von Verhaltensmassregeln gegenüber der Polizei und ihren Arbeitgebern benutzen“. Zwar konnte die Gestapo „mit Rücksicht auf die höheren Orts getroffene Anordnung den Gottesdienst für Polen nicht [...] verbieten“, forderte aber die Landräte und Ortsbürgermeister auf, „auf die Bürgermeister und Amtsvorsteher in geeigneter Weise einzuwirken, dass die ihnen von den katholischen Geistlichen zugehenden Mitteilungen über die Abhaltung polnischer Gottesdienste nicht weitergegeben werden.493 Für das Jahr 1943 sind in Forst Sondergottesdienste „nur für Polen“ an jedem ersten 489 StadtA Forst, 2446 (4292), „Katholiken“, Bl. 15, Brief von Kathol. Pfarramt Dr. Rauer vom 17.9.40 490 StadtA Forst, 2446 (4292), „Katholiken“, Bl. 19, Brief der Geheimen Staatspolizei, Staatspolizeistelle Frankfurt/Oder, vom 8.10.1940 an den Oberbürgermeister der Stadt Forst. 491 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, 1362, Bl. 319, Geheime Staatspolizei Frankfurt/Oder, Schreiben vom 5. Juli 1941 an die Landräte und Oberbürgermeister 492 StadtA Forst, 2446 (4292), „Katholiken“, Bl. 31, Schreiben von Pfarrer Max Rauer an Oberbürgermeister/Kriminalpolizei vom 15.7.1941 493 BLHA Rep. 3B pol I, 1362, Bl. 416

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Sonntag im Monat „in der hiesigen kath. Kirche“ nachgewiesen.494 Im Sommer 1944 wurden Gottesdienste für ausländische Arbeiter vom Regierungspräsidenten Frankfurt (Oder) „mit Rücksicht auf die angespannte Arbeitslage in Industrie und Landwirtschaft“ bis Ende Oktober verboten.495 3.4.7 Verfolgung Nach den Polenerlassen wurden allein in Forst bis Ende November 1942 insgesamt 69 Strafverfügungen gegen polnische Zivilarbeiter wegen des Verstoßes über die Kenntlichmachung erlassen. Weitere 42 Verfahren bis Ende November 1942 wurden wegen Verstößen gegen die Polizeiverordnung des Regierungsbezirkes Frankfurt (Oder) vom 27.9.1940 eingeleitet.496 Die Gestapoleitstelle Frankfurt beantragte im Juni 1940, das „Auffanglager Meseritz in ein stapo-eigenes Lager zu verwandeln, dass so ausgebaut werden sollte, dass dort „längere Schutzhaft (bis zu 3 Monaten) verbüsst werden kann“.497 Davon nahm die Gestapo allerdings Abstand, da man im September 1940 die Möglichkeit hatte, „Polen in unbeschränkter Zahl in das Arbeitslager Wuhlheide bei Berlin zu verbringen“.498 Ab Dezember 1940 wurden Polen nicht mehr in das (Gestapo)-Gefängnis in Frankfurt (Oder) gebracht, sondern sollten unmittelbar in das AEL „Oderblick“ in Schwetig an der Oder gebracht werden – allerdings sollten nur „voll einsatzfähige Personen zur Einlieferung kommen“, forderte die Staatspolizeistelle von den Landräten und Oberbürgermeistern.499 Möglicherweise hat das AEL Schwetig schon vorher bestanden.500 Dort war möglicherweise auch ein französischer Mitarbeiter der DSC Forst. Eine Deutsche beschrieb ihn nach mehrwöchigem Aufenthalt im 494 StadtA Forst, 2446 (4292), „Katholiken“, Bl. 53 RS, Die Antwort der Kriminalpolizei Forst auf eine Anfrage der Gestapo Frankfurt (Oder), ob deutsche Jugendliche verbotenerweise als Messdiener herangezogen würden (Bl. 53), fiel negativ aus. 495 Zitiert nach Beermann, Susanne: Der Ostarbeitereinsatz in der Provinz Brandenburg von 1939 bis 1945, Schriftliche Hausarbeit zur Diplomprüfung (unveröffentlicht), Berlin, 1994, S. 51, mit Verweis auf BLHA Pr.Br.Rep. 41 Amtsbezirk Brieske, Kreis Calau Nr. 251, o.Bl.; für Forst ist nicht bekannt, ob es zu diesem Zeitpunkt noch Gottesdienste für Ausländer gab. 496 StadtA Forst, 3231, (A2101), Bl. 51 497 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol I, 1362, Bl. 119RS und 120, Schreiben der Staatspolizeileitstelle Frankfurt (Oder) vom 18. Juni 1940 an die Landräte und Oberbürgermeister u.a. 498 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, 1362, Bl. 191 499 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, 1362, Bl. 256 500 Beermann, Susanne: Der Ostarbeitereinsatz in der Provinz Brandenburg von 1939 bis 1945, Schriftliche Hausarbeit zur Diplomprüfung (unveröffentlicht), Berlin, 1994, S. 22. Beermann beruft sich dabei auf Dokumente des BLHA, wonach bereits im Mai/Juni der Landrat des Kreises Jüterbog-Luckenwalde Aufstellungen anforderte, ob aus den Amtsbezirken bereits aufgrund vorgefallener Übertretungen direkte Einweisungen in das Arbeitserziehungslager Schwetig erfolgt wären; BLHA Pr. Br. Rep. 41 Nr. 13 Amtsbezirk Gräfendorf/Kreis Jüterbog-Luckenwalde, Bl. 12.

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Straflager „mit kahlgeschorenem Kopf, stark abgemagert und sich immer im Dauerlauf bewegend“.501 Noch 1940 wurde von der Stapo-Leitstelle klargestellt, dass „bei Überführung in das Auffanglager [Meseritz] nur längere Schutzhaft in Frage kommt“. Es müsse in den Meldungen klar werden, warum eine Schutzhaft von 10 Tagen nicht ausreiche.502 Weil es Fälle gab, bei denen der Platz in örtlichen Gefängnissen nicht mehr ausreichte, waren Polen ab Oktober 1940 nur noch bis zu drei Tagen in örtlichen Gefängnissen unterzubringen. Trotz der bestehenden Einschränkungen forderte der Landrat von Sorau eine verschärfte Polizeiverordnung, um den Polen den Zugang zu alkoholischen Getränken zu erschweren und fügte dem Schreiben an den Regierungspräsidenten einen Entwurf bei.503 Diese Verordnung wurde am 27.9.1940 vom Regierungspräsidium erlassen.504 Wenig später erweiterte der Sorauer Landrat sein Anliegen. Weil die „alten Bestände an Spirituosen usw.“ in den Kleinverkaufsstellen aufgebracht wären, seien die Polen dazu übergegangen, Brennspiritus zu kaufen. Auch die DAF habe gebeten, dass die Abgabe von Brennspiritus verboten werde. Was den Landrat so bewegte: „Die Folge ist nun, dass neben der großen Gefahr der gesundheitlichen Schädigung infolge Genusses von Brennspiritus die Trunksucht immer mehr überhand nimmt und zu Ausschreitungen, Arbeitsverweigerung und Arbeitsunlust im vermehrten Maße führt. Entsprechende Beobachtungen müssen insbesondere 501 Schulz, Hans-Joachim: Das verbotene Werk im Bunkerwald – Der Rüstungsbetrieb Deutsche Sprengchemie GmbH in Forst-Scheuno, Teil II, Forst, 1998, S. 19 502 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, 1362, Bl. 126 503 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol, 1362, Bl. 201 und RS, Trotz des Gaststättenverbotes versuchten Polen – teilweise über Kinder – in Gaststätten und anderen Verkaufsstellen an Branntwein, Monopolsprit und Südweine zu gelangen. Der Landrat von Sorau war der Auffassung: „Da die Trunksucht dieser Arbeitskräfte immer mehr in Erscheinung tritt und im angetrunkenen Zustande das Verhalten der Polen besonders herausfordernd gegen die Betriebsführer und heimischen Arbeitskräfte wird, ist der Erlaß einer Polizeiverordnung gegen den Missbrauch starker alkoholischer Getränke zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit und zur Beseitigung der Arbeitsunlust dringend notwendig.“ Entwurf für Verordnung 202 und RS: Betriebsführer hatten Zuwiderhandlungen binnen 24 Stunden zu melden. Den Polen drohte ein Zwangsgeld bis zu 100 Reichsmark, ansonsten bis zu zwei Wochen Zwangshaft. 504 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol I, 1362, Bl. 205 und 206 bzw. 208. Die Verordnung vom 27.9.1940 schränkte das Verlassen der Unterkünfte stark ein, verbot die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel außerhalb des Nahbereichs (es sei denn im Sinne des Arbeitseinsatzes), den Besuch „deutscher Veranstaltungen kultureller, kirchlicher und geselliger Art“, den Besuch von Gaststätten und den Verkauf von Alkohol an polnische Zivilarbeiter. Die Strafen gingen weiter, als der Sorauer Landrat vorgeschlagen hatte: Es drohten bis 150 Reichsmark oder bis drei Wochen Haft – auch für Arbeitgeber, die ihrer Meldepflicht nicht nachkamen. (Bl. 208 RS)

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an solchen Arbeitsstellen gemacht werden, wo eine größere Anzahl polnischer Arbeitskräfte eingesetzt sind.“505 3.4.8 Widerstand Kriegsbedingt kam es seit 1944 zunehmend zu Fällen, wo Unterkünfte zerbombt oder die Versorgung nicht mehr gewährleistet war und Ausländer, um zu überleben, teilweise in den Untergrund gingen, Lebensmittel stahlen oder plünderten.506 Während Herbert darin existenzielle Überlebensstrategien sah, postulierte Eichholtz bereits den Diebstahl von Nahrungsmitteln als Widerstand, zu dessen hauptsächlichsten Form in der Lage der Zwangsarbeiter bereits der Kampf ums Überleben, Arbeitszurückhaltung und Arbeitsverweigerung, Flucht, Sabotage und Kundschaftertätigkeit gehörten.507 Spoerer sieht als Motiv für Bummelei, Krankmeldung, Absentismus, offene Arbeitsverweigerung und (seltener) Sabotage vor allem das Motiv, eine Verbesserung der eigenen Situation zu erreichen, da den Ausländern der Rechtsweg versperrt blieb.508 Folgt man diesen Ansätzen zum Widerstandsbegriff, gibt es auch in Forst Beispiele für Widerstand. Ein Beispiel für gemeinsamen Widerstand könnten die Aufzeichnungen der Nadja Listopadowa sein. Demnach wurde die damals 17-Jährige von der Gestapo in der Fabrikhalle von Hänsel & Co verhaftet, weil sie antifaschistische Flugblätter in die Rosshaardecken steckte, während ein deutscher Arbeiter am Eingang aufpasste. Um die Namen der Helfer zu erfahren, habe die Polizei sie gefoltert; der linke Daumen wurde zerquetscht, Zähne ausgeschlagen und Haut verbrannt. Über einen Wächter im Polizeigefängnis habe sie aber Briefe weiterleiten können. Sie benannte in dem Brief aus dem Jahr 1970 auch Forster Familien, die ihr beispielsweise durch Lebensmittel halfen.509 505 BLHA Pr. Br. Rep. 3B I pol I, 1362, Bl 241. In dem zweiten Entwurf wird deutlich, wie weit das Problem reichte. Das Landratsamt definiert Brennspiritus als „der im freien Handel erhältliche vergällte Spiritus sowie spiritusähnliche Fabrikate oder Ersatzspiritus zu Brenn- oder sonstigen gewerblichen Zwecken. Unter das Verbot fällt auch Sulfitspiritus, synthetischer Spiritus, Karbidspiritus und Mineralspiritus, soweit er für gewerbliche oder sonstige Zwecke im freien Handel erhältlich ist“. (Bl. 242) 506 Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländer-Einsatzes in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn, 1999, S. 381ff 507 Eichholtz, Dietrich: Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft 1939 – 1945, Band II, Teil 1, München 1999, S. 288 508 Spoerer, Mark: Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz – Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939- 1945, Stuttgart/München, 2001, S. 255 509 StadtA Forst Ch/106, Brief von Nadja Listopadowa vom 29. März 1970

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Eher verdeckte Formen des Widerstandes gab es in der Vortäuschung von Krankheiten510 beziehungsweise einem organisierten Krankenstand, wie er offenbar in der Hänselhalle von Italienischen Militär-Internierten erfolgreich praktiziert wurde.511 Ein jugoslawischer Offizier, der sich wegen seiner Sprachkenntnisse als Italiener ausgegeben haben soll, berichtete einer Forster Krankenkassenangestellten nach dem Krieg, dass es einen organisierten Krankenstand gegeben habe. Durch den sei im Vergaserbetrieb (Deutsche Vergaser) Arbeitsausfall entstanden. Dem Bericht zufolge gab es einen relativ hohen Organisationsgrad innerhalb des Militärinterniertenlagers, nicht nur was gruppenweise auftretende Krankheitsfälle anging, sondern auch hinsichtlich der Nahrungsmittelbeschaffung. Die soll nachts durch ein gegrabenes Loch im Lager ihren Ausgang genommen haben, damit auf den Feldern unter anderem Kartoffeln und andere Nahrungsmittel gesammelt werden konnten. Unter den Begriff Widerstand kann auch eine Art stille Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Ausländern fallen, von der Zeitzeugen512 aus der DSC Forst berichten. Dabei wurden wie versehentlich Nahrungsmittel abgestellt oder den Ausländern zugeschoben. Eine Forster Widerstandsbewegung, deren Mitglieder hauptsächlich aus der Sportbewegung kamen, sollen sich regelmäßig am Hammerplatz (heute TV- Sportplatz) getroffen und dabei unter der Tarnung sportlicher Betätigung auch holländische und italienische Arbeiter einbezogen haben.513 3.4.9 Todesfälle Eines blieb den Forstern und den dort untergebrachten Ausländern erspart: Luftangriffe. Während beispielsweise am 29. und 30. Mai 1944 die Focke-Wulf-Fabriken an den Flugplätzen Cottbus und Sorau Ziele eines 510 Reiche, Brigitte: Zur medizinischen Betreuung und sozialen Lage der im Raum Leipzig während des Zweiten Weltkriegs eingesetzten ausländischen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge, Dissertation, Karl- Marx-Universität Leipzig, 1990, S. 103f. Als Beispiel wird eine unerkannt in einem Tauchaer Zwangsarbeiterlager lebende Ärztin genannt, die mit ihren „Patienten“ Symptome einstudierte beziehungsweise mit Hilfsmitteln vortäuschte. Ähnliche Fälle wurden aus einem anderen Lager bekannt. 511 Diese Informationen beruhen auf den Aussagen einer deutschen Zeitzeugin. Die Abschrift ist unter Zeitzeugenbericht 1 im Anhang beigefügt. 512 Zeitzeugenbericht Nummer 5, im Anhang 513 Ihlo, Richard / Scholze, Wilfried: Als die Uhren stehen blieben, Das Ende des Krieges in der Textilstadt Forst 1945, Forst, 1996, S. 29

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großangelegten Angriffs wurden,514 bei denen auch die Städte selbst bombardiert wurden , blieb das zwischen beiden Städten gelegene Forst unbehelligt. Auf den wichtigsten Rüstungsbetrieb in Forst, die Sprengchemie Scheuno, hat es keinen nachweisbaren Bomberangriff gegeben. Bisher zu den Gründen geäußerte Vermutungen dafür sind zweifelhaft.515 Die Folgen wären für Deutsche wie Ausländer gleichermaßen verheerend gewesen. Noch stärker hätte ein Bombardement der Unterkünfte die Fremdarbeiter getroffen. Da die Ausländer meist keine Schutzbunker hatten, waren woanders dagegen auch unter den ausländischen Rüstungsarbeitern Opfer zu beklagen.516 Angaben in polnischen Publikationen, dass in den letzten Kriegsjahren bei der Sprengchemie Forst „über 2000 Zwangsarbeiter aufgrund von Erschöpfung, Hunger und der Infektionskrankheiten gestorben sind“,517 wurden auch auf Nachfrage nicht mit Quellen belegt. Nicht abschließend konnte eingeschätzt werden, wie viele „Klein- und Kleinstkinder“ im Lager des Reichsministers für die besetzten Ostgebiete gestorben sind.518 Bei einer Durchsicht des Beerdigungsregisters auf dem Forster Stadtfriedhof ergab eine erste Durchsicht, die sich an osteuropäisch klingenden Namen orientierte, dass für mindestens fünf Kinder im Alter bis vier Jahren nachgewiesen werden kann, dass sie zuvor in Forster Ausländerlagern lebten oder in einem Fall einen polnischen Vater hatten. Bei 514 Eichholtz, Dietrich: Rüstungswirtschaft und Arbeiterleben am Vorabend der Katastrophe; in: Eichholtz, Dietrich (Hg.) und Püschel, Almuth: Verfolgung, Alltag, Widerstand - Brandenburg in der NS-Zeit, Berlin, 1993, S. 74 515 Die Sprengstoffproduktion war kein vorrangiges Ziel der alliierten Luftangriffe. Erst in den beiden letzten Kriegsjahren gab es Angriffe auf Munitionsfabriken, die offenbar eher wegen ihrer regionalen Lage ausgesucht wurden. Schwachpunkt der deutschen Produktionskette waren die Rohstoffe, nicht Werke wie Scheuno, die trotzdem empfindlich für Angriffe aus der Luft waren. Für das Werk Schönebeck reichten am 24. Januar 1944 zwei RAF-Bomber, um schwere Schäden anzurichten. Clausthal-Zellerfeld, wo TNT produziert und Granaten gefüllt wurden, wurde erst am 7. Oktober 1944 bombardiert. Eine der größten europäischen Munitionsfabriken in Troisdorf war erst am 27. Dezember 1944 Ziel von Luftangriffen. Was ebenfalls nicht für ein strategisches Vorgehen spricht: Die Bombardierung der Werke Düneberg und Krümel am gleichen Tag war unnötig. Die beiden nur wenige Kilometer auseinandergelegenen Werke waren voneinander abhängig; der Ausfall des einen hätte den Ausfall des anderen verursacht. Erst am 11. April 1945 wurde das DSC-Werk in Kraiburg bombardiert. In: USSBS: Strategic Air Attack on the German Powder, Explosives an Propellants Industry, im US Strategic Bombing Survey, Second Edition January 1947. Schulz, und wahrscheinlich auf ihn basierend Majchrzak, hatten die Beteiligung amerikanischen Kapitals an der IG Farben als Grund vermutet, was unter anderem angesichts des Angriffes auf andere Produktionsstätten einer Überprüfung nicht standhält. 516Vgl. Eichholtz 1993, S. 75, Beschreibung des Luftangriffes auf die Brabag Schwarzheide, und vor allem Fuchslocher, Kolja: „Ich hab Berlin in Schutt und Asche fallen sehn“, Der Alltag der Fremd- und Zwangsarbeiter im Luftkrieg, in: Scholze-Irrlitz, Leonore und Noack, Karoline (Hg.): Arbeit für den Feind – Zwangsarbeiter-Alltag in Berlin und Brandenburg (1939 – 1945), Berlin, 1998, S. 93ff 517 Majchrzak, Jerzy Piotr: Miasto ze Złotym lwem w herbie, Zary, 1998, S. 196 518 StadtA Forst, 3261, Bl. 139

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zwei weiteren Kleinkindern konnte belegt werden, dass sie zuletzt im Ostarbeiterlager in Friedrichshain (Kreis Spremberg) beziehungsweise im „Lager am See“ Christianstadt lebten. Für weitere sieben Kleinkinder sind keine Sterbebücher mehr vorhanden, so dass sehr vorsichtige Schätzungen davon ausgehen müssen, dass mindestens fünf, wahrscheinlich aber zwölf oder mehr ausländische Kleinkinder auf dem Forster Hauptfriedhof bestattet wurden – übrigens auch nicht separat, sondern neben den deutschen Kindern. Gleichermaßen wurde das Beerdigungsregister für Kinder von vier bis 14 Jahren durchgesehen. Unter den drei Kindern, die nach einer ersten Durchsicht in Frage zu kommen schienen, war ein siebenjähriger Pole aus dem Lager Muskauer Straße 200.519 Da für die beiden anderen, im Januar 1945 verstorbenen Kinder dieser Altersgruppe520 keine Sterbebücher mehr vorhanden waren, sind für diese Altersgruppe keine konkreten Angaben möglich. Keine Aussagen können zu möglichen Todesfällen unter den Kriegsgefangenen in Forst gemacht werden. Generell galt für russische Kriegsgefangene, dass die Bestattung „auf den Begräbnisplätzen der Kriegsgefangenenlager“ zu erfolgen habe. Da auch erkrankte oder „unfallbeschädigte“ russische Kriegsgefangene vom Mannschaftslager übernommen werden sollten,521 ist nicht auszuschließen, dass entkräftete Kriegsgefangene erst dort starben. Für den Fall, dass „von Wehrmachtsstellen das Ansinnen gestellt wird, Leichen russ. Kgf. zu bestatten“, war die Gemeinde verpflichtet, die Bestattung „nach militärärztlicher Feststellung des Todes unverzüglich durchzuführen.“ Die Kosten waren „so niedrig wie irgend möglich zu halten“ und nicht Särge zu verwenden, sondern starkes „Papier (möglichst Öl-, Teer- oder Asphaltpapier)“.522 Im November 1941 wurde vom Landrat in Sorau eine vertrauliche Anweisung an die Bürgermeister verschickt, die den Betreff „Bestattung von Leichen sowjetischer Kriegsgefangener durch 519 Beerdigungsregister des Forster Hauptfriedhofes für Kinder von vier und 14 Jahren und Sterberegister des Standesamtes Forst, Nr. 872 aus 1944. Eine entsprechende Hausnummer existiert nicht. Es ist offen, ob es sich um das Lager am Waldgürtel (die Straßenbezeichnung gab es damals noch nicht), das Lager Keune (Triebeler Straße 200) oder die ehemalige Baracke („Walderholung“) an der Ecke Muskauer/Skurumer Straße handlete. 520 laut Beerdigungsregister des Forster Hauptfriedhofes für Kinder von 4 bis 14 Jahren, Sterberegisternummern 12 und 66 aus 1945 521 StadtA Forst, 3026, Bl. 5 und 6, Allgemeine Richtlinien über den Einsatz russischer Kriegsgefangener, Schreiben des Oberpräsidenten vom 28.1.1943 522 StadtA Forst, 3026, Bl. 5 und 6, Allgemeine Richtlinien über den Einsatz russischer Kriegsgefangener, Schreiben des Oberpräsidenten vom 28.1.1943

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[sic!] die Gemeinden“ trug. Darin gab es die Weisung: „Als Begräbnisort auf Friedhöfen einen entlegenen Teil wählen.“ Außerdem sollte die Bestattung mehrerer Leichen im Gemeinschaftsgrab „nebeneinander – nicht übereinander“ erfolgen.523 Daraus könnte man schließen, dass eine Konkretisierung der Vorgaben aus gegebenem Anlass nötig wurde. Belege dafür gibt es allerdings nicht. Ostarbeiter, die während des Einsatzes starben, sollten „grundsätzlich auf dem öffentlichen Friedhof des S t e r b e o r t e s bestattet“ werden – und zwar auf Grabstellen, die „hinreichend getrennt von den für die Bestattung von Deutschen vorgesehenen Grabstellen liegen“. Dabei sollte den Glaubensgrundsätzen Rechnung getragen werden.524 Entweder war diese Regelung in der Stadt Forst nicht bekannt oder sie wurde missachtet. Jedenfalls wurden die Leichen der Ostarbeiter in Reihengräbern neben Deutschen begraben.525 Im Begräbnisbuch für Erwachsene des Forster Hauptfriedhofes sind Bestattungen von 43 Ostarbeitern und Polen beziehungsweise einem Kroaten aufgeführt. Das Durchschnittsalter betrug 29 Jahre.526 Ein Vergleich mit dem Sterberegister der Stadt ergab, dass darunter auch Ausländer waren, deren letzte Anschrift teilweise in den Kreisen Sorau (Schwerpunkt waren Lager des DAG-Werkes Christianstadt),527 Rothenburg, Sagan und Cottbus lagen. Für fünf Ostarbeiter und Polen ist kein Sterbebuch beziehungsweise Eintrag mehr vorhanden.528 Wegen dieser Zusammenstellung müsste in weiteren Forschungen die Frage vertieft werden, ob auf dem Hauptfriedhof möglicherweise nur Tote liegen, die zuvor wegen Krankheit oder Verletzungen in den Ostarbeiter- und Ausländerbaracken des Krankenhauses Forst behandelt wurden. Darüber hinaus ist nicht auszuschließen, dass noch mehr Menschen an den Folgen des Arbeitseinsatzes in Forst und Umgebung starben, da bereits seit 523 StadtA Forst, 314, Brief des Landrates an die Bürgermeister des Kreises Sorau vom 21. November 1941, Nur für den Dienstgebrauch, Veröffentlichung – auch auszugsweise – nicht gestattet. 524 BLHA Rep 3B I pol, 1912, Auszug aus dem Ministerialblatt des Reichs- und Pr. Ministerium des Innern, S. 677, zu: Friedhöfe, Bestattung in Deutschland verstorbener Ostarbeiter, April/Mai 1943 525 Beerdigungsregister der Stadt Forst für Erwachsene auf dem Hauptfriedhof 526 Beerdigungsregister der Stadt Forst für Erwachsene auf dem Hauptfriedhof 527 Eine grundlegende Forschung zum DAG-Werk Christianstadt wurde vor zwei Jahren vorgelegt: Löbner, Martina: „Geheime Reichssache“ Christianstadt – Das Ende einer Kleinstadt zwischen Oder und Neiße sowie der Sprengstoff-Fabrik „Ulme“, Dissertation (unveröffentlicht), Hannover 2002 528 Beerdigungsregister des Hauptfriedhofs sowie Abgleich mit dem Sterberegister des Standesamtes Forst

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dem 1. Juli 1942 nicht einsatzfähige Ostarbeiter in Sonderzügen aus der ganzen Provinz in Auffanglager an der Ostgrenze zurückbefördert werden sollten.529 Erst im Oktober 1944 wurden die Unterschiede bei der Beisetzung bei ausländischen Beschäftigten, zumindest im öffentlichen Dienst, aufgehoben. Für Polen und Ostarbeiter galten nunmehr die gleichen Regelungen wie für alle anderen ausländischen Arbeitskräfte.530 Zuvor durften Abordnungen der Beschäftigungsbehörde oder -dienststelle oder Kollegen gleicher Nationalität nicht an den Beisetzungen verstorbener oder tödlich verunglückter Polen oder Ostarbeiter teilnehmen. Kranzspenden für Polen und Ostarbeiter durften nicht aus öffentlichen Mitteln finanziert werden.531 Die Zwangsarbeiter-Gräber auf dem Forster Stadtfriedhof sind nicht gekennzeichnet, obwohl es bereits in der DDR 1974 eine grundsätzliche Anweisung für die Kennzeichnung, Pflege und Gestaltung von Gräbern auch ausländischer Zivilpersonen gab, die ausdrücklich auch ehemalige Zwangsarbeiter umfasste.532 Eine Kennzeichnungspflicht besteht heute offenbar nicht mehr. Für das gesamte heutige Stadtgebiet von Forst wird auch in der aktuellen Kriegsgräberübersicht nur von 257 auf dem Gräberfeld russischer Soldaten Bestatteten, zwei in Groß Bademeusel begrabenen Russen sowie einem Polen auf dem Friedhof Bohrau ausgegangen,533 der mittlerweile umgebettet wurde. In den Büchern des Krematoriums Forst finden sich keine Belege dafür, dass die Anlage auch für die Einäscherung von Ausländern während des Krieges genutzt wurde.534 Auch die Existenz oder Lage eines „Betriebsfriedhofes“535 des DSC- Werkes konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Zwei Schwestern, die im Ausländerlager als Deutsche arbeiteten, ist allerdings die Existenz eines Betriebsfriedhofes nicht bekannt. Nach ihrer Kenntnis wurden ausländische 529 Beermann, Susanne: Der Ostarbeitereinsatz in der Provinz Brandenburg von 1939 bis 1945, Schriftliche Hausarbeit zur Diplomprüfung (unveröffentlicht), Berlin, 1994, S. 41 mit Verweis auf BLHA Pr. Br. Rep. 2A Regierung Potsdam I Pol Nr. 329, Bl. 53 530 StadtA Forst 3033, Bl. 1, die Ausnahmen für Ostarbeiter und Polen im Runderlass des RmdI vom 11.8.1943 (MBliV, S. 1305) wurden aufgehoben 531 StadtA Forst, 3033, Bl. 3 und RS 532 StadtA Forst, Ch/93, Brief des Ministers für Kultur der DDR 533 LK SPN, Übersicht der Kriegsgräber im Landkreis Spree-Neiße, Stand Juli 2002 534 StadtA Forst, 674, Einäscherungsregister 3.4.1934 bis 16.5.1940 sowie 675, Einäscherungsliste vom 18.5.1940 bis 15.2.1944, sowie 676, Einäscherungsregister vom 10.2.1944 bis 31.1.1958 und 677, und Urnenbeisetzungsregister von 1942 bis 1946. 535 Majchrzak, Jerzy Piotr: Miasto ze Złotym lwem w herbie, Zary, 1998, S. 196

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Bewohner des Lagers auf dem Hauptfriedhof in Forst beerdigt.536 Auf dem Stadtfriedhof Forst sind drei Ostarbeiter sowie ein Kleinkind aus dem (Heide-) Lager Scheuno begraben. Angesichts der gefährlichen Arbeit im DSC-Werk über Jahre hinaus, könnte die Zahl der Opfer aber durchaus höher gewesen sein. 4 Kriegsende und Displaced Persons Am 17. Februar 1945, als die Rote Armee östlich der Neiße vor Forst stand, befanden sich noch mindestens 500 Ausländer in Forst.537 Die Ausländer von Betrieben, „die unrechtmäßig geschlossen haben“, sollten nach Angaben des Arbeitsamtsleiters „zunächst in ein besonderes Auffanglager gebracht werden [...]. Dieses Auffanglager befindet sich in der Fabrik von Faber, Keun.[scher] Kirchweg, und von hier werden sie dann vom Arbeitsamt dem weiteren Einsatz zugeleitet“. Der Leiter des Ernährungsamtes wies bei einer Krisensitzung im Rathaus darauf hin, dass die Ernährungsabteilung A der Kreisbauernschaft Sorau, die für die Ausfertigung der Bezugsscheine für die Lebensmittelmengen der Ausländerlager zuständig sei, „zur Zeit beim Bürgermeisteramt in Döbern“ untergebracht sei. Bezugsscheine vom Forster Ernährungsamt [B] seien nur als Überbrückung für kurze Zeit gedacht. In der offenbar bereits verlassenen Sprengchemie fanden sich noch 800 bis 1000 Zentner Kartoffeln, die ebenso für die Versorgung der Bevölkerung beschlagnahmt wurden, wie die ca. 2000 Zentner Speisekartoffeln, die „auf dem Gelände der Sprengchemie in Scheuno, und zwar bei dem früheren Lager der Betreuungshelferinnen“ eingelagert waren.538 Ob die Versorgung der Ausländer in diesen Tagen überhaupt noch funktionierte, scheint eher fraglich: „Kreishandwerksmeister Lehmann vom Sozial-Gewerk teilte noch mit, dass die Großküche, die ihren Betrieb vorübergehend eingestellt hatte, in einigen Tagen wieder geöffnet wird, damit die ca. 500 Ausländer, die sich in Forst aufhalten, wieder lagermäßig versorgt werden können.“539 Das dürfte nichts anderes bedeuten, als dass die in Forst lebenden Ausländer in dieser Zeit eben 536 Zeitzeugenbericht Nummer 5, im Anhang 537 StadtA Forst, 3235, Besprechung mit Vertreten des Handels und der gewerblichen Wirtschaft, 17.2.1945 538 StadtA Forst, 3235, Besprechung mit Vertreten des Handels und der gewerblichen Wirtschaft, 17.2.1945 539 StadtA Forst, 3235, Besprechung mit Vertreten des Handels und der gewerblichen Wirtschaft, 17.2.1945

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nicht lagermäßig versorgt wurden, also auf sich gestellt waren – und damit in Gefahr gerieten, als Plünderer gefasst zu werden. Teilweise kamen die Ausländer bei ihren Arbeitgebern unter, was im Fall einer Fleischerei belegt ist.540 Offenbar aus Angst vor Widerstand der in Forst lebenden Ausländer während dieser Belagerungsphase duldete die Gestapo auch offensichtliche „Tischkontakte“ zwischen den Ausländern und Deutschen. Angesichts der Frontlage kam es offenbar vermehrt zu Fluchten. So sollen sich zwei Franzosen in der Nähe von Jocksdorf versteckt haben. Während die belgischen Arbeiter der DSC Forst nach Beeskow laufen mussten, schien sich bei der Evakuierung des Werkes um die Ostarbeiter zunächst niemand zu kümmern.541 Weniger aus Gründen des Widerstands, als aus reinem Selbsterhaltungstrieb wurden offenbar zwei Franzosen Opfer der letzten Kriegswochen. Bei der Räumung des Gebietes östlich der Neiße wurden sie erschossen, weil sie große Mengen Schlachtvieh nicht aufgeben wollten.542 540 Zeitzeugenbericht Nummer 3, im Anhang: „Im Februar 1945 wohnte der Franzose ganz bei uns; im Hinterhaus hatte er seine Stube. Eines Tages war er weg, hatte nur einen Zettel hinterlassen, auf dem stand, dass er mit einem Kollegen von seiner Truppe in Jocksdorf versteckt war. Die Ausländer waren ja bei der Gestapo registriert und die kümmerten sich jetzt darum, wo sie abgeblieben sind. (...) Bei uns war auch mal einer von der Gestapo. (...)Er sah auch, dass der Franzose bei uns saß. Es war aber alles in der Auflösung, so dass der Gestapo- Mann nichts dazu sagte. Sie wollten nur, dass die Ausländer sich nicht irgendwie zusammenrotten (...). Weil es dem Franzosen aber alles zu heiß wurde, da haben sie sich versteckt. (...) Unser polnischer Mitarbeiter war auch schon weg, als ich von Christianstadt [Februar 1945] zurückkam.“ 541 Schulz, Hans-Joachim: Das verbotene Werk im Bunkerwald – Der Rüstungsbetrieb Deutsche Sprengchemie GmbH in Forst-Scheuno, Teil II, Forst, 1998, S. 29. Eine Zeitzeugin beschrieb die Szene: „ Auf dem Werk dorthin [zum Hauptverwaltungsgebäude] sah ich auf den Werksstraßen in Gruppen ausländische „Fremdarbeiter“ diskutierend stehen, und zwangsverschleppte ausländische Frauen aus dem Osten eingehakt zu Dritt oder Viert spazieren, es war ein ungewohntes Bild, das sich mir bot.“ 542 Abstract von der Internetseite DDR-Justiz und NS-Verbrechen vom 26. Januar 2004, www.1.jur.uva.nl/junsv/ddr/files/ddr1172.htm (Veröffentlichung in Vorbereitung). Dabei wird Bezug genommen auf zwei Entscheidungen des Landgerichts Cottbus (LG/BG Cottbus 520421 Az.: IKLs9/51 sowie 510423 Az.: IKLs9/51) sowie des OLG Potsdam (520205 Az.: Iss30/51). Als Tatzeit wird der Februar 1945 genannt, als Tatort der Raum Forst (Lausitz). „Verfahrensgegenstand: Bei der Räumung des Geländes östlich der Neiße [wo Werk und Lager der DSC lag, Anm. d.A.] wurde eine Gruppe von etwa zehn Franzosen mit einer grossen Menge geschlachteten Viehs angetroffen. Trotz des Befehls, die beiden Anführer der Gruppe zu erschiessen, wurden alle Franzosen westwärts geschickt. Als sie dem nicht nachkamen, sondern an die gleiche Stelle zurückkehrten, wurden sie nach kurzer Zeit erneut aufgegriffen und die Anführer nunmehr erschossen.“ Der Angeklagte Richard Poh. wurde zu acht Jahren Haft verurteilt. Die Akten des Verfahrens liegen nach Auskunft des BLHA wahrscheinlich bei der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, weil die Stasi entlassene Kriegsverbrecher beobachtete und die Gerichtsakten in ihren Bestand übernahm. Die „Birthler“-Behörde verwies bei Anfrage auf das Bundesgesetz zur Akteneinsicht. Demnach müsse das journalistische oder wissenschaftliche Interesse in erster Linie dem Wirken der Staatssicherheit gelten. Für diese Arbeit hieße dies, dass zumindest ein zusätzliches Kapitel eingefügt werden müsste, worauf aus zeitlichen Gründen verzichtet wurde. Bemerkenswert aus Sicht des Verfassers ist, dass ein berechtigtes wissenschaftliches Interesse an der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit den Umweg über die Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit nehmen oder dies vortäuschen muss. Dass dies im Sinne des Gesetzgebers lag, darf bezweifelt werden.

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Im Juli 1945 konnte die Stadt Forst und der verbleibende Restkreis Sorau wegen seiner verkleinerten Fläche die Bewohner, Flüchtlinge und Vertriebenen nicht mehr ernähren. Anfang Juli waren weder Roggen noch Kartoffeln und Fleisch verfügbar.543 Durchziehende Displaced Persons, vor allem Polen und Ukrainer, sowie sowjetische Besatzungssoldaten eigneten sich noch funktionsfähige Fahrräder an.544 In Sekundärquellen wird davon berichtet, dass in der Stadt Forst und Umgebung sowjetische Soldaten und große Gruppen nach Osten ziehender Polen und Ukrainer auch die letzten Lebensmittel raubten, Häuser und Inventar demolierten und die Bewohner terrorisierten. Erst nach und nach vermochten sowjetische Militärstreifen die Lage zu beruhigen.545 Das war im Nachkriegsdeutschland keine ungewöhnliche Situation: Durchschnittlich zehn Tage brauchten die Besatzungsmächte, bis sie die Situation regional unter Kontrolle brachten.546 Ob und in welchem Umfang es in Forst zu Rückführungsweigerungen vor allem unter ehemaligen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen aus dem Einflussbereich der Sowjetunion kam, ist nicht bekannt. Aus der britischen Besatzungszone ist bekannt, dass in dieser Personengruppe vor der Zwangsrückführung die Selbstmordrate teilweise zehn Prozent betrug, was unter anderem daran lag, dass sowjetische Kriegsgefangene, die in deutsche Gefangenschaft gerieten, als Überläufer und Kollaborateure nach dem sowjetischen Militärrecht mit der Todesstrafe rechnen mussten.547 Noch im September 1945 waren „ganze Teile der Stadt abgesperrt. Im Sperrgebiet befinden sich Zivilserben, Jugoslawen usw.“, meldete die Stadtverwaltung Forst.548 Dieses eingezäunte Auffanglager befand sich nach Zeitzeugenangaben549 vom Bahnhof aus die Bahnhofstraße entlang bis zur damaligen Lothringer Straße (heute Nagelstraße) und umfasste offenbar auch Teile der Moltkestraße (jetzt: August-Bebel-Straße), der Leipziger Straße und der Blumenstraße. Während die Ausländer diesen Bereich verlassen durften, 543 Hübner, Peter: „Durchhalten“ und „Durchkommen“ – Niederlausitzer Industriearbeiter im Jahre 1945; in: Stang, Werner (Hg.) und Arlt, Kurt: Brandenburg im Jahr 1945, Potsdam, 1995, S. 158 544 ebenda, S. 159 545 ebenda, S. 159, mit Verweis auf SAPMO-BA, ZPA, NL 182/853, Bl. 95ff. 546 Jacobmeyer, Wolfgang: Die vergessenen DPs, in: Journal für Geschichte, November 1983, S. 18 547 ebenda, S. 18 548 StadtA Forst, N 400/P131, Bl. 37, Fragebogen für die Erfassung der Bevölkerung 549 Alle Angaben aus dem Zeitzeugenbericht Nummer 1, der im Anhang beigefügt ist. Die Absperrung wird auch im Zeitzeugenbericht Nummer 2, im Anhang, erwähnt. Dort wird die Lage beschrieben, dass in der Cottbuser Straße Ausländer gewohnt hätten und von der Bahnhofstraße aus ein Zaun stand, mit dem die Deutschen ausgesperrt wurden.

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waren die ehemaligen Bewohner ausgesperrt. Die Zahl der dort vorläufig untergebrachten Ausländer ist nicht bekannt. Zeitweise sollen fast täglich Züge über Cottbus nach Frankreich, Italien und die Sowjetunion gefahren sein. In dem Auffanglager waren offenbar nicht nur Zwangsarbeiter, die im Raum Forst eingesetzt waren.550 Das Lager wurde offenbar noch im Jahr 1945 geräumt, viele Wohnungen „von den Ausländern geplündert“.551 Das Gefühl der „Freiheit zum Anfassen und zum Mitnehmen“552 gab es offenbar auch in Forst. Am 1. März 1946 befanden sich in der Stadt Forst noch 21 Ausländer.553 Mehrere Ausländer blieben aber in Forst. Der Italiener P. heiratete eine Frau aus Keune, reiste nach einigen Jahren aber nach Westdeutschland aus.554 5. Konzeption, Analyse und Erstellung eines journalistischen Produkts zum Thema Ausgehend von Demps These, dass es zwar in den 1980er-Jahren ein intensive wissenschaftliche Bearbeitung des Zwangsarbeitereinsatzes in der DDR, aber keine die breite Öffentlichkeit erreichende Diskussion gegeben habe,555 spricht im Fallbeispiel Forst vieles für eine multimediale Behandlung des Themas, die der Ausdifferenzierung des Mediensystems gerecht wird.556 Sie bietet die Vorteile, generationsübergreifend wirksam zu werden und größtmögliche Teile der Öffentlichkeit zu erreichen. Die interaktiven Möglichkeiten des Internets können dabei im Rahmen einer allgemein zugänglichen „Geschichtswerkstatt“ genutzt werden, um Informationen zu verdichten und zu ergänzen sowie ein Diskussionsforum zu eröffnen. Im Idealfall wäre dies eine mindestens zweisprachige Internetplattform, die sowohl der deutschen wie der polnischen Öffentlichkeit in der Euroregion Spree-Neiße-Bober offen steht. Die multimediale Konzeption eines solchen 550 Zeitzeugenbericht 1, Ergänzung vom 24.9.2002, im Anhang: Eine Russin, die im Forster Auffanglager war, wurde zuvor als Hausmädchen bei einer Leipziger Familie eingesetzt. 551 Zeitzeugenbericht Nummer 2, im Anhang 552 Jacobmeyer, Wolfgang: Die vergessenen DPs, in: Journal für Geschichte, November 1983, S. 18 553 StadtA Forst, N400/P131, Bl. 102, Fragebogen zur Sondererhebung für die SMA, betr. Bevölkerung, Ausländer usw. Die Gesamteinwohnerzahl betrug per 1.3.1946 insgesamt 26.850. Unter den Ausländern waren ein Amerikaner, zwei Engländer, zwei Franzosen, ein Italiener, fünf Jugoslawen, ein Norweger, eine vierköpfige österreichische Familie, ein Schweizer, ein Ungar, zwei Schweden und ein Bulgare. 554 Zeitzeugenbericht Nummer 1, Ergänzung vom 24.9.2002, im Anhang 555 Demps, Laurenz: Das Thema Zwangs- und Fremdarbeit in der DDR-Historiographie – Eine Skizze, in: Scholze-Irrlitz, Leonore und Noack, Karoline (Hg.): Arbeit für den Feind – Zwangsarbeiter-Alltag in Berlin und Brandenburg (1939 – 1945), Berlin, 1998, S. 143 556 Jarren, Ottfried: Medien, Mediensystem und politische Öffentlichkeit im Wandel; aus: Sarcinelli, Ulrich (Hg): Politikvermittlung und Demokratie in der Mediengesellschaft, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, 1998, S. 83. Jarren nennt die Programmmedien, die Sparten- und Zielgruppenmedien sowie die Informations- und Kommunikationsnetzwerke.

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Diskussionsanstoßes könnte in fünf Teilbereiche gegliedert werden, die sich ergänzen. 5.1 Artikel in Tageszeitung(en) Als Auftakt könnte ein Beitrag dienen, der die Ergebnisse der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit zusammenfasst und allgemeinverständlich vermittelt. Schwerpunkte des journalistischen Ansatzes wären vor allem Umfang und Umstände des Ausländereinsatzes im Kontext des historischen Umfeldes. Dabei wäre der Bezug zu einem symbolischen Datum wünschenswert. Anbieten würden sich in diesem Zusammenhang der Beitritt Polens in die Europäische Union am 1. Mai 2004, der Jahrestag der „Polen-Erlasse“ am 8. März 1940, der Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai oder der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar. Den Anforderungen des journalistischen Produktes entsprechend wären die Zeitzeugenzitate im Zeitungsbeitrag größere Bedeutung beizumessen, wobei die teilweise nicht gegebenen Einverständniserklärungen zur Nennung des Namens zu berücksichtigen sind. Die Veröffentlichung kann aber gleichzeitig verbunden sein mit einem wiederholten Aufruf an Zeitzeugen, ihre Erinnerungen mitzuteilen. Vor diesem Hintergrund wäre eine ähnliche Veröffentlichung in einer polnischen Tageszeitung begrüßenswert, da so möglicherweise der Erkenntnisstand um die Opferperspektive erweitert werden könnte. Ein Aspekt mit kommunalpolitischer Relevanz ist die Frage, ob und in welcher Form auf die in Forst während des Zwangsarbeitseinsatzes verstorbenen Ausländer hingewiesen werden sollte. Ein weiterer Aspekt könnte die Frage sein, in wie vielen Fällen die örtlichen Archive überhaupt ehemaligen Zwangsarbeitern bei Entschädigungsnachweisen weiterhelfen konnten, und wie es die Stadt Forst als ehemaliger Nutznießer der Zwangsarbeit mit der Entschädigung hielt. Das Medium Tageszeitung kann gleichzeitig für Cross-Media-Ansätze genutzt werden, indem auf andere Beiträge, die Internetplattform und sonstige Kommunikations-Varianten verwiesen wird. Nicht zuletzt könnten Reaktionen in Form von Leserzuschriften eine traditionelle interaktive Variante darstellen, die sich auch in anderen Bereichen niederschlägt (Internet, Ausstellungen, sonstige Publikationen).

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5.2 Beiträge in Fach- oder Special-Interest-Publika Eine historisch interessierte Teilöffentlichkeit kann über einen entsprechend tiefergehenden Beitrag im seit 2004 erscheinenden „Forster Jahrbuch“ erreicht werden. Im Vergleich zum Tageszeitungsartikel ist der Betrag im Jahrbuch wesentlich stärker auf die Dokumentation und Nachvollziehbarkeit des Ausländereinsatzes auszurichten, um damit auch wissenschaftlichen Anforderungen der Verifizier- und Falsifizierbarkeit zu entsprechen. Das ist umso mehr anzustreben, da die mangelnde Offenlegung und klare Benennung vor allem der archivalischen Quellen in anderen Veröffentlichungen (zum Beispiel Majchrzak) als deutliches Manko zu bewerten ist, das eine geschichtswissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema bisher eher behindert als befördert hat. Eben diese Diskussion einer interessierten Teilöffentlichkeit – und sei es durch Berichtigungen oder andere Formen konstruktiver Kritik – ist zur historischen Reflektion als wünschens- und erstrebenswertes Ziel zu betrachten. 5.3 Sonstige Publikationen Teilaspekte des Ausländereinsatzes in Forst können Themen in anderen Publika sein. Das Verhältnis zwischen Polen und Deutschen berührt beispielsweise die Interessen innerhalb der Euroregion Spree-Neiße-Bober, wurde aus der regionalen Sicht bisher kaum oder überhaupt nicht reflektiert. In Frage kämen unter anderem dazu Nischenmedien, die sich speziell mit diesem binationalen Aspekt befassen. 5.4 Ausstellungen als Ort der direkten Begegnung und Diskussion Falls sich museal verwendbare Dokumente oder Alltags-Objekte finden, wäre eine kleinere Ausstellung vorstellbar. Dies hätte auch den Vorteil, dass bei punktuellen Anlässen (zum Beispiel Eröffnungsveranstaltung, Fachforen, Vorträge) eine direkte persönliche Kommunikation verbunden ist. Das könnte weitere Erkenntnisse kanalisieren und die öffentliche Diskussion befördern. Als Teil einer Ausstellung ist vor allem ein Zugangspunktes zum multimedialen Angebot wünschenswert, auf dessen Besucherplattform eine

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elektronisch gestützte Diskussion und Ergänzung der Ausstellungsbeiträge stattfinden kann. 5.5 Multimediale Angebote Zentrales Element einer modernen Erkenntnisvermittlung und Diskussion ist eine auf den Möglichkeiten des Internets aufbauende Angebotsform auf HTML-Basis, die sowohl über eine feste Internetadresse wie auch stationär in Form eines Zugangsbereichs (Laptop oder Touchscreen) erreichbar ist. Elementar ist dabei die Voraussetzung, dass dem Nutzer über eigene Aktionsmöglichkeiten eine Form der Interaktivität ermöglicht wird, die neben einem Erlebniseffekt auch die Variante offen lässt, seine Eindrücke, Meinungen, Ergänzungen zu artikulieren. Dieses Angebot ist auf zwei Ebenen zu verteilen. Ein leichtes Auffinden wäre beispielsweise über eine Verlinkung auf den Seiten der Stadt Forst (Lausitz),557 des Geschichtsspeichers des Museumsvereins der Stadt Forst (Lausitz)558 sowie der berichtenden Medien denkbar. 5.5.1 Lager- und Arbeitsstandortkarte Als Grundstruktur dient eine Karte der Stadt Forst mit den relevanten außerstädtischen Randbereichen (Sacro, Berge/Zasieki, Scheuno/Brozek, Keune, Noßdorf und Simmersdorf). Durch Anklicken verschiedener Symbole (für Lagerstandorte, Arbeitsorte von Zwangsarbeitern, Begräbnisstätten, Krankenbaracken, „Schaltstellen“ des Ausländereinsatzes wie Rathaus, Arbeitsamt, DAF und dergleichen) öffnen sich Fenster mit weiteren Informationen zum jeweiligen Objekt. Das können beispielsweise – soweit bekannt – Zahl der beschäftigten oder untergebrachten Ausländer und deren Herkunft ebenso sein wie Angaben zu Lagerträger oder Arbeitgeber sein. Durch eine Mehrebenenstruktur wären weitere Ergänzungen zu Art der Tätigkeit, Lebensverhältnissen und dergleichen möglich. 5.5.2 Geschichtswerkstatt Die flexible Ausbaufähigkeit würde es auch ermöglichen, das Angebot um Erlebnisberichte, Zeitzeugenaussagen sowie weitere Erkenntnisse aus 557 www.forst-lausitz.de 558 www.museumsverein-forst.de/speicher.htm

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anderen Forschungen zu ergänzen, die bei Bedarf auch wieder in gedruckter Form veröffentlicht werden können. So könnten beispielsweise Ergebnisse aus weiterführenden Projekten mit einfließen. Schülerprojekte, Ergebnisse von weiteren heimatkundlichen Forschungen, Ergänzungen zu Wirtschaftsangaben (Produktionspalette, Stilllegung von Betrieben und ähnliches) oder schlicht und einfach Erkenntnisse, die im Gespräch zwischen Kriegs- und Enkelgeneration kommuniziert und über das gemeinsame Erlebnis Internet für die Öffentlichkeit festgehalten werden. Voraussetzung muss allerdings sein, dass Quellen nachprüfbar und transparent bleiben. Der Vorteil einer solchen virtuellen Geschichtswerkstatt könnte darin liegen, dass mit der Zeit zwar das eigentliche Thema gesprengt wird, sich aber ein umfassendes und vielschichtiges Bild von Forst während des Zweiten Weltkrieges entwickelt, das nicht nur Aspekte wie Alltagsleben, Flucht und Vertreibung sowie Wiederaufbau erfasst, sondern vielleicht noch ganz andere Themenbereich für die lokalhistorische Forschung eröffnet. 6 Schlussfolgerungen Für seine Randlage innerhalb der Provinz Mark Brandenburg hatte der Bereich des Arbeitsamtes Forst einen relativ hohen Anteil an eingesetzten ausländischen Arbeitskräften. Zwischen Januar 1942 und September 1944 wurden durchschnittlich 4,2 Prozent der Ausländer im Bereich des Landesarbeitsamtes Brandenburg (ohne Berlin) im Bereich des Arbeitsamtes Forst eingesetzt.559 Die anderen Arbeitsämter in der südlichen Provinz Mark Brandenburg lagen unter diesem Schnitt (Guben: 2,5 Prozent, Cottbus: 3,5 Prozent). Eine Ausnahme bildet der Bereich des Arbeitsamtes Senftenberg (5,5 Prozent), was vermutlich auf den Bergbau zurückzuführen ist. Schlussfolgerungen für den Stadtkreis Forst sind anhand fehlender Daten unterhalb der Arbeitsbezirksebene nicht möglich. Wesentliche Schwerpunkte dürften aber angesichts der erwähnten Zahlen der Arbeitseinsatz in den Munitionsbetrieben in Christianstadt (Kreis Sorau) und Forst (Deutsche Sprengchemie) gewesen sein. Im Vergleich zu den Nachbar- Arbeitsamtsbezirken war Forst (mit dem Kreis Sorau) also durchaus als ein Zentrum in der südöstlichen Mark. Detaillierte Vergleichszahlen, die 559 Berechnung auf Grundlage der Zahlen aus: Der Arbeitseinsatz im (Groß)Deutschen Reich 1942 -1944

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beispielsweise den Stadtkreis Forst mit Cottbus (ohne den damaligen Kreis Cottbus) in Relation setzen könnten, fehlen allerdings, so dass die erste Arbeitsthese nicht in dieser Form belegt werden kann. Wegen fehlender empirischer Daten für den Anteil ausländischer Arbeiter im Stadtkreis Forst560 ist mit dem jetzigen Kenntnisstand auch keine Aussage möglich, ob der Ausländereinsatz in Forst dem deutschen Durchschnitt entsprach.561 Dagegen konnte die zweite These bestätigt werden. Es gab bis 1990 keine wissenschaftliche Aufarbeitung des Ausländereinsatzes in Forst, weil offenbar weder Forschungsauftrag noch Forschungsinteresse vorhanden waren. Selbst dann wären vermutlich keine (politischen) Voraussetzungen für eine Publikation vorhanden gewesen. Die genannten Beispiele für Publikationen zum Zwangsarbeitereinsatz im heutigen südwestlichen Brandenburg sowie in Cottbus und Guben zeigen, dass in diesen Bereichen zumindest eine Aufarbeitung nach dem politischen Umbruch 1989 versucht wurde. Der mögliche Auslöser dafür dürfte unter anderem die Debatte um die Zwangsarbeiterentschädigung gewesen sein. Warum ähnliche Ansätze in der Stadt Forst und weiten Teilen des Landkreises Spree-Neiße unterblieben sind, lässt sich bei vergleichbaren Ausgangsbedingungen eigentlich nur mit der weiter bestehenden passiven Einstellung zum Thema erklären, für das keine Relevanz gesehen wird. Möglicherweise liegt es auch an einem wesentlichen Unterschied gegenüber dem Westen Deutschlands: Die Betriebe, die bis 1945 bestanden haben und Ausländer beschäftigten, existieren zum größten Teil seit Jahrzehnten nicht mehr. Eine Auseinandersetzung mit dem Thema vor dem Hintergrund der Entschädigungsdebatte schien so eventuell nicht nötig. Der Unternehmer als Arbeitgeber für Ausländer und Zwangsarbeiter war nicht 560 Die aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 1939 weisen für den Bereich des Arbeitsamtsbezirks Forst eine Bevölkerungszahl von 129.074 (Stadtkreis Forst: 37.975, Kreis Sorau: 91.099) sowie 88.554 Erwerbstätige und selbstständige Berufslose aus (Stadtkreis Forst: 26.532; Kreis Sorau: 62.022). Mit diesen Vergleichszahlen betrüge der Ausländeranteil per 31. Mai 1943 nur 11,6 Prozent und per 30. September 1944 nur 16 Prozent, ohne dass aber die Zahl der Einberufenen zur Wehrmacht u.a. berücksichtigt werden könnte. Demzufolge ist eine reelle Vergleichsrechnung nicht möglich. Als Basis gelten die Angaben aus: Statistik des Deutschen Reiches, Band 557, 4/5, Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 17. Mai 1939: Die Berufstätigkeit der Bevölkerung in den Reichsteilen, Heft 4; Provinz Mark Brandenburg, S. 4/68 und 4/72 sowie die Angaben aus: Der Arbeitseinsatz im (Groß)Deutschen Reich 1942 -1944 561 Im Februar/März 1943 lag der Anteil ausländischer Kriegsgefangener und Zivilarbeiter in der gesamten Wirtschaft bei 21 Prozent, im August 1944 bei 25 Prozent, nach: Spoerer, Mark: Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz – Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939- 1945, Stuttgart/München, 2001, S. 226

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mehr vorhanden. Aber auch einer der wenigen verbliebenen Arbeitgeber, die Stadt selbst, hat keine tiefergehenden Forschungen zum Thema in Auftrag gegeben oder selbst vorangebracht.562 Oftmals bildeten aber auch die personellen Ausstattungen der Archive keinen ausreichenden Voraussetzungen für eine Aufarbeitung der vorhandenen Bestände und insbesondere der Zwangsarbeit während des Krieges. Die Ausnahme bilden die Bemühungen zum Zwangsarbeitereinsatz bei Rumsch & Hammer, die auf eine private Initiative zurückgehen.563 Es liegt also eher der Schluss nahe, dass mit dem Verschwinden der DDR weniger die ideologischen Einstellungen als die fehlende Relevanz ursächlich dafür ist, dass das Thema des Ausländereinsatzes in Forst bisher weder wissenschaftlich noch publizistisch betrachtet wurde, und eine öffentliche Diskussion nicht stattfand. Zwar wurde die dritte These bestätigt, dass fehlende Primärquellen eine Aufarbeitung erschweren. Allerdings konnte im Laufe der Recherchen zu dieser Arbeit auch belegt werden, dass es noch Quellen gibt, die zumindest Aufschluss über Lagerstandorte und Arbeitseinsatz geben: Insgesamt konnten 24 Lagerstandorte oder sonstige Unterkünfte benannt und/oder lokalisiert werden, wobei in Einzelfällen Doppelnennungen nicht auszuschließen sind. Die Aufzählung kann aber auch keinesfalls einen Anspruch auf Vollständigkeit haben. Beispielsweise ist das Zwangsarbeiterlager für Juden in der Deutschen Sprengchemie bisher nicht lokalisiert worden und müsste als 25. Lager gelten. Nimmt man das Lager Simmersdorf hinzu, da dessen Kriegsgefangene auch im heutigen Forster Stadtgebiet eingesetzt wurden, muss von mindestens 26 Lagern ausgegangenen werden. Kein Zweifel dürfte es aber geben, dass in mindestens 80 Forster Betrieben und öffentlichen Einrichtungen Ausländer eingesetzt wurden, von denen viele eventuell schon unter Zwang kamen, auf jeden Fall aber bleiben mussten. Die Spanne reicht vom tageweisen Einsatz in Handel- und Handwerksbetrieben bis hin zum Masseneinsatz in der Deutschen Sprengchemie. Die in dieser Arbeit genannten Zahlen dürften als Untergrenze angesehen werden können. Dabei nicht berücksichtigt sind die in der 562 Die Recherche zu dieser Arbeit wurde aber dahingehend unterstützt, dass bei der zweiten Sichtung des Stadtarchivs Forst auf Gebühren verzichtet wurde, wenn die Ergebnisse der Stadt zur Verfügung gestellt würden. 563 Ein Nachkomme, Jonas Ploettner, erforschte auf eigene Initiative den Zwangsarbeitereinsatz bei Rumsch & Hammer und stieß dabei unter anderem auf den Einsatz von französischen Kriegsgefangenen. Die Ergebnisse mündeten in einer schriftlichen Entschuldigung, die an den französischen Staatspräsidenten gerichtet war.

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Landwirtschaft eingesetzten Ausländer. Auf jeden Fall bestätigt dies die Annahme eines umfassenden Ausländereinsatzes im Bereich der Stadt Forst. Tatsächlich erschwert vor allem das Fehlen von Zeitzeugenberichten aus der Perspektive ausländischer Arbeiter eine annähernd objektive Einschätzung der Lebensbedingungen sowie des Verhältnisses zwischen Ausländern und Forstern. Ob diese Fragen nach fast sechs Jahrzehnten überhaupt noch zufriedenstellend beantwortet werden können, muss offen bleiben. Da gleichzeitig auch nur noch wenige Primärquellen zum Forschungsgegenstand existieren, fehlen die empirischen Grundlagen zu einer Behandlung der vierten These zu den vermeintlich besseren Lebensumständen von Ausländern unter den genannten Voraussetzungen. Angesichts der aufgeführten Hinweise kann die fünfte These des Widerstands über den Selbsterhaltungstrieb hinaus als belegt gelten. Eine weitergehende Untersuchung, inwiefern die Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Ausländern auf soziopolitische Faktoren („Klassen“- oder politische Zugehörigkeit) zurückführbar ist, wäre ein weiterführendes Forschungsthema. Als nicht verifizierbar muss die sechste These unbeantwortet bleiben, solange nicht die Quellen für die Behauptung, dass im Bereich der Deutschen Sprengchemie 2000 Ausländer starben, offengelegt werden. Dagegen scheinen die angeführten schriftlichen und mündlichen Quellen die Existenz eines zentralen Sammelpunktes für Displaced Persons in Forst (These 7) zu bestätigen. Da insbesondere zum Schicksal der Ausländer in der sowjetischen Besatzungszone nach Kriegsende keine wissenschaftlichen Untersuchungen vorliegen, könnte die tiefergehende Untersuchung des Forster DP-Lagers ein wichtiges Fallbeispiel für eine derartige Grundlagenarbeit darstellen. Warum sollte die Aufarbeitung in einer breiten Öffentlichkeit weiter verfolgt werden? Als Prämisse gilt dabei, dass ein Verständnis für die gemeinsame Geschichte in der deutsch-polnischen Euroregion Spree-Neiße- Bober als erstrebenswertes Ziel gilt. Diese gemeinsame Geschichte wird letztlich von zwei, auf beiden Seiten der Lausitzer Neiße, als Unrecht aufgefassten Ereignissen beherrscht. Auf polnischer Seite ist es der Überfall auf Polen mit all seinen Auswirkungen, darunter der Zwangsarbeit; auf

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deutscher Seite ist es die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus dem östlich der Neiße gelegenen Teil der Niederlausitz beziehungsweise des Kreises Sorau, in diesem konkreten Fall der Verlust der Heimat. Die Tendenz zur gegenseitigen Verrechnung von Leid läuft dabei ins Leere. Vielmehr geht es darum, zu vermitteln, dass in Zeiten des Krieges der einzelne Mensch das Opfer ist; sei es der Soldat, der Zwangsarbeiter oder der Heimatvertriebene. Dies könnte eine Basis für eine offene Diskussion sein, die geeignet ist, eine Position der gegenseitigen Akzeptanz aufzubauen. Da in Polen die Aufarbeitung der Zwangsarbeit viel früher und intensiver stattgefunden hat, könnte ein grenzüberschreitendes Vorgehen neben vielleicht noch verborgenen Hinweisen und Quellen eine wichtige Erkenntnis bringen: Dass Geschichte auch verbindet – so trennend die Ereignisse auch gewesen sein mögen. Im Zuge der Recherchen wurden weitere Fragestellungen aufgeworfen, die im Rahmen dieser Arbeit nicht mehr behandelt oder nicht geklärt werden konnten: 1. Für die Deutsche Sprengchemie Forst fehlt eine wissenschaftlich fundierte Betrachtung. Es ist beispielsweise weiterhin ungeklärt, wie viele ausländische Arbeitskräfte eingesetzt wurden und eventuell verstarben. Generell ist über die Genesis des Werkes und dessen Arbeit noch relativ wenig bekannt. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass es offenbar noch keine wissenschaftliche Aufarbeitung der kurzen Geschichte der Deutschen Sprengchemie gegeben hat, obwohl sie während der Kriegsjahre eine beachtliche Größe annahm. Bisher geab es m.E. nur Forschungen und Publikationen zu einzelnen Werken, aber keine Gesamtübersicht. 2. Das Auffanglager für DP in Forst stellt einen weiteren Forschungsansatz dar. Bisher ist keine grundlegende wissenschaftliche Betrachtung des DP- Schicksals in der damaligen SBZ bekannt. Das Auffanglager in Forst könnte insofern ein wichtiges Fallbeispiel für diesen noch wenig bearbeiteten Aspekt bieten. 3. Da diese Arbeit die erste ist, die sich grundlegend mit dem Ausländereinsatz in Forst (Lausitz) befasste, wurden manche Punkte noch nicht so tiefgreifend betrachtet, wie sie es verdient hätten. Das betrifft neben der DSC auch einzelne Lager- und Einsatzstandorte wie Das Kr.Gef.Arb.-Kommando Sacro, zu dem eine ausführliche Akte im Forster Stadtarchiv besteht. Aber auch die anderen

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einzelnen bekannten und vielleicht noch/wieder unbekannten Lagerstandorte könnten beispielsweise über Schülerprojekte vertiefend dokumentiert werden. 4. Wie stark waren die Nationalsozialisten tatsächlich in Forst? Diese Frage stellte sich unter anderem durch Archivalien, in denen Nazis Vorwürfe gegenüber dem Braunen Haus in München aufwarfen, dass einige Vertreter des bürgerlichen Forst über ihre Kreditpolitik sich Einfluss und Macht innerhalb der Forster NSDAP verschafften. Da es auf der anderen Seite auch eine stark sozialdemokratisch und kommunistisch orientiere Arbeiterschaft in Forst gab, die sich offenbar (siehe Ihlo/Scholze) auch in Formen des Widerstands versuchte, wäre dies eine ein interessanter sozio-historischer Forschungsansatz. These: Es gab einen bürgerlichen Infiltrationsversuch der NSDAP in Forst. 5. Das Bild des letzten NS-Oberbürgermeisters Friedrich ist im heutigen Forst vor allem durch seine eigenen Erinnerungen an die letzten Kriegstage geprägt und dürften – da erst nach Kriegsende in Schleswig-Holstein geschrieben – nicht in allen Punkten objektiv sein. Was die Person Friedrich zusätzlich interessant macht: Er war zeitweise aber auch parallel Verwaltungs-Chef in der wesentlich größeren Stadt Frankfurt/Oder. Der Versuch, Friedrichs Handeln und Leben aufzuarbeiten , steht meines Wissens noch aus.

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Quellenverzeichnis Verwendete Literatur Beermann Beermann, Susanne: Der Ostarbeitereinsatz in der Provinz Brandenburg von 1939 bis 1945, Schriftliche Hausarbeit zur Diplomprüfung (unveröffentlicht), Berlin, 1994 Bleyer Bleyer, Wolfgang: Staat und Monopole im totalen Krieg – Der staatsmonopolistische Machtapparat und die „totale Mobilisierung“ im ersten Halbjahr 1943; in: Schriften des Zentralinstituts für Geschichte, Reihe 1: Allgemeine und Deutsche Geschichte, Band 34, Berlin, 1970 Bräutigam Bräutigam, Helmut: Fremdarbeiter in Brandenburg in der NS-Zeit – Dokumentation zum Ausländereinsatz im früheren Regierungsbezirk Potsdam 1939 – 1945, herausgegeben von: Regionale Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule (RAA) Brandenburg e.V., Potsdam, 1996 Demps Demps, Laurenz: Das Thema Zwangs- und Fremdarbeit in der DDR- Historiographie – Eine Skizze, in: Scholze-Irrlitz, Leonore und Noack, Karoline (Hg.): Arbeit für den Feind – Zwangsarbeiter-Alltag in Berlin und Brandenburg (1939 – 1945), Berlin, 1998, S. 140 -145 Eichholtz 1993 Eichholtz, Dietrich: Rüstungswirtschaft und Arbeiterleben am Vorabend der Katastrophe; in: Eichholtz, Dietrich (Hg.) und Püschel, Almuth: Verfolgung, Alltag, Widerstand - Brandenburg in der NS-Zeit, Berlin, 1993, S. 63 - 112 Eichholtz, 1999 Eichholtz, Dietrich,: Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft 1939 – 1945, 5 Bände, München, 1999, durch Vorwort und Gesamtregister ergänzter Nachdruck des dreibändigen Werkes, Berlin 1969 bis 1996 Ernst ABM-Arbeitsgruppe unter Anleitung Detlef Ernst: NS-Lager in Finsterwalde und Orte in der Region Südbrandenburg 1939 –1945, Massen, 2001 Fischer Fischer, Wolfram: WASAG – Die Geschichte eines Unternehmens 1891 – 1966, Essen, 1966. Herausgeber: WASAG-Chemie AG Fuchslocher Fuchslocher, Kolja: „Ich hab Berlin in Schutt und Asche fallen sehn“, Der Alltag der Fremd- und Zwangsarbeiter im Luftkrieg, in: Scholze- Irrlitz, Leonore und Noack, Karoline (Hg.): Arbeit für den Feind – Zwangsarbeiter-Alltag in Berlin und Brandenburg (1939 – 1945), Berlin, 1998, S. 89 - 102 Herbert 1999 Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländer- Einsatzes in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn, 1999 Herbert 2001 Herbert, Ulrich: Zwangsarbeit im Dritten Reich. Kenntnisstand, offene Fragen, Forschungsprobleme; in: Reininghaus, Wilfried / Reimann, Norbert (Hg.): Zwangsarbeit in Deutschland 1939 – 1945: Archiv- und Sammlungsgut, Topographie und Erschließungsstrategien, Bielefeld, 2001, S. 16 - 37 Herbert/Orth/ Dieckmann Herbert, Ulricht / Orth, Karin / Dieckmann, Christoph (Hg.): Die nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band I und II (Lizenzdruck des Fischer Taschenbuch-Verlags), Frankfurt, 2002 Hübner Hübner, Peter: „Durchhalten“ und „Durchkommen“ – Niederlausitzer Industriearbeiter im Jahre 1945; in: Stang, Werner (Hg.) und Arlt, Kurt: Brandenburg im Jahr 1945, Potsdam, 1995, S. 136 - 166

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Ihlo/Scholze 1996 Ihlo, Richard / Scholz Wilfried: Als die Uhren stehenblieben – Das Ende des Krieges in der Textilstadt Forst 1945, Forst, 1996 ITS Internationaler Suchdienst Arolsen: Verzeichnis der Haftstätten unter dem Reichsführer-SS, Arolsen, 1979 Jacobmeyer Jacobmeyer, Wolfgang: Die vergessenen DPs, in: Journal für Geschichte, November 1983, S. 16 - 20 Jarren Jarren, Ottfried: Medien, Mediensystem und politische Öffentlichkeit im Wandel; aus: Sarcinelli, Ulrich (Hg): Politikvermittlung und Demokratie in der Mediengesellschaft, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, 1998, S. 74 - 94 Kamke Kamke, Hans-Ulrich: Statistische Beiträge zum Kirchenkampf; in: Schuppan, Erich (Hg.): Bekenntnis in Not, Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg im Konflikt mit dem totalen Staat, Berlin, 2000 Kenkmann Kenkmann, Alfons: Einleitung in : Ein Phänomen in der bundesdeutschen Geschichtslandschaft – Der Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten, S. 12, entnommen als pdf-Datei (bibliografie-teil1.pdf) unter www.stiftung.koerber.de/wettbewerbe/geschichtswettbewerb/portrait/in dex.html am 9. Februar 2004 Kubatzki Kubatzki, Rainer: Zwangsarbeiter- und Kriegsgefangenenlager, Standorte und Topographie in Berlin und im brandenburgischen Umland 1939 bis 1945, Berlin, 2001 Löbner Löbner, Martina: „Geheime Reichssache“ Christianstadt – Das Ende einer Kleinstadt zwischen Oder und Neiße sowie der Sprengstoff-Fabrik „Ulme“, Dissertation, Hannover, 2002 Majchrzak Majchrzak, Jerzy Piotr: Miasto ze Złotym lwem w herbie, Zary, 1998 Meyer/Neitmann Meyer, Winfried/Neitmann, Klaus (Hg.): Zwangsarbeit während der NS-Zeit in Berlin und Brandenburg – Formen, Funktion und Rezeption, Postdam, 2001 Matiello/Vogt 1986 Matiello, Gonfranco/Vogt, Wolfgang: Deutsche Kriegsgefangenen- und Internierteneinrichtungen 1939 –1945, Band 1, Koblenz, 1986 Matiello/Vogt 1987 Matiello, Gonfranco/Vogt, Wolfgang: Deutsche Kriegsgefangenen- und Internierteneinrichtungen 1939 –1945, Band 2, Koblenz, 1987 Meissner/Wilking Meissner, Jürgen/ Wilking, Dirk: Zur Geschichte der Juden in Forst, Forst, 1998 Meyer/Neitmann Meyer, Winfried / Neitmann, Klaus (Hg.): Zwangsarbeit während der NS-Zeit in Berlin und Brandenburg, Formen, Funktion und Rezeption, Potsdam, 2001 Mochocki Mochocki, Władisław: Lubsko we Wspomnieniach / Lubsko in Erinnerungungen, Lubsko, 2003 Natusch Natusch, Reinhard: Sacro, Ortschronik, Schriftenreihe der Stadt Forst, Forst Radandt Radandt, Hans (Hg.): Fall 6 – Ausgewählte Dokumente und Urteil des IG-Farben-Prozesses, Berlin, 1970 Reiche Reiche, Brigitte: Zur medizinischen Betreuung und sozialen Lage der im Raum Leipzig während des Zweiten Weltkriegs eingesetzten ausländischen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge, Dissertation, Karl-Marx-Universität Leipzig, 1990

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Reininghaus/Reimann Reininghaus, Wilfried / Reimann, Norbert (Hg.): Zwangsarbeit in Deutschland 1939 – 1945: Archiv- und Sammlungsgut, Topographie und Erschließungsstrategien, Bielefeld, 2001 Reininghaus Reininghaus, Wilfried: Archiv- und Sammlungsgut zur Geschichte der Zwangsarbeit in Deutschland 1939 – 1945. Eine Anmerkung an den Gesamtbestand der Quellen; in: Reininghaus, Wilfried / Reimann, Norbert (Hg.): Zwangsarbeit in Deutschland 1939 – 1945: Archiv- und Sammlungsgut, Topographie und Erschließungsstrategien, Bielefeld, 2001, S. 38 - 49 Ritschel Ritschel, Hartmut: Zeitreise durch die Geschichte der Stadt Forst (Lausitz) – Eine Chronik in Daten, Forst, 1999 Rochlitz Rochlitz, Benno: Chronik unseres Heimatdorfes Scheuno – Vertrieben, aber nicht vergessen, Forst, 2003 Rückert Rückert, Jutta und Otto: Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in Cottbus (1939 – 1945), in: Niederlausitzer Studien, Heft 28, Cottbus, 1997, S. 120 - 135 Schwarz Schwarz, Gudrun: Die nationalsozialistischen Lager, Frankfurt/M., 1990 Schmidt Schmidt, Frank: Der Ausländereinsatz in der brandenburgischen Landwirtschaft – Reglementierung der Arbeitsverhältnisse, in: Meyer, Winfried/Neitmann, Klaus (Hg.): Zwangsarbeit während der NS-Zeit in Berlin und Brandenburg – Formen, Funktion und Rezeption, Potsdam, 2001, Seite 69 – 80 Scholze-Irrlitz/Noack Scholze-Irrlitz, Leonore und Noack, Karoline (Hg.): Arbeit für den Feind – Zwangsarbeiter-Alltag in Berlin und Brandenburg (1939 – 1945), Berlin, 1998 Schulz 1996/99 Schulz, Hans-Joachim: Das verbotene Werk im Bunkerwald, 1. Teil, Der Rüstungsbetrieb Deutsche Sprengchemie GmbH in Forst Scheuno, Forst, 1996 (Nachdruck von 1999) Schulz 1998 Schulz, Hans-Joachim: Das verbotene Werk im Bunkerwald, 2. Teil, Der Rüstungsbetrieb Deutsche Sprengchemie GmbH in Forst-Scheuno, Forst, 1998 Schuppan Schuppan, Erich (Hg.): Bekenntnis in Not, Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg im Konflikt mit dem totalen Staat (1933 – 1945), Berlin, 2000 Spoerer Spoerer, Mark: Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz – Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939- 1945, Stuttgart/München, 2001 Weigelt Weigelt, Andreas: Jüdischer Häftlingseinsatz für das SS- Führungshauptamt, Der SS-Truppenübungsplatz „Kurmark“ und das KZ-Nebenlager „Arbeitslager Lieberose“ in Jamlitz 1944-1945; in: Meyer, Winfried / Neitmann, Klaus (Hg.): Zwangsarbeit während der

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NS-Zeit in Berlin und Brandenburg, Formen, Funktion und Rezeption, Potsdam, 2001, S. 177 - 189 Weinmann Weinmann, Martin: Das nationalsozialistische Lagersystem, 4. Auflage, Frankfurt, 2001 Wippermann Wippermann, Wolfgang: Kirche im Krieg; in: Schuppan, Erich (Hg.): Bekenntnis in Not, Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg im Konflikt mit dem totalen Staat (1933 – 1945), Berlin, 2000, S. 305 - 350 Periodika - Forster Wochenblatt - Der Arbeitseinsatz im (Groß)Deutschen Reich 1942 -1944 - Journal für Geschichte, Ausgabe November 1983 Nachschlagewerke - Weiß, Hermann (Hg.): Personen-Lexikon 1933 – 1945, Frankfurt/Main, 2002 - Adressbuch der Stadt Forst, bzw.: „Forster Stadtbuch, Adressbuch der Industrie- und Handelsstadt Forst-Lausitz, 1935“ - Hermes Handlexikon: Synchronopse des Zweiten Weltkrieges, Düsseldorf, 1983 - Meier, Uwe, „Forst/Lausitz“, aus: Engel, Evamaria / Enders, Lieselott / Heinrich, Gerd / Schlich, Winfried (Hg.): Städtebuch Brandenburg und Berlin, Berlin, 2000, S. 156 – 163 - Statistik des Deutschen Reiches, Band 557, 4/5, Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 17. Mai 1939: Die Berufstätigkeit der Bevölkerung in den Reichsteilen, Heft 4; Provinz Mark Brandenburg Genutzte Archive BArch B-Li Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde BArch-MA Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg BLHA Brandenburgisches Landehauptarchiv Potsdam KreisA Spree-Neiße Kreisarchiv des Landkreises Spree-Neiße Forst KreisA Zary Kreisarchiv des Kreises Zary (ehemals Sorau) StadtA Forst Archiv der Stadt Forst (Lausitz) Sonstige Quellen Kommunale Bestände - Beerdigungsregister für den Hauptfriedhof (Friedhof II) der Stadt Forst - Sterberegister der Stadt Forst sonstige Publikationen - „Friedrich“: Lose-Blatt-Sammlung mit den Erinnerungen des ehemaligen Forster Oberbürgermeisters Friedrich über seine letzten Tage 1945 in Forst. Die Veröffentlichungen wurden in den 1990-er-Jahren als kopierte Sammlung vertrieben

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private Sammlungen - Hagen Pusch, Forst - Hans-Joachim Schulz, Forst - Reinhard Natusch, Forst-Sacro Internet - DDR-Justiz Abstract von der Internetseite DDR-Justiz und NS-Verbrechen vom 26. Januar 2004, www.1.jur.uva.nl/junsv/ddr/files/ddr1172.htm, Veröffentlichung in Vorbereitung - „USSBS“ U.S. Stratetig Bombing Survey: European Theater of Operations, Second Edition, January 1947, über www.angelfire.com/super/ussbs/index.html am 12.5.2002

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Anlage A Regionale Einordnung und Karten Der Stadtkreis Forst (Lausitz) lag im Südosten der Provinz Mark Brandenburg an der Lausitzer Neiße und gehörte zum Regierungsbezirk Frankfurt (Oder). Bei der Reichtagswahl 1933 erhielt die NSDAP 41 Prozent der Stimmen, die SPD 32 Prozent, die KPD 13 Prozent und die KSWR acht Prozent.564 Laut Volkszählung 1939 hatte Forst 37.532 Einwohner. Insbesondere der östlich der Neiße gelegene Stadtteil Berge wurde ab den 1920er-Jahren als Wohn- und Verwaltungsort entwickelt, so dass bei Kriegsende allein dort etwa 8000 bis 9000 Einwohner lebten. Der die Stadt umgebende Kreis Sorau hatte 1939 insgesamt 91.099 Einwohner. Forst galt als das Zentrum der Textilindustrie in der Niederlausitz. Im Jahr 1938 waren in etwa 300 Betrieben rund 14.000 Beschäftigte tätig.565 Im Jahr 1940 wurden die Ortschaften Eulo, Noßdorf, Keune, Domsdorf und Scheuno in die Stadt Forst eingemeindet, die auf 44.635 Einwohner anwuchs; Sacro kam 1945 dazu. 564 Meier, Uwe, „Forst/Lausitz“, aus: Engel, Evamaria / Enders, Lieselott / Heinrich, Gerd / Schlich, Winfried (Hg.): Städtebuch Brandenburg und Berlin, Berlin, 2000, S. 160 565 Ritschel, Hartmut: Zeitreise durch die Geschichte der Stadt Forst (Lausitz) – Eine Chronik in Daten, Forst, 1999, S. 27

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Die höchste Einwohnerzahl wurde 1943 mit 47.201 Menschen registriert.566 Bei den Kämpfen um Forst wurde die Stadt zu 85 Prozent zerstört.567 Rot: Der Stadtkreis Forst vor 1940; Blau: Forst nach 1940; Grün: Forst heute Heute umfasst das Stadtgebiet auch die Ortsteile Bohrau, Briesnig, Mulknitz, Naundorf, Groß Bademeusel und Klein Bademeusel sowie Groß Jamno und Klein Jamno. Die Ortsteile Berge und Scheuno liegen heute auf polnischem Territorium und heißen nun Zasieki und Brozek und gehören zur Gemeinde Brody (ehemals Pförten). Forst, Kreisstadt des Landkreises Spree-Neiße, hat noch etwa 24.000 Einwohner, Tendenz sinkend. Die Textilindustrie hat so gut wie keine Bedeutung mehr, der Transformationsprozess nach dem politischen Systemwechsel ist noch nicht abgeschlossen. Die Arbeitslosenquote beträgt im Schnitt der vergangenen Jahre über 20 Prozent. 566 Ritschel, Hartmut: Zeitreise durch die Geschichte der Stadt Forst (Lausitz) – Eine Chronik in Daten, Forst, 1999, S. 27 567 ebenda, S. 28 sowie Meier, Uwe, „Forst/Lausitz“, aus: Engel, Evamaria / Enders, Lieselott / Heinrich, Gerd / Schlich, Winfried (Hg.): Städtebuch Brandenburg und Berlin, Berlin, 2000, S. 161
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Anlage A Karten
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Anlage A Karten Lagerstandorte Auf dem alten Stadtplan von Forst sind die größeren nachweisbaren Ausländerlager gekennzeichnet. Die Kästen am Rand entsprechen nicht der genauen Lage, da die Standorte zum Teil nicht mehr vom Kartenbereich erfasst werden: Rote Kästen: 1 Ostarbeiterlager Eulo 2 Lager Noßdorf 3 Lager Muskauer Straße 4 Lager Domsdorf 5 Lager Simmersdorf 6 Lagere Scheuno-Ost 7 Lager Pförtener Straße 8 Hänselhalle 9 Lager Sacro Schwarz: 1 Hauptfriedhof, Ostarbeitergräber Rosa: 1 ehem. RAD-Lager H.Groeschke-Platz
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Anlage A Karten Hänselhalle Im Stadtarchiv Forst gibt eine Zeichnung Aufschluss über Standort und Aufbau der Halle. Der Plan wurde für den nie umgesetzten Ausbau für die SS entworfen. In den Nebenbereichen wurden später Kriegsgefangene und Italienische Militärinternierte untergebracht. Heute befindet sich in diesem Bereich eine Kleingartenanlage. Gebäudereste sind in einem zugewachsenen Waldstück noch zu sehen. Die dort befindliche Gaststätte erinnert mit ihrem Namen noch an den Standort der Reithalle. (Quelle: Stadtarchiv Forst)
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Anlage A Karten RAD-Lager Eulo (heute Kleingartenanlage Am Schafdamm) Deutlich zu erkennen sind die Baracken, die Umzäunung von Lager, Schießstand, Sportplatz und Rasenfläche. Eines der rechts stehenden Gebäude existiert noch. Quelle: Topographische Karte 4253, Reichsamt für Landesaufnahme, 1940 (Auszug)
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Anlage B Fotografien Originalaufnahmen waren nicht mehr verfügbar. Aktuelle Fotografien zeigen, dass die meisten Lager nicht mehr existieren oder in Vergessenheit geraten sind. Lager Bahnmeisterei Diese Baracke dürfte das Lager Bahnmeisterei gewesen sein. Sie befindet sich an der Bahnunterführung an der Euloer Straße. Das Lager Scheuno-Ost An das wahrscheinlich größte Forster Ausländerlager am Werk der Deutschen Sprengchemie erinnern nur noch Fundamente und nicht demontierbare Bauten in Skelettbetonbauweise. Pläne über den Aufbau des Lagers, das während des Krieges offenbar weiter ausgebaut wurde, existieren nicht. Da ein Großteil der Baracken mittlerweile vom Wald überwuchert wird, ist auch eine Schätzung über die Anzahl der Baracken und tatsächliche Ausmaße des Lagers schwer abschätzbar. Teilweise ragen nur noch Fundamente aus dem Waldboden.
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Anlage B Fotografien Scheuno-Ost Der Eingang zum Lager mit dem Wachhäuschen. Auf der Hügelkuppe beginnt ein etwa 300 Meter langer, asphaltierter Weg. Die unterkellerten Barackenfundamente, im Hintergrund ein Gebäude in Skelettbetonweise.
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Anlage B Fotografien Lager Noßdorf Anhand einer Rechnungsanschrift konnte der Standort des Lagers Noßdorf lokalisiert werden. Es war eine Turnhalle, die mittlerweile nicht mehr steht. Die Hausnummer „Spremberger Straße 109“ ist noch auf einer alten Torsäule vorhanden. Mehrere Zaunpfosten sind ebenfalls noch vorhanden, da sie für einen Grundstückszaun genutzt wurden. Die Hausnummer ist noch vorhanden. Alte Pfosten des Lagerzauns stehen noch.
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Anlage B Fotografien Ehemaliges RAD-Lager am Hammer-Groeschke-Platz Das RAD-Lager entstand bereits 1931 bei der Einrichtung des Freiwilligen Arbeitsdienstes (damals wurden auch Lager in Skurum und der Baderschen Fabrik eingerichtet).568 Ob es für die Unterbringung von Ausländern genutzt wurde, ist bisher nicht belegt. Im Rahmen der Forschungen zum Stalag IIIB Fürstenberg wurden Hinweise auf mehrere Arbeitskommandos mit der Bezeichnung „Rosengarten“ gefunden; eine Ortsbezeichnung fehlt. Zwar befindet sich das ehemalige RAD-Lager auf dem TV-Sportplatz direkt neben dem Forster Rosengarten und ist an einigen Stellen ist auch heute noch die Lagerumzäunung teilweise erhalten. Die Besuchsprotokolle des IKRK bezeihen sich allerdings eher auf den Bereich der heutigen Kreise Dahme-Spreewald und Oder-Spreewald. Lagerzaunreste zwischen TV-Sportplatz, Wehrinselstraße und dem dahinter liegenden Rosengarten. 568 Adressbuch der Stadt Forst, bzw.: „Forster Stadtbuch, Adressbuch der Industrie- und Handelsstadt Forst-Lausitz, 1935“, S. XVI
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Anlage B Fotografien Vom ehemaligen RAD-Lager in Keune (alte Schreibweise: Koyne) sind zwei Fotografien bekannt, die vom Forster Wochenblatt in der Ausgabe vom 21. November 2003 veröffentlicht wurden.
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Anlage B Fotografien Gubener Straße 40 Das Wohnhaus und der Stall auf dem Grundstück Gubener Straße 40 waren schon zu Kriegsbeginn baufällig und sollten 1942 abgerissen werden. Der Antrag der Firma Hänsel & Co wurde aber abgelehnt mit dem Verweis, dass eine Unterbringung für ausländische Arbeitskräfte geprüft werden sollte. Zwei Jahre später wurde die Adresse für einen polnischen Hilfsarbeiter der Firma Hänsel & Co angegeben. Das Haus steht nicht mehr. Muskauer Straße / Waldgürtel Die gemauerten Gebäude entstanden in den Jahren 1943/1944 und dürften in erster Linie für die Unterbringung von Ostarbeiterfamilien genutzt worden sein.
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Anlage B Fotografien Frankfurter Straße 23 Das ehemalige Mädchenwaisenhaus in der Frankfurter Straße wurde zur Unterbringung von polnischen Arbeitern genutzt. Simmersdorf In einer stillgelegten Fabrik in Simmersdorf wurden Teile für Focke-Wulf produziert. Bereits vorher hat sich dort ein Kr.Gef.Arb.-Kommando befunden.
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Anlage B Fotografien Eulo, Standort des ehemaligen RAD-Lagers Wo sich heute die Gartenanlage „Am Schafdamm“ befindet war früher das RAD-Lager Eulo (siehe auch entsprechende Karte in der Anlage). Später wurde es für die Unterbringung von Ostarbeitern genutzt. Rumsch & Hammer Auf dem Firmengelände von Rumsch & Hammer in der Weststraße befand sich das Kr.Gef.Arb.-Kdo 930.
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Anlage C Zeitzeugenberichte Alle folgenden Zeitzeugeninterviews entstanden im Herbst 2002 und wurden auf Band mitgeschnitten. Da nicht alle Gesprächspartner mit der Veröffentlichung ihres Namens einverstanden gewesen sind, werden die Interviews anonymisiert wiedergegeben, da über Belegexemplare in diversen Archiven ein Zugriff Dritter nicht ausgeschlossen werden kann. Die Originalmitschnitte liegen noch vor und können von den Prüfern auf Wunsch auf Richtigkeit gehört und die Identität der Zeitzeugen vertraulich mitgeteilt werden. Die Abschriften wurden nur unwesentlich im Ausdruck korrigiert. Stellen, die nicht das Thema der Arbeit betrafen, wurden teilweise gekürzt. Das betraf unter anderem Darstellungen des Kriegsendes in Forst, Erlebnisse an anderen Orten während der Kriegsendphase sowie die Nachkriegszeit. Zeitzeuge 1 Im Krieg wurden [an der] Straße am Waldgürtel [...] zirka drei bis vier Baracken gebaut [...] für Zwangsarbeiter. Wir hatten dann gesehen, dass dort viele einquartiert waren, Männer und Frauen. Einige Häuser hatten den Ausgang von draußen, Treppe hoch zur Veranda. Von dieser Veranda zugänglich waren die Zimmer aber auch irgendwie vom Hauseingang. Ich kann nicht sagen, wo die Zwangsarbeiter gearbeitet haben. Sie sind hier in einigen Betrieben eingesetzt worden. Wir hatten hier einen Rüstungsbetrieb „Deutsche Vergaser“. Dort wurden Ersatzteile hergestellt für Panzer und wahrscheinlich war auch ein Teil in Scheuno in der Munitionsfabrik tätig. Die Zwangsarbeiter waren stets erkenntlich von der anderen Bevölkerung, jedenfalls waren sie immer zu erkennen durch ihre Kleidung: Filzstiefel, ganz dicke Wattejacken. Die Männer hatten diese Militärkappen auf im Winter, mit Fell gearbeitet, die Frauen trugen auch diese Mützen und Kopftücher. Die Bevölkerung durfte mit keinem dieser Zwangsarbeiter reden, sie nicht ansprechen und schon gar nicht ihnen etwas geben, dann wurden sie bestraft. Uns taten die Leute manchmal Leid, aber wir konnten keinen Kontakt zu denen aufnehmen. Hier in der Straße, wo diese Baracken aufgebaut waren, war ein Lebensmittelladen. Dort sind die Zwangsarbeiter mitunter einkaufen gegangen. Wie bei uns in der Stadt bekannt wurde, kauften sie dort grün eingelegte Tomaten in Essig [...]. Der Kaufmann wurde bestraft. Sein Laden wurde zugemacht. Und dadurch haben sich auch alle anderen Geschäfte ferngehalten, diese Zwangsarbeiter zu unterstützen. Große Aufregung war unter der Bevölkerung, als sie erfuhren, dass eine Zwangsarbeiterin, die hoch schwanger war, ins Forster Krankenhaus kam. Sie kam nicht auf die Entbindungsstation, sie hat in einer Badewanne entbunden. [...] Es gab doch etwas Ärger unter der Bevölkerung, dass diese Menschen so schlecht, so minderwertig behandelt worden sind. Laut durfte auch nichts geäußert werden, denn dann hätte jeder damit rechnen müssen, dass er von der Gestapo kassiert worden wäre. Es gab dann noch in Forst französische Gefangene, die in ihren Uniformen herumlaufen konnten. Sie waren bei der Stadtreinigung beschäftigt, sie fuhren dann die Sprengwagen und Müllwagen und machten immer einen sehr freundlichen und auch einen sehr selbstbewussten Eindruck. Aber auch mit ihnen durfte offiziell kein Einwohner Kontakt aufnehmen. Desgleichen hatten wir einen Betrieb, in dem Watte und Verbandsstoffe hergestellt wurden. Auch dort waren Franzosen beschäftigt und da war nun doch ein kleiner Kontakt zwischen den Beschäftigten und den Deutschen – das waren ausschließlich Frauen dort, die auch zwangsverpflichtet worden sind – und zwischen den französischen Arbeitern. Und da

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fand dann mitunter solch kleiner Austausch statt: Lebensmittel gegen Parfum und Seife aus Frankreich. Diese Artikel kamen per Päckchen, mit der Post. Die deutschen Frauen, die dort beschäftigt waren, haben sie dann eingetauscht oder haben sie sich selbst gekauft. Dadurch hatten die Gefangenen etwas mehr Geld und sie waren auch nicht so streng bewacht, wie die Deportierten aus Russland. Der Wattebetrieb war in der Frankfurter Straße, ich kann nicht sagen, wo der sich befand. Meine Muter war dort beschäftigt, aber ich habe nie genau danach gefragt, wo sie dort arbeitete. [...] In diesen Baracken „Am Waldgürtel“ waren nur russische Menschen [...], Männer und Frauen aus Russland. Sie sind zur Arbeit gegangen und von der Arbeit wieder unmittelbar dorthin zurückgekehrt. Sonst hatten sie weiter keine Freiräume. Sie waren auch unter Bewachung und außerdem war das ganze Gelände eingezäunt. Sie konnten nicht raus, wann sie wollten, nur zur Arbeit und wieder zurück. Die französischen Kriegsgefangenen hatten etwas mehr Freiraum, man hat sie auch nach der Arbeit durch die Stadt laufen sehen. Sie hatten es wohl wesentlich besser gehabt, waren nicht so sehr in ihrer Freiheit eingeschränkt. Kontakte durfte die Bevölkerung auch nicht mit ihnen aufnehmen. Wenn Frauen Kontakte zu irgendwelchen Ausländern aufgenommen haben und es kam raus – und es ist auch hier mal rausgekommen – da wurden den Frauen die Haare abgeschnitten, der Kopf kahl geschoren, Teer draufgestrichen und Hühnerfedern. Das war eine Frau aus einem Dorf hier in der näheren Umgebung. Sie wurde dann durch die Stadt geführt von der NSDAP. Keiner hat sich dagegen aufgelehnt. Man hat versucht, sich das Ganze erst mal nicht anzusehen, um nicht irgendwie in Verdacht zu kommen, dass man nicht eventuell noch Mitleid mit den Frauen hatte. Das wäre wieder verdächtig geworden. Ich habe dann später erfahren, dass auch andere Frauen, junge Mädchen, Kontakt besonders zu den französischen Gefangenen hatten und nach dem Krieg dann mit diesen französischen Gefangenen in ihr Heimatland zurückgegangen sind, dort geheiratet haben und dort in Frankreich geblieben sind. Meine Schwester war im Lohnbüro der „Vergaser“ und dort war ein angeblich italienischer Gefangener, der einen engen Kontakt zu allen anderen Gefangenen hatte, die dort beschäftigt waren. Die waren in der ehemaligen Reithalle untergebracht, in der Nähe der Neiße. Nach 1945 trafen wir [...] den Kriegsgefangenen wieder. Er war uns unter dem Namen Forlani bekannt. Ich selbst hatte ihn öfter [...] in der Krankenkasse am Schalter gesehen und wusste, dass er kranke Gefangene betreute. Er kam regelmäßig und brachte die Krankschreibungen. Von meiner Schwester hatte ich dann erfahren, dass er als Vertreter der Gefangenen eingesetzt [war], weil er gut deutsch sprach. Meine Schwester selbst hatte ihm öfter mal Mittagessen gegeben, dort aus dem Betrieb. Das wurde von einigen leitenden Angestellten bemerkt. Sie wurde dann von ihrer Abteilungsleiterin gewarnt, dass sie sich da zurückhalten soll, sonst würde das für sie unangenehm werden. Sie hielt sich dann auch dementsprechend zurück. Nach dem Zusammenbruch trafen wir den italienischen Gefangenen Forlani wieder. Wir waren erstmal sehr erstaunt, wie er aussah. Wir kannten ihn ja nur in der schmutzigen Uniform, die die Gefangenen trugen. Er war nun sehr gut angezogen, ich kann mich noch genau entsinnen: hellblaues Hemd, kurze Hosen, und vor allen Dingen, die Haare sah man jetzt - sie waren blond. Die Gefangenen waren ja vorher kurz geschoren. Er rief meine Schwester und wir sahen uns um, wir erkannten ihn erst gar nicht. Dann kam er [...] zu uns auf die andere Straßenseite, sagte dann: „Frau [...], erkennen sie mich nicht?“ Nein, sagte sie. „Ich bin Forlani.“ Und wir waren darüber sehr erstaunt. Wir sind dann in die Hofstraße gegangen, in die jetzige Grundschule 6. Das war damals die Handelsschule. Wir haben uns dort lange Zeit in der einen Schulklasse unterhalten. Er sagte uns, er ist gar nicht ein italienischer Soldat gewesen, sondern ein jugoslawischer Offizier. Da er eben auch perfekt

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italienisch konnte, hatte er sich aus besonderen Gründen als Italiener ausgegeben. Er hatte uns dann erzählt, wie er regelmäßig Krankschreibungen veranlasst hat unter den Gefangenen und dass dadurch immer ein Arbeitsausfall entstanden ist. Das hat diesem Vergaser-Betrieb geschadet. Es ist sehr gut durchorganisiert gewesen. Er selbst war dann danach hier im Auffanglager in Forst. Hier sind erst mal auch aus der näheren Umgebung alle Deportierten, alle Gefangenen und alle Zwangsarbeiter gesammelt worden. Sie wurden dann nachher in ihre Heimatländer mit dem Zug abtransportiert. Dieses Sammellager war vom Bahnhof aus die Bahnhofstraße hoch, die jetzige August-Bebel-Straße, die Blumenstraße, Leipziger Straße, wo die Häuser noch standen, bis zur Nagelstraße – damals Lothringer Straße. Diese Straßen waren mit Zäunen auch abgesperrt, also nicht zugänglich für die heimkehrenden Forster Leute. Die rückzuführenden ehemaligen Deportierten konnten aus dem Lager raus, konnten frei durch die Stadt gehen. Nur für die Forster war diese Zone nicht begehbar. Dort durfte man nicht hinein. Es waren weit über hundert Menschen in diesem Sammellager. Genau kann ich das nicht abschätzen. Es waren ja sehr viele Häuser kaputt, es waren auch zwischendurch wieder eine ganze Menge bewohnbar. Es waren schon eine ganz schöne Menge Menschen dort. Es sind [...] nachher täglich von Forst Züge weggefahren; jeweils über Cottbus und dann entweder nach Russland oder Italien oder Frankreich. [...] Andere Lager sind mir nicht bekannt. [...] In der Verwandtschaft meiner Mutter ist mir ein Fall bekannt: Er wohnte hier auf dem Dorf in der Nähe von Forst und hatte eine Landwirtschaft. Er hatte eine russische Hilfskraft bekommen. Alle Bauern hatten Anweisungen, wenn sie Arbeitskräfte [...] aus der Sowjetunion auf ihrem Hof hatten, dass sie keinen persönlichen Kontakt zu ihnen aufnehmen durften. Der Cousin meiner Mutter hatte ein Verhältnis mit der Russin. Die eigene Mutter hat ihn angezeigt und er wurde sofort nach Berlin-Moabit gebracht. Es war ein großer, kräftiger Mann und innerhalb von acht Tagen war er tot. Die Mutter bekam die Nachricht, er wäre an einer Lungenentzündung gestorben. Nachdem, was wir später erfahren haben, wie mit solchen Leuten umgegangen wurde, nahmen wir auch an, dass er von der Gestapo in Moabit umgebracht wurde. [...] Die Russin ist von dem Hof entfernt worden, wohin, das ist mir nicht bekannt. [...] Der Kolonialwarenhändler, er hatte ein Lebensmittelgeschäft mit Obst und Gemüse, das war das Ehepaar Kuhlisch. Sie sind nach 1945 nur ganz kurz in Forst aufgetaucht. Die Eltern und der Sohn, als er aus dem Krieg zurückkam, sind dann nach dem Westen gegangen. Sie haben gar nicht mehr hier in Forst angefangen. Die Zwangsarbeiter und auch die Gefangenen müssen ja versichert gewesen sein. Die waren in Großbetrieben, die eine Großabrechnung über die Beschäftigten hatten, aber da der angebliche italienische Gefangene dort die Krankenscheine hingebracht hat, waren also auch die Kriegsgefangenen versichert. In Forst waren keine Revancheversuche der ausländischen Gefangenen nach dem Krieg bekannt. Forst ist ja total geräumt worden, wir sind auch zwangsevakuiert worden, wir mussten alle raus. Bis auf diese Rückführung der Gefangenen, die hier sozusagen auch in einem Ghetto gehalten wurden, die sich aber frei bewegen konnten in der Stadt, ist mir nicht bekannt, dass irgendwelche Übergriffe stattgefunden haben. Es sind in Forst einige Italiener nach dem Krieg geblieben, sie haben hier geheiratet und haben hier auch Familien gegründet. Die Namen sind mir leider entfallen. Todesfälle bei den Zwangsarbeiter sind nicht bekannt geworden. Über das ganze Leben, das sich dort in den Baracken abgespielt hatte, haben wir nie etwas erfahren. Bis auf diese Geburtssache, die hatte sich in der Stadt durch das Krankenhauspersonal rumgesprochen. Hauptorganisator bei den italienischen Arbeitern im Vergaser-Werk war Forlani, der sich als italienischer Gefangener ausgegeben hat. Sie haben sogar in den Reitstall ein Loch gebuddelt, um nachts dort auszubrechen und von den Feldern Kartoffeln und andere

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Nahrungsmittel zu beschaffen. Ansonsten durften sie sich nicht in der Stadt sehen lassen. Das, was sie bekommen haben, war nur sehr begrenzt und nicht ausreichend. Sie mussten arbeiten und sie waren praktisch unterernährt. Das ist alles ganz stark organisiert gewesen, mit dem Besorgen der Lebensmittel, mit den Krankschreibungen und mit dem Ausfall dann im Betrieb. Und das hat hauptsächlich dieser Forlani gemacht. Es wurde genau festgelegt, wann jemand krank war, wer arbeiten ging. Dann war wieder eine andere Gruppe dran, damit alles nicht so auffiel. So hatte er es berichtet. Wann die Reithalle abgerissen wurde, kann ich nicht sagen. Wir hatten alle andere Sorgen, als nachzuschauen, ob die Reithalle noch steht. Die Reithalle war eingezäunt, das war schon vorher, als es noch als Reithalle von den Fabrikanten genutzt wurde, ein eingezäuntes Gelände. Andere Einrichtungen waren für die Gefangenen nicht zugänglich. Forlani hat er alle Angelegenheiten für die anderen Gefangenen erledigt, weil er sehr gut deutsch konnte. Er kam immer alleine und ist auch immer alleine wieder gegangen. Er hatte niemanden dabei, der ihn bewacht hat. [...] Wo die Franzosen unterbracht waren, weiß ich überhaupt nicht. [...] Polnische Zwangsarbeiter waren mir nicht bekannt. [...] Angriffe auf Forst gab es nicht und Scheuno war aus der Luft überhaupt nicht erkennbar. [.../Angriff auf Sorau/Tätigkeit als Ersthelfer/...] Es ist mir nicht bekannt, dass in den späteren Kriegsjahren auch eine ausländische Ärztin im Krankenhaus gearbeitet hat. [...] Vom Verbot, nicht mit den Gefangenen in Kontakt zu kommen, haben wir durch Artikel in der Zeitung erfahren und durch Mundpropaganda. Es wurde weitergegeben und man hat auch erfahren, dass verschiedene dafür bestraft [und] eingesperrt wurden. Da hat man sich daran gehalten. Es wurde ganz allgemein in der Zeitung bekannt gegeben, dass die Bevölkerung keinen Kontakt zu Kriegsgefangenen oder zu Deportierten aufzunehmen hat. Aber es ist doch passiert, wie wir später festgestellt haben. Einige Forster Mädchen sind mit den französischen Gefangenen nach Frankreich gegangen. [...] Als wir aus Finsterwalde nach Forst zurückkehrten, natürlich zu Fuß, da wurden wir kurz vor Groß Jamno von russischen Soldaten aufgehalten. Das waren die Kommissare, gekennzeichnet durch die Armbinde. Wir sollten seitwärts an den Rand gehen, auf die Wiese. Da kam ein ganzer Trupp polnischer Männer vorbei, in Begleitung von russischen Soldaten. Die wollten übergreifen zu unseren Sachen. Von den russischen Soldaten sind sie daran gehindert worden. Wo diese Truppe hingekommen ist, kann ich nicht sagen. Sie sind in Richtung Cottbus gebracht worden. [...] Ergänzung vom 24.6.2002 Ergänzend [....] möchte ich Ihnen noch mitteilen, dass meine Schwester und, ich nach Kriegsende, im Mai 1945, Kontakt zu Zwangsarbeiterinnen hatten, die auch in dem Forster Auffanglager waren. Wir trafen uns in einer Forster Tuchfabrik Tür und Tore waren offen und die Forster versorgten sich mit Garnen zum Verarbeiten für Unterwäsche und Bekleidung („Mausiwolle!“). Einigen Mädchen begegneten wir, die aus Rußland waren, die sich ebenfalls mit den Garnen versorgten. Ein Mädchen erzählte uns, sie sprach ein gutes Deutsch, dass sie in Leipzig im Haushalt bei einer Familie mit Kindern war, als Hausmädchen. Sie sagte, es war scheen. Frau gut, ging mit ihr zum Frisör. Haare scheen gemacht und scheene Sachen bekommen. Wäre gern geblieben. Rußland sehr dreckig. Mal eine andere Variante!

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Zu der Geburt eines Kindes einer Deportierten im Forster Krankenhaus hatte ich mich wohl nicht richtig ausgedrückt. Ich wollte sagen, dass diese Entbindung unter äußerst primitiven Umständen erfolgte. Die gusseiserne Badewanne stand in einem Raum in dem Steckbecken, Urinflaschen, Abfalleimer und Reinigungsmaterialien abgestellt waren, sowie schmutzige Bettwäsche, die bis zum Abtransport in die Wäscherei dort abgelegt wurde. Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene wurden im Februar 1945 auch zum Bau von Panzersperren und Schützengräben eingesetzt. Italienische Zwangsarbeiter wurden auch zur Evakuierung der alten Leute aus dem Siechenheim in Berge (jetzt Polen) eingesetzt. Mit Tragen mußten sie über eine Pontonbrücke über die Neiße die Gebrechlichen in die Rüdigerstr. (jetzt Dr.-Otto-Nuschke-Str.) transportieren und in Güterloren der Stadtbahn einladen. Die Lange Brücke war schon gesprengt. Der Einsatz der Italiener dauerte 6 Stunden. Der in Forst verbliebene Italiener hieß P.[...]. Er hatte ein schönes Mädchen aus Forst- Keune geheiratet. Er hatte 6 Kinder. Alle hatten die italienische Staatsbürgerschaft. Er konnte sein Heimatland auch zu DDR-Zeiten besuchen. Er beantragte die Ausreise nach einigen Jahren nach Westdeutschland. Mit seiner Frau, den Söhnen und einem Mädchen reiste er aus. Die Frau und das Mädchen kamen aus Heimweh wieder zurück. [...] Ergänzung vom 24.6.2002 Ergänzend [....] möchte ich Ihnen noch mitteilen, dass meine Schwester und, ich nach Kriegsende, im Mai 1945, Kontakt zu Zwangsarbeiterinnen hatten, die auch in dem Forster Auffanglager waren. Wir trafen uns in einer Forster Tuchfabrik Tür und Tore waren offen und die Forster versorgten sich mit Garnen zum Verarbeiten für Unterwäsche und Bekleidung („Mausiwolle!“). Einigen Mädchen begegneten wir, die aus Rußland waren, die sich ebenfalls mit den Garnen versorgten. Ein Mädchen erzählte uns, sie sprach ein gutes Deutsch, dass sie in Leipzig im Haushalt bei einer Familie mit Kindern war, als Hausmädchen. Sie sagte, es war scheen. Frau gut, ging mit ihr zum Frisör. Haare scheen gemacht und scheene Sachen bekommen. Wäre gern geblieben. Rußland sehr dreckig. Mal eine andere Variante! Zu der Geburt eines Kindes einer Deportierten im Forster Krankenhaus hatte ich mich wohl nicht richtig ausgedrückt. Ich wollte sagen, dass diese Entbindung unter äußerst primitiven Umständen erfolgte. Die gusseiserne Badewanne stand in einem Raum in dem Steckbecken, Urinflaschen, Abfalleimer und Reinigungsmaterialien abgestellt waren, sowie schmutzige Bettwäsche, die bis zum Abtransport in die Wäscherei dort abgelegt wurde. Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene wurden im Februar 1945 auch zum Bau von Panzersperren und Schützengräben eingesetzt. Italienische Zwangsarbeiter wurden auch zur Evakuierung der alten Leute aus dem Siechenheim in Berge (jetzt Polen) eingesetzt. Mit Tragen mußten sie über eine Pontonbrücke über die Neiße die Gebrechlichen in die Rüdigerstr. (jetzt Dr.-Otto-Nuschke-Str.) transportieren und in Güterloren der Stadtbahn einladen. Die Lange Brücke war schon gesprengt. Der Einsatz der Italiener dauerte 6 Stunden. Der in Forst verbliebene Italiener hieß P.[...]. Er hatte ein schönes Mädchen aus Forst- Keune geheiratet. Er hatte 6 Kinder. Alle hatten die italienische Staatsbürgerschaft. Er konnte sein Heimatland auch zu DDR-Zeiten besuchen. Er beantragte die Ausreise nach einigen Jahren nach Westdeutschland. Mit seiner Frau, den Söhnen und einem Mädchen reiste er aus. Die Frau und das Mädchen kamen aus Heimweh wieder zurück. [...]

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Zeitzeuge 2 Wir wohnten am Ausgang von Berge. Dort begann die Pförtener Chaussee. [...] Mein Sohn wurde 1944 geboren, im März. Meine Schulfreundin hatte zu gleicher Zeit ein Baby [...]. Da trafen wir uns Nachmittag immer und fuhren die Chaussee mit unseren Kinderwagen lang. Wir mussten an den Baracken vorbei, die standen zwar ein Stück weiter drin, ungefähr 50 bis 100 Meter, eingezäunt. Es waren Familien da. Wir schoben unsere Kinderwagen, und da ist es uns passiert, dass eine junge Frau kam, ihr Baby auf dem Arm – wir konnten uns ja nicht verständigen und es durfte ja auch keiner merken – die kam an den Fahrradweg (es ging an der Seite ein Fahrradweg nach Pförten) und hat uns zu verstehen [gegeben], sie hätte für ihr Kind nichts, keine Flasche zu trinken, nichts zu essen. Wir haben gedacht, wir dürfen das nicht, wir dürfen keinen Kontakt haben und sind immer wieder weiter gegangen, dann wieder zurück. Dann haben wir gedacht, unsere Kinder waren ja auch neu geboren, waren ja klein. Da gab es hier in Forst in der Beethovenstraße eine Bäckerei Seifert. Die backte Zwieback für die Kinder. Wir hatten Karten, zum Beispiel Kuchenkarten, so konnten wir Zwieback holen für unsere Kinder und das haben wir getan. Pfundpackungen, eine Flasche, ein bisschen Trockenmilch, haben wir uns irgendwie mit der Frau verständigt. Damit niemand etwas [merkte...] haben wir alles am Wegrand fallen lassen. Die junge Frau passte schon auf. Wir sind dann weitergefahren und als wir zurückkamen, war es weg. Das haben wir zweimal probiert. Dan kam sie auch nicht mehr. Ob sie das Baby durchgekriegt hat, wissen wir nicht. [...] Das waren Familien, die da in den Baracken wohnten. Die Männer wurden zur Arbeit weggeholt und sicher abends wieder nach Hause gebracht. [...] die Baracken standen im Wald. [...] Wie viele Baracken dort standen, weiß ich nicht, denn wir hatten ja überhaupt keine Einsicht. [...] Auch wann die Holzbaracken aufgebaut wurden, weiß ich nicht mehr. [...] Man durfte keinen Kontakt mit den Ausländern haben. [...] Im Lager waren Ukrainer untergebracht, ganze Familien. Wie viele es waren, weiß ich nicht. [...] Die Frauen waren wohl im Lager, weil man gesehen hat, dass dort Leute waren. [...] Ob das Lager bewacht war, ob der Zaun durchgängig war, kann ich nicht sagen, weil wir nicht rangekommen sind. [...] Ich weiß nicht, wie die verpflegt wurden, ob die einkaufen durften. Uns tat das Leid, weil wir ja auch die Babys hatten.[...] Die Frau war zirka 25 bis 30 Jahre alt. Älter als wir war sie auf jeden Fall. Wie lange das Lager bestand, weiß ich nicht mehr. Als die Front kam, sind die Flüchtlinge mit ihren Trecks gekommen, man kam die Straße gar nicht mehr entlang. Ich weiß nicht, ob das Lager vorher aufgelöst wurde, ob die Gefangenen umgekommen oder rausgekommen sind, kann ich nicht sagen. [...] In der Cottbuser Straße, von der Bahnhofstraße aus war ein Zaun, es war abgesperrt, da waren Ausländer drin. Die lebten da und wir durften dort nicht rein. Dann hieß es, die Ausländer gehen weg. Die haben ja auch allerhand mitgenommen, was sie hier noch kriegten. Wir sind dann zum Bahnhof gegangen, die haben ja Handwagen gehabt, da hab ich mir einen geschnappt. Den Handwagen haben wir benutzt, um Feuerung ranzuholen. [...] Die Ausländer haben abgegrenzt gewohnt, wir waren aus Berge. Ich wohnte am Bahnhof, wir sind dort gar nicht hingekommen. Die Wohnungen wurden von den Ausländern geplündert. 1945 wurde das Lager wieder geräumt, die Ausländer durften zurück. Wir haben nicht erfahren, was in dem Lager [an der Pförtener Chaussee] vor sich ging. Die Baracken waren wahrscheinlich nur für diese Ausländer aufgebaut worden. Ein Arbeitsdienstlager war in Scheuno, an der Skurumer Brücke, die Schäferei. Auch in Keune soll ein Arbeitslager gewesen sein. Ich weiß von einem Franzosen, der in Scheuno gearbeitet hat, der hat eine Deutsche [...] geheiratet und mit nach Frankreich genommen. [...] Ob diese Beziehung erst nach dem Krieg entstand, weiß ich nicht, sie haben sich aber beide in Scheuno im Werk kennen gelernt. [...]

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Zeitzeuge 3 Ich bin [...] bei Kriegsbeginn 14 Jahre alt gewesen. Ich kann mich noch genau erinnern, als der Polenkrieg begann, es war an einem Sonntag, da bekam einer unserer Gesellen schon ein Einberufungsbefehl. Die ersten Jahre waren nicht so sehr schlimm. Aber als dann, wieder an einem Sonntag, 1941 der Russlandfeldzug begann, war mein Vater schon in Russland und meine Mutter stand mit einem älteren Gesellen und einem zweiten allein da. Der Erstgeselle wurde dann auch eingezogen und wir bekamen einen französischen Kriegsgefangenen. Es war doch für uns alle etwas merkwürdig, und für ihn sicher auch, als er in unsere familiäre Atmosphäre eintrat. Es war für uns selbstverständlich, dass er an unseren Mahlzeiten teilnahm. Die Sache wurde dadurch erleichtert, dass ich von der Schule einige französische Sprachkenntnisse hatte. Er stellte sich recht fleißig an, die Kollegen verstanden sich mit ihm, und es gab eigentlich keine Probleme. Er war besonders, so war mein Eindruck, mit seinen Angehörigen verbunden. Lange haben sie nichts voneinander gehört, aber die Verbindung muss sich dann gebessert haben. Er erzählte oft von Briefen, die er von zu Hause bekam. Er hatte eine Verlobte. Es dauerte gar nicht lange, es begann die Umwandlung der französischen Kriegsgefangenen in Zivilarbeiter. Das bedeutete dann, dass sie Post und auch Pakete von zu Hause bekamen. Sachen wurde geschickt, damit sie was anzuziehen hatten und ich vermute auch, dass sie gar keine bestimmten Lagerzeiten hatten. Wenn sie um 22 Uhr nicht da waren, wurden sie zwar gesucht, aber so direkt wie im Gefangenenlager war die Hänselhalle nicht. 1943 bin ich dann nach Christianenstadt verpflichtet worden. Mein Vater ist inzwischen aus Russland zurückgekommen, weil auch noch der letzte Geselle eingezogen wurde und meine Mutter mit dem französischen Kriegsgefangenen und einem Lehrling allein da stand. Drei Jahre (1942-1945) war der Franzose in der Fleischerei des Vaters beschäftigt, lebet erst in der Hänselhalle und dann ab zirka 1943 in Noßdorf. Die Hänselhalle war die ehemalige Reithalle. Ich selbst war nie dort. In Noßdorf waren dann Fremdarbeiter, auch Holländer, Belgier. Sie waren nicht zu unterscheiden. Die Polen und die Russen war Zwangsarbeiter. Mein Vater bekam dann auch noch einen Polen (zirka 1944), der ist dann irgendwann Schlachthofdirektor geworden. Der war ein paar Mal hier. Wo der Pole untergebracht war, weiß ich nicht. In Noßdorf war der Franzose vor der Rennbahn in einer Unterkunft untergebracht, direkt an der Hauptstraße. Das war eine größerer Raum, der ist jetzt ausgebrannt. Früh ist der Franzose, gegen fünf Uhr, in den Laden gekommen, in einem Raum hinter dem Laden wurde gefrühstückt. Mittag wurde 12.30 Uhr gegessen. Von 12.30 Uhr bis 14.30 Uhr war der Laden immer zu. Mutter machte ein Päckchen für den Franzosen fertig, das er zum Feierabend mitnehmen durfte. Während der Pausen saß der Franzose immer mit am Tisch. Eigentlich war das nicht gestattet, sie sollten extra essen. Es hat aber niemand was gesagt. Das Verhältnis zu ihm war rein arbeitsmäßig geprägt. Mutter machte hin und wieder einen Spaß. Die Verständigung war gut, meist auf französisch. Er konnte auch ein paar Worte deutsch. Von der Hänselhalle bis zu uns musste er laufen. Später hatte er wohl auch ein Fahrrad, als er in Noßdorf war. Da in den Betrieben die meisten Gesellen zwischen 25 und 30 Jahre alt waren, waren sie alle eingezogen. Deshalb gab es in den meisten Betrieben auch Fremdarbeiter. Auch kleinere Geschäfte hatten welche. Viele Geschäfte haben aber auch zugemacht. Die Arbeitskräfte fehlten. Im Straßenbild waren die Ausländer nicht zu sehen. Auffallend waren sie nicht. Alle Frauen, die [im Lager] Am Waldgürtel waren, mussten nach Scheuno. Sie konnten ja nicht laufen, da fuhr eine Bahn. Sie sind früh zum Bahnhof gegangen und sind dann rüber gefahren. Hinter der Neiße war gleich die erste Station.

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Familienfeste wurden mit den Ausländern nicht gemeinsam gefeiert. Aber zum Beispiel Weihnachten kam der Franzose dann zu uns und wir feierten gemeinsam. Wir saßen zusammen am Baum, sangen Lieder und auch bei der Bescherung war er dabei. Auch er bekam kleine Geschenke. Mutter hatte für jeden was da. [...] Im Februar 1945 wohnte der Franzose ganz bei uns, im Hinterhaus hatte er seine Stube. Eines Tages war er weg, hatte nur einen Zettel hinterlassen. Auf dem stand, dass er mit einem Kollegen von seiner Truppe in Jocksdorf versteckt war. Die Ausländer waren ja bei der Gestapo registriert und die kümmerten sich jetzt darum, wo sie abgeblieben sind. Die hatten sicher auch Angst vor Sabotage, dass die Ausländer mit den Russen zusammenarbeiten. Bei uns war mal einer von der Gestapo. Der fragte, wie es geht und so weiter. Er sah auch, dass der Franzose mit bei uns saß. Es war aber alles in der Auflösung, so dass der Gestapo-Mann nichts dazu sagte. Sie wollten nur, dass die Ausländer sich nicht irgendwie zusammenrotten – drüben waren die Russen. Weil es dem Franzosen aber alles zu heiß wurde, da haben die sich versteckt. Wir haben nie mehr was von ihm gehört. Ich dachte immer, dass er sich nochmal melden würde. Unser polnischer Mitarbeiter war schon weg, als ich [...] zurückkam. Die haben sich still und leise aus dem Staub gemacht, weil es ja auch gefährlich hier für ihn war. Die Russen hätten ja auch ganz schnell über die Neiße kommen können. Er wollte sicher ganz schnell aus dem Kampffeld fort und ist „Nach Hause zu“ gegangen. [...] Der Franzose kam damals 1941 im Sommer zu uns in den Betrieb. Da wird meine Mutter beim Arbeitsamt einen Antrag gestellt haben, und die haben ihn dann hergeschickt. Wie die Bezahlung ablief, weiß ich nicht, da hatte ich keinen Einblick. Ich denke, wer damals das Glück hatte, in einer Fleischerei zu sein, hatte erst mal keine Not, hatte zu essen. Mittagbrot, Wurst, keine Delikatessen, aber es war alles da. Wenn sie hier ein bisschen Fleisch und Wurst hatten, hat der Bäcker auch nicht so geguckt. Tauschhandel war allgegenwärtig. [...] In Christianstadt (DAG-Werk) hatten wir keinen Kontakt zu Ausländern. Außer in den Büros in der Baracke. In einem Büro haben Ukrainerinnen gesessen. Die waren recht putzig, lustig und normal angezogen. Die waren für die Verteilung der Essenmarken zuständig. Das war ein großes Glück für sie, sie saßen im Warmen und hatten mit den Deutschen auch Kontakt. Sie konnten auch meist Deutsch. Wenn die Arbeiterinnen kamen und mal ein Anliegen hatten, lief alles normal ab. Je höher der Bildungsstand war, desto weniger wurden sie schlecht behandelt. Es gab eben auch die „Kleinen Nazis“, die sich sicher mehr hervortun wollten, während Dr. Rahts [Lautschrift] mit den Franzosen anders sprach, es ihnen besser erklären konnten. So war das auch bei den Chemikern, das war eben anders. Dort gab es keine Gewalt. [...] Von Ausländern, abgesehen von der Fleischerei, hab ich wirklich nichts mitbekommen. [...] Italiener habe ich auch in Christianstadt welche gesehen, 1944. Die waren sehr elend. Sie haben überall nach Essen gewühlt. Auch das andere Klima, die sehe ich noch oft leiden. Mit denen sind sie nicht so besonders gut umgegangen. Das waren ja Feinde. Sie kamen mir unterernährt vor, es gab ja auch für viele Deutsche kaum noch was zu essen. Für sie war wohl alles zu viel. [...] Vielleicht finde ich noch irgendwelche Eintragungen, was meine Mutter damals ans Stammlager gezahlt hat. Sie kamen vom Stammlager und wurden vom Stammlager bezahlt. [...]

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Zeitzeuge 4 Es waren manchmal sehr heiße Sommer. Die Jahre, wenn man zurück denkt, 1942, 43, 44. Und mein Vater war krank geworden [...]. Wir waren vier Kinder. Es [...] durfte keiner Kontakt zu diesen Ostarbeitern haben. Aber der Sinn, dass da was passieren kann, das gab es für ein Kind nicht, [...] Mutter hat auch mit uns nicht darüber gesprochen. Ich kann mich erinnern, im Sommer, wenn wir Kohlen bekommen haben. [...] Dann wurden die Kohlen abgekippt. An dem Haus, wo wir gewohnt haben, in der Triebeler Straße, war dann immer, wenn ich aus der Schule kam, so ein richtiger große Kohlehaufen. Und dann wurden sie in den Keller geschippt. Nachmittags habe ich mich immer gewundert, ich wollte mithelfen, die Kohlen reinschippen. Meine Mutter sagte, ach lass mal. Ich brauchte das nicht. Dann kamen, manchmal eine, manchmal zwei Frauen, das waren Ostarbeiter. Ich glaube Ukrainerinnen. Die müssen gesehen haben, dass meine Mutter dort geschippt hat und haben dann gesagt, dass sie das machen wollen. Nachdem sie sich förmlich aufgedrängt hatten, hat sie meine Mutter dann schippen gelassen. Als Kind denkt man nicht drüber nach. Aber heute weiß ich, das war ja eine große Gefahr für sie und für uns, weil ja die Kontakte wirklich verboten waren. Und dann hat sich das mit den Jahren so eingepegelt, dass diese Frauen (es waren wohl immer die gleichen) Kohlen reingeschippt haben. In der Zeit ist meine Mutter dann immer schnell rein ins Haus, meine Mutter war ja ein guter Mensch, und hat dann Kartoffeln geschält. Einen großen Topf, ich musste mitschälen. Immer, wenn die Frauen kamen, gab es dann grundsätzlich Rührkartoffeln, Rührei drauf und Buttermilch. Dann wurde in der Zeit im Waschhaus, in der Zinkwanne, wurde der Kessel geheizt. Das Wasser wurde so warm gemacht, dass sie baden konnten. Baden war ja für diese Frauen Luxus. Wenn die Frauen fertig waren, konnte sie baden. Das war für die das Schönste. Dann haben sie das Essen bekommen. Wenn sie ein bisschen gegessen hatten, wollten sie sich den Rest einpacken. Da hat meine Mutter immer gesagt, sie sollen weiter essen, sie hätte noch genug da. Da haben sie mit großem Hunger gegessen. Es war ja Krieg, deshalb hatten wir ja auch nicht viel. Wenn sie dann fertig waren, hat meine Mutter in einen großen Tonkrug die Rührkartoffeln reingemacht, sie hat ihnen Eier mitgegeben für die anderen Ostarbeiter, die draußen in der Triebeler Straße, wo die Turnhalle ist [...] wohnten. Da war das Lager.[...] Dann haben die Frauen am nächsten Tag die Tonkrüge wieder abgewaschen in die Hausecke gestellt. Da war 100-prozentig Verlass drauf. Das war wie eine stumme Absprache. [...]. Im Sommer 1944 waren die Arbeiter noch da, man hat nicht mitbekommen, wann die Lager tatsächlich aufgelöst wurden. Das war der letzte Sommer, den wir in Forst waren. Als Kind tat mir immer sehr weh: Die Frauen hatten solche komischen Schuhe an. Wir hatten ja auch nicht viel. Das waren Schuhe wie bessere Holzpantoffeln, nur zu bis oben hin, mit Segeltuch und Lederschnallen. Und unten hatten sie eine richtig dicke Holzsohle, die sich gar nicht bewegt hat, die steif war, beim Laufen. Ein Leid, für uns unvorstellbar. Sie hatten keine richtige Wäsche. Heute weiß ich erst, was passieren hätte können, wenn uns einer verraten hätte. Als Kind ist es uns nie bewusst gewesen. Sie hatten keine Schlüpfer, keine Hemde. Es gab ja im Krieg alles auf Punktkarte. Alles, was man gekauft hatte wurde berechnet, dann wurden Abschnitte ausgeschnitten. Das weiß ich noch ganz genau, weil meine Schwester gestorben ist und meine Mutter mir die Punktkarte gab. Ich wollte mir ein Nachthemd kaufen [...] mit dieser Punktkarte. Meine Tante hat alles, was sie abgeben konnte, den Frauen gegeben. Und wenn die gebadet hatten, haben sie die saubere Wäsche bekommen. Die Frauen haben geweint vor Freude und dass sie was sauberes hatten. Sie hatten ja den ganzen Tag gearbeitet. Früh in ihren komischen Schuhen sind sie in die Stadt gelaufen. Und ich würde denken, die haben in der Kirchstraße bei der Firma Mix und Genest, da war eine Pulverfabrik. Dort haben sie für Geschosse oder so gearbeitet. Mein Großvater musste als alter Mann auch

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seine Arbeit aufgeben und dort in der Rüstung arbeiten gehen. Dort waren eben auch solche Frauen. Dann sind sie nachmittags noch Kohlen schippen gegangen. Den ganzen Tag haben sie gearbeitet mit wenig Essen. Es war für sie aber ein Segen, dass sie ein Mensch annimmt, dass sie was zu essen bekommen haben, dass sie satt waren, dass sie sich mal baden konnten. Das war ja was ganz Großes gewesen. Und dass sie mal Wäschestücke bekommen haben. Ich weiß noch genau, wie mich einmal eine Ukrainerin gedrückt hat, mir war das richtig fremd und unheimlich. Sie hat dabei so geweint und hat uns erzählt, sie hätte fünf Kinder. Mit der Hand hat sie die Größe gezeigt, die Kinder waren größer, wurden immer kleiner. Sie wurde von den Kindern getrennt und hat nie gewusst, wo ihre Kinder sind. Was muss in so einer Mutter vorgegangen sein. Ich glaube, ich hätte nicht weiterleben können. Das ist Leid gewesen. Ich würde sagen, die Menschen, die ein Herz hatten, die haben die Ostarbeiter nicht vergessen. Aber wie es natürlich die große Masse gesehen hat, dafür war ich zu klein. Wenn ich 14 oder 15 gewesen wäre, hätte ich ja schon andere Gedanken gehabt, aber ich war ja erst zehn. Ich wird das nie vergessen. In Keune waren die Frauen alleine, ohne Familien, denn sonst hätte die Frau nicht erzählt, dass sie Kinder hatte und sie wurde schon bei dem Transport von den Kindern getrennt, wie sie erzählt hat. Die hat mich gar nicht mehr aus dem Arm gelassen. Es war mir bald unheimlich, [...]. Mutter hatte uns zwar auch mal gedrückt, aber sie konnte uns ja nicht alle paar Minuten drücken, und die Ukrainerin hat mich gar nicht mehr losgelassen. Vielleicht hab ich ja auch ihrem Kind geähnelt, ich weiß es nicht. Daran denke ich heute noch oft. Vor allem, wo sind sie geblieben. Ich könnte mir vorstellen, sie sind jetzt schon tot. Vielleicht war ja die Frau auch schon Ende 30 damals, darüber macht man sich ja als Kind keine Gedanken. Das sind so Dinge, die haben einen schon geprägt. (...) gegenüber [...] war ein Bauer, der hat auch zwei Ostarbeiterinnen bekommen. Ich würde sagen, die waren auch aus der Ukraine. Kann ich mich noch erinnern, die eine hatte schwarze Zöpfe. Ich kann mich noch an die Namen erinnern, eine hatte ich besonders lieb gehabt. Die eine hieß Nastja, die andere hieß Marussja. [...] Die waren wohl nicht älter als 16, höchstens 17. Die saßen immer im Sommer abends am Rinnstein an der Straße und haben immer diese Kerne geknackt, die Sonnenblumenkerne, oder so. Da haben wir uns als Kinder immer gewundert, wir haben mitgepult. Da hat keiner was gesagt, wenn wir dann mit da draußen waren, wenn wir dann so um die rumstanden. [...] Wenn wir draußen mit den Mädchen am Rinnstein gehockt haben, hat keiner was gesagt. Kam ja auch vielleicht keiner von diesen Ortsgruppenführer vorbei [...]. Die beiden Ukrainerinnen hatte ich gern gehabt, sie mussten aber letztendlich ja arbeiten. Ich kann eben nur erzählen von den Frauen, die immer kamen. Das hatte sich so eingebürgert und es ist ja nichts passiert. Es hätte uns ja jemand anzeigen können, wenn die richtigen Leute da gewesen wären. Denn die haben auch Leute abgeholt, 100-prozentig. Man durfte nicht „mau“ sagen zu der Zeit. Ich kann aber weder aus Erfahrungen noch aus Erzählungen sagen, dass die Leute abgeholt wurden. Mutter hat nicht mit uns darüber gesprochen. Vielleicht hat sie es gewusst und wollte es uns nicht erzählen, damit wir uns nicht mal verplappern. Ich kann mich auch noch an Ausländer erinnern, dort wo der „Waldgürtel“ war. Dort waren auch Ausländer, das weiß ich auch noch sicher. Ganz sicher weiß ich aber vom Lager in Keune, weil ich in Keune Verwandte hatte. Das Lager selbst hab ich von außen gesehen, rein sind wir nicht gekommen. Ich kann mich auch noch an die Turnhalle erinnern, da drin hatten die wohl die Betten. Reden konnten wir mit den Ukrainerinnen ja nicht, die haben ja nicht Deutsch gesprochen. Die eine hat eben nur mal angedeutet die Sache mit ihren Kindern. Die haben sich auch gar nicht getraut, auf uns zuzugehen. Ich denke doch, dass die so

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eingeschüchtert waren, dass die sich das gar nicht gewagt haben. Aber es war ja schon eine Solidarität von den Deutschen zu spüren. Sie haben ja dafür gearbeitet, den ganzen Tag. [...] Zeitzeugen 5 Ich hab in Forst gearbeitet, 1939. Dann bin ich nach Scheuno gekommen. Da haben sie Leute gesucht zum Kartoffelschälen. [...] Vom Kartoffelschälen habe ich mich hochgearbeitet, habe dann in der Küche gearbeitet. Es ging alles etappenweise. Die Arbeit konnte ich ja und die hatten ja auch viele Köche gehabt. Ich habe für die dann alles mögliche gekocht, Gemüse und so weiter. Später wurde der Verkauf noch erweitert, da bin ich in den Verkauf gegangen[...]. Zuerst kamen immer unsere Leute essen und einkaufen. Dann kamen die ganzen Ausländer, Italiener, Franzosen, alle Sorten waren ja da gewesen. Wir hatten mit denen ein gutes Verhältnis. Die hatten alle ihre Marmeladengläser gehabt. Dann haben wir mit meiner Mutter dort im Lager gewohnt. [...] Ich habe in der Schälküche angefangen, bin dann in die Küche, den Verkauf, an die Kasse und da kamen sie ja dann alle. Also drinnen haben wir nicht mitbekommen, dass es zwischen ihnen Kämpfe gegeben hat, die haben sich gegenseitig geholfen. Das Schlimmste hat sich ja immer draußen abgespielt. Die [...] Italiener, die Belgier, die Holländer, die haben ja auch bei uns gekauft. Genauso wie unsere deutschen Arbeiter [...] Es lief alles friedlich und ruhig ab. Es soll einiges vorgefallen sein, wenn die ins Werk gelaufen sind. Aber darauf haben wir ja keinen Einfluss mehr gehabt. Die russische und polnische Bevölkerung waren innerhalb des Objektes noch einmal hinter einem großen Tor abgeteilt. Das stand aber auch immer offen, es war nicht so, dass sie immer ganz weggeriegelt waren. Das kann man so nicht sagen. Vorn war die Mannschaft, das große Tor, dort war die Wache drin. Ringsrum war alles eingezäunt. [...] Im Hof haben die Baracken gestanden. Quer rüber stand die Baracke, wo gegessen wurde. Dort war die Kantine drin, wo sie eingekauft haben. Überall standen Baracken. Zwischendurch war eine große, mit Küche, Verkaufsstand, Kantine. Dann war dort ein großes Tor und dort waren die Polnischen und die Russischen drin. Die hatten dort auch eine Küche, wo deutsche Köche kochten. Einmal im Monat durften sie auch selbst kochen. Viele Lebensmittel hatten sie in Pförten gekauft. [...] Wie viele Baracken es insgesamt waren, kann ich nicht genau sagen, es waren etliche. Die Polen und die Russen hatten in ihrer großen Baracke auch eine Art Aufenthaltsraum, da drin haben sie auch gefeiert, wie Weihnachten. Sie hatten ja später „Väterchen Frost“. Wir waren da oft gucken. Da hat uns niemand, keine Wachmannschaft weggeschickt. Es ist erstaunlich, wie sie eigentlich von Nichts etwas organisiert haben. Sie haben ja auch oft in Gärtnereien und bei Familien, wo die Männer nicht da waren, gearbeitet und so etwas dazu verdient, Rasen gemäht, umgegraben. Dazu was verdient. Der Unterlagerleiter war manchmal so gemein und hat ihnen schon mal einen Krautkopf oder etwas anderes, was sie für ihre Arbeit bekommen haben, weggenommen. Der Unterlagerleiter war für das gesamte Lager zuständig. [...] Wir hatten einen Oberlagerleiter Bernhardt und einen Unterlagerleiter Frischke. Der Bernhardt war sehr menschlich, ein sehr humaner. [...] Er hat meiner Mutter gesagt: „Ihr habt doch auch eine kleine Enkeltochter. Wir haben da ein russisches Mädchen, ungefähr 12, 13 Jahre alt. Stellt euch mal vor, wenn die dort im Werk arbeiten gehen müsste, die ist so alt wie meine Tochter.“ Sie hieß Nellie. Über die haben wir dann oft Brot mitgegeben und Brötchen. Oder wir haben es draußen hingestellt. Die Straße war etwas niedriger, die Baracken standen etwas höher. Da waren auch etliche Stufen hoch in den Gemeinschaftsraum [...]. Wo der ganze Zusammenbruch war, waren die ganzen Oberen da, die Chefs waren alle weggewesen. Wir hatten den Befehl bekommen, Marschverpflegung zusammenzustellen. Als wir dann nicht mehr einig wurden, hat meine Mutter gemeint, wir machen alles auf, sollen sie sich einfach rausnehmen. Es hat sich keiner mehr um die Ausländer gekümmert, die mussten

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doch was essen. Bäcker Jahn hatten ja noch die Brote geliefert. Manchmal auch mehr. Die Ausländer haben in Pförten auf dem Gut Sonnenblumenöl und sehr viele Sonnenblumenkörner gekauft. Sie haben das ja gerne gekaut. Das russische Ukrainermädchen hat meine Mutter immer angefordert. Sie hatten immer das Magazin wischen müssen, dafür haben sie dann mal einen Sack mit Sonnenblumenkernen bekommen. Der wurde dann gelagert. So war die stille Zusammenarbeit zwischen den Menschen gewesen. Viele Deutsche, die hinten im Werk mit den Ausländern gearbeitet haben, haben dann auch Brote mitgenommen. Handwerker die im Lager geschlafen haben, haben uns das auch erzählt. Die Marschverpflegung, die wir bei der Auflösung des Lagers ausgegeben haben, haben sowohl Deutsche als auch Ausländer bekommen. Alle haben etwas bekommen, die gekommen sind. Da hat keiner den anderen weggeschubst. Die Auflösung ging Hals über Kopf. Das war kein organisierter Abmarsch. Panzer waren vorgestoßen, bis zum Werk. Eh wir das mitbekommen haben, da war schon ein großer Teil weg. Ich hab mir oft die Frage gestellt, wo die ganzen Menschen geblieben sind, die Ausländer. Die waren ja plötzlich vogelfrei. Sie sind ja auch überall in der Stadt rumgelaufen, die hätten alles mitnehmen können: Geld, Stoffe, Nähmaschinen. Sie hatten aber nur Angst um ihr Leben. Als wir dann nach Hause kamen, da kamen sie mit einem großen Handwagen, haben uns dann auch gesehen und kamen zu uns rum. Wir hatten Angst, aber sehr sagte nur: Nix Angst haben. Wir tun euch nichts. Wir wollen weiter. Wo die alle hingezogen sind, weiß ich nicht. Die haben hier in der Stadt erst mal Halt gemacht. Sie haben hier kurz gewohnt, gegessen. Wir mussten wirklich keine Angst haben. Einige waren dabei, die gut Deutsch sprechen konnten. Sie haben alles gelassen. Viele haben dann noch in Forst gearbeitet. Ob überhaupt alle rübergekommen sind? Oder sie sind dann über die Brücken. Wir waren die letzten. Wir waren kaum zu Hause, da haben sie die letzte Holzbrücke bei Scheuno gesprengt [...]. Viele sind dann wahrscheinlich drüben geblieben. Sind vielleicht auch gar nicht alle aus dem Lager rausgekommen. Sie dann wohl auch zurücktransportiert worden. Meine Schwägerin auch. Aber da brauchte man aber keine Angst haben, man hat auch keine Angst gehabt. Weil die ja auch menschlich waren. Man kann auch nicht sagen, dass da mal irgendwas passiert war. Die Italiener waren wohl in der ersten Zeit etwas isoliert, aber dann wurde freigegeben, dass sie bei uns genauso einkaufen können. Und die Belgier und die Holländer auch. Da wurde kein Unterschied gemacht. Die Kampeleien untereinander waren ja ihre Sache. Die haben sich manchmal in den Haaren gehabt. Aber nur untereinander, von uns haben sie nie jemand angegriffen. [...] Weil meine Eltern früher in der Kommunistischen Partei waren, wussten wir über die stille Zusammenarbeit zwischen den Ausländern und den Deutschen im Lager. Das funktionierte so: Da hat eben mal einer eine Papiertüte mit Brötchen hingestellt, oder mal ein paar Brötchen hingelegt. Es funktionierte ohne Worte. Manch einer hat mal was zum Essen mit in den Betrieb genommen und es dann den Ausländern zugeschoben. Die sind ja nicht alle gleich gewesen. Es gab gute und solche Menschen. [...] Wir wurden nicht zwangsverpflichtet, im Werk zu arbeiten. Wir haben freiwillig dort gearbeitet. Wir haben auch Lohn dafür bekommen, von der Sprengchemie. Die Sprengchemie hatte ja auch das Lager gebaut. Ich [Schwester 2] bin auch wieder nur durch einen Zufall ins Werk gekommen. Der Oberlagerleiter Bernhardt wollte nicht, dass meine Mutter mich zum Arbeitsdienst einziehen ließ, die Front rückt doch immer näher, wir brauchen sie hier. Dadurch bin ich dann ins Werk gekommen in die Verkaufsstelle. Ich war ja in dem Alter, wo sie angefangen haben, uns einzuziehen. Sie haben ja auch viele zur Flak gezogen. [...] Meine Tochter ging in die Krippe. Im Lager gab es keine Kinderkrippe, sie war in der Biebersteinstraße in Forst untergebracht. Für die Ausländer wurde dann im Lager eine Kinderkrippe gebaut, weil ja auch viele Frauen schwanger waren. Weil diese Frauen dann

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wieder gebraucht wurden, hatten sie direkt bei den Polen und Ukrainern dann eine Krippenstation gebaut. Jede Woche einmal ist eine Ärztin gekommen. Meine Mutter hat erzählt, dass die Ärztin oft Gespräche mit den Frauen machte, weil die schon manchmal die zweite Schwangerschaftsunterbrechung machten wollten. Die Ärztin meinte, das wäre nicht gesund, und ob denn die Frauen nicht lieber das Kind austragen wollten. Die ausländischen Frauen sagten nur immer: Nicht vom deutschen Mann! Die Frauen wurden ja immer geschlossen vom Lager ins Werk und wieder zurückgebracht. Wie viele Kinder genau im Lager lebten, wissen wir nicht. Sie hatten dort einige Bettchen, damit sie die Kinder zurecht machen konnten. Es kam auch oft eine russische Ärztin. Um die Kinder wurde sich wirklich richtig gekümmert, da kann man nichts sagen. Das hat auch alles der Oberlagerleiter Bernhardt organisiert. Wenn sie die Arbeitskräfte brauchten, mussten sie ja auch versorgt werden. Es haben sich ja da auch viele kennen gelernt und dann zusammengeblieben. Unter den Polen und Russen. Das bleibt ja auch nicht aus. Diese Paarbildung war nicht verboten, sonst hätten sie ja auch diese Säuglingsstation nicht ausgebaut. Sie haben ja auch gut gearbeitet. Sie waren freundlich. Wir kannten uns ja schon. Durch die Nellie haben wir ja auch einiges erfahren, es sprach sich ja rum. Sie haben sich untereinander geholfen, haben alle sehr zusammen gehalten. Manchmal, wenn wir in den großen Räumen dort gewaschen haben, war die Wäsche am nächsten Tag weg, die Leine durchgeschnitten. Wir konnten uns ja neue kaufen und hatten zu Hause noch welche. Manchmal haben wir auch so kleine Teile Wäsche mitgebracht und an die Stufen oder an die Seite gelegt, die dann schnell jemand genommen hat. Wo sollten die auch was zum Anziehen herbekommen? Sie brauchten ja auch was. Es tut mir heute noch Leid, dass wir nie wieder etwas von der Nellie gehört haben. Ihre Schwester war Lehrerin, der Bruder Ingenieur, sie war 13 Jahre alt. Die ganze Familie von Nellie war dort im Lager, sie kamen aus der Ukraine. Hübsche, intelligente Menschen. Im Laden wurde Marmelade, Brot, Wurst, Quark, Zucker und so weiter verkauft. Bezahlt wurde mit Bons, eine Art Lebensmittelkarten. Die Bons wurden abgeben, es wurde mit unserem Geld bezahlt. Die Belgier und Italiener hatten richtig unser Geld gehabt. Sie haben dort ja auch Lohn bekommen und genauso bezahlt wie unsere Arbeiter. Die volle Kasse hat man da ja auch mit nach Hause genommen. Man hatte nicht einmal Angst gehabt, dass einen jemand überfallen könnte und die Geldkasse wegnehmen könnte. Die Polen und die Russen durften nicht in dem Laden einkaufen. Die haben auch keine Sonderverpflegung, zum Beispiel zu Weihnachten, bekommen. Denen ging es am schlechtesten. Dann wurden mal kurze Zeit Juden durchs Lager getrieben. Die waren aber nicht lange da. Judenkinder waren auch dabei. Ich erinnere mich noch an die halbgemauerten Abfallecken. Da lagen dann die Schalen und so und dort sind die Juden rumgekrochen und haben sich dort was rausgeholt. Sie haben sie dann wahrscheinlich weiter rein getrieben. Hier war ja noch nicht die Grenze. Sie wurden wohl in andere Orte getrieben. Vielleicht wurden sie irgendwo hingebracht und vergast. [...] In dem Laden im Lager arbeitete einer alleine. Extra jemand für die Obrigkeit war auch noch da, die bekamen ja bessere Sachen. Ich hatte ja da wirklich noch Glück. Die Chefin vom Arbeitsdienst hat alles mitbekommen, hat mich manchmal nach Forst gefahren. Sie bekam ihren Schnaps, ihre Zigarren. Sie kam extra von Sonneberg nach Forst. Es haben eben immer alle zusammen gehalten. Die Italiener haben sich mal untereinander gehauen oder gestochen, das war kurz ihre Sache gewesen. Ansonsten wurde niemand angegriffen. Was wir konnten, haben wir gemacht. Essen gab es ja. Viele sind ja auch zur Kommandantur gerufen wurden und hatten dann Angst, dass sie verhaftet werden, als sie das dicke Buch da sahen. Aber wir hatten ja mit dem Lager nichts zu tun. Wir sind da ja nicht hingekommen. Es gab viele, die sie besucht haben.

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Am Eingang vom Lager saß immer eine Wachmannschaft. Das Haupttor, wo alle durchgingen, war rund um die Uhr besetzt. Ohne Ausweis kam da niemand ins Wohnlager. Die Wachmänner waren direkt vom Werkschutz, Wachschutz. Ich glaube, die waren von der Sprengchemie angestellt. Eine Uniform hatten sie an, dunkelgrau. Der Werkschutz hat ja auch die Leute ins Werk reingebracht. Die Ausländer sind ja gelaufen. Wie weit die Sprengchemie vom Lager entfernt war, keine Ahnung. [...] Ich glaube, die Wachmänner hatten Pistolen. Sie waren nur am Tor und haben nicht am Zaun patrouilliert. Es lief alles ruhig ab. Man hat auch keine Angst gehabt, weder vor den Russen, den Polen oder den Belgiern. Sie haben auch viel von zu Hause erzählt, sie konnten ja auch Deutsch. Wie es drinnen im Werk war, was sich da abgespielt hat, wissen wir nicht. Manchmal hat man von zu Hause aus einen Feuerschein gesehen, da ist dann wieder was hochgegangen im Werk. Todesfälle und Verletzte wird es im Zusammenhang mit diesen Explosionen gegeben haben, aber man hat nicht viel gehört. Das haben die doch alle vertuscht. Wir gehen davon aus, aber es war kein Gesprächsthema [...] Im Lager ist es nicht aufgefallen, dass es Verletzte gab. Einen Friedhof gab es in Scheuno, im Lager gab es keinen. Wenn wirklich mal jemand im Lager verstorben ist, das kam ja vor, wurde er auf dem Hauptfriedhof in Forst beerdigt. Ob tatsächlich jemand aus dem Lager dort liegt, weiß man nicht genau. Vor dem Russischen Friedhof war so eine Begräbnisstätte. Es kann sein, dass durch die private Unterbringung, da jemand gestorben ist und beerdigt wurde. Wir haben dort in Holzbaracken gewohnt. Dort war eine Heizung drin. Es waren einzelne Zimmer drin. Es gab größere und kleinere Zimmer. Die Christel und die Nellie waren immer in dem Kinderzimmer, das war etwas kleiner. Nellie kam früh und nachmittags ging sie wieder. Die Zimmer hatten Schränke und Betten, waren zirka 12 bis 15 Quadratmeter. Auch die Ausländer hatten Betten und Schränke. Ich hab ja oft was ins Lager gebracht, was zu essen und so. Sie waren ja alle menschlich, es gab nur ein oder zwei „Lumpen“ [...] In manchen Zimmern haben bestimmt bis zehn Personen geschlafen bei den Ausländern. Jedes Zimmer hatte Zentralheizung, Ofen waren wohl nicht drin. Dort im Lager war ja auch eine richtig große Küche mit großen Kesseln. Dort hat ein deutscher Koch gearbeitet. Wenn der frei hatte, konnten die Ausländer kochen, wie sie wollten. Da wurde eingekauft, Kohl und Weißkohl und dann wurde gekocht. Der Bernhardt hat immer gesagt, das sind genau solche Menschen wie wir. Wenn die Leistung bringen sollen, wenn sie arbeiten, dann müssen sie auch was zu essen bekommen und satt werden. Oberlagerleiter Bernhardt war von der Sprengchemie angestellt und trug keine Uniform. Er wohnte in einem Wohnhäuschen im Lager drin. Woher er stammt, wissen wir nicht. Er kam von weiter her. Wir wissen heute, dass er tot ist. [...] Gleich nach 1945 hat sich rausgestellt, dass Bernhardt tot ist. Meine Mutter hat das erfahren. Er war wohl zu menschlich, dann haben sie ihn abgeholt, der war weg. Die Lagerinsassen haben ausgesagt und da ist wohl was verwechselt worden mit dem Unterlagerleiter und dem Oberlagerleiter. Der Unterlagerlager war nicht so menschenfreundlich. Der hat meistens an der Wache immer alles wegnehmen lassen, was sich die Ausländer zu essen gekauft hatten, wenn er da war. Unsere Mutter hat oft mit dem Oberlagerleiter zusammengearbeitet und hat dann oft gehört, wie er gesagt hat: „Guck doch auf die andere Seite! Was stört dich denn Krautkopf, den haben sie sich doch erarbeitet.“ [...] Der Unterlagerleiter Fritschke (?) war auch nicht von hier. Den haben sie wohl auch nachher abgeholt. Als meine Mutter mal abgeholt wurde, glaubte keiner, dass sie niemanden kannte. Bis einer sagte, dass das Werk und das Lager ja extra waren. In einem dicken Buch in der Kommandantur standen wohl alle Namen von denen, die im Lager gearbeitet haben. Dann sollte meine Mutter sagen, ob sie jemand kannte. Sie sagte nur, dass sie ja im Magazin gearbeitet hat und niemanden kannte. Sie kannte wohl welche, sagte es aber nicht. Sie war fix und fertig. Man kannte zwar nicht jeden, aber doch einige. [...] Zwischen Lager und Werk gab es aber eine organisatorische Trennung.

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Die Lagerleitung hatte extra ein ausgebautes Haus. Wo das Büro, die Buchhaltung, war, wissen wir nicht. [...] In die Wäscherei sind wir gar nicht reingekommen. Wir haben ja beide im Laden gearbeitet. In der Küche waren nur Deutsche. Mutter arbeitete im Magazin, sie hat immer Reinigungskräfte angefordert. Das hat sie absichtlich gemacht, damit sie wieder mal zum Beispiel Sonnenblumenkerne bekommen. Es wohnten auch viele auswärtige Deutsche im Lager. Die Ausländer wurden erst wie eingesperrt behandelt und später konnten sie sich doch frei bewegen. Die Russen, Ukrainer und Polen hatten diese Vergünstigung, auch zu Weihnachten mit Verpflegung, jedoch nicht. An Esten, Litauer können wir uns nicht erinnern, die sind nicht weiter aufgefallen. Einige Hundert wohnten im Lager insgesamt. Viele von den Ausländern und Auswärtigen sind auch hier geblieben. Auch ein Italiener, der hat in der Schneiderei in der Albertstraße gearbeitet[...]. Der war schon in Scheuno, hat dann hier ein Häuschen gebaut. [...] Die Holländer, Belgier und Italiener konnten sich auch in der Stadt frei bewegen. Es haben auch oft die Ukrainer bei den Leuten gearbeitet. Durch die Schichtarbeit im Werk konnten sie in der Stadt noch bei Leuten arbeiten. Sie hatten auch nie das Gefühl, dass sie im Lager eingesperrt waren. Es war eben der Posten, der sie kontrolliert hat beim Rein- und Rausgehen. Uns kannten ja die Posten schon. [...] Ob Bernhardt verurteilt wurde, weiß kein Mensch. Es hieß nur, er sei weg. Er war bis zuletzt im Lager. Er ist nicht weggerannt wie die anderen alle. Die Schneider und die Fleischer zum Beispiel, die im Lager waren, sind alle weggerannt. Die hatten ja das Geld und die Nähmaschinen, alles, stehen und liegen lassen. Das waren alle deutsche Angestellte. Manchmal sind Polen ausgerissen aus Steinwerken und so, die haben sie dann in Scheuno wieder geschnappt und geschlagen, das war 1945. [...] Dass das Lager Scheuno-Ost hieß, kann schon sein. Andere Bezeichnungen gab es nicht.

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Anlage D Originaldokumente Eine Übersicht der polnischen Kriegsgefangenenarbeitskommandos im Bereich des Kreises Sorau wurde vom Stalag IIIB Fürstenberg angefertigt, als es um die Überstellung in zivile Arbeitsverhältnisse ging. Das Dokument ist im BLHA vorhanden.
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Anlage D Originaldokumente Bereits mit der Vorbereitung der Überführung der polnischen Kriegsgefangenen in Zivilarbeiterverhältnis wurde begonnen, den Einsatz von „Westgefangenen“ im Kreis Sorau zu planen. Weiter genutzt werden sollten unter anderem die Lager in Sacro und Simmersdorf mit Arbeitsbereichen im heutigen Forster Stadtgebiet. (Stadtarchiv Forst)
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Anlage D Originaldokumente Eine, wenn nicht die einzig auffindbare, Liste über Ausländerlager in der Stadt Forst blieb erhalten, weil es um eine Sonderzuweisung von 20 Gramm Hefe für sowjetische Kriegsgefangene, Italienische Militärinternierte und Ostarbeiter ging. Auffällig ist allerdings, dass das Lager in Scheuno nicht auftaucht. Es ist also davon auszugehen, das die Liste unvollständig ist. Außerdem fehlt Sacro, das zu diesem Zeitpunkt noch nicht der Stadt Forst angehörte. (Archiv Forst, Anm.: Der handschriftliche Vermerk „Weststr.“ auf der zweiten Kopie stammt vom Autor)
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Anlage D Originaldokumente In einem Schreiben an den Oberbürgermeister der Stadt Forst beklagte sich das Ostministerium über die unzureichende Ernährung der Kinder in seinem Lager. Dort sei es bereits zu Todesfällen bei Klein- und Kleinstkindern gekommen. (Stadtarchiv Forst)
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Anlage D Originaldokumente Per E-Mail von Axel Drieschner / Barbara Schulz, Berlin, 6.3.2004 Abschrift Französische Arbeitskommandos in Rosengarten: Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, R 40991, unpag. „Bericht über die Besichtigung des Stalag III B Fürstenberg“, Besuch von Arbeitskommandos am 15. u. 16.1.1942: S. 9: „Kommando 748 - Rosengarten.- Vertrauensmann: Gefreiter FAVELIER Bestand: 21 Mann Die Gefangenen arbeiten in einem Sägewerk, in einem Bauernhof und in einem Bauunternehmen. Der Lohn sch[w]ankt zwischen 13.50 und 18 Mark pro Monat. Die mit Zentralheizung ausgestattete Unterkunft ist gut. Die Verpflegung ist ausreichend. Die Kleider, die vor kurzem ausgewechselt wurden, sind in gutem Zustand. Die Schuhe sind schlecht. Die Waschräume sind gut eingerichtet und die Gefangenen verfügen über beliebig viel warmes und kaltes Wasser. Die Post kommt unregelmäßig an.“ S. 15: „Liste der Kommandos, die am 15. und 16. Januar 1942 besichtigt wurden oder deren Vertrauensmänner mit dem Delegierten sprechen konnten“ Nr.d.Komm Bestand [*] Beschaffenh. d. Arbeit Bes. Bemerk. [...] 609 Rosengarten 26 Betonierungsarbeiten kalte Unterkunft 728 “ 85 Beschotterungsarbeiten Verpfl. ein wenig knapp 924 “ 20 Holzfällen 94 “ 10 Landwirtsch. 748 “ 21 Sägewerk [...]“ [* die Spalte „Vertrauensmann“ weggelassen; ausschl. franz. Namen] Ergänzung per Mail vom 26.3.2004 (zusammengefasst): Die vom IKRK am 15./16.1.1942 besuchten Arbeitskommandos lagen in Fürstenwalde, Jänickendorf, Guelsdorf, Ketschendorf, Frankfurt/Oder, Rosengarten, Lieberose, Holbrunn, Sta[a ]kow, Leeskow [Beeskow?], Gamlitz [Jamlitz?], Ullersdorf und Lübben. Teilweise sind die Ortsnamen offensichtlich falsch geschrieben. Fazit d.A.: Da fast alle Ort im Bereich der heutigen Landkreise Daghme Spreewald (LDS) und Oder-Spreewald (LOS) liegen, dürfte die Lage der Kommandos Rosengarten für Forst als unwahrscheinlich gelten.

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Anlage D Originaldokumente
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Anlage D Originaldokumente
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Übersicht der bekannten Arbeitskommandos in Forst Kriegsgefangenenarbeitskommandos in Forst und Umgebung Nr. Bezeichnung Ort 168 Simmersdorf Simmersdorf 438 Sacro Sacro 619 Scheuno DSC Forst-Scheuno 634 unbekannt unbekannt 863 Forst-Domsdorf Forst-Domsdorf 930 Mix & Genest Forst Übersicht der Italienischen-Militärinternierten-Arbeitskommandos in Forst Nr. Bezeichnung Ort 105 Hänselhalle Forst 135 Hammer & Haebler Forst

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Zwangsarbeiter, beerdigt auf dem Forster Hauptfriedhof Stadt Forst, SG Friedhof/Krematorium, „Erwachsenenliste“, ohne Berücksichtigung anderer Friedhöfe in den Ortsteilen und des Krematoriums, Stand August 2001 Name Vorname geb. gestorben Nat. Status 1. Ogorek Stanislawa 20041924 1021943 PL Zivilarbeiter 2. Balatzyk Peter 23011924 1031944 Ostarbeiter 3. Klimenko Boris 4021926 1051944 Ostarbeiter 4. Tschuwaschow Gregor 3121911 1061943 Ostarbeiter 5. Tschikrita Nadja 28101929 3061944 Ostarbeiter 6. ??? Erik 23101923 4051943 Ostarbeiter 7. Rzoska Stanislaus 20101898 7101940 Landarbeiter 8. Skamaldinow Falklistan 28061923 8021944 Ostarbeiter 9. Maschurenko Wassili 10081919 9081944 Ostarbeiter 10. Wertybezky Andrej 19111886 10041944 PL Arbeiter 11. Sabrowsky Antnia 12021918 13031944 Ostarbeiter geb. Rybnikswa 12. Kobierski Mieczyslaw 5011928 13041944 Landarbeiter 13. Gosutowicz Olga 20101923 13061943 Ostarbeiter 14. Pjatschenko Anna 13021901 13111943 Ostarbeiter 15. Wlodarczak Michael 30081886 14101944 PL Arbeiter 16. Starachonek Zenja 10121922 15091944 Schleiferin 17. Swerinowa Wera 20091922 16011944 Ostarbeiter 18. Wroblwski Sygmund 14081921 16081943 PL Landarbeiter 19. Woinow Romian 1011924 17021943 Ostarbeiter 20. Bernatzki Illia 23081895 18081944 Ostarbeiter 21. Starschaglo Nybola 6061906 19111944 22. Dudnik Wera 22121924 20121944 Ostarbeiter 23. Rosogrejewa Katharina 5071892 21011945 Ostarbeiter 24. Jusenka Uljana 3091924 21041944 PL Arbeiter 25. Antoniadi Wladimir 20111918 22061944 Ostarbeiter 26. Babescha Wassily *1887 22071944 RUS Landarbeiter 27. Pawlaw Wassily 22041917 22121944 Ostarbeiter 28. Droumka Anna 17101925 24041944 Ostarbeiter 29. Bokowski Iwan **081898 24101942 Ostarbeiter 30. Pluska Helene 15051896 25071944 RUS Lehrerin 31. Leonow Alexander 15081904 26051943 RUS Zivilarbeiter 32. Solecka Iwana 18101922 27011943 PL Zivilarbeiter 33. Wawrowski Tadeusz 10101920 27041944 PL Arbeiter 34. Piotrowski Franz 14091906 27101943 PL Arbeiter 35. Sereda Katharina 23041921 27101944 Ostarbeiter 36. Husyen Gegic 26041915 28041944 KRO Arbeiter 37. Gryzenko Halina 22121925 28051944 Ostarbeiter 38. Satyga Josef 24061918 28061944 PL Arbeiter 39. Jewdcki Samorodima 18061923 29091943 Ostarbeiter 40. Getter Heinrich 16071896 29121944 PL Arbeiter 41. Malinowski Josef 16031899 30061943 PL Zivilarbeiter 42. Sinitzki Johann 2051902 30061944 Ostarbeiter 43. Murczan Franz 21081913 31121942 PL Landarbeiter

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Ausländerliste Folgende 228 Ausländer arbeiteten während des Zweiten Weltkrieges nachweislich in Forst oder sind dort begraben. Wo aus den Unterlagen (Fundort, Signatur, Blatt; StadtA in diesem Fall Stadtarchiv Forst) die Schreibweise des Namens nicht klar ersichtlich, unterschiedlich oder unlesbar war, wurde dies berücksichtigt. * geben an, wo abgekürzt oder die Schrift unleserlich wurde, ein Fragezeichen steht für einen unbekannten Namen. Name Vorname Nationalität Status Quelle Andrezak Eugen PL StadtA 3037, 91 Antoniadi Wladimir Ostarbeiter Friedhofsliste Asselin Albert F Zivilarbeiter StadtA 2707, 29 Audibert Henri StadtA 3230 Babescha Wassily RUS Landarbeiter Friedhofsliste Baday Louis StadtA 3230 Bakkal Annatll. StadtA 3230 Balatzyk Peter Ostarbeiter Friedhofsliste Baran Stefan Ostarbeiter StadtA 1980 Barrier Jean StadtA 1984, 37 Bednarek Wawz* PL StadtA A2020, 66 Bekarodow Fedor Ausländer StadtA 3037, 100 Berko Iwan SU Ostarbeiter StadtA 5307, 4 Bernatzki Illia Ostarbeiter Friedhofsliste Betrand Constand F Zivilarbeiter StadtA 2707, 29 StadtA 3230 Bloesch Antoine F Zivilarbeiter StadtA 2707, 29 StadtA 3230 Bodarenko Iwa. StadtA 3230 Boiko Wasilij SU Ostarbeiter StadtA 5307, 4 auch Wasily Boismartel Raphael F Kgf StadtA 314 Bokowski Iwan Ostarbeiter Friedhofsliste Bondar Nikolai Ostarbeiter StadtA 1980, 7,10 Bondarenko Iwan Ostarbeiter StadtA 1980, 7 Bos Januar NL StadtA 3037, 100 Bouillon Georges Ausländer StadtA 3037, 100 Boulva André (Andree) F Zivilarbeiter StadtA 2707, 29 StadtA 3230

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Name Vorname Nationalität Status Quelle Bouton Arthemy StadtA 3230 Brachet Lucien StadtA 3230 Browka Denja Ostarbeiter StadtA 1980, 7,10 Buillon Georges StadtA 1984, 37 Bulatoff Demjan Ostarbeiter StadtA 1980, 7 But Fedir Ostarbeiter StadtA 1980, 7, 9 Cattégne Maurice F Zivilarbeiter StadtA 2707, 29 Ceng Alfred Ausländer StadtA 3037, 100 Champ Arthur F Kgf StadtA, 314 Chatalain Eduard (Eduorard) Ausländer StadtA 3037, 100 1984, 37 Chuchro Peter StadtA 3230 Cisterne Andre StadtA 3230 Colas Albert F Kgf StadtA, 314 Colgajewski Ma. StadtA 3230 Comble Arthur StadtA 3230 De Bastiani Raymond I StadtA 3037, 66 de Nooyer Louwrenz StadtA 1984, 37 Deboffle Andr. StadtA 3230 Degtjareff Iwan Ostarbeiter StadtA 1980, 7, 10 Depecher Marc StadtA 3230 Djatschenko Iwan Rus Zivilarbeiter StadtA 2702, 4 Donis P* F Postkarte Pusch Donziech Erne StadtA 3230 Drosdow Wasil (Wasel.) Ostarbeiter StadtA 1980, 7 StadtA 3230) Droumka Anna Ostarbeiter Friedhofsliste Dudnik Wera Ostarbeiter Friedhofsliste Dupont Jules F Kgf StadtA, 314 Fedlitzki Bohslaw Ostarbeiter StadtA 2707, 47 Fkorik Elia Ostarbeiter StadtA 2707, 47 G[ra]dus Waclaw PL StadtA 1984, 69 Gang Alfred StadtA 1984, 37

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Name Vorname Nationalität Status Quelle Gaudard Reme StadtA 3230 Gendre Reymon StadtA 3230 Getter Heinrich PL Arbeiter Friedhofsliste Girontschuk Alexander Ostarbeiter StadtA 1980, 7,10 Giroud Raymon. StadtA 3230 Golberski Wladislaus PL StadtA 2020, 66 Gorski Kasimir StadtA 3037, 97 Gorski Bonifacy PL StadtA 3037, 72 Gorski Anton PL StadtA A2020, 66 Gosutowicz Olga Ostarbeiter Friedhofsliste Goujon Marcel F Zivilarbeiter StadtA 2707, 29 StadtA 3230 Grabenjuk Iwan StadtA 3037, 96 auch: Grebenjuk StadtA 1984, 84,96 Gradus Waclaw PL Ostarbeiter StadtA 3037, 69 Graezyk Stefan PL StadtA A2020, 66 Graschdanow Paul Ostarbeiter StadtA 2707, 47 Gruschinsky Josef ? StadtA 3037, 96 Gryzenko Halina Ostarbeiter Friedhofsliste Gumulka Josef PL StadtA A2020, 66 Gygan Bolislaw PL StadtA 1984, 66 Haiwliga Niokola Ostarbeiter StadtA 1980, 7 Hameury Andre Ausländer StadtA 3037, 100 Henen Armand B (Wal) Ausländer Dokument Herbert Marcel F Zivilarbeiter StadtA 2707, 29 Holuk Ostarbeiter StadtA A2702, 86 Hop Willem NL Holländer StadtA 3037, 44 Houdoire Rene StadtA 3230 Hubert Pierre F Zivilarbeiter StadtA 2707, 29 Husyen Gegic KRO Arbeiter Friedhofsliste Isajew Efim Rus Zivilarbeiter StadtA 2707, 4 Jablonski Johann Ostarbeiter StadtA 1980, 7 StadtA 3230

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Name Vorname Nationalität Status Quelle Jantschewskaja Elena RUS Ost-Ärztin StadtA 5727 Jardin Jean StadtA 3230 Jasinski Franz PL StadtA 1984, 67 Jaworski Johann Rückkehrer StadtA 2462, 52 Jaworski Geslawa Rückkehrer StadtA 2462, 52 Jaworski Johanna Rückkehrer StadtA 2462, 52 Jaworski Weslawa Rückkehrer StadtA 2462, 52 Jewdcki Samorodima Ostarbeiter Friedhofsliste Jossé Alphonse F Kgf StadtA 314 Jurin Viktor Ostarbeiter StadtA 1980, 7 Jusenka Uljana PL Arbeiter Friedhofsliste Kanaschore(c)k Wa. Ostarbeiter StadtA 3230 StadtA 1980, 10 Kasperski Wojcik PL StadtA 3037, 69 Klimenko Boris Ostarbeiter Friedhofsliste Kobierski Mieczyslaw Landarbeiter Friedhofsliste Kononenko Wera StadtA 3230 Kornijen Paul Ostarbeiter StadtA 2707, 47 Kosatschenko Grogori Ostarbeiter StadtA 1980, 7,9 StadtA 3230 Kowalenko Mychajl SU Ostarbeiter StadtA 5307, 4 Kozlowski Anton StadtA 3037, 96 Krawezyk Ignatz PL StadtA A2020, 66 Kroizinsky Jurij Rus Zivilarbeiter StadtA 2707, 4 Kryschtopa Wladimir Rus Zivilarbeiter StadtA 2707, 4 Kubiak Wladislaw StadtA 1984, 37 Kubik Wojciech StadtA 3037, 96 Kultschinski Nikolai Ostarbeiter StadtA 1980, 7,10 Kwizinsky Jury Rus Zivilarbeiter StadtA 2707, 8 Laine Léon F Kgf StadtA, 314 Lalanne Jack StadtA 1984, 37 Laschpagier Wasil Ostarbeiter StadtA 2707, 47 Laschpagier Iwan Ostarbeiter StadtA 2707, 47

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Name Vorname Nationalität Status Quelle Lasor (?) Ostarbeiter StadtA 1980, 10 Lasurenko Oleksander Rus Zivilarbeiter StadtA 2707, 4 Lawrenow Afar(a)ssfew Ostarbeiter StadtA 1980, 7 StadtA A2100 Lecomte Henri F Kgf StadtA, 314 Ledoux Roland F Zivilarbeiter StadtA 2707, 29 StadtA 3230 Leonow Alexander RUS Zivilarbeiter Friedhofsliste Leprince Jean StadtA 1984, 37 Listopadowa Nadja Rus StadtA Ch/106 Losukow Nikolaus StadtA 3037, 70 Lutziuk Anton Ostarbeiter StadtA 1980, 7,10 Lys(s)enko Petai(t) Ostarbeiter StadtA 3230 StadtA 1980, 8, 10 Lysak Alesuj Rus Zivilarbeiter StadtA 2707, 4 M[a]wtschan Myk[o]la Rus Zivilarbeiter StadtA 2707, 4 Maleze Rene StadtA 1984, 37 Malinki Fedor Ostarbeiter StadtA 2707, 47 Malinowski Josef PL Zivilarbeiter Friedhofsliste Marchese Cosimo I Zivilarbeiter StadtA 1984, 50 Markowski Michael Ostarbeiter StadtA 1980, 8,9 StadtA 3230 Maschurenko Wassili Ostarbeiter Friedhofsliste Michel René F Zivilarbeiter StadtA 2707, 29 Milleville Herm. StadtA 3230 Morel Gabriel F Zivilarbeiter StadtA 2707, 29 Mowtschan Mykola SU Ostarbeiter StadtA 5307, 4 Mrozowsky Michael PL StadtA 2020, 66 Murczan Franz PL Landarbeiter Friedhofsliste Naiwliga Nikoly StadtA 3230 Nalo(s)chikowski Peter Ostarbeiter StadtA 1980, 8,10 auch Malochowski StadtA 3230 Nooyer Louwrens de Ausländer StadtA 3037, 100

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Name Vorname Nationalität Status Quelle Nowicki Ignatz PL StadtA A2020, 66 Ochwat Andre SU Ostarbeiter StadtA 5307, 4 Ogorek Stanislawa PL Zivilarbeiter Friedhofsliste Onyschtschuk Peter Ostarbeiter StadtA 1980, 8,10 Pawlaw Wassily Ostarbeiter Friedhofsliste Pawluk Nikola Ostarbeiter StadtA 1980, 8 StadtA 3230 Peron Renk F Zivilarbeiter StadtA 2707, 29 Petriepschenko Wladislaus Ostarbeiter StadtA 2707, 47 Piechota Josef PL StadtA A2020, 66 Piko Andre Ostarbeiter StadtA 2707, 47 Pilipenko Wlachimir SU Ostarbeiter StadtA 5307, 4 Piotrowski Franz PL Arbeiter Friedhofsliste Piskunow Michael Ostarbeiter StadtA 2707,47+RS Pjatschenko Anna Ostarbeiter Friedhofsliste Pluska Helene RUS Friedhofsliste Popow Grigori Rus Zivilarbeiter StadtA 2707, 4+l 8 auch Poposo Powerk Dimitri Ostarbeiter StadtA 2707, 47 Praussu Jean F Kgf StadtA, 314 Propp-Russin Al. StadtA 3230 Przygodske Wachaus PL StadtA A2020, 66 Quvré René F Zivilarbeiter StadtA 2707, 29 auch Quvre StadtA 3230 Rachuba/Rackuba Artem/Arten) Ostarbeiter StadtA 3230 StadtA 1980 8+10 Rams Januar StadtA 3230 Rebours Henry StadtA 1984, 37 Relich Josef PL StadtA A2020, 66 Remerand Marcel StadtA 3230 Remesowski Alexej Ostarbeiter StadtA 1980, 8+10 Roslofski Alexander Ostarbeiter StadtA 2707, 47 Rosogrejewa Katharina Ostarbeiter Friedhofsliste

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Name Vorname Nationalität Status Quelle Rozé Emilie F Zivilarbeiter StadtA 2707, 29 Runst Romain van B StadtA 3037, 98 Rzoska Stanislaus Landarbeiter Friedhofsliste Sabrowsky Antnia Ostarbeiter Friedhofsliste Samoilowitsch Iwan Ostarbeiter StadtA 1980 8/9 StadtA 3230 Satyga Josef PL Arbeiter Friedhofsliste Schewtschenko Michajl SU Ostarbeiter StadtA 5307, 4 Schischko Nikolai Ostarbeiter StadtA 1980, 8+10 Scholatin Wladimir Ostarbeiter StadtA 2707, 47 auch Scholotin Schuljack Andrej Ostarbeiter StadtA 1980, 8+9 Sereda Katharina Ostarbeiter Friedhofsliste Sermet Jules StadtA 3230 Sienkio(-e)witsch Wladimir Ostarbeiter StadtA 1980, 8+10 Sigonnieere Roger StadtA 3230 Sinitzki Johann Ostarbeiter Friedhofsliste Sinkiwitsch Wladimi. StadtA 3230 Skamaldinow Falklistan Ostarbeiter Friedhofsliste Solecka Iwana PL Zivilarbeiter Friedhofsliste Solomka Hrihnor SU Ostarbeiter StadtA 5307, 4 Starachonek Zenja Friedhofsliste Starschaglo Nybola Friedhofsliste Stasiak Johann PL StadtA A2020, 66 Strokon Grigori SU Ostarbeiter StadtA 5307, 4 Strokonin Nikolai SU Ostarbeiter StadtA 5307, 4 Susset Georges F Zivilarbeiter StadtA 2707, 29 StadtA 3230 Suszwedyk Anton PL StadtA 3037, 62 Swada Iwan SU Ostarbeiter StadtA 5307, 4 StadtA 1980, 8 StadtA 3230

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Swerinowa Wera Ostarbeiter Friedhofsliste Szewezyk Wladislaus PL StadtA A2020, 66 Tarjamjk Wasiyl SU Ostarbeiter StadtA 5307, 4 Thibault Maurice F Zivilarbeiter StadtA 2707, 29 Thiollier Germain F Kgf StadtA, 314 Tkazschenko Fedir Ostarbeiter StadtA 1980, 8+9 Trozinsky Stanislaus StadtA 3037, 97 Tschikrita Nadja Ostarbeiter Friedhofsliste Tschuwaschow Gregor Ostarbeiter Friedhofsliste Verlier Claude F Kgf StadtA, 314 Vion Louis F Zivilarbeiter StadtA 2707, 29 Wawrowski Tadeusz PL Arbeiter Friedhofsliste Wertybezky Andrej PL Arbeiter Friedhofsliste Wester Piet NL Stadt 3037, 100 Wi[c]krucki Zygmund PL StadtA 1984, 66 Wielgos Stefan SU Ostarbeiterkind StadtA 2702, 84 Witwa Alexander Ostarbeiter StadtA 1980, 8+10 Wlodarczak Michael PL Arbeiter Friedhofsliste Woinow Romian Ostarbeiter Friedhofsliste Woloschtschek Pascha Ostarbeiter StadtA 1980, 8 Wroblwski Sygmund PL Landarbeiter Friedhofsliste Wrzosek Josef PL StadtA A2020, 66 Wynnyk Oleksiy SU Ostarbeiter StadtA 5307, 4 Zehelnyk Wasil SU Ostarbeiter StadtA 5307, 4 Zjn[e]h/Zjuch Mychajl SU Ostarbeiter StadtA 5307, 4 ? Erik Ostarbeiter Friedhofsliste ? Josef PL Natusch, S. 46

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