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NKWD-Filterlager und Repatriierungskommandantur Nr. 200 in Forst

Repatriierungskommandantur Nr. 200 in Forst/Baršć 1945: GARF-Quellen, Abgrenzung zu formellen NKWD-Prüf- und Filtrationslagern und mögliche Bezüge zu DSC Forst-Scheuno.

Der entscheidende Beleg: Forst steht ausdrücklich in der Repatriierungsliste

Aleksandra Arkusz rekonstruiert anhand des Staatlichen Archivs der Russischen Föderation (GARF) das Netz des Bevollmächtigten für Repatriierungsfragen. In der Liste von 53 genauer lokalisierten Einheiten für Februar bis Dezember 1945 steht Kommandantur Nr. 200 - „Barszcz, Barść (heute Forst in Deutschland)”; als Archivgrundlage nennt sie GARF R-9526, op. 6, d. 933, Bl. 145.

Damit ist die Zugehörigkeit von Forst (Lausitz) zum sowjetischen Repatriierungsnetz belegt. Nicht geklärt sind die genaue Lage der Kommandantur und ihre mögliche Funktion als formelles NKWD-PFL.

belegt

Nr. 200 in Forst

Forst/Barść wird als nummerierte Repatriierungseinheit genannt.

offen

Genaue Lage

Kein Straßenname, Lagername oder Gebäude ist in der bislang vorliegenden Quelle genannt.

nicht belegt

Formelles NKWD-PFL

Die Quelle bezeichnet Nr. 200 als Repatriierungskommandantur, nicht als PFL.

Repatriierungskommandantur und Filterlager sind nicht dasselbe

Die sowjetische Repatriierungsverwaltung wurde am 23. Oktober 1944 eingerichtet. Sie organisierte Suche, Registrierung, Unterbringung und Transporte sowjetischer und ausländischer Rückkehrer. Bis 15. Mai 1945 bestanden 77 Lager und Kommandanturen; am 15. Juli waren es weiterhin 77, davon 20 bei der Gruppe der Sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland.

Daneben existierte eine eigene NKWD-Struktur. Der offizielle russische Archivführer beschreibt GARF R-9408 als Bestand der Prüf- und Filtrationslager des NKWD. Die früheren Speziallager erhielten am 20. Februar 1945 die Bezeichnung PFL; ihre Aufgabe war die Überprüfung und Filtration bestimmter Kategorien sowjetischer Bürger.

Zwei verwandte, aber getrennte Strukturen

GARF R-9526 · Repatriierung Kommandanturen, Sammel- und Durchgangslager, Personalakten und Transporte. Hier erscheint Nr. 200 in Forst.
GARF R-9408 · NKWD-PFL Formelle Prüf- und Filtrationslager für ausgewählte sowjetische „Spezialkontingente”. Eigene Verwaltung.
Redaktionelle Konsequenz: Für Forst muss derzeit „Repatriierungskommandantur Nr. 200” verwendet werden. Die Formulierung „NKWD-Filterlager Nr. 200 in Forst” ist durch die Quellen nicht gedeckt.

„Barść” ist kein Beweis für einen Standort in Zasieki

Die frühere Fassung gewichtete die Überschrift „Polen” in der Tabelle zu stark. Der amtliche brandenburgische Kommunaleintrag bestätigt jedoch Baršć (Łužyca) als niedersorbischen Namen von Forst (Lausitz). „Barść/Barszcz” kann daher eine polonisierte oder transkribierte Form des Stadtnamens selbst sein.

Zudem enthält dieselbe Liste gemischte geographische Zuordnungen: Wriezen steht unter „Polen”, Berlinchen/Barlinek unter „Deutschland”. Aus der Tabellenüberschrift allein lässt sich die Lage östlich der Neiße nicht ableiten.

Westliches Forst möglich

Verkehrsknoten und sowjetische Präsenz, aber keine Adresse der Nr. 200.

Forst-Berge / Zasieki möglich

Nach 1945 polnisch und nahe am DSC-Komplex. Plausibel, aber unbewiesen.

DSC / Scheuno Standorthypothese

Vorhandene Lager-, Straßen- und Bahninfrastruktur. Kein Dokument weist Nr. 200 einem konkreten Objekt zu.

Die Verbindung zu DSC Forst-Scheuno

Das G.E.O.S.-Gutachten von 1995 dokumentiert umfangreiche Sozial-, Verkehrs- und Lagerinfrastruktur des Werkes, darunter das Hauptlagergebäude Nr. 384, die Wäscherei Nr. 388 und eine eigene Kläranlage des Gefangenenlagers. Es vermerkt außerdem die Unterbringung vieler Kriegsgefangener, Zwangsarbeiter und Häftlinge im nordwestlichen Werksteil.

Das Bundesarchiv verwahrt die Akte „Forst: Frauenlager Scheuno” (BArch R 121/5579). Das Staatsarchiv Zielona Góra besitzt Werksausweise aus Zasieki, darunter zwei für Personen russischer oder ukrainischer Nationalität. Ein lokaler Geschichtsservice nennt außerdem ein Sozialgebäude im Werk II als Büro eines russischen Kommandanten bis zum Abriss 1959. Dieser Hinweis belegt jedoch weder Nr. 200 noch eine Repatriierungs- oder PFL-Funktion.

These Status Bewertung
Repatriierungskommandantur Nr. 200 in Forst/Barść. belegt Arkusz + GARF R-9526.
Kriegslager- und Verkehrsinfrastruktur im DSC-Komplex. belegt G.E.O.S.; BArch; polnisches Staatsarchiv.
Nr. 200 lag in Zasieki oder auf dem DSC-Gelände. Hypothese Logistisch möglich, keine Adresse oder Anordnung.
Frauenlager/DRK-Lager wurde für Nr. 200 genutzt. Hypothese Existenz des Lagers belegt; Nachkriegsnutzung nicht.
Nr. 200 war formelles NKWD-PFL. nicht belegt Die überlieferte Klassifikation lautet Repatriierungskommandantur.

Welche Personen könnten Nr. 200 durchlaufen haben?

Die Repatriierungseinheiten registrierten und sammelten Menschen, erstellten Personalkarten und organisierten Transporte. Das System umfasste sowjetische Bürger aus Gefangenschaft und Zwangsarbeit ebenso wie von der Roten Armee befreite Ausländer. Deshalb ist es plausibel, dass ehemalige Zwangsarbeiter aus Forst-Scheuno und der Umgebung Nr. 200 passiert haben könnten. Ohne Namenslisten ist dies jedoch nicht für konkrete Personen nachweisbar.

Was muss noch gefunden werden?

GARF R-9526, op. 6, d. 933, Bl. 145

Originalblatt und Nachbarblätter zur Kontrolle von Überschrift, Datierung und Unterstellung.

GARF R-9526, Inventare 1, 2, 4 und 5

Nr. 200, Forst/Форст, Baršć/Barść/Barszcz, Scheuno, Berge, Zasieki; insbesondere Bewegungsjournale, Personallisten und Transportberichte.

GARF R-9408

Prüfung, ob Forst oder Nr. 200 in den Akten der formellen NKWD-PFL vorkommt.

Bundesarchiv, BLHA, Stadtarchiv Forst, AP Zielona Góra

Beschlagnahme und Nutzung von DSC-Gebäuden, sowjetische Quartiere, Bahntransporte und Nachkriegsverwaltung.

Quellen - polnisch, russisch, deutsch und englisch

  1. Aleksandra Arkusz, „Działalność Pełnomocnego Zarządu Rady Komisarzy Ludowych/Rady Ministrów ZSRR do Spraw Repatriacji w latach 1944-1953”, 2012. wissenschaftliche Studie auf GARF-Grundlage
    PAN-Zeitschriftenfassung Entscheidend sind S. 240–242: Die Liste enthält Kommandantur Nr. 200 „Barszcz, Barść (heute Forst in Deutschland)“; Grundlage: GARF R-9526, op. 6, d. 933, Bl. 145.
  2. GARF, fond R-9526 - Zarząd Pełnomocnika ds. Repatriacji, 1944-1953. offizieller russischer Archivführer
    Bestandsbeschreibung Dokumentiert die Repatriierungsstruktur, Sammel- und Durchgangslager, Kommandanturen, Registrierung und Kontrolle der Repatriierten.
  3. GARF, fond R-9408 - Wydział Obozów Kontrolno-Filtracyjnych NKWD, 1944-1946. offizieller russischer Archivführer
    Bestandsbeschreibung Bestätigt die eigenständige Struktur formeller NKWD-Prüf- und Filtrationslager und deren Aufgabe: Festhalten, Überprüfen und Filtern des „Sonderkontingents“.
  4. G.E.O.S. Ingenieurgesellschaft mbH, ekspertyza DSC Forst-Scheuno, 30.11.1995. Projektquelle der Fundacja Rokita Beschreibt die Kriegs-, Lager- und Sozialinfrastruktur des Werkes, Bahn, Straßen, Hauptlagergebäude, Wäscherei und eine separate Kläranlage des Gefangenenlagers.
  5. Bundesarchiv / Deutsche Digitale Bibliothek, „Forst: Frauenlager Scheuno”, BArch R 121/5579. deutsche Archivquelle
    rekord DDB Bestätigt die Archivakte zum Frauenlager Scheuno, jedoch keine Nachkriegsübernahme durch das NKWD.
  6. Archiwum Państwowe w Zielonej Górze, zespół 89/1299/0. polnische Archivquelle
    Bestandsbeschreibung Erhaltene DSC-Werksausweise aus Zasieki, darunter zwei für Personen russischer oder ukrainischer Nationalität.
  7. Service Brandenburg, „Forst (Lausitz) / Baršć (Łužyca)”. offizielle deutsche Quelle
    Kommunalregister Bestätigt den amtlichen niedersorbischen Stadtnamen Baršć und hilft bei der Deutung der Form „Barść/Barszcz“ bei Arkusz.
  8. U.S. Department of State, Office of the Historian - Dokumente zur Repatriierung nach der Konferenz von Jalta. englischsprachige diplomatische Quelle
    porozumienie z 11.02.1945 Zeigt den internationalen Rahmen für Sammlung und Übergabe befreiter Staatsangehöriger in Lagern und Sammelstellen.

Arbeitsprinzip: gesicherte Quelle, Archivspur und Hypothese werden getrennt dargestellt.

PDF auf Polnisch

Fotografien und Quelldokumente

Strona alianckiego raportu wywiadowczego.
Quellenmaterial: Strona alianckiego raportu wywiadowczego.
Strona opracowania G.E.O.S. wykorzystywana w kwerendzie.
Quellenmaterial: Strona opracowania G.E.O.S. wykorzystywana w kwerendzie.