Fundacja Rokita Startseite Gemeinde Brody kennenlernen Gemeinde Brody kennenlernen
DSC Forst „Wald“ · verborgenes Industrieerbe in der Natur
PL DE EN
f Folge uns auf Facebook

POL-Pulverproduktion im DSC-Werk Forst-Scheuno

Historische Rekonstruktion der POL-Pulverproduktion im DSC-Werk Forst-Scheuno nach dem G.E.O.S.-Gutachten von 1995: Oilberge, Rohmasse, Walzen, Formgebung, Trocknung und Kontrolle.

Regionalgeschichte · DSC Forst · POL-Pulverproduktion
Hauptquelle · 1995

Zuerst: Woher wissen wir das?

Grundlage dieser Seite ist das G.E.O.S.-Gutachten vom 30. November 1995. Die Bearbeiter kombinierten deutsche Archivunterlagen, militärische Akten, Luftbilder, Geländeaufnahmen und die frühere Rekonstruktion der Arbeitsgruppe um Johannes Preuß von 1994. Diese Vorarbeit ist heute in der offiziellen Bibliographie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz nachgewiesen: 141 Seiten, 36 Gebäudebeschreibungen und ein Plan im Maßstab 1:5000.

Die Auftragswege müssen getrennt werden: Die Rekonstruktion von 1994 wurde für G.E.O.S. Freiberg erstellt. Das hier ausgewertete G.E.O.S.-Gutachten von 1995 entstand dagegen im Auftrag der brandenburgischen Landesverwaltung.

Keine einzelne Halle, sondern eine Kette verteilter Bereiche

In beiden Werksteilen wiederholten sich ähnliche Funktionsgruppen. Gefährliche Arbeitsschritte lagen in getrennten Gebäuden, Wällen und Sicherheitszonen. Straßen, Gleise, Wasser-, Energie- und technische Leitungsnetze verbanden die weit auseinanderliegenden Produktionsbereiche.

Schematische Darstellung der acht Hauptphasen der POL-Pulverproduktion
Vereinfachte eigene Grafik. Sie zeigt Funktionsfolgen, keine Betriebsparameter.

Von der Nitrocellulose zur Rohmasse

Quellenbefund

Nitrocellulose

Das Gutachten beschreibt Nitrocellulose als angelieferten Rohstoff, der im Werk vor der Weiterverarbeitung zerkleinert, homogenisiert und hinsichtlich seiner Feuchte kontrolliert wurde. Diese vorbereitenden Arbeiten waren räumlich von Mischen und Kneten getrennt.

Befund + G.E.O.S.-Rekonstruktion

Oilberge und NGL-Zwischenprodukt

Vier Anlagenkomplexe werden in den Unterlagen als „Nitro Hills“ bzw. „Ölberge“ bezeichnet; auf der Fundacja-Seite verwenden wir die Bezeichnung Oilberge. Hier entstand ein flüssiges energetisches Zwischenprodukt für die POL-Produktion. Im Verlauf des Krieges wurden Teile der Anlagen an eine alternative Rohstoffbasis derselben technologischen Gruppe angepasst.

Der interne Ablauf dieser Anlagen wurde von G.E.O.S. zum Teil analogisch rekonstruiert. Für die Geländelesung ist daher vor allem ihre Funktion als mehrstufige, räumlich getrennte Produktionsgruppe entscheidend.

Mischen, Kneten und Walzen

Mischen

Vorbereitete Nitrocellulose wurde in eigenen Mischhäusern mit dem flüssigen Zwischenprodukt und technologischen Zusätzen zu einer möglichst homogenen Rohmasse verarbeitet.

Kneten

Die nächste Stufe diente der weiteren Homogenisierung und Qualitätskontrolle der Chargen. G.E.O.S. identifiziert dafür eigene Gebäude.

Walzen

Die Masse wurde zunächst vorgewalzt und anschließend feiner gewalzt. Dabei wurde Wasser vermindert, das Material verdichtet und zu Bändern für die weitere Formgebung vorbereitet.

94 von G.E.O.S. erfasste Vorwalzmaschinen
26 Walzen für die weitere Feinbearbeitung
2 Werksteile mit wiederkehrenden Produktionsblöcken

Zwei Hauptwege der Formgebung

Rekonstruktion mit hoher Plausibilität

Blättchenpulver

Nach dem Walzen folgten Schneiden und Ausstanzen, danach Chargenmischen, Sortieren, Oberflächenbehandlung, Sieben und Entstauben. G.E.O.S. konnte einige Gebäude für Schneiden und Stanzen in Forst nicht eindeutig bestimmen; diese Ortszuweisungen werden deshalb nicht als sicher dargestellt.

Quellenbefund

Röhrenpulver und Pressen

Der zweite Weg führte über Pressen, anschließendes Mischen der Chargen und Trocknung. Das Gutachten identifiziert größere Pressengruppen und separate Trocknerbereiche. In der Zusammenfassung erscheinen außerdem weitere Produktformen, darunter Stangenpulver und Raketenpresslinge.

Qualitätskontrolle endete nicht beim Verpacken

Labor

Das Werk besaß ein eigenes Labor. G.E.O.S. verbindet es mit der Untersuchung von Zwischenprodukten und mit dem System der Pulverprüfung.

Werksschießstand

Zum Komplex gehörte auch ein Versuchsschießstand. Dort wurden sicherheits- und leistungsbezogene Prüfungen vorgenommen. Das Gutachten beschreibt dafür eigene Labor-, Mess- und Versorgungsgebäude.

Maßstab: 38.526 Tonnen in der überlieferten Übersicht

Tabelle 17 des G.E.O.S.-Gutachtens zeigt den deutlichen Produktionsanstieg. Von rund 3,3 Tausend Tonnen 1941/42 stieg die durchschnittliche Monatsleistung in einem Teil des Jahres 1944 auf über 1,3 Tausend Tonnen. Die Summe der ausgewiesenen Perioden beträgt 38.526 Tonnen.

Diagramm der POL-Pulverproduktion im DSC-Werk Forst 1941 bis Anfang 1945
Werte aus Tabelle 17 des G.E.O.S.-Gutachtens. Die Perioden sind unterschiedlich lang; die Monatsmittel stehen unter den Balken.

Die unsichtbare Infrastruktur

Säuren und HOKO

Verbrauchte Säuregemische wurden in getrennte Reinigungs- und Rückgewinnungsbereiche geführt. Der HOKO-Komplex war Teil dieser Säurewirtschaft und später auch für die Altlastenbewertung wichtig.

Wasser und Energie

Beide Werksteile besaßen eigene Energieversorgung. Das Wassersystem stützte sich auf 28 in den Unterlagen dokumentierte Brunnen.

Transport

Werkbahn, Straßen, Rampen und interner Transport verbanden die räumlich getrennten Bereiche zu einem funktionierenden Gesamtwerk.

Produktion bedeutete auch Arbeit unter Zwang

Die von G.E.O.S. zitierten Kriegsunterlagen dokumentieren bereits während der Inbetriebnahme Personalmangel sowie den Einsatz ausländischer Arbeitskräfte und Kriegsgefangener. Die technische Rekonstruktion darf diesen Teil der Rüstungswirtschaft nicht ausblenden; die Fundacja behandelt ihn in gesonderten Beiträgen ausführlicher.

Was ist sicher - und was rekonstruiert?

Grafik zur Unterscheidung von Quellenbefund, Rekonstruktion und Kontext
Die Grafik ist polnisch beschriftet; die drei Kategorien entsprechen Quellenbefund, Rekonstruktion und äußerem Kontext.

Quellenbefund

Funktionsstruktur, Oilberge, Walzwerke, Pressen, Trockner, Labor, Schießstand, HOKO, Infrastruktur und Produktionszahlen sind direkt in der von G.E.O.S. ausgewerteten Dokumentation verankert.

Rekonstruktion

Ein Teil der detaillierten Prozessfolge und einzelne Gebäudezuweisungen wurden von G.E.O.S. aus Analogien zu anderen DSC/WASAG-Werken abgeleitet.

Äußerer Kontext

JGU Mainz, Bundesarchiv, das Staatsarchiv Zielona Góra und das Landesarchiv Sachsen-Anhalt bestätigen Werk, Unternehmensnetz und Forschungskontext, aber nicht jedes verfahrenstechnische Detail von Forst.

Quellen und Verifikation

Die Seite trennt belegte Angaben, die G.E.O.S.-Rekonstruktion und äußeren Vergleichskontext. Externen Quellen werden keine Details zugeschrieben, die sie nicht selbst dokumentieren.

G.E.O.S. Ingenieurgesellschaft mbH, „Ekspertyza dotycząca obiektu: Zakłady przemysłu zbrojeniowego - Fabryka amunicji i materiałów wybuchowych Forst”, Berlin/Hennigsdorf, 30.11.1995. Hauptquelle für Forst-Scheuno, insbesondere Kapitel 4.4 und Tabelle 17. Öffnen →
Johannes Gutenberg-Universität Mainz - bibliografia Johannesa Preußa. Bestätigt die unveröffentlichte Forst-Rekonstruktion von 1994: 141 Seiten, 38 Tabellen, 12 Abbildungen, 36 Gebäudebeschreibungen und einen Plan 1:5000; Auftraggeber war GEOS Freiberg. Öffnen →
Archiwum Państwowe w Zielonej Górze, zespół 89/1299/0. Bestätigt das Werk in Zasieki als Zweigwerk der Deutsche Sprengchemie sowie die Beziehung DSC–WASAG/Dynamit AG–MONTAN; der Bestand enthält vor allem Werksausweise. Öffnen →
Bundesarchiv, BArch R 8135/7252 - Deutsche Sprengchemie GmbH, Berlin: Bd. 3. Der Jahresabschluss nennt Forst unter den DSC-Zweigwerken; dies ist eine Organisationsquelle, keine technische Betriebsanweisung. Öffnen →
Landesarchiv Sachsen-Anhalt, I 417 WASAG Coswig, 1914-1947. Kontekst historii i zasobu archiwalnego WASAG. Öffnen →
HLNUG, Handbuch Altlasten, Band 4: Rüstungsaltstandorte, Teil 1-2 (1996). Bestätigt die historisch-beschreibende Methode zur Rekonstruktion ehemaliger Rüstungsstandorte und die Nutzung von Unterlagen zu historischen Produktionsverfahren. Öffnen →

Fotografisch belegte Maschinen

Source document or photograph
Walzwerk mit Berieselungsanlage und Fotozelle — vollständige Originalaufnahme.
Source document or photograph
Walzwerk: Material aus dem Bestand der Fundacja Rokita.
Source document or photograph
Knetmaschine: Material aus dem Bestand der Fundacja Rokita.