Fundacja RokitaStartseiteGemeinde Brody kennenlernenGemeinde Brody kennenlernen
DSC Forst „Wald“ · verborgenes Industrieerbe in der Natur
f Folge uns auf Facebook

Zwangsarbeit in der Region

Zwangsarbeit in Forst, Scheuno, Döbern und der näheren Umgebung 1939–1945: Menschen, Lager, Betriebe, Dokumente und Zeugnisse.

Das Kompendium beschränkt sich auf Forst (Lausitz), Scheuno/Brożek, Döbern und Orte in einem Radius von etwa 20 km. Dokument, Register, Zeitzeugnis und Forschungshypothese werden getrennt ausgewiesen.

Scheuno‑Ost existierte. Der originale Ausweis trägt die Aufschrift „Bereitschaftslager Scheuno‑Ost über Forst (Lausitz)“ und „Lagerausweis (Werksküche)“. Er belegt Namen und Werksküche, nicht jedoch allein Belegung, Status aller Insassen oder die vollständige Verwaltungshierarchie.

Umfang und unterschiedliche Gruppen

Jürgen Scholz’ Studie Ausländereinsatz in Forst (Lausitz) 1939–1945 ermittelt mindestens 24 Unterkünfte (25 mit dem jüdischen Lager, 26 einschließlich Simmersdorf) und mindestens 80 Betriebe bzw. Einrichtungen. Für die späte Kriegsphase ergibt sich eine vorsichtige Größenordnung von etwa 2.000 Ausländern. Dies ist keine Gesamtzahl aller im gesamten Zeitraum durch die Region gebrachten Menschen.

1. November 1942

Eine Momentaufnahme nennt 183 „Ausländer“, 385 polnische und 779 russische Zivilarbeiter — zusammen 1.347 Menschen. Zahlen aus verschiedenen Stichtagen und Gebieten werden nicht addiert.

Unterschiedlicher Status

Kriegsgefangene, Zivilarbeiter, Ostarbeiter, Militärinternierte und Häftlinge unterlagen verschiedenen Regimen. Genannt werden Polen, Sowjetbürger, Franzosen, Belgier, Niederländer, Italiener, Tschechen und Juden.

Orte in Forst und Umgebung

Belegt sind unter anderem Scheuno‑Ost, Sacro (Kommando 438), Simmersdorf (Kommando 168), Hänselhalle, Mix & Genest (Kommando 930), Gut Noßdorf, Domsdorf (Kommando 863), Keune, die Turnhalle Noßdorf sowie Lager an Pförtener Straße, Muskauer Straße/Waldgürtel, in Eulo, bei Hammer & Haebler, Rumsch & Hammer, Bahnmeisterei, Lager Speer und Windhoff. Bezeichnungen und Zuständigkeiten änderten sich; jede Angabe ist an ihr Datum zu binden.

Jüdisches Zwangsarbeitslager Forst/Zasieki

Die Bundesarchiv/EVZ-Karte belegt ein Zwangsarbeitslager für jüdische Männer in Forst/Zasieki für den anerkannten Zeitraum Mai 1942 bis März 1943. Die Häftlinge arbeiteten im Munitionslager‑Heidelager. Der Katalog nennt die Variante „Schönost bei Forst“; sie wird ohne Vergleich der Ortsakten nicht automatisch mit „Scheuno‑Ost“ gleichgesetzt. Bundesarchiv/EVZ →

Arbeit für DSC Forst

Scholz nennt 36 tschechische Maurer, 95 Polen, 20 Kriegsgefangene beim Kabellegen sowie Arbeiten in Transport, Wasser- und Kanalbau. Franzosen fuhren Lokomotiven, Belgier arbeiteten an Walzwerken; deutsche Frauen und Ostarbeiterinnen schnitten Pulverstränge. Im März 1942 kamen 150 russische Zivilarbeiter nach Forst. Eine verlässliche Gesamtzahl der gesamten DSC-Belegschaft ist nicht überliefert.

Originaler Lagerausweis Scheuno-Ost mit der Aufschrift Werksküche
Lagerausweis Scheuno‑Ost. Lesung: „Bereitschaftslager Scheuno‑Ost über Forst (Lausitz) — Lagerausweis (Werksküche)“. Original aus der Sammlung der Fundacja Rokita.
Ausweis Werk Forst mit Häftlingsnummer und Kennzeichnung Stalag III B
Ausweis „Werk Forst“. Erkennbar sind die Nummer 43722, „III B“ und vermutlich der 1. Juli 1943. Nach Angabe des Eigentümers gehörte er einem polnischen Kriegsgefangenen des Stalag III B in Amtitz (Gębice), der im September 1939 gefangen genommen wurde. Das Kartendatum ist nicht das Gefangennahmedatum; der Name bleibt unlesbar.

Lebensbedingungen und Repression

Quellen berichten von bewachten Lagern, Wachhunden, überbelegten Räumen, ungleichen Essensrationen, getrennter medizinischer Versorgung, Kinderarbeit und Gestapo-Repression. Die Erfahrung unterschied sich je nach Gruppe und Zeitpunkt. Scholz ermittelte auf dem Hauptfriedhof 43 Bestattungen erwachsener Ausländer und mindestens fünf Kinder unter vier Jahren; bei vier Personen lautet die letzte Anschrift Lager Scheuno oder Heidelager. Nicht alle dürfen automatisch DSC zugeordnet werden.

Döbern: Melderegister, Polizei und Strafsachen

Die Arolsen Archives stellen Namenlisten und Schriftwechsel der Gemeinde Döbern/Niederlausitz (Sign. 10008955, 1939–1945) bereit. In der Hierarchie 1.2.2.1 sind ein Polizeibericht aus Forst und neun Einheiten zu Strafsachen von in Döbern registrierten Ausländern verzeichnet. Ohne Einzellektüre werden keine konkreten Delikte oder Strafen behauptet. Dokumenthierarchie →

Schreiben aus Frankfurt (Oder) — Verwaltungskontext

Schreiben der Abwehrstelle Frankfurt Oder vom 2. Juni 1942
Schreiben vom 2. Juni 1942. Das Original wurde auf dem Gelände der DSC gefunden. Auf Anordnung des Arbeitsamtes wurden 175 jüdische Arbeiter aus einer Bauabteilung an die Zellwollfabrik Küstrin abgegeben. Das Schreiben dokumentiert den administrativen Transfer von Arbeitskräften; es ist kein unmittelbarer Beleg für den Standort Scheuno‑Ost.

Quellen

Schema von Scheuno‑Ost und der DRK‑Schwesternschule

Rekonstruiertes Schema von Scheuno-Ost und der DRK-Schwesternschule
Rekonstruiertes Schema von Scheuno‑Ost und der DRK‑Schwesternschule (Deutsches Rotes Kreuz). Die Darstellung ist eine Autorenrekonstruktion und ordnet die erkannten Lagerbauten und das benachbarte Umfeld.

Zahlen mit Datum und räumlichem Bezug

Die Quellen zählen Verschiedenes: ausgegebene Kennkarten, Einwohner an einem Stichtag, Zuweisungen und den gesamten Arbeitsamtsbezirk Forst. 1940 wurden 1.525 Kennkarten ausgegeben, 1941 etwa 2.400 und bis November 1942 insgesamt 4.036. Dies sind keine gleichzeitig anwesenden Personen. Von November 1941 bis November 1942 kamen 1.363 russische Zivilarbeiter.

1.525Kennkarten 19404.036bis XI 19421.347Stichtag 1 XI 1942≥24Unterkünfte≥80Arbeitgeber/Institutionen

Arbeitsamtsbezirk Forst einschließlich Kreis Sorau

DatumAusländerdavon Ostarbeiter
30.09.19425.870—
31.03.194310.2743.419
30.06.194312.4734.175
31.12.194313.2713.946
30.06.194414.5564.689
30.09.194414.5384.356

Diese Werte gelten für den Arbeitsamtsbezirk und dürfen nicht als Stadtzahlen gelesen oder addiert werden. Für Forst selbst nennt Scholz für die späte Kriegsphase vorsichtig mindestens etwa 2.000 Ausländer.

Lager, Kommandos und Betriebe

Im Juli 1944 verzeichnete eine städtische Liste 162 italienische Militärinternierte, 35 sowjetische Kriegsgefangene und 258 Ostarbeiter. Genannt werden Hänselhalle, Hammer & Haebler, Gut Noßdorf, Keune, Rumsch & Hammer, Bahnmeisterei, Speer und Windhoff. Scheuno fehlt in dieser Momentaufnahme; sie ist deshalb nicht vollständig.

Kommando 438 in Sacro war im Saal des Gasthauses Woitke untergebracht und schwankte zwischen 27 und 65 Personen. Kommando 168 Simmersdorf lag an der Straße Forst–Döbern rechts der Bahnstrecke Richtung Jethe/Gahry. Der Kreis Sorau plante 1940 insgesamt 26 Kommandos für 1.079 Kriegsgefangene.

DSC Forst: Arbeitskräfte und konkrete Tätigkeiten

Im April 1940 fehlten dem Werk 885 Arbeitskräfte; im März 1941 wurden für den Heeresbau Scheuno sofort 560 benötigt. Belegt sind 36 tschechische Maurer, 95 Polen, 20 Kriegsgefangene beim Kabellegen, Franzosen an Werkslokomotiven, Belgier an Walzwerken, polnische Zivilarbeiter an Wasser- und Abwasserleitungen sowie Ostarbeiterinnen beim Schneiden von Pulversträngen. Im März 1942 kamen 150 russische Zivilarbeiter.

Im Oktober 1943 bat DSC um medizinische Betreuung durch die russische Ärztin Dr. Jantschewskaja zweimal wöchentlich. Sie wurde am 26. Juni 1944 verhaftet und am 7. Juli entlassen. Unterlagen über Milchzulagen für gefährliche Arbeit betreffen rund 300 Beschäftigte, ohne deren Herkunft vollständig auszuweisen.

Februar 1945

Am 17. Februar befanden sich noch mindestens 500 Ausländer in Forst. Die Küche war zeitweise geschlossen. Bei DSC wurden 800–1.000 Zentner Kartoffeln, im ehemaligen Lager der Betreuungshelferinnen etwa 2.000 Zentner beschlagnahmt. Belgier aus DSC mussten in Richtung Beeskow marschieren; Ostarbeiter blieben zunächst ohne organisierte Evakuierung.

Originaldokumente und Seiten der Studie von J. Scholz

Seite aus der Studie von J. Scholz: Zestawienie liczb i zakresów statystycznych / statistical overview
Seite aus der Studie von J. Scholz: Zestawienie liczb i zakresów statystycznych / statistical overview
Seite aus der Studie von J. Scholz: Dane o obozach i zatrudnieniu / camp and employment data
Seite aus der Studie von J. Scholz: Dane o obozach i zatrudnieniu / camp and employment data
Seite aus der Studie von J. Scholz: DSC Forst — robotnicy i zadania / workers and tasks
Seite aus der Studie von J. Scholz: DSC Forst — robotnicy i zadania / workers and tasks
Seite aus der Studie von J. Scholz: DSC Forst — dalszy ciąg dokumentacji / continuation
Seite aus der Studie von J. Scholz: DSC Forst — dalszy ciąg dokumentacji / continuation
Seite aus der Studie von J. Scholz: Materiały dotyczące końca wojny / late-war evidence
Seite aus der Studie von J. Scholz: Materiały dotyczące końca wojny / late-war evidence
Seite aus der Studie von J. Scholz: Artykuł Jürgena Scholza z fotografią pozostałości zakładu / article with site photograph
Seite aus der Studie von J. Scholz: Artykuł Jürgena Scholza z fotografią pozostałości zakładu / article with site photograph